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College Football trotz Corona: Welche Möglichkeiten gibt es?

Von Johannes Ninow
Sehen wir Clemson-Star-Quarterback Trevor Lawrence nochmals auf dem College-Football-Feld?

Ein Ende der Corona-Pandemie ist vor allem in den USA derzeit nicht in Sicht und gefährdet damit auch die College-Football-Saison. Eine Quarantäne-Bubble wie in der NBA ist im Football keine Lösung. Wie kann der Samstag im Herbst vielleicht doch noch gerettet werden?

Normalerweise hätten College-Coaches über die vergangenen Wochen ihre Spieler mit Mat-Drills und im Kraftraum körperlich maximal fit gemacht, um jetzt mit Vollgas in das Fall Camp zur Vorbereitung auf die College-Saison zu starten. Doch 2020 ist bekanntermaßen alles anders.

Lange mussten die Universitäten wegen der Corona-Pandemie ihre Sportanlagen geschlossen halten. Mitte Juli wurden immerhin organisierte Workouts wieder erlaubt, seit Freitag dürfen die Teams 20 Stunden pro Woche für Krafttraining, Meetings und Walk-Throughs ansetzen. Der Beginn der Fall Camps ist derzeit für den 6. August angesetzt.

Doch mehrere Teams, darunter auch Vizemeister Clemson, mussten ihre Workouts wegen eines Corona-Ausbruchs bereits unterbrechen. Michigan States gesamtes Team sitzt derzeit sogar in einer 14-tägigen Quarantäne.

Wie soll da eine ganze Saison gespielt werden können? Spiele vor bis zu 100.000 Fans in den Stadien wird es in der kommenden Saison mit Sicherheit nicht geben. Wird es jedoch zumindest eine Saison ohne Fans geben können?

College Football - Conference-beschränkter Schedule: Die sicherste Option

Alles schaut erst einmal auf die fünf großen Conferences SEC, ACC, Big 12, Big 10 und Pac 12. Egal wann und wo gespielt werden soll, die Teams müssen sich vorher auf ein Hygiene-Konzept einigen.

Die Big 10 und Pac 12 haben bereits angekündigt, nur innerhalb ihrer Conference spielen zu wollen. Der Grund für den "Conference-only" Weg ist simpel: Innerhalb einer Conference haben die Teams einigermaßen gleiche infrastrukturelle, medizinische und vor allem finanzielle Voraussetzungen und sollten sich dadurch auf ein gemeinsames Konzept einigen können. Die ACC könnte noch in dieser Woche einen Modell-Spielplan präsentieren, spekuliert wird über acht beziehungsweise zehn Partien, plus ein Spiel außerhalb der Conference.

Schon in den nächst-tieferen Conferences (Group of Five) können nur die wenigsten Teams vergleichbare Rahmenbedingungen bieten. Ganz zu schweigen von FBS-Colleges, von denen mindestens eines auf fast jedem Power-5-Schedule auftaucht. Gar ein Gesamthygienekonzept für alle College-Teams ist undenkbar.

Ein weiterer Vorteil eines solchen Spielplans wären die deutlich gekürzten Reiseentfernungen, da die Conferences größtenteils regional aufgeteilt sind. Gleiche Hygienegrundlagen und geringerer Reisestress machen diesen Weg zur vermeintlich sichersten Option, die Saison im Herbst durchzuführen.

College Football: Saison auf den Frühling verschieben?

Sollte sich die Lage in den USA noch weiter verschlimmern, ist eine Verschiebung der Saison in den Frühling ebenfalls eine Überlegung. Als erste Conference kündigte die Ivy League - die Liga der alten Elite-Colleges im Nordosten der USA wie etwa Harvard, Yale oder Princeton - jetzt schon an, im Herbst keinen Sport zuzulassen. Die Ivy League hatte bereits im Frühling mit der Streichung ihrer Basketball-Turniere eine Vorreiterrolle, der alle anderen Conferences gefolgt waren.

Ob die Saison im kommenden Frühling nachgeholt wird, will die Ivy League noch entscheiden. Einen Schritt weiter ist da die SWAC Conference, eine FCS Conference, die als erste Conference angekündigt hat, ihre Saison in den Frühling zu verschieben. All das sind allerdings auch kleinere Conferences, in denen es um signifikant weniger Geld oder Stipendien geht als an der Spitze des College-Sports.

Fakt ist deshalb auch, dass für die großen Power-5-Conferences eine Verschiebung der Saison in den Frühling erst die letzte Option ist. Denn keiner weiß, wie ihre Kader überhaupt im Frühling aussehen würden.

Warum sollten Star-Spieler wie Trevor Lawrence, Justin Fields, Micah Parsons oder DeVonta Smith im Frühling spielen, kurz bevor oder sogar während sie Top-10 Picks im NFL Draft sein werden? Viele der Top-NFL-Prospects würden eine solche Saison wohl wie die Bowl Games am Ende jeder Saison behandeln und einfach aussetzen. Auf dem Highschool-Level kann man dies auch schon beobachten.

Unter anderem wurde in Kalifornien die Football-Saison in den Frühling verschoben. Fast alle Top-Recruits haben deshalb angekündigt, das Early Enrollment Fenster im Januar nutzen zu wollen, um so früh wie möglich ihre College-Karriere zu starten und werden damit ihre Senior-Saison auf der High School komplett verpassen. Eine College-Saison ohne ihre größten Stars wollen alle Involvierten möglichst vermeiden.

College Football und Corona: Darum könnte die NFL profitieren

Die NFL beobachtet diese Entwicklungen ganz genau. Ein Conference-interner Spielplan würde den Scouts noch besser zeigen, wer gegen ähnlich starke Gegner wirklich heraussticht. Sollten die kleineren Conferences erst im Frühling spielen, zeitgleich zum gesamten Draft-Prozess, könnten einige gut gehütete Geheimnisse eine viel größere Öffentlichkeit finden und damit den Supplemental Draft im Sommer zum Mini-Spektakel machen.

Sollte die gesamte College-Saison in den Frühling verschoben werden, könnten sich die NFL-Teams auf College-Stars freuen, die eine ganze Saison weniger in den Knochen haben und dementsprechend gesund und ausgeruht ihre NFL-Karriere starten können.

Außerdem würden jüngere Spieler aus der zweiten Reihe deutlich mehr Snaps bekommen, wodurch deren Evaluierung leichter würde. Aber am wichtigsten: Die NFL, sofern sie denn spielen darf, wäre der absolute Sport-König im Herbst und könnte mit Samstagsspielen Unsummen an TV-Geldern generieren, die womöglich fast schon die fehlenden Zuschauereinnahmen kompensieren könnten.

Der Nachteil liegt jedoch ebenfalls auf der Hand: NFL-Teams würde dann eine kritische Saison in der Evaluierung der Draft-Prospects fehlen. Der Draft, der ohnehin bereits nicht gerade eine hohe Trefferquote mitbringt, würde so zu einer noch größeren Glückssache.

College Football - Power Five: Hauptsache kein gemeinsamer Weg

Ende Juli wollen SEC, ACC und Big 12 ihre Pläne verkünden. Dabei scheint jede Power-5-Conference einen eigenen Weg gehen zu wollen. Conference-intern, Conference-intern plus ein externes Spiel, Conference-intern mit Hin- und Rückspiel - diverse Kombinationen werden als Optionen gehandelt.

Darüber hinaus gibt es auch noch die Independents, die keiner Conference zugehören. Allen voran Notre Dame, deren Spiele gegen Wisconsin, USC und Stanford bereits abgesagt wurden.

Die Fighting Irish werden sich wahrscheinlich temporär in die ACC (alle anderen Sportarten Notre Dames wie Basketball sind bereits festes Mitglied der ACC) eingliedern. Angeblich dürfen sie sogar um die ACC Championship kämpfen.

Die Big 12 will am liebsten ihren regulären Spielplan einfach durchziehen. Oklahomas Saisonstart gegen Missouri State (MVFC Conference) wurde sogar um eine Woche vorverlegt. Damit wären vor dem geplanten Duell gegen SEC-Team Tennessee zwei Wochen Zeit, falls das Team in Quarantäne müsste. Die Entscheidungsträger priorisieren damit jedoch ganz offensichtlich ihre finanziellen Interessen über der Gesundheit der Spieler.

College Football 2020: Wer spielt dann die Playoffs?

Die letzte große Frage - sofern man sich auf Spielpläne und Hygienekonzepte einigen kann - wird dann die Bestimmung der Playoffteams sein. Die unterschiedlichen Spielpläne der verschiedenen Conferences werden die Auswahl besonders schwierig machen. Sollten es zu einer Verkürzung der Saison kommen, könnte dies als Vorwand für eine Erweiterung der Playoffs genutzt werden. Es ist ohnehin der große Wunsch der Commissioners, das Playoff-Teilnehmerfeld auf acht Teams zu erweitern, damit von jeder Conference mindestens ein Team dabei ist.

Auch von der Group of Five würde es dafür starke Unterstützung geben, denn dann hätten auch sie realistische Chancen auf die Playoffs. Das wäre für sie wiederum ein großer Anreiz, ihre Saison auch im Herbst irgendwie zu spielen.

Klar ist: Es wird eine ganz besondere Saison im College Football werden. Bereits lange erwartete Kracher-Duelle wie USC gegen Alabama oder Ohio State gegen Oregon werden ausfallen - mehr Spiele innerhalb der Conference würden jedoch auch neue Chancen bieten. Alabama gegen Florida, Clemson gegen Miami oder Michigan gegen Nebraska könnten uns erwarten.

Gleichzeitig muss man als Fan aber auch Angst haben. Eine zu aggressiv gestartete Saison im Herbst könnte genauso aggressiv wieder abgebrochen werden müssen. Ein Restart im Frühling wäre dann äußerst unwahrscheinlich.

Für Fans heißt es letztlich: Daumen drücken. Vielleicht wird ein sicherer, gemeinsamer Weg doch noch gefunden.

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