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NFL: Nach Aussagen von Trump und Goodell - Wohin passt Colin Kaepernick am besten?

Colin Kaepernick spielte zuletzt in der Saison 2016 in der NFL.

Colin Kaepernick ist nach der Kursänderung der NFL hin zum Kampf gegen Rassismus, soziale Ungerechtigkeit und Polizeigewalt gegen Afroamerikaner wieder in den Fokus gerückt. Selbst Commissioner Roger Goodell und US-Präsident Donald Trump sprachen sich für eine Rückkehr des Quarterbacks in die Liga aus. Doch wo ist Platz für ihn? Für welche Teams ergibt eine Kaepernick-Verpflichtung sportlich Sinn?

Die politische Lage in den USA hat sich seit dem Tod von George Floyd merklich verändert. Die Black-Lives-Matter-Bewegung wird seither in einem ganz anderen Licht betrachtet und derjenige, der wohl als erster auf großer Bühne auf Polizeigewalt gegen Afroamerikaner in den USA aufmerksam machte, Quarterback Colin Kaepernick, ist wieder mehr im Gespräch.

Nachdem sich nun sowohl NFL Commissioner Roger Goodell als auch US-Präsident Donald Trump mehr oder weniger positiv für eine Rückkehr Kaepernicks ausgesprochen haben, ist vielleicht die Zeit gekommen, ihn unter Vertrag zu nehmen. Doch bei welchen Teams würde Kaepernick sportlich überhaupt reinpassen? Ein Überblick.

Arizona Cardinals

Wer steht mehr für offensive Innovation als Cardinals-Head-Coach Kliff Kingsbury? Alleine deswegen wäre Kaepernick hier sicherlich eine Bereicherung. Kyler Murray ist der klare Starter des Teams, doch vom Stil her wäre Kaepernick ein ähnlicher, sogar für mögliche Scrambles robusterer Spielertyp. Einer, der mehr oder minder perfekt ins System passen könnte.

Kaepernick wäre für ein Jahr unter Kingsbury vielleicht sogar über die sportliche Chance hinaus dankbar, denn unter ihm könnte er sein Spiel in aller Ruhe verbessern und verfeinern. Kaepernick zeigte in seiner bisherigen Zeit in der NFL bislang nur eine Seite: In der Read-Option als mobiler QB mit starkem Arm. Doch Kingsbury könnte gerade sein Kurzpassspiel noch verbessern und ihm dabei helfen, das Feld schneller und umfangreicher zu scannen, als das bislang von ihm verlangt wurde. Und es würde auch keiner verlangen, dass sich Kaepernick zuvorderst in der Pocket aufhalten solle.

Kaepernick könnte Arizona als Backup mehr Qualität im QB-Room verleihen als der bisherige Backup Brett Hundley, zudem wäre er auch ein klares Upgrade über die unbeschriebenen Blätter Drew Anderson und Chris Streveler, die per se eher als Camp-Bodys und Practice-Squad-Kandidaten anmuten.

Baltimore Ravens

Teameigner Steve Bisciotti hat erst kürzlich betont, dass er seine Spieler unterstützen werde, sollten diese sich dazu entschließen, in der kommenden Saison für mehr soziale Gerechtigkeit zu protestieren. Um dies nachhaltig zu unterstreichen, wäre eine Verpflichtung Kaepernicks, das Vorbild der Bewegung in der NFL, sicher das beste Zeichen.

Abgesehen davon würde Kaepernick aber auch rein sportlich Sinn ergeben für die Ravens, deren Spielsystem unter Offensive Coordinator Greg Roman klar aufs Laufspiel und einen athletischen, mobilen Quarterback ausgelegt ist. Mit Lamar Jackson brachte er mit seiner Offense sogar den MVP hervor.

Kaepernick wiederum wäre nicht nur der ideale Backup für Jackson mit seinen Fähigkeiten, er ist gewissermaßen sogar der Prototyp fürs Romans Ideen. Roman coachte Kaepernick nämlich bereits in dessen Blütezeit bei den San Francisco 49ers im Jahr 2012, als das Team aus der Bay Area erstmals seit den 90er Jahren wieder den Super Bowl erreichte - und kurioserweise gegen die Ravens verlor. Kaepernick ist ein Top-Athlet und mit seiner Statur sogar robuster als etwa Robert Griffin III oder Todd McSorley, die beide aktuell als Backups von Jackson in Baltimore beschäftigt sind.

Macht das die Ravens zum idealen Team für Kaepernick? Rein sportlich sicherlich, zumal er auf sehr gute Nebenleute stieße und unzweifelhaft - und nachweislich - ins System passen würde.

Buffalo Bills

Nicht weniger sinnvoll wäre allerdings auch ein Engagement bei den Bills. Auch sie setzen auf einen mobilen Quarterback in Josh Allen. Auch sie setzen auf ein System, das sehr viel auf Option-Spielzügen basiert. Kaepernick war einer derer, die seinerzeit in San Francisco die Read-Option in der NFL salonfähig machten. Von der Read-Option zur Run Pass Option ist der Weg nicht weit. Letzteres ist ein gern genutztes Mittel in der heutigen NFL und auch in Buffalo.

Hinzu kommt, dass die Bills über ein paar richtig schnelle Receiver verfügen. John Brown ist da ein Name, der erwähnenswert ist. Und Stefon Diggs hat auch keine Probleme mit Deep Balls.

Kaepernicks Armstärke ist weithin bekannt, ebenso seine Mobilität. Dass er auch in seiner besten Zeit nie ein herausragender Pocket-Passer war, spielt dagegen in Buffalo keine allzu große Rolle - auch Allen ist nicht unbedingt jemand, der am produktivsten ist, wenn er in der Pocket verharrt.

Das aber wohl beste Argument für Kaepernick in Buffalo wäre das vorhandene Personal hinter Allen. Mit Matt Barkley steht ein eher uninspirierter Backup parat, der im Zweifel keine allzu große Hoffnung entfacht. Davis Webb steht noch im Kader, ebenso Rookie Jake Fromm, doch gerade Letzterer ist ein klassischer Pocket-Passer, für den die Offense deutlich verändert werden müsste.

Carolina Panthers

Aus Charlotte ist zu hören, dass sich die Organisation unter ihrem neuen Besitzer David Tepper zu 180 Grad in Sachen sozialer Gerechtigkeit und Weltoffenheit gedreht habe. Vorgänger Jerry Richardson und seine Statue vor dem Bank of America Stadium sind weg, damit auch das größte Hindernis für einen Kaepernick, sich dieser Organisation anzuschließen.

Die Panthers starten in diesen Tagen ohnehin einen kompletten Neuanfang und haben sicherlich noch Raum für einen weiteren erfahrenen Quarterback. Starter ist sicher Neuzugang Teddy Bridgewater, doch hinter ihm scheint viel Raum zu sein für Verbesserungen. Der letztjährige Rookie Will Grier zeigte bislang nicht, wirklich bereit zu sein für die schwere Aufgabe NFL und P.J. Walker überzeugte bislang lediglich in der sportlich fragwürdigen XFL.

Im Prinzip könnte man sogar argumentieren, dass Kaepernick es sportlich mit Bridgewater aufnehmen könnte, zumal dieser sich in seiner Karriere eher als mobiler Game-Manager hervortat denn als Quarterback, mit dem eine aggressive Offense gelaufen werden könnte. Kaum jemand warf zuletzt im Schnitt kürzere Pässe als er. Allerdings passt eben jener Ansatz zur Offense dieses Teams mit Herzstück Christian McCaffrey im Backfield.

Mit Kaepernick allerdings könnte Rookie-Head-Coach Matt Rhule womöglich seinen Run-First-Ansatz noch weiter vertiefen und Read-Option-Plays implementieren, die mit Bridgewater eher nicht möglich sind.

Zweifelsohne sind das nur Gedankenspiele, denn Bridgewaters Vertrag verbietet es, ihn zumindest kurzfristig infrage zu stellen.

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