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NFL-Legende John Madden: Ein Leben für den Football

John Madden führte die Oakland Raiders zu ihrem ersten Super-Bowl-Triumph.

John Madden: Steelers als jahrelanger Stolperstein

Überhaupt waren es immer wieder die Steelers, die ihnen im Wege standen. Von 1972 bis 1975 waren sie es dreimal, die Oakland ultimativ besiegten. Umso wohltuender dürfte es also 1976 gewesen sein, dass die Raiders nicht nur erstmals unter Madden den Super Bowl erreichten, sondern dies auch noch mit einem Sieg über Pittsburgh (24:7) schafften. Super Bowl XI im Anschluss war dann ein Kantersieg (32:14) über die Minnesota Vikings. Die Krönung für Madden in der NFL.

Und gewissermaßen der Anfang vom Ende. Madden coachte noch zwei weitere Jahre und beendete dann seine Karriere. Neben gesundheitlichen Problemen jedoch nannte er vor allem die fehlende Motivation als Grund für das Ende. Nachdem er solange dem großen Triumph hinterhergeeilt war und diesen dann erreichte, gab es für ihn schlicht kein höheres Ziel mehr. "Ich habe einfach nichts mehr im Tank. Ich werde nie wieder coachen", erklärte Madden nach der Saison 1978. Und hielt sich an seine Worte.

"Ich bin der glücklichste Mensch auf der Welt. Ich war mein ganzes Leben über im Football", sagte Madden in "A Football Life" und umriss damit seine ganze Karriere, die im Grunde seit der High-School-Zeit nahtlos von Karriere zu Karriere voranschritt.

Direkt nach der Coaching-Karriere ging es für Madden in die Kommentatorenkabine und nach etwas holprigem Start etablierte er sich zum Top-Experten des Networks CBS an der Seite von Play-by-Play-Kommentator Pat Summerall, der in den 50er Jahren selbst als Kicker in der NFL aktiv war. Von 1981 bis 2001 bildeten beide das Top-Kommentatoren-Duo zunächst für CBS und anschließend FOX. Zusammen präsentierten die beiden acht Super Bowls.

Madden wechselte im Anschluss zu ABC und schließlich NBC, wo er mit Al Michaels drei weitere Super Bowls kommentierte. Madden ist damit auch der erste Experte, der für vier große Networks gearbeitet hat.

John Madden: Wortschöpfungen als Markenzeichen

Ehe Madden mit Super Bowl XLIII zwischen den Steelers und Cardinals abtrat und auch dieses Kapitel seines Football-Lebens beendete, verzückte er das Publikum mit seiner Jedermann-Attidüte. Er erklärte dem TV-Zuschauer das Spiel auf eine Weise, die so zuvor nicht bekannt war.

Madden, der immer wieder mit seinen Wortschöpfungen wie "Boom", "Whap", "Wham" oder "Doink" auffiel, versprühte einen Enthusiasmus, der seinesgleichen suchte. Und er machte den sogenannten Telestrator, das Tool, um auf dem Bildschirm zu zeichnen, um etwa Spielzüge zu illustrieren, salonfähig. Heutzutage ist dies Standard, doch Madden war im Grunde der erste, der diese Technik nutzte.

Dass er auf seine Aufnahme in die Hall of Fame fast 30 Jahre warten musste, mag zwar unverständlich erscheinen, da er in seinen zehn Jahren bei den Raiders stets herausragte und sogar die wenigsten Spiele überhaupt für 100 Siege brauchte. Doch eine durchaus verständliche Enttäuschung darüber ließ er sich zumindest mal nicht anmerken.

Vielmehr betonte er stolz, dass ihm dies keiner mehr nehmen könne. Madden ließ am Rande der Zeremonie seiner Phantasie freien Lauf und bekundete: "Nachdem alle Besucher nach Hause gegangen sind und der Letzte die Tür zumacht, glaube ich, dass die Büsten anfangen miteinander zu reden."

"John Madden Football"

Den wohl nachhaltigsten Eindruck hinterließ Madden jedoch zweifelsohne mit seiner Arbeit mit dem Videospielgiganten EA Sports. Seit Mitte der 80er Jahre war Madden bereits in die Entwicklung eines Football-Videospiels involviert. 1988 kam schließlich "John Madden Football" auf den Markt.

Im Laufe der Zeit war der einstige Coach dann sowohl als Berater für die Weiterentwicklung beteiligt als auch als Gesicht, Namensgeber und Kommentator der Spielreihe. Mittlerweile hört der Spieler Madden nicht mehr, aber sein Name ziert das Spiel weiterhin - im Übrigen bis mindestens 2026 sogar exklusiv, wie die NFL kürzlich beschloss.

Mit seinem Stil als Kommentator, mit seiner unkonventionellen Art und in seiner Rolle als Galionsfigur für die Football-Videospielwelt hat Madden maßgeblich die Art und Weise, wie wir Football heute konsumieren, verändert und nachhaltig beeinflusst.

John Madden: Flugangst führt zum Madden-Cruiser

Doch was machte John Madden, der auch im Jahr 2020 im Alter von 84 Jahren noch jedes Football-Spiel in seinem Produktionsbüro in Kalifornien schaute und bis zu seinem Tod im Dezember 2021 das NFL Competition Committee berät, letztlich sowohl bei Spielern, als auch Kollegen und Fans so beliebt? Vieles deutet auf seine authentische Art hin. Seine früheren Spieler sagen unisono, dass Madden von Anfang an darum bemüht war, ein Motto vorzuleben: "Sei du selbst."

Er verzichtete auf Dresscodes und schaffte aus seiner Sicht unnötige Teamregeln bei den Raiders ab. "Eine Krawatte in einem Flugzeug zu tragen hat noch nie zu einem Sieg geführt", betonte Madden. Und er selbst war stets bemüht, seinen Mitmenschen nichts vorzumachen, sondern eben er selbst zu sein. Dies führte er dann auch in seinen anderen Karrieren fort.

Zu seinem Markenzeichen indes wurde auch seine Flugangst. Madden war bekannt dafür, während seiner TV-Karriere das Flugzeug wie der Teufel des Weihwasser zu meiden. Anfangs fuhr er per Zug zu den Spielen, ab Ende der 80er Jahre dann sattelte er auf Greyhound-Busse um, die prompt zum "Madden Cruiser" wurden.

Der größte Vorteil dabei: Er konnte das Land sehen. Er konnte die Natur genießen, familiäre Restaurants besuchen und Kontakt zu den Leuten aufnehmen. Auch das ist Madden: Ein offener Mensch, der allerdings auch seine Privatsphäre genießt. Viele persönliche Details sind nicht bekannt über ihn. Lediglich seine öffentliche Person, die sich großer Beliebtheit erfreut.

Und das auch noch über 40 Jahre nach seinem letzten Spiel als Coach oder zwölf nach seinem letzten großen TV-Einsatz.

John Madden ist am Dienstagmorgen verstorben. Er hinterlässt seine Frau Virginia Fields sowie zwei erwachsene Söhne, Joseph und Michael.

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