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NFL

Buccaneers, Barkley, Baker - die Gewinner und Verlierer der Offseason

SPOX zieht ein erstes Zwischenfazit: Wo sind die Gewinner und Verlierer der bisherigen Offseason?

Der Draft ist vorbei, die Free Agency abgesehen von einigen großen Namen im Kern ebenfalls - was bleibt? SPOX-Redakteur Adrian Franke nennt seine Gewinner und Verlierer der bisherigen Offseason.

NFL Offseason: Gewinner

Tampa Bay Buccaneers

Zumindest eine glanzvollere Offseason als das, was die Bucs dieses Jahr hingelegt haben, kann man kaum haben. Tom Brady und Rob Gronkowski verpflichtet, den Starting-Tackle, den man dringend brauchte mit dem Athletik-Freak-Prospect Tristan Wirfs im Draft gefunden, die Defense-Stars Shaquil Barrett, Pierre-Paul und Suh gehalten - und obendrauf noch in (Slot-)Receiver Tyler Johnson in Runde 5 womöglich einen der Steals dieses Drafts gelandet.

Der Kritikpunkt ist offensichtlich: Alles ist auf das kurzfristige Titelfenster ausgelegt. Brady wird nicht mehr lange spielen, Gronk kommt für einen finalen Run mit Brady aus dem Ruhestand zurück und auch Head Coach Bruce Arians ist im Spätherbst seiner Coaching-Karriere. Und es gilt auch zu berücksichtigen, dass Arians und Brady in einer schwierigen Offseason auf eine Wellenlänge kommen müssen.

Aber Tampa Bay hat sich mit dieser Offseason in jedem Fall auf den Liga-Radar gespielt und riesige Erwartungen geschürt. Die Bucs haben fünf Primetime-Spiele und das Duell zwischen Brady und Brees dürfte schon jetzt das Woche-1-Spiel sein, auf das mit die meisten neutralen Beobachter hinfiebern.

Wird das alles auch so funktionieren, wie es jetzt glitzert? Darüber kann man über die kommenden vier Monate hervorragend diskutieren. Klar ist aber, dass die Buccaneers mit höchster Aggressivität ein Titelfenster aufgestoßen haben, das es andernfalls unter Arians vermutlich nicht mehr gegeben hätte. Tampa Bay ist mit Blick auf die kommende Saison das spannendste Team und hatte in jedem Fall eine spektakuläre Offseason.

Cincinnati Bengals

"Spektakulär" ist vermutlich nicht das richtige Wort für die Bengals-Offseason, oder für die Bengals-Franchise generell. Womöglich aber ist die diesjährige Offseason der Beginn des Versuchs, das zu ändern.

Mit Joe Burrow hat Cincinnati nicht nur einen hochtalentierten Quarterback bekommen - Burrow ist auch ein Spieler mit einer gewissen Aura, mit Ausstrahlung, mit Schneid. Natürlich muss sich das auch in sportliche Erfolge übertragen, andernfalls sind all die anderen Aspekte letztlich für die Bengals wertlos. Aber für eine notorisch konservative Franchise ist Burrow die beste Chance seit sehr langer Zeit, um sich ein neues Image zuzulegen.

Schlägt Burrow ein, wird Cincinnati ein attraktives Ziel für Free Agents und auch für TV-Sender - und dass Cincinnati bereits vor dem Draft in der Free Agency ungewöhnlich aktiv war und sich defensiv deutlich verbesserte, dürfte der Fan-Base zusätzliche Hoffnung geben. Die Bengals haben im Idealfall allen voran mit Burrow und Tee Higgins die Tür zur Zukunft der Franchise aufgestoßen.

Kyler Murray, Quarterback - Arizona Cardinals

Murray kam letztes Jahr als Nummer-1-Pick in das schwächste Team der Liga sowie vor allem eine historisch schlechte Offense - und dennoch waren die Cardinals durch die Verbindung zu Kliff Kingsbury so etwas wie Murrays beste Chance, um in der NFL mittel- und langfristig erfolgreich zu sein. Diese Chance aber ging immer damit einher, dass Arizona dann auch um seinen jungen Quarterback herum etwas aufbauen würde. Und genau das haben die Cards in dieser Offseason gemacht.

Der Trade für DeAndre Hopkins überschattet dabei fraglos alles. Arizona hat einen der zwei, drei besten Wide Receiver in seiner Prime bekommen und wird damit die ganze Dynamik in schematischer Sicht aber auch im Receiving-Corps generell verändern. Das könnte etwa auch Andy Isabella das Leben erleichtern, und mit Hakeem Butler bekommt Murray einen der spannendsten Receiver des Vorjahres-Drafts, der seine gesamte Rookie-Saison verletzt verpasst hat, dazu.

Aber es war nicht nur Hopkins. Die Cardinals hielten Marcus Gilbert, der die Vorsaison ebenfalls verletzt verpasste - und drafteten in der dritten Runde mit Josh Jones eine Alternative für beide Tackle-Spots sowie einen perspektivischen Starter. Murray hatte im Laufe der Saison deutlich sichtbare individuelle Fortschritte gezeigt, jetzt bekommt er eine Elite-Waffe und stabilere Protection.

Unerwähnt sollte im Murray-Zusammenhang auch nicht bleiben, dass Arizona enorm in die Defense investiert hat. Nachdem sich Murray nach einem holprigen Start in die NFL-Karriere stabilisiert hatte, war ein Teil des Problems, dass die Cardinals-Offense regelmäßig Rückständen hinterher lief - ein potenziell starker Defense-Draft sowie drei via Free Agency verpflichtete Starter sollten helfen, diese Problematik etwas einzudämmen.

Brian Flores, Head Coach - Miami Dolphins

Bei einigen Teams auch in dieser Offseason ist glasklar die Handschrift des Head Coaches zu erkennen - die Dolphins, die unter Flores im Vorjahr zweifellos positiv überraschten, wären so ein Team. Nachdem Miami Xavien Howard zum bestbezahlten Cornerback der Liga gemacht hatte, holten sie den besten Corner der Free Agency in Byron Jones und investierten zusätzlich einen ihrer drei Erstrunden-Picks in Noah Igbinoghene, einen weiteren Corner.

Die Idee ist überdeutlich erkennbar: Brian Flores stammt aus der Belichick-Schule, er will seine Defense über die Coverage aufbauen. Die Cornerbacks sind das Rückgrat der Defense und sollen die schematischen Freiheiten geben, um dann auch über Flexibilität Pass-Rush zu kreieren.

Die diesjährige Offseason war unbestreitbar der Beginn des Wegs dorthin, und dass Flores zusätzlich in Kyle Van Noy einen "seiner" Spiele aus New England für eine sehr spezifische Rolle innerhalb der Defense bekommen hat, unterstreicht diese These.

Die Dolphins-Offense wird Zeit brauchen, egal, wie früh Tua Tagovailoa womöglich das Zepter von Ryan Fitzpatrick übernimmt. Und so ist dann auch der Umbruch generell noch längst nicht abgeschlossen. Aber was die Defense angeht, darf man von Miami 2020 einen deutlich sichtbaren und messbaren Schritt nach vorne erwarten.

Baker Mayfield, Quarterback - Cleveland Browns

Für Baker Mayfield ist 2020 ein kritisches Jahr. Nach einer sehr vielversprechenden Rookie-Saison folgte 2019 ein deutlicher Rückschritt - fraglos auch bedingt durch eine üble Coaching-Situation. Aber es waren auch individuelle Probleme bei Mayfield, die auffielen. Zu häufig verließ er vorschnell die Pocket, las Defenses falsch, und seine Accuracy - eigentlich sein größter Trumpf - wackelte bedenklich.

All das mag auch eine Folge der Umstände gewesen sein, doch Mayfield muss jetzt verhindern, dass daraus ein Trend wird. Und für die kommende Saison gibt es keine Ausreden.

Die Browns haben den besten Tackle auf dem Free-Agent-Markt - Ex-Titan Jack Conklin - verpflichtet und im Draft mit Jedrick Wills in der ersten Runde nochmal sehr ordentlich nachgelegt. Die Browns-O-Line sollte deutlich besser sein und aus der 12-Personnel- sowie Play-Action-lastigen Offense unter dem neuen Head Coach Kevin Stefanski dürfte Mayfield deutlich mehr einfache Completions bekommen.

Somit ist er im ersten Schritt ein Gewinner. Eine klar verbesserte Offensive Line, ein Head Coach mit einem Quarterback-freundlichen System, eine neue Waffe dafür in Austin Hooper sowie immer noch ein exzellentes Receiver-Duo. Aber Mayfield vielleicht mehr als jeder andere Spieler ist auch unter Zugzwang, die verbesserten Umstände schnellstmöglich in Zählbares umzumünzen.

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