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Buccaneers, Barkley, Baker - die Gewinner und Verlierer der Offseason

SPOX zieht ein erstes Zwischenfazit: Wo sind die Gewinner und Verlierer der bisherigen Offseason?

NFL Offseason: Verlierer

Houston Texans

Das augenscheinliche Fiasko des DeAndre-Hopkins-Trades wurde ausführlich diskutiert und auch wenn die Texans mit Randall Cobb und Brandin Cooks vorübergehend Alternativen gefunden haben: Diese Offseason könnte den Texans noch eine Weile lang schwer im Magen liegen.

Hopkins abzugeben reißt ein qualitatives Loch in die Franchise, das man nur im Verbund versuchen kann zu schließen. Deshaun Watson verliert so auch seine mit weitem Abstand wichtigste Anspielstation seitdem er in die NFL gekommen ist und einen Spieler, der individuell den Unterschied ausmachen kann.

Zusätzlich mussten die Texans, nachdem sie sich mit einem extrem teuren Trade selbst in eine schwierige Position gebracht hatten, Left Tackle Laremy Tunsil sehr teuer bezahlen, der zuletzt sehr verletzungsanfällige Cooks kostete einen Zweitrunden-Pick und der teure Watson-Vertrag ist bereits am Horizont zu sehen.

Houston hat Bill O'Brien mit großen Kompetenzen ausgestattet, und es besteht eine sehr reelle Gefahr, dass die Texans eine Weile brauchen werden, um sich alleine von dieser Offseason komplett zu erholen. Und womöglich wird dieser Prozess nur mit einem radikalen Umbruch in der Team-Führungsriege funktionieren.

Mitch Trubisky, Quarterback - Chicago Bears

Die Rechnung ist simpel: Statt des von Bears-Fans erhofften Fortschritts gab es einen Rückschritt bei Trubisky. Die auch 2018 sichtbaren Probleme intensivierten sich, Trubisky schaffte nicht ansatzweise den Schritt zum Franchise-Quarterback. Und man kann gut argumentieren, dass er, wenn alles normal läuft, nie wieder ein Spiel für die Bears starten wird.

Chicago zog nicht nur die Fifth-Year-Option für Trubisky nicht, wodurch er 2020 in das letzte Jahr seines Rookie-Vertrags geht; die Bears verpflichteten auch direkt einen Nachfolger. Nick Foles ist nach wie vor ein inkonstanter Quarterback und die Tatsache, dass er nach nur einem Jahr die Jaguars wieder verlässt, unterstreicht, dass auch er nicht die Quarterback-Antwort ist, die Teams suchen.

Aber: Foles kennt den Trainerstab, hat bereits unter Head Coach Matt Nagy (in Kansas City) sowie unter Offensive Coordinator Bill Lazor (in Philadelphia, als er mit Chip Kelly seine statistisch beste NFL-Saison hatte) gearbeitet. So wird auch schnell klar, warum die Bears Foles gegenüber den Alternativen bevorzugt haben und es ist eine denkbar schlechte Ausgangslage für Trubisky. Foles muss als Favorit gesehen werden, um der Day-1-Starter in der Windy City zu sein.

New England Patriots

Tom Brady auch in dieser Phase seiner Karriere zu verlieren alleine ist ein Rückschlag, den eine Franchise erst einmal verdauen muss. Die Patriots werden offensiv eine neue Identität finden müssen, und falls Stidham nicht die langfristige Quarterback-Antwort ist - und dieses Szenario ist fraglos wahrscheinlicher, als dass man direkt den nächsten Franchise-Quarterback gefunden hat - dann stehen die Patriots vor einer Phase, die ihnen seit über 20 Jahren erspart blieb: Die große Quarterback-Suche.

Doch auch defensiv gab es wieder einmal einen Aderlass, allen voran mit Kyle Van Noy und Jamie Collins, zwei sehr wichtige Spieler innerhalb dieser Pats-Defense. Die Stars in der Secondary werden nicht jünger, und die Frage ist legitim: Wie weit kann die Defense die Patriots tragen?

Denn, und das lässt sich selbst, wenn man optimistisch an die Quarterback-Situation herangeht, festhalten: Die Offense wird vermutlich nicht besser sein als letztes Jahr. Die Wide-Receiver-Situation bleibt ein Fragezeichen und auch wenn die O-Line stabiler sein dürfte, so muss man doch davon ausgehen, das Stidham mindestens vorerst ein Downgrade zur 2019er Version von Brady darstellt. Und das würde den Druck auf die Defense nochmals erhöhen.

Aaron Rodgers, Quarterback - Green Bay Packers

Die Situation rund um Rodgers und die Packers wurde ausführlich thematisiert. Nein, Rodgers hatte im Vorfeld des Drafts keinen Receiver-Pick gefordert - aber er hat deutlich durchblicken lassen, dass er sich über einen Receiver in Runde 1 gefreut hätte. Das per se ist nicht gerade Breaking News, aber zumindest erwähnenswert; insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Packers stattdessen Rodgers' perspektivischen Nachfolger in der ersten Runde und keinen einzigen Receiver im restlichen Draft auswählten.

Zu diesem Zeitpunkt sind alle Prognosen und Interpretationen mit Blick auf die 32 Kader und Draft-Klassen genau das - Prognosen und Interpretationen. Mit Blick auf die Packers liegt der Schluss nahe, dass Coach Matt LaFleur das Team jetzt nach seinen Vorstellungen umbaut und Green Bay unter anderem deutlich Run-lastiger werden sowie unter dem Strich mit Run Game und Defense gewinnen will.

Für Rodgers bedeutet das aber keineswegs mehr Entlastung, sondern auch mehr lange Second und Third Downs und mehr schwierige Plays, die er machen muss. Green Bay hat in jedem Fall nicht - wie es etwa die Saints vorgemacht haben - alles investiert, um jetzt All-In zu gehen. Die langfristige Perspektive davon ist nochmal eine andere Frage, doch für Rodgers selbst hätte die Offseason kaum unglücklicher verlaufen können.

Cam Newton, Quarterback - Free Agent

Allein die Tatsache, dass bei Cam Newton noch kein neues Team steht, ist sinnbildlich dafür, dass es nicht die beste Offseason für den einstigen MVP ist. Verletzungsfragen sowie ein ungewöhnlich stark besetzter Quarterback-Markt erschwerten Newton die Teamsuche zusätzlich; außerdem litt wohl unter dem Strich kaum ein Spieler mit Blick auf seinen Marktwert mehr unter den Problemen mit Team-Besuchen und Medizinchecks als Cam Newton.

An diesem Punkt muss man davon ausgehen, dass er sich - genau wie Andy Dalton und Jameis Winston - mit einer Backup-Rolle zufrieden geben wird. Nach einer nicht gerade sauberen Trennung von den Panthers ist der gesundheitliche Zustand das große Fragezeichen; insbesondere nach Problemen an der Schulter und am Fuß werden Teams wissen wollen, ob Newton nochmal der gefürchtete Runner werden wird, der er einst war.

Kann er das, dann ist er potenziell mehr als nur ein durchschnittlicher Starting-Quarterback. Newton ist erst 31 Jahre alt und in einer Liga, die eigentlich konstant auf der Suche nach Quarterbacks ist, hätte diese Offseason für ihn kaum unglücklicher verlaufen können.

Der Umbruch in Carolina, die eigenen Verletzungsfragezeichen, die persönlichen Verbindungen wie etwa bei Foles und den Bears - im Vakuum betrachtet ist Newton der deutlich bessere Quarterback und hätte keinen Trade-Preis gekostet - oder eben die Tatsache, dass Spieler wie Dalton und Winston bereit waren, vorübergehend in eine Backup-Rolle zu rutschen: Eine Verkettung verschiedener Umstände.

Doch so ist Newton noch auf dem Markt, und inzwischen muss man die GMs der Teams schon kritisch hinterfragen, dass sie Newton nicht wenigstens für ein Jahr holen. Sei es als Elite-Backup oder eben auch mit der Chance, womöglich mittelfristig als Starter zu übernehmen. Was den eingebrochenen Marktwert sowie den Verlauf der ganzen Offseason angeht ist Newton in jedem Fall einer der größten Verlierer.

Dwayne Haskins, Quarterback - Washington Redskins

Ein Thema mit jungen Quarterbacks ist immer die Frage: Wie bereitwillig versucht das Team, ideale Umstände zu kreieren - einmal um die Entwicklung des Quarterbacks zu unterstützen, aber auch, um ihn bestmöglichst einschätzen zu können? Die Bills und Ravens kann man derzeit als positive Paradebeispiele in dieser Disziplin bezeichnen, die Cardinals und Browns bringen sich ebenfalls in eine gute Ausgangslage.

Die Jets dagegen waren bisher in der NFL-Karriere von Sam Darnold eher ein negatives Beispiel - und Washington befindet sich aktuell auf einem ähnlichen Pfad mit Haskins. Dass Trent Williams nicht mehr für die Redskins spielen würde, dürfte kaum noch jemanden überrascht haben; die Offensive Line ist dennoch auf dem Papier schlechter als im Vorjahr.

Das Wide Receiver Corps war letztes Jahr über weite Strecken eine One-Man-Show namens Terry McLaurin und auch hier sucht man, abgesehen von Viertrunden-Pick Antonio Gandy-Golden, Verstärkungen vergebens. Insbesondere Verstärkungen, die sofort weiterhelfen würden. Und auch das Tight End Corps sieht deutlich schlechter aus als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres, während Haskins gleichzeitig im zweiten NFL-Jahr die zweite Offense lernen muss, bedingt durch den Wechsel im Trainerstab.

Haskins hat einige positive Punkte in seiner Rookie-Saison gezeigt und hat das Potenzial, um sich in einen guten Starter zu entwickeln. Die Umstände in Washington, wie sich aktuell darstellen, werden ihm dabei aber nur sehr bedingt helfen.

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