NFL

Buccaneers, Barkley, Baker - die Gewinner und Verlierer der Offseason

SPOX zieht ein erstes Zwischenfazit: Wo sind die Gewinner und Verlierer der bisherigen Offseason?
© imago images
Cookie-Einstellungen

NFL Offseason: Gewinner

Drew Lock, Quarterback - Denver Broncos

Keine Franchise hat in den vergangenen drei Monaten mehr für ihren jungen Quarterback gemacht als die Broncos. Graham Glasgow als Upgrade in der Interior Offensive Line geholt, Melvin Gordon als Upgrade im Backfield geholt, keine Ressourcen in einen Veteran-Backup zur Absicherung gesteckt - und dann kam erst der Draft.

Mit Jerry Jeudy und K.J. Hamler haben die Broncos zwei der aufregendsten Receiver dieser Klasse gedraftet; beide eint eine Qualität: Sie kreieren Big Plays, auch ohne dass der Quarterback einen perfekt platzierten Ball werfen muss. Jeudy kreiert Separation durch sein Route-Running, Hamler durch seine Explosivität gerade aus dem Slot heraus.

Das sollte Locks Entwicklung nach vorne katapultieren. Der hatte in seiner Rookie-Saison einige positive Ansätze gezeigt, aber gleichzeitig auch noch klare Defizite. Accuracy gehört dazu, aber - überraschenderweise - auch das vertikale Passspiel war längst nicht so gefährlich wie angesichts seines Arms erwartet. Jeudy und Hamler sollten für Big Plays sorgen, die Line sollte besser sein: Die Broncos haben alles gemacht, um Lock eine schnelle Entwicklung zu ermöglichen. Jetzt muss diese natürlich auch kommen.

Jarrett Stidham, Quarterback - New England Patriots

Cam Newton? Andy Dalton? Teddy Bridgewater? Derek Carr? Marcus Mariota? Jalen Hurts? Die Liste der Quarterbacks, die New England gemäß der Gerüchteküche hätte holen können, nachdem klar war, dass Tom Brady geht, ist lang. Doch letztlich - ob komplett so beabsichtigt oder nicht - blieb man in Foxboro bei seinen Aussagen; gemeint ist das konstante Lob für die positive Entwicklung von Jarrett Stidham.

Stidham kam als Projekt in die NFL. Ein Quarterback, der bei Auburn riesige Probleme hatte, sobald die Pocket unsauber wurde oder er gar improvisieren musste. Aber auch ein Quarterback, der unter guten Umständen fraglos Potenzial zeigte. Auf dieses Potenzial setzen jetzt die Patriots.

Denn Stidham hat keinen neuen Starter vor die Nase gesetzt bekommen. Stattdessen wird er hinter einer besseren Offensive Line arbeiten dürfen als Brady letztes Jahr und zeigen können, dass er als Starting-Quarterback eine Zukunft hat. Ob man es als Vertrauensvorschuss oder "aus der Not eine Tugend machen" interpretieren will: Für den Moment ist Stidham einer der Gewinner dieser Offseason, mit einer riesigen Chance 2020.

Gardner Minshew, Quarterback - Jacksonville Jaguars

Von wegen Konkurrenzkampf mit Nick Foles, und auch Ex-Gruden-Schüler Andy Dalton kam nicht nach Jacksonville. Stattdessen wurde mit Mike Glennon ein glasklarer Backup geholt, kurzum: Die Jaguars sind jetzt das Team von Gardner Minshew und er bekommt die Chance, sich als langfristige Quarterback-Lösung zu etablieren.

Das ist kein Gefallen, sondern wohlverdient: Minshew war eine der positiven Überraschungen der vergangenen Saison, ein Sechstrunden-Rookie, der direkt einschlug, als er den verletzten Foles vertreten musste. Dabei gab es fraglos Durchhänger in der zweiten Saisonhälfte, aber die positiven Punkte überwiegen. Die Antizipation als Passer, das Pocket-Verhalten, die Spielintelligenz - Minshew hat ein Gefühl für das Spiel, das schwer zu beschreiben oder auch beizubringen ist.

Idealerweise hätten die Jags, die sich ganz klar in einem Umbruch befinden, noch mehr in die Offense investiert; zumindest Laviska Shenault aber sollte in die Offense gut passen. Und mit Jay Gruden hat Minshew einen Offensive Coordinator bekommen, dessen West Coast Offense gut mit seinen Stärken als akkurater Timing-Passer funktionieren sollte.

Saquon Barkley, Running Back - New York Giants

Gerade so knackte Barkley letztes Jahr die Marke von 1.000 Rushing-Yards; in 13 Spielen lief er 217 Mal für 1.003 Yards. Sein Schnitt was Yards pro Run angeht fiel um fast ein halbes Yard, und das obwohl er 3,23 Yards nach Kontakt pro Run verzeichnete - der siebtbeste Wert der vergangenen Saison unter Running Backs mit mindestens 150 Runs.

Auch lief er nur 11,5 Prozent seiner Runs gegen acht oder mehr Verteidiger in der Box, eigentlich ein sehr Running-Back-Freundlicher Wert. Zum Vergleich: Derrick Henry musste 35,3 Prozent seiner Runs gegen eine Stacked Box laufen und Barkley selbst war im Vorjahr (22,9 Prozent) deutlich über seinem 2019er Wert.

Ein zentrales Problem war die Offensive Line. Die Giants rangierten nach Football Outsiders auf Platz 25 im Run-Blocking, hinter Kandidaten wir Arizona, Tampa Bay oder auch den Rams. In Short-Yardage-Situationen waren die G-Men nochmal schlechter. Rookie Andrew Thomas auf Right Tackle wird gerade hier ein sofortiges Upgrade bedeuten und von Will Hernandez darf man nach einer sehr durchwachsenen Saison gerade im Run-Blocking einen Schritt nach vorne erwarten.

Dazu kommt der neue Trainerstab. Der neue Head Coach Joe Judge hat zu Wochenbeginn klargemacht, dass es im Kern die Offense von Jason Garrett sein wird. Wie genau die aussieht, wird sich zeigen, immerhin war Garrett in den vergangenen Jahren in Dallas zumeist nur in geteilter Rolle für die Offense zuständig. Gemeinhin aber gilt die Offense eher als konservativ und um das Run Game herum aufgebaut. Barkley könnte für eine ähnlich zentrale Rolle vorgesehen sein wie Ezekiel Elliott in einigen Cowboys-Teams der vergangenen Jahre.

Barkley sollte 2020 mehr Gelegenheiten bekommen und dafür besseres Blocking vor sich vorfinden.

Philip Rivers, Quarterback - Indianapolis Colts

Man muss schon ein gutes Stück zurückgehen, um ein Chargers-Team zu finden, in dem Rivers zuletzt eine Top-10-Offensive-Line hatte. Und vielleicht hatte er niemals eine Offensive Line auf dem Level, das er in der kommenden Saison in Indianapolis vor sich vorfinden wird.

Viele von Rivers' schlechten Spielen in der vergangenen Saison - und davon gab es einige - hingen direkt damit zusammen, dass er zu viel selbst kreieren wollte und permanent unter Druck stand. Über 35 Prozent seiner Dropbacks kamen gegen Pressure, nur Jameis Winston (14) warf mehr Interceptions gegen Pressure als Rivers (9).

In Indianapolis sollte sich das ändern. In einer Offense, in der er mehr Ballverteiler als Superstar-Quarterback sein kann und mehr Protection genießen wird. Kombiniert mit der Tatsache, dass Rivers mit Head Coach Frank Reich und Offensive Coordinator Nick Sirianni bereits mehrere Jahre bei den Chargers zusammengearbeitet hat, und in eine Division kommt, die deutlich eher zu gewinnen sein dürfte als die AFC West, ist klar, dass der Routinier einer der Gewinner dieser Offseason ist.

Inhalt:
Artikel und Videos zum Thema