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NFL: San Francisco 49ers nach dem Draft 2020 - Softer Umbruch gegen den Super-Bowl-Kater

Die San Francisco 49ers dürften auch 2020 um den Titel in der NFL mitspielen.

Die San Francisco 49ers legten einen äußerst erfolgreichen NFL Draft 2020 hin und stellten ihr Team innerhalb weniger Tage in Schlüsselteilen neu auf. SPOX zeichnet nach, wie sie diesen soften Neuaufbau realisierten - und wo die Niners damit im Kreis der NFC-Favoriten einzuordnen sind.

Die San Francisco 49ers gingen mit einer Zehn-Punkte-Führung ins Schlussviertel von Super Bowl LIX und hielten diese bis knapp sechs Minuten vor Schluss. Dann legten die Kansas City Chiefs ein sehenswertes Comeback hin und erzielten letztlich 21 Punkte in Serie zum Sieg. Den Niners blieb dagegen nur die Zuschauerrolle in Miami, als Patrick Mahomes und Co. im Konfetti-Regen ihren Titel feierten.

In der Zeit danach stellte sich vor allem eine Frage für den zuvor so souveränen NFC-Champion: Braucht es einen radikalen Schnitt oder doch nur punktuelle Verstärkungen für den nächsten Anlauf und um den berüchtigten Super-Bowl-Hangover zu verhindern? Denn nicht wenige Teams fallen nach einer Super-Bowl-Pleite im Folgejahr tief. Letztlich wurde es ein Kompromiss.

Verlief die bisherige Offseason eher ruhig in der Bay Area, so nahmen die Aktivitäten der 49ers zum Draft merklich Fahrt auf. Das begann freilich schon früher, nämlich mit dem Trade, der Pro-Bowl-Defensive-Tackle DeForest Buckner etwas überraschend nach Indianapolis schickte.

Dieser Trade war letztlich die Grundlage für eine Offseason, die die 49ers in die (nahe) Zukunft führen würde. Für Buckner ging der Erstrundenpick der Colts nach San Francisco. Jenen 13. Pick wiederum tradeten die Niners zu den Tampa Bay Buccaneers, die dafür die Picks 14 und 117 (4. Runde) abgaben. Mit dem 14. Pick holte General Manager John Lynch dann mit Defensive Tackle Javon Kinlaw einen der vielversprechendsten Verteidiger dieser Draft-Klasse - und den legitimen Nachfolger von Buckner noch dazu.

NFL Draft: 49ers ziehen Wide Receiver in Runde 1

Weiter ging es dann mit einem weiteren Trade in Runde 1: Die Niners schickten ihren 31. Pick, den gerade ergatterten 117. Pick der Bucs und den eigenen 176. Pick (4. Runde) im Draft nach Minnesota und bekamen dafür den 25. Pick. Mit diesem holten sie schließlich Wide Receiver Brandon Aiyuk, der bestens ins System passt und wohl der direkte Nachfolger von Emmanuel Sanders wird, der sich den New Orleans Saints angeschlossen hatte.

Der restliche Teil des Niners-Drafts war dann von den gewählten Spielern oberflächlich betrachtet eher unspektakulär, doch gelang Lynch am dritten Draft-Tag noch ein weiterer Coup: Im Tausch mit einem Dritt- und einem Fünftrundenpick wurde Offensive Tackle Trent Williams, einer der besten seines Fachs, von den Washington Redskins losgeeist. Williams dürfte schon deshalb gut in Head Coach Kyle Shanahans Offensivsystems passen, weil jener ihn schon seit Williams' Rookie-Saison kennt. Shanahan war Teil des Trainerstabs seines Vaters Mike Shanahan, als der die Redskins trainierte und Williams in der ersten Runde des Drafts 2010 nach D.C. holte.

Wenig später wurde auch klar, warum dieser Move so wichtig war: Der langjährige Left Tackle des Teams, Joe Staley, erklärte seinen Rücktritt von der NFL. Was also die nächste Großbaustelle hätte sein können, wurde direkt zu einer Non-Story. Williams ist ein mehr als adäquater Ersatz für Staley, obgleich dieser als Teamleader vermisst werden wird.

NFL Draft 2020: Die Picks der San Francisco 49ers

RundeDraft-Pick (insgesamt)SpielerPositionCollege
114Javon KinlawDefensive TackleSouth Carolina
125Brandon AiyukWide ReceiverArizona State
5153Colton McKivitzOffensive TackleWest Virginia
6190Charlie WoernerTight EndGeorgia
7217Jauan JenningsWide ReceiverTennessee

Dabei war den Verantwortlichen der Niners nicht direkt klar, dass es zu dieser sauberen Lösung samt dem letztlich realisierten Draft-Verlauf kommen würde. Lynch verriet am Samstag in einer Telefonkonferenz, dass es durchaus eng gewesen sei am Donnerstag und Freitag, ehe es dann doch zu einer Einigung mit den Redskins kam. Er habe am Donnerstag mit Redskins-Head-Coach Ron Rivera gesprochen und dieser sagte da nur: "'Lass uns bis morgen warten.' Das war frustrierend, aber wir waren gewillt, dieses Risiko einzugehen. So waren wir in der Lage, einen Burschen wie Kinlaw zu ziehen, und dann auch noch Aiyuk zu holen", berichtete Lynch.

Abgesehen davon trennten sich die Niners via Trades noch von Running Back Matt Breida (Dolphins) und Wide Receiver Marquise Goodwin (Eagles), stopften diese Lücken aber direkt wieder mit Siebtrundenpick Wide Receiver Jauan Jennings sowie danach mit Undrafted Rookie Free Agent Running Back JaMychal Hasty.

49ers gehen gestärkt aus NFL Draft hervor

All diese Moves verleiteten Lynch zu einem zufriedenen Fazit: "Alles in allem sind wir als Team besser als zuvor. Und das ist wirklich aufregend, denn wir waren davor eigentlich auch schon zufrieden."

Wie Head Coach Kyle Shanahan verriet, war den Niners mit Offensive Lineman Colton McKivitz am dritten Tag auch noch ein Spieler in den Schoß gefallen, den sie ohnehin ins Auge gefasst hatten: "Wenn der Washington-Deal nicht zustande gekommen wäre, war einer unserer Alternativpläne, Colton McKivitz in der vierten Runde zu ziehen und dann riskierten wir es, in der ersten Runde hoch zu traden, um den gewünschten Receiver zu holen." Letzten Endes habe man aber sowohl Trent Williams als auch in der fünften Runde noch McKivitz bekommen.

Die Niners brauchten sicherlich in erster Linie eine Blutauffrischung nach der imposanten Vorsaison - und die ist Lynch und Co. unzweifelhaft in den vergangenen Tagen gelungen. Die Offense erhält neue Impulse, während die Defense ihre Gefährlichkeit behält, wenn nicht gar verbessert hat. Neben dem Kinlaw-Pick gelang es überdies schon früh in der Offseason, Free Agent Arik Armstead zu halten, der im Pass Rush zusammen mit Nick Bosa und Dee Ford das Herz der Defense bildet.

Am Ende des Draft-Prozesses blicken die 49ers somit nicht auf einen Umbruch zurück, sondern vielmehr auf einen schnellen Turnaround. Sie ersetzten wichtige Leistungsträger durch jüngere, teils sogar bessere Alternativen und behielten dabei ihre Grundidee intakt.

Das Personal dürfte somit bereit sein für einen weiteren Großangriff in einer NFC, die im Vergleich zum Vorjahr keineswegs schlechter geworden ist. Ganz im Gegenteil: Die Cowboys haben kräftig aufgerüstet, dazu die Buccaneers mit Tom Brady an der Spitze. Die Saints bleiben ein großer Favorit, ebenso die Eagles. Die Niners aber sind mittendrin in dieser Gruppe und sollten auch 2020 bis zum Ende um die Krone mitspielen.

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