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Draft Tag 2: Hurts nach Philly, Running-Back-Flut - und Packers geben Rätsel auf

Jonathan Taylor ist der neue Running Back der Indianapolis Colts

Tag 2 des NFL Drafts - was bleibt hängen? Der erwartete Running-Back-Run ließ nicht lange auf sich warten, die Eagles sorgen für die Quarterback-Überraschung in Person von Jalen Hurts - und die Jets, Vikings, Cowboys und Cardinals knüpfen an einen starken ersten Tag mit einem guten zweiten Tag an. Außerdem: Die Packes geben Rätsel auf.

NFL Draft Tag 2 Recap

Der erwartete Running-Back-Run

Es wurde bereits den ganzen Tag über spekuliert - die Running Backs würden eine der heißesten Positionen an Tag 2 des Drafts sein. Und so sollte es dann auch kommen, mit einigen Überraschungen und mehreren zweifelhaften Picks. Der Schnelldurchlauf:

D'Andre Swift nach Detroit (Runde 2, Pick 3): Keine Frage - Swift ist ein spektakulärer Running Back. Der Nummer-1-Back auf meinem Board, ein irre agiler, explosiver Runner der echten Value im Passspiel mitbringt und den man durchaus in der zweiten Runde nehmen kann. Doch warum sahen sich die Lions in dieser Rolle? Kerryon Johnson wurde vor zwei Jahren in der zweiten Runde gedraftet, traut man ihm nicht mehr zu, fit zu bleiben?

Jonathan Taylor zu den Colts (Runde 2, Pick 9): Die Colts opferten sogar einen zusätzlichen Fünftrunden-Pick, um drei Spots in der zweiten Runde hoch zu klettern. Und es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, dass Taylor in der Colts-Offense Yards produzieren wird: Der beste reine Runner im Draft hinter einer exzellenten Offensive Line und unter einem guten offensiven Play-Designer, das ist keine schwierige Rechnung. Doch Taylor bringt einfach wenig Value im Passspiel mit - und hinter dieser Colts-Line könnten eben auch andere Backs gute Zahlen auflegen. Letztes Jahr wurde Indianapolis teilweise sehr Run-lastig, sicher auch, um Jacoby Brissett zu entlasten. Plant man einen ähnlichen Ansatz mit Rivers?

Cam Akers zu den Rams (Runde 2, Pick 20): Nachdem die Rams im Vorjahr zwei Drittrunden-Picks in Darrell Henderson investiert hatten, legten sie in diesem Draft nochmals mit ihrem höchsten Pick nach - ein äußerst zweifelhaftes Vorgehen, wenn man einfach nur den Prozess bewertet. Akers ist ein rundum solider Back, aber auch nicht viel mehr; ohne Erstrunden-Pick hätte man sich für die Rams gerade mit diesem Pick einen besseren Value gewünscht.

J.K. Dobbins nach Baltimore (Runde 2, Pick 23): Wenn Dobbins im Raum arbeiten darf, ist er brandgefährlich. Dann sieht man seinen Speed, die Beschleunigung und die Agilität - und in der Option-Offense der Ravens sollte das häufig der Fall sein. Es wird interessant sein zu sehen, wie Baltimore die Snaps im Backfield aufteilt, mit Dobbins und Mark Ingram neben Lamar Jackson, der selbst natürlich auch einen großen Anteil am Run Game hat.

A.J. Dillon nach Green Bay (Runde 2, Pick 30): Die Packers kommen gleich nochmal gesondert an die Reihe, daher zunächst nur soviel: Ich hatte Dillon als reinen Power-Short-Yardage-Back mit einer Siebtrunden-Grade auf dem Board. Die Packers sehen offensichtlich deutlich mehr in ihm; den Sinn hinter diesem Pick zu begreifen fällt aber selbst unter dieser Prämisse ziemlich schwer.

Antonio Gibson nach Washington (Runde 3, Pick 2): Ein äußerst spannender Spieler. Gibson ist ein Running-Back-Receiver-Hybrid, und soll dem ersten Vernehmen nach auch genau so in Washington eingesetzt werden. Hat als Runner im College nur eine rudimentäre Rolle gespielt, könnte er damit zu einer spannenden Matchup-Waffe werden; man kann Gibson bedenkenlos auch aus dem Slot heraus spielen lassen, und wenn die Redskins so mit ihm Matchups etwa gegen Linebacker kreieren können, bringt er definitiv Value mit.

Ke'Shawn Vaughn nach Tampa Bay (Runde 3, Pick 12): Guter Zone-Runner, ein "One-Cut-and-Go"-Spielertyp. Das passt zur Offense von Bruce Arians. Fraglich ist allerdings, was er im Passspiel mitbringt - und auch Pass-Protection ist zumindest bislang nicht seine Stärke. Der erhoffte Receiving-Back, den viele in diesem Draft für die Bucs erwartet hatten, ist Vaughn jedenfalls nicht.

Zack Moss nach Buffalo (Runde 3, Pick 22): Der beste Contact-Runner dieser Klasse, rutscht damit in die Frank-Gore-Rolle bei den Bills. Doch auch in Buffalo muss man, nachdem die Bills im Vorjahr - überaus erfolgreich - einen Drittrunden-Pick in Devin Singletary investiert haben, die Frage stellen: Musste wirklich ein weiterer Drittrunden-Pick auf Running Back her? Mit echter Qualität auf Wide Receiver, Offensive Tackle oder in der Secondary noch auf dem Board?

Darrynton Evans nach Tennessee (Runde 3, Pick 29): Ein Chance-of-Pace-Back. Evans ist ein Leichtgewicht, schmal gebaut aber gewinnt nicht mit der Agilität, die man von einem solchen Spieler dann erwarten würde. Eine reine Ergänzung zu Derrick Henry also.

Die Packers geben Rätsel auf

Was um alles in der Welt planen die Packers? Nach den ersten beiden Draft-Tagen muss man diese Frage mal in den Raum werfen.

Der Pick von Jordan Love in Runde 1 lässt sich zumindest mit langfristiger Denkweise verkaufen; auch wenn man angesichts des Vertrags von Aaron Rodgers fast davon ausgehen muss, dass Love mindestens eins, eher zwei Jahre nur in der Backup-Rolle sein könnte. Und womöglich braucht er diese Zeit auch tatsächlich, um sich zu entwickeln.

Wer dann aber im weiteren Draft-Verlauf mit dynamischen Waffen gerechnet hatte, um Rodgers bestmögliche Chancen auf eine weitere Playoff-Saison zu kreieren, sah sich schnell getäuscht. Mit ihrem ersten Pick an Tag 2 wählten die Packers nicht etwa einen Receiver, sondern A.J. Dillon. Der ist nicht nur kein Receiver, er ist auch in seiner Funktion als Running Back so gar kein Faktor im Passspiel. Ein Power-Back mit gutem Speed, aber keinerlei Agilität; eine schlechtere Version von Derrick Henry gewissermaßen.

Nun mag man über diese Art Spieler unterschiedlicher Meinung sein, doch mit Aaron Jones im Backfield wird Dillons Rolle zumindest vorerst mal überschaubar bleiben. Der zweite Pick der Packers, Tight End Josiah Deguara, lässt sich am ehesten als H-Back beschreiben und könnte in der Offense von Matt LaFleur die Rolle des (Receiving-)Fullbacks übernehmen. Kein unwichtiger Part im Scheme, aber eben nicht ansatzweise vom Value her in Runde 3 zu adressieren.

Wenn man es zynisch runterbrechen würde, könnte man sagen, dass die Packers bisher in diesem Draft ein Quarterback-Projekt und zwei flexible Fullbacks gedraftet haben - und das ist so gar nicht das, was man sich mit Blick auf ein aktuelles Titelfenster für Green Bay erhofft hatte.

Bengals-Offense: Ein schneller Turnaround?

Die Cincinnati Bengals basteln weiter fleißig daran, ihre im Vorjahr so desolate Offense möglichst um 180 Grad zu drehen. Mit Joe Burrow wurde mit dem ersten Pick der Grundstein gelegt, der erste Pick am zweiten Tag knüpfte daran an: Tee Higgins fiel zwar aus der ersten Runde, der Clemson-Receiver ging dann aber sofort vom Board.

Fantastische Hände, sehr gute Körperkontrolle, Downfield-Receiver mit riesigem Catch-Radius und Route-Running-Fähigkeiten, die teilweise schlechter gemacht wurden, als sie sind. Higgins kann zunächst die Rolle des Nummer-2-Outside-Receivers spielen, während A.J. Green nach der Verletzung zurückkommt und Vorjahres-Erstrunden-Pick Jonah Williams auf Left Tackle starten wird. Cincinnati dürfte an Tag 3 noch die Interior Offensive Line angehen, aber hier sind viele Bausteine, damit diese Offense 2020 deutlich besser aussehen sollte.

Patriots gehen voll auf Flexibilität

Die Patriots, nachdem sie aus der ersten Runde raus getradet hatten, machten schnell klar, wo die Reise hingehen soll: Defensive Flexibilität ist auch weiterhin das Zauberwort in Foxboro.

Kyle Dugger, der massive Upside-Safety und physische Freak von Lenoir-Rhyne, machte den Anfang; es folgte Josh Uche, der ein fantastischer Hybrid-Edge-Linebacker ist, mit seiner irren Explosivität extrem gefährlich als Pass-Rusher war und auch perfekt in die Pats-Defense passen sollte. Und auch Drittrunden-Pick Anfernee Jennings kann zwischen Edge und Linebacker switchen.

Defense war also Trumpf, ehe dann die Offense an der Reihe war - und das mit gleich zwei Tight Ends, in einer sehr überschaubaren Tight-End-Klasse. Devin Asiasi ist wohl eher ein Nummer-2-Tight-End, bei Dalton Keene setzt man darauf, dass seine spannenden Fähigkeiten gerade nach dem Catch in einer Offense, die ihm mehr Chancen gibt als Virginia Tech, sich noch deutlich weiterentwickeln können. Das Warten auf einen Quarterback und einen Receiver geht derweil weiter.

Eagles überraschen mit Jalen Hurts

Am ersten Draft-Tag waren es die Packers, die mit Jordan Love für die Quarterback-Überraschung sorgten - an Tag 2 waren es dann die Eagles. Mit Pick 53 Overall und echten Impact-Spielern wie Denzel Mims, Kristian Fulton, Jeremy Chinn, Ashtyn Davis, Josh Jones und Julian Okwara noch auf dem Board entschieden sich die Eagles für einen Backup-Quarterback hinter Carson Wentz.

Was für ein Spieler ist Hurts? Ein Power-Option-Quarterback, ein High-Character-Leader - als Passer aber noch weit weg von NFL-Starter-Qualitäten. Womöglich haben die Eagles ähnliche Pläne für ihn wie die Saints mit Taysom Hill, aber selbst dann war das an dem Punkt ein ordentlicher Luxus-Pick.

Oder aber, vielleicht lautet die harte Realität auch: In Philadelphia glaubt man nicht mehr daran, dass Carson Wentz fit bleiben kann. Dann wäre dieser Pick womöglich nur das Vorzeichen potenziell weitreichender Konsequenzen über die nächsten Jahre.

Und sonst so?

Jets-Value mit Mims und Davis: Wie inzwischen klar ist, war Denzel Mims einer dieser Spieler, die in der Scouting-Community deutlich höher eingeschätzt werden als von der NFL. Der Baylor-Receiver, der bisweilen extrem eindrucksvolles Tape produziert hat - ein X-Receiver mit Physis, spektakulärer Körperkontrolle, aber auch Agilität, Speed und besserem Route-Running als zunächst gedacht - ging keineswegs in der ersten Runde; es dauerte bis zum Pick 59 Overall, ehe die Jets schließlich zuschlugen. Für New York ist es ein super Value und Need, der hier abgedeckt wird. Nach Tackle Mekhi Becton in Runde 1 bauen die Jets also weiter um Sam Darnold herum; mit Ashtyn Davis in Runde 3 konnte sich Gang Green zudem den besten Single-High-Safety dieser Klasse sichern, gefolgt von Edge-Verteidiger Jabari Zuniga. Ein exzellenter Draft bis hierher für New York.

Cardinals gelingt Steal in Runde 3: Neben Mims und Kristian Fulton (Titans) war das der größte Steal am zweiten Draft-Tag: Josh Jones in Runde 3 war ein echter Schock. Gemeinhin als Late-First-Round-Talent eingestuft - auf meinem Board sogar Mitte der ersten Runde - fiel der Offensive Tackle überraschend und ohne bislang ersichtlichen Grund. Cardinals-GM Steve Keim gab anschließend zu, dass er "geschockt" war, dass Jones an #72 noch auf dem Board war; Jones selbst verriet, dass er und sein Berater von den Teams konstant erste oder zweite Runde gehört hatten. Er könnte einer der besten Pass-Blocker dieser Klasse werden und die Entscheidung, Simmons über einen Tackle an #8 zu nehmen, sieht rückblickend noch deutlich smarter aus. Die Cardinals sollten zumindest bestens informiert sein: Jones' O-Line-Coach bei Houston war einst der Offensive-Line-Coach unter Cards-Coach Kliff Kingsbury bei Texas Tech.

Raiders bauen Speed-Offense: Als die Raiders Henry Ruggs in der ersten Runde - mit CeeDee Lamb und Jerry Jeudy auf dem Board - drafteten, war schon klar, wo die Reise hingehen soll: Speed ist das neue Trumpfwort in Las Vegas. Und das setzte sich an Tag 2 fort, Lynn Bowden ist ein dynamischer Gimmick-Receiver-Running-Back-Hybrid, für den Runde 3 ziemlich hoch war; doch Ruggs und Bowden gemeinsam auf dem Feld, das sollte Gruden einige spannende Möglichkeiten geben und Defenses echte Probleme bereiten.

Cowboys setzen spektakulären Draft fort: Mit CeeDee Lamb fiel Dallas in der ersten Runde der größte Value-Pick in den Schoß - und die Cowboys schlugen zu, statt den Cornerback-Need krampfhaft zu adressieren. Und sie wurden belohnt: Trevon Diggs, ein exzellenter Press-Corner, fiel in Runde 2 bis zu ihnen - und in der dritten Runde legten sie dann noch mit Neville Gallimore, dem besten noch verfügbaren Defensive Tackle, nach. Die Cowboys sind auf bestem Wege, den vielleicht stärksten Draft dieses Jahres hinzulegen.

Browns weiter glänzend unterwegs: Jedrick Wills in Runde 1 war ein rundum sehr guter Pick - und Cleveland legte an Tag 2 mit doppeltem Value nach: Safety Grant Delpit (#44) wird die Browns-Defense - Tackling-Probleme hin oder her - sofort besser und flexibler gegen den Pass machen, und Jordan Elliott (#88) ist ein bereits unheimlich konstanter Defensive Tackle, der schon jetzt auch Pass-Rush-Value mitbringt.

Vikings Dreh- und Angelpunkt an Tag 3: Die Vikings setzten ihre Trade-Maxime auch an Tag 2 um. Nachdem sie bereits zwei weitere Picks im Erstrunden-Trade mit den 49ers eingesammelt hatten, gingen sie ganz am Ende der dritten Runde von 105 auf 130 runter - und erhielten im Gegenzug zusätzlich den gesamten Rest-Draft der Saints (#169, #203, #244)! Minnesota wird damit an Tag 3 stattliche 13 (!) Mal picken.

NFL Draft Tag 3 - Wer ist noch zu haben?

Einige der besten noch verfügbaren Spieler:

  • Tyler Johnson, WR, Minnesota
  • Jake Fromm, QB, Georgia
  • Amik Robertson, SCB, Louisiana Tech
  • Jacob Eason, QB, Washington
  • Akeem Davis-Gaither, LB, Appalachian State
  • Nick Harris, C, Washington
  • Ben Bartch, OT, St. John's
  • Eno Benjamin, RB, Arizona State
  • Antonio Gandy-Golden, WR, Liberty
  • Anthony Gordon, QB, Washington State
  • Troy Dye, LB, Oregon
  • Curtis Weaver, Edge, Boise State
  • Jack Driscoll, OT, Auburn
  • Prince Tega Wanogho, OT, Auburn
  • Hunter Bryant, TE, Washington
  • K'Von Wallace, S/CB, Clemson
  • Brycen Hopkins, TE, Purdue
  • Troy Pride, CB, Notre Dame
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