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NFL Draft 2020: Cornerback Jeff Okudah - Der Beste seiner Klasse

Jeff Okudah könnte schon bald zu den besten Cornerbacks der NFL zählen.

Nummer-1-Cornerbacks sind schwer zu finden - im NFL Draft 2020 (23.-25. April) jedoch wird ein Team wohl dieses Glück haben. Jeff Okudah scheint der Auserwählte zu sein, der sich nach einem schweren Schicksalsschlag zu einem der besten Spieler seiner Klasse entwickelte. Nun könnte er sogar Geschichte schreiben.

Der Traum eines jeden NFL-Teams ist es gerade in der ersten Runde des Drafts, einen kommenden Starter für die absehbare Zukunft zu finden. In diesem Jahr könnte dieser gleich für mehrere Teams in Erfüllung gehen - unter anderem auf der Cornerback-Position.

Jeff Okudah nämlich sieht aus wie ein künftiger Nummer-1-Cornerback; ein Nummer-1-Corner, der zudem Geschichte schreiben könnte.

In der Geschichte der NFL gab es erst drei Cornerbacks insgesamt, die in der Top 3 des Drafts gezogen wurden. Zuletzt wurde diese Ehre Shawn Springs zuteil, den die Seattle Seahawks 1997 an dritter Stelle zogen. Dies könnte Okudah im anstehenden Draft wiederholen.

Zahlreiche Mock Drafts verorten den einstimmig gewählten All-American 2019 an Position 3 des Drafts, an der aktuell die Detroit Lions auf ihren Pick warten. Okudah wäre damit der zweite gezogene Verteidiger nach Teamkollege Chase Young, der aktuell als Nummer 2 (Washington Redskins) gehandelt wird und ohnehin als bester Spieler insgesamt der diesjährigen Draft-Klasse gilt.

NFL Draft: Okudah - ein Elite-Allrounder?

Doch was macht Okudah zu solch einem verheißungsvollen Prospect? Kurzum: er ist das komplette Paket! Okudah ist so etwas wie der Auserwählte, ein geborener Star-Spieler, wenn man so will. Okudah spielte schon an der High School in Grand Prairie/Texas Offense, Defense und war ein guter Returner. Ein Playmaker eben.

Von der High School ging es dann als 5-Star-Recruit - das maximal mögliche Ranking für Talente - nach Columbus zu Ohio State, noch dazu als Nummer-1-Cornerback seiner Recruitment-Klasse. Dabei konnte sich Okudah vor Interessenten kaum retten und erhielt Stipendiums-Angebote von allen großen Schulen. Am Ende entschied er sich für drei Finalisten - Ohio State, Florida State und Oklahoma -, wählte aber auch deshalb die Buckeyes, weil diese eine extrem gute Bilanz haben, was die Entwicklung von Cornerbacks betrifft.

In den vergangenen Jahren entsandte die selbsternannte DBU - "Defensive Back University" - zahlreiche Top-Picks aus der Secondary in die NFL. Zuletzt war dies Denzel Ward (4. Pick insgesamt 2018), mit dem Okudah 2017 noch zusammengespielt hatte. Davor war Marshon Lattimore der elfte Pick 2017 und wurde prompt Defensive Rookie of the Year.

Zudem schafften auch Eli Apple (10. Pick 2016) und Gareon Conley (24. Pick 2017) den Sprung in die NFL in Runde 1, ebenso Bradley Roby 2014 (31. Pick). Mehr noch: Seit 2013 ging jeder Starting Cornerback der Buckeyes in die NFL und wurde im Draft gezogen. Neben Okudah dürfte sich in diesem Jahr auch dessen Teamkollege Damon Arnette in diese Liste einreihen, jener allerdings wohl erst am zweiten Tag des Drafts.

Jeff Okudah: Tod der Mutter als Schicksalsschlag

Bevor Okudah, der Sohn nigerianischer Immigranten, die in den 90er Jahren in die USA kamen und zunächst in New Jersey und erst in Jeffs Jugend in den Großraum Dallas/Texas zogen, seinen sportlichen Aufstieg hinlegte, musste er erst noch einen schweren Schicksalsschlag überstehen. 2017, nur eine Woche nach seiner Ankunft in Columbus, verstarb seine Mutter nach 15 Jahre langer Leidenszeit an Blutkrebs.

Fortan stürzte sich der damals 18-Jährige noch mehr in den Sport, um sich den sportlichen Traum von der NFL zu erfüllen und seine Mutter so zu ehren. Über seine drei Jahre bei OSU verpasste er nur ein einziges Spiel. Starter allerdings wurde er erst in seinem Junior-Jahr 2019. Nicht, weil er davor nicht gut genug gewesen wäre, sondern vielmehr, weil die Konkurrenz groß war.

2017 war er die Nummer 4 auf der Depth Chart hinter Ward, Arnette und Kendall Sheffield - Letzterer stand ihm auch 2018 noch im Weg und ging 2019 als Viertrundenpick zu den Atlanta Falcons. Trotz seiner Rolle als glorifizierter Ergänzungsspieler führte Okudah sein Team schon 2018 in Passes Defensed (8) an und machte schon damals deutlich, wo die Reise hingehen wird.

Okudahs athletische Fähigkeiten stehen außer Frage. Bei der Combine in Indianapolis im Februar beeindruckte er mit einer 4,48 beim 40-Yard-Dash und legte zudem den zweitbesten Wert aller Teilnehmer mit 41 Zoll (1,04 Meter) beim vertikalen Sprung hin. Nicht nur deshalb ist die breite Draft-Experten-Schar vom Buckeyes-Star begeistert.

Mel Kiper Jr. von ESPN verglich ihn etwa mit zwei der besten Cornerbacks der aktuellen NFL: "Für mich ist er was Stephon Gilmore oder Patrick Peterson waren, als sie in die NFL kamen. Von ihm wird man erwarten, einer der besten Cornerbacks in der Liga zu werden."

Ein Ziel, dass für Okudah nicht zu hoch gegriffen ist. Vielmehr eines, auf das er seit Jahren hinarbeitet. In der New York Post erzählte sein einstiger Defensive Coordinator von einem gemeinsamen Filmabend der kompletten Defense, bei dem Okudah kaum Interesse am gezeigten Entertainment-Programm hatte und seinen Fokus auf ganz andere Dinge richtete.

"Wir saßen da buchstäblich zwei Stunden und er fragte mich Dinge zu jedem NFL-Receiver - etwa wie deren Release ist und warum", berichtete Jeff Hafley, der mittlerweile Head Coach von Boston College ist: "Das zeigte mir, wie sehr er Football liebt und wie ernst es ihm ist und wie gut er werden will, während die meisten College-Jungs lieber Zeit mit ihren Kumpels verbringen würden."

Jeff Okudah: Tägliche Filmsessions mit Secondary-Guru

Hafley weiß, wovon er spricht, war er doch sieben jahre Secondary Coach in der NFL und betreute so klangvolle Namen wie Richard Sherman, Ronde Barber oder Joe Haden. Auf der College-Ebene half er zudem Darrelle Revis und Logan Ryan auf deren Wegen in die NFL.

Dieses Wissen zapfte Okudah fast täglich in Film-Sessions an und versuchte sich so und mithilfe von Hafleys Führung, Kniffe von den namhaften Vorgängern abzuschauen.

"Ich mag es, mir anzuschauen, wie Richard Sherman Spielkonzepte versteht. Ich mag es, Patrick Petersons Konstanz und seine Technik anzuschauen. Ich mag Jalen Ramseys physisches Spiel, seine Aggressivität. Und ich schaue mir an, wie Stephon Gilmore seine Leverage jedes Mal verändert, um den Quarterback aus dem Konzept zu bringen", beschrieb Okudah seine Filmstudien über ein paar der besten Cornerbacks der NFL am Rande der Combine.

Insgesamt kommen jene auf 19 Pro Bowls. Gilmore ist sogar der amtierende Defensive Player of the Year.

Okudah: Cornerback-Maße aus dem Bilderbuch

Ein entscheidendes Plus für Okudah ist neben seiner körperlichen Vorteile - er ist mit seinen 1,85 Metern und 90 Kilogramm und seinem Speed der geborene Shutdown-Cornerback - auch seine Auffassungsgabe. Er schloss die High School mit einem 3,73 GPA (Grade Point Average; 4 ist der Höchstwert) ab und demonstrierte bereits damit, dass er zu den helleren Köpfen gehört.

Seine College-Coachs berichteten mehrfach, wie wissbegierig Okudah ist und wie viele Informationen er förmlich aufsaugt. Auch dies könnte ein Vorteil gerade in der NFL werden, wo das Studium des Gegners ein zentraler Teil der Spielvorbereitung ist.

Dass Okudah letztlich nur ein Jahr Starter war, könnte ihm negativ angerechnet werden, doch hat er freilich seinen Ambitionen mit seiner 2019er Leistung derart Nachdruck verliehen, dass dies wohl kaum ein Hinderungsgrund wäre, ihn im Draft hoch zu ziehen. Konkret werden die Lions als wahrscheinlichste Destination gehandelt.

Die Lions haben den höchsten Pick nach den offensichtlichen Picks für Quarterback Joe Burrow (Bengals) und Edge-Rusher Chase Young (Redskins) und haben durchaus Bedarf auf der Cornerback-Position, nachdem sie All-Pro Darius Slay nach Philadelphia getradet haben. Und: Head Coach Matt Patricia präferiert Press- und Man-Coverage, Okudahs ideale Rolle.

Deplatzierte Frage bringt Okudah nicht aus dem Konzept

Die nötige Reife und Disziplin demonstrierte Okudah überdies sowohl auf dem Platz als auch gegenüber der Presse. Auf seiner Combine-Pressekonferenz etwa wurde er von einem Reporter gefragt, wie er gedenke, sein "manchmal schlampiges Spiel" im Bezug auf Penalties zu verbessern.

Eine Frage, die Okudah sichtlich irritierte, aber nicht von einer sachlichen und spitzfindigen Antwort abhielt: "Ich hatte null Pass Interferences, null Holding-Strafen. Sie sollten sich das Tape also vielleicht nochmal anschauen. Ich denke, Sie würden dann vielleicht was anderes sehen." Und in der Tat hatte Okudah in der gesamten Saison nur eine einzige Strafe gegen sich - eine für einen Late Hit gegen Michigan (Personal Foul).

Diese Episode landete auf Social Media und führte, nachdem besagter Reporter nochmal nachlegte und seine offensichtlich deplatzierte Frage zu rechtfertigen versuchte, zu dessen Entlassung.

Abgesehen von Coolness gegenüber Kritikern darf Okudah auch von sich behaupten, nicht nur an der Seitenlinie äußerst fähig zu covern - was im Grunde das ist, was man von einem Top-Corner verlangt -, sondern auch im Slot mehr als brauchbar zu sein. Den Beweis lieferte er, als er Slot-Receiver KJ Hamler von Penn State gewissermaßen an die Kette legte und ihn zu einem seiner schlechtesten Spiele in der Saison zwang.

Hamler wird als einer der Top-Slot-Receiver im kommenden Draft gehandelt. "Ich wollte, dass sie mich Outside aufstellen. Das haben sie nicht gemacht", erinnerte sich Hamler bei der Combine an dieses Erlebnis und bekundete: "Definitiv ist Jeff Okudah der beste Gegner, dem ich je gegenüberstand."

"Ein Homerun-Pick"

Generell aber kann man Okudah auch nicht vorwerfen, nicht gegen Topleute angetreten zu sein. In seiner College-Karriere traf er auf namhafte Quarterbacks wie Baker Mayfield, Sam Darnold oder auch den künftigen hohen Pick Trevor Lawrence. Meist zog er sich auch gegen die Elite gut aus der Affäre.

Insgesamt ließ er über seine gesamte College-Karriere laut Pro Football Focus nur 25 Completions bei 62 Targets in Man Coverage zu. Zudem erzwang er nur eine Incompletion (13) weniger als er Receptions für First Downs (14) erlaubte. Das Passer Rating gegen ihn in Man Coverage war zudem lediglich 42,7. Okudah mag nur ein Jahr Starter gewesen sein, das allerdings dürfte gereicht haben, um nahezu alle Skeptiker zu überzeugen.

Für Jeff Hafley steht daher schon jetzt fest: "Ich denke, dass Jeff ein Homerun-Pick ist." Seine Begründung: "So wie sich das Spiel entwickelt hat und wie gut die Receiver geworden sind, kommt es selten vor, Cornerbacks wie ihn zu finden."

Jeff Okudah: Statistiken bei Ohio State Buckeyes

JahrSpieleTacklesForced FumblesPasses DefensedInterceptions
20171419010
20181334080
201914352123
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