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NFL Super Bowl LIV: Kansas City Chiefs Head Coach Reid - Alle lieben Andy

Andy Reid steht mit den Kansas City Chiefs im Super Bowl.

Andy Reid steht zum zweiten Mal in seiner langen Coaching-Karriere im Super Bowl. Nach langer Reise mit zahlreichen Misserfolgen soll nun der große Wurf mit den Kanas City Chiefs gelingen. An seiner immensen Beliebtheit würde es aber wohl nichts ändern. Den Super Bowl gibt es in der Nacht vom 2. auf den 3. Februar live auf DAZN - mit Markus Kuhn und Sebastian Vollmer im deutschen Live-Kommentar, alternativ auch im US-Originalkommentar.

Als das AFC Championship Game beendet war und der Triumph der Kansas City Chiefs über die Tennessee Titans feststand, konzentrierte sich die geballte Freude der Protagonisten auf einen Mann: Head Coach Andy Reid.

"Ich möchte mehr als alles andere für Coach Reid einen Super Bowl gewinnen", sagte Left Tackle Eric Fisher. "Dieser Mann verdient einen Super Bowl. Er hat gearbeitet und gearbeitet und sein ganzes Leben diesem Ziel gewidmet. Coach Reid braucht einen Super Bowl. Wir müssen den jetzt für ihn gewinnen."

Fisher selbst hat eine besondere Beziehung zu Reid, denn jener war der erste Draft-Pick, den Reid für die Chiefs 2013 getätigt hatte. Es war der erste Pick insgesamt im Draft und gewissermaßen der erste Stein für den Reid'schen Neuaufbau der Chiefs. Als Sahnehäubchen zogen die Chiefs dann auch noch Travis Kelce in Runde 3, längst als einer der besten Tight Ends der Liga etabliert.

Reid krempelte ein Team, das 2012 ganze zwei Siege errang, im Laufe der Jahre komplett um und erfand die Offense des Teams sukzessive neu. Bereits seine erste Saison beendete er mit 11-5 und einer Wildcard und schaffte damit einen beeindruckenden Turnaround. Und das mit Quarterback Alex Smith, der zuvor in San Francisco viele Jahre auf seinen Durchbruch hatte warten lassen und den Reid als ersten großen Move via Trade von den 49ers geholt hatte.

Andy Reid: Erfolgreichster Coach ohne Super-Bowl-Sieg

Seither verpassten die Chiefs nur noch 2014 die Playoffs und gewannen 2019 schon zum vierten Mal in Serie die AFC West. Kombiniert mit seinen 14 Jahren zuvor in Philadelphia brachte es Reid bislang auf 207 Siege in der Regular Season - mit Playoffs sind es sogar 221. Das sind die meisten für einen Head Coach, der keinen Super Bowl gewonnen hat.

Es ist das Stigma, das Reid seit jeher verfolgt. Er gewinnt die großen Spiele nicht. Und hat daran meist auch seinen Anteil. Ein Ruf, der auch an seinen Spielern nicht vorbeiging. "Wir sind es leid, immer zu hören, was die Medien über ihn sagen, dass er das große Spiel nicht gewinnen kann", sagte etwa Kelce und gab sich kämpferisch: "Wir haben einen Punkt von der Liste gestrichen und die Lamar Hunt Trophy zurück nach Kansas City zur Hunt-Familie gebracht. Und wir müssen noch einen weiteren Punkt von der Liste streichen."

Reids bislang größtes Spiel war freilich Super Bowl XXXIX in Jacksonville gegen die Patriots. Die offensiv verletzungsgeplagten Eagles lagen spät zwei Scores zurück und schafften durch einen Touchdown nochmal den Anschluss im vierten Viertel. Allerdings trat das Team beim TD-Drive so lethargisch und gemütlich auf, dass am Ende schlicht keine Zeit mehr blieb, noch einen zweiten Score zum etwaigen Ausgleich oder Sieg zu schaffen.

Selbiges wiederholte sich freilich mindestens im Divisional Game gegen die Patriots 2015. Auch da lag New England mit zwei Scores vorn, doch Reids Offense legte einen präzisen "10-Minute-Drill" hin, um auf einen Touchdown zu verkürzen. Danach war dann keine Zeit mehr auf Uhr.

Andy Reid: Fragwürdige Entscheidungen prägen die Karriere

Kritiker erinnern sich darüber hinaus gern an teils abenteuerliche Challenges und generell verschenkte Timeouts, die dann am Ende wichtig wurden. Der generelle Vorwurf: Reids In-Game-Management lässt zu wünschen übrig, was dann mitunter seine brillanten Offensiv-Schemes kompromittiert.

Allerdings sei auch erwähnt, dass es teils auch einfach individuelle Fehler von Spielern waren, die den Unterschied in engen Spielen ausmachten. Man denke etwa an Dee Fords Offside im Championship Game 2018, womit jener eine Interception zum Sieg der Chiefs ausradierte.

Nicht jedoch in dieser Saison - mit ein paar Ausnahmen während der Regular Season. Dieses Mal standen die Sterne alle richtig: Die Schlüsselspieler sind fit, besonders Patrick Mahomes spielt auf einem unglaublichen Level und schießt aus allen Rohren und so spielt Reids Offense einfach entfesselt und war bis hierhin nicht zu stoppen.

Mahomes wiederum war auch so ein brillanter Schachzug: Reid, der essenziell die Verantwortung für den Kader hat, sorgte 2017 für Aufsehen, indem er im Draft von Position 27 auf 10 hoch tradete, um sich das Prospect von Texas Tech zu sichern. Ein Headscratcher für viele, schließlich war Mahomes noch sehr grün hinter den Ohren. Seine Qualitäten lagen aber auf der Hand, er war ein echter Gunslinger, einer, der vielleicht sogar ein wenig an Brett Favre erinnerte, den Reid in Green Bay trainiert hatte. Doch war er schon bereit für die NFL?

Klare Antwort: Nach kurzer Eingewöhnungsphase war er es! Schon bei seinem Debüt in Woche 17 gegen Denver spielte er ordentlich (22/35, 284 YDS, INT), musste allerdings auch ohne die etablierten Starter auskommen, schließlich stand der Division-Titel für KC schon fest.

Mahomes wird 2018 zum Starting Quarterback der Chiefs

Reid hatte danach genug gesehen, schickte Smith trotz dessen vielleicht bester Saison via Trade nach Washington und machte Mahomes 2018 zum Starter. Eine herausragende MVP-Saison und ein Super-Bowl-Trip später ist klar: Auch diese Maßnahme hat gegriffen!

Was dieser Super-Bowl-Trip über Reid selbst aussagt, ist, dass er im Laufe seiner langen Zeit im Football vieles richtig gemacht hat. Und viele Menschen berührte. So auch dessen Vorgänger in KC, Dick Vermeil, der 1999 mit den St. Louis Rams den Super Bowl und einer sagenhaften Offense, der "Greatest Show on Turf", gewann. "Ich kenne keinen Coach, der es mehr verdient", sagte Vermeil gegenüber The Athletic. "Er hat das Recht, einen Super Bowl zu gewinnen, mehr als verdient." Vermeil war es auch, der Reid nach seinem Abgang 2013 der Hunt-Familie wärmsten empfahl.

Reid spielte selbst nie professionell Football. Seine aktive Karriere beschränkte sich auf die Schulzeit sowie das College. Für das Glendale Community College und BYU (1978 bis 1980) spielte er Offensive Tackle. Dort war er indes Teamkollege von Quarterback Jim McMahon (Super-Bowl-Champion mit den Bears 1985) und Safety Tom Holmoe (viermaliger Champion mit den 49ers in den 80er Jahren).

Seinen aber wohl größten - und legendärsten - Auftritt hatte "Andrew Ried" bereits mit 13 Jahren. Beim noch heute beliebten "Pass, Punt and Kick"-Wettbewerb, in dem High-School-Spieler ihr können in besagten Fertigkeiten unterteilt in verschiedene Altersgruppen unter Beweis stellen. Im Grunde geht es darum, den Ball jeweils weit zu werfen beziehungsweise zu kicken.

Das Ganze wurde indes live im nationalen TV im Rahmen von Monday Night Football übertragen. Und Reid fiel mit seinen 13 Jahren durchaus auf: Er war damals bereits 1,85 Meter groß und brachte locker knapp 100 Kilogramm auf die Waage. Wenig überraschend gewann er den Wettbewerb.

Hawaii-Hemden-Enthusiast Andy Reid

Seine Coaching-Karriere in der NFL - er coachte bereits seit 1983 an diversen Colleges die Offensive Line - begann 1992 bei den Green Bay Packers, wo er sich sukzessive hocharbeitete und letztlich zum Quarterbacks Coach und Assistant Head Coach unter Mike Holmgren aufstieg. 1999 wechselte er dann als Head Coach nach Philly.

Direkt nach dem Super Bowl sorgte Reid für Lacher mit dem Hinweis auf seine Garderobe: "Ich muss jetzt erstmal Diät machen, damit ich in meine Sachen passe" in Miami. Der Coach ist ein passionierter Hawaii-Hemden-Träger und ist so auch auf dem alljährlichen Liga-Meeting in der Offseason auf dem Coachs-Foto zu bestaunen.

Reid ist einer der wenigen Menschen in der Liga, die wohl keine Feinde haben. Titans-Head-Coach Mike Vrabel umarmte Reid und gratulierte ihm ausgiebig. Titans-Linebacker Wesley Woodyard sagte nach dem Spiel: "Ich habe einfach sehr viel Respekt vor dem Mann. Die Dinge endeten damals in Philly nicht wie gewünscht für ihn, aber er brachte die Chiefs ins Rollen und nun sogar in den Super Bowl. Ich wollte ihm einfach sagen: Mann, ich respektiere dich. Mach einfach weiter so!"

Zahlreiche weitere Gratulanten sendeten beste Grüße via Social Media und vermutlich auch auf persönlicheren Wegen. Es hat den Anschein, dass Reid jeder einen Sieg in Miami gönnt - vielleicht mit Ausnahme der Menschen in der Bay Area.

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