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Third and Long: Wie gefährlich sind die Eagles - welche Coaches müssen gehen?

SPOX-Redakteur Adrian Franke blickt in seiner wöchentlichen Kolumne zurück auf Week 16.

Es ist Weihnachten - auch in der NFL! SPOX-Redakteur Adrian Franke blickt deshalb in seiner wöchentlichen Kolumne schon einen Tag früher als gewohnt zurück auf Woche 16: Wie gefährlich sind die Eagles? Hat die Patriots-Offense neues Leben? Welche Coaches werden entlassen, und wie geht es weiter für Andy Dalton?

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NFL Week 16 Recap: Eagles, Browns, Ravens und Co.

Sind die Eagles ein gefährliches Playoff-Team?

Nein, erwartet hatte ich es nicht. Im Gegenteil, ich war mir sicher - sofern man bei dieser Division und diesen Teams überhaupt von "sicher" sprechen kann -, dass die Cowboys Philadelphia schlagen würden. In der NFC East sollte einen dieses Jahr jedoch absolut nichts überraschen; auch nicht, dass die Eagles ausgerechnet in diesem Spiel gegen Dallas ihre beste defensive Saisonleistung hinlegten.

Die Cowboys-Saison kann man ganz einfach unter einem Oberbegriff zusammenfassen: Enttäuschung. Mit diesem Team so ein Produkt aufs Feld zu bringen, ist das unbestreitbare Argument dafür, dass Jason Garrett gehen muss.

Die Frage, die in dem Zusammenhang am häufigsten gestellt wird: Was kann man jetzt den Eagles zutrauen, wenn sie in die Playoffs kommen? Philly hätte als Division-Sieger dann natürlich ein Heimspiel, ein erster Faktor - Seattle, San Francisco oder Minnesota (und sollte alles für die Packers schiefgehen, auch Green Bay) wären die möglichen Gegner.

Während die Alternative Dallas mehr Potenzial aufs Feld bringt, fühlen sich die Eagles wie das potenziell gefährlichere Team an. Man hat einen klaren Coaching-Vorteil gegenüber etwa Dallas, viele Leistungsträger sowie Head Coach Doug Pederson haben die Playoff-Erfahrung und Right Tackle Lane Johnson sollte bald wieder spielen können, das macht die Offensive Line deutlich besser.

Und dann wäre da Carson Wentz. Vor zwei Jahren endete seine mögliche MVP-Saison aufgrund einen Kreuzbandrisses vorzeitig, die Eagles gewannen mit Nick Foles den Super Bowl. Letztes Jahr musste er abermals nach einer Verletzung spät in der Saison zuschauen, wie Philly mit Foles noch in die Playoffs einzog und dort in Chicago die Bears ausschaltete. Jetzt könnte Wentz sein erstes Playoff-Spiel absolvieren.

Das macht Philly zusätzlich interessant. Wentz hatte einen guten Start in die Saison und trug das Team in mehreren Spielen, ehe ein deutlicher Durchhänger auch ihn erwischte. Gegen die Giants und in Washington zuletzt führte er das Team aus tiefen, natürlich auch selbstverschuldeten, Löchern zurück; ohne DeSean Jackson, ohne Alshon Jeffery, ohne Nelson Agholor.

Und das führt zum Kern der Sache: Die Probleme der Eagles in der Secondary werden nicht einfach verschwinden - einzelne starke Auftritte, wie jetzt gegen Dallas, sind aber auch in den Playoffs möglich. Die Wide Receiver bleiben eine Großbaustelle - Ex-AAF-Receiver Greg Ward ist aber Woche für Woche ein Faktor, und wenn Philadelphia über die 2-Tight-End-Sets kommen kann, ist die Offense ohnehin am gefährlichsten.

Kurzum: Mit der fraglos noch immer vorhandenen Qualität auf beiden Seiten der Line of Scrimmage sind die Eagles ein unangenehmer Gegner. Mindestens. Sie sind aber umgekehrt genauso eine komplette Wundertüte, trotz der vermeintlichen Stabilität durch die Offensive und die Defensive Line.

Für Wentz ist es eine wichtige Phase, in der er sich gerade bei seinen Kritikern als der Franchise-Quarterback manifestieren könnte, den andere längst in ihm sehen. Wenn Wentz einen Playoff-Run in sich hat, wie wir ihn auch schon von schlechteren Quarterbacks gesehen haben, dann kann Philly wirklich für die eine oder andere Überraschung im Januar sorgen.

Nicht unerwähnt bleiben darf die Tatsache, dass die Division keineswegs entschieden ist. Die Eagles müssten nur am kommenden Sonntag in New York gegen die Giants verlieren, während Dallas zuhause Washington schlägt - und schon wären die Cowboys der mittelprächtig strahlende Division-Sieger.

Und wäre ernsthaft irgendwer überrascht, wenn Daniel Jones und die Giants Philadelphias Defense kommende Woche auseinander nehmen?

Die Cleveland Browns und die 2-Point-Conversion

Analytics und das Treffen von In-Game-Entscheidungen werden ein immer größeres Thema - umso mehr hat es mich gewundert, dass bei der TV-Übertragung des Browns-Ravens-Spiels erneut das Thema 2-Point-Conversions nicht gerade ideal gelöst wurde.

Das war das Setting: Die Browns hatten acht Minuten vor dem Ende per Touchdown auf 15:24 verkürzt. Statt mit dem Extra-Punkt auf 16:24 und somit auf acht Punkte ran zu kommen, entschied sich Freddy Kitchens für die 2-Point-Conversion; ein Schritt, den Jim Nantz und Tony Romo in der Kommentatorenkabine kritisierten.

Doch was ist der Denkprozess hinter der Entscheidung? In einem idealen Szenario bräuchte Cleveland bei 9:24 einen Touchdown mit 2-Point-Conversion sowie einen Touchdown mit Extra-Punkt (in der Summe eben 15 Punkte), um auszugleichen. Also ist die Frage: In welcher Reihenfolge geht man das an?

Und hier kommt der entscheidende Punkt: Es bringt nichts, die notwendige 2-Point-Conversion möglichst lange vor sich her zu schieben, um dann womöglich mit dem letzten Play des Spiels darauf angewiesen zu sein, zwangsläufig die Conversion zu brauchen. Besser ist es, gleich beim ersten Touchdown die Conversion zu versuchen; schafft man sie, braucht es danach nur noch einen "normalen Touchdown". Schafft man sie nicht, weiß man zumindest, was man benötigt und kann dementsprechend reagieren.

Diese Option nimmt man sich selbst, wenn man die 2-Point-Conversion bis zum Schluss vor sich herschiebt, nur damit man vielleicht länger eng dran ist.

Die Patriots-Offense findet neues Leben

24 Punkte gegen diese Bills-Defense, und der erste Touchdown-Drive der Partie war vermutlich der beste Drive, den New Englands Offense seit Wochen hatte. Die Patriots liefen gegen Buffalo für insgesamt 143 Yards und 30 Prozent von Bradys Pässen kamen via Play Action - wo er im Schnitt pro Pass 8,4 Yards mehr auflegte als im normalen Dropback-Passing-Game. Auch sein einziger Touchdown-Pass kam auf diesem Wege zustande.

New England zeigte gegen Buffalo, dass die Offense auch Scoring-Drives produzieren kann, ohne dabei auf Trick-Plays angewiesen zu sein. Die Patriots haben noch immer eine der zwei, drei besten Defenses der Liga, ganz besonders gegen den Pass würde ich maximal die Ravens noch vor New England nehmen. Die Frage für dieses Patriots-Team mit Blick auf die Playoffs lautet: Wie viele Spiele können sie "hässlich" gewinnen?

Oder, wenn man es Patriots-freundlicher ausdrücken würde: Wie viele Spiele können sie mit Physis und einem Oldschool-Ansatz gewinnen? Denn genau davon reden wir, wenn wir auf die Dinge schauen, die gegen Buffalo funktioniert haben: Runs aus 21-Personnel mit Linebacker Elandon Roberts in der Rolle des Fullbacks, und aufbauend auf diesen Formationen dann ein effizientes Play-Action-Passspiel.

Die Pats werden nicht auf einen Schlag einen Schalter umlegen und aus ihren 11-Personnel-Sets, die im Laufe dieser Saison deutlich prominenter wurden, Teams im Passspiel zerlegen. Auch wäre es gefährlich anzunehmen, dass New England einfach die vergangene Playoff-Schablone übernehmen kann - ja, auch da waren sie zwar Run-lastig, doch war es in kritischen Momenten ganz besonders im Championship Game in Kansas City dann immer wieder das Passspiel, das die Offense rettete.

Und dennoch scheint der Ansatz, der gegen Buffalo zu sehen war, der vielversprechendste für dieses Patriots-Team zu sein. Wenn New England den Ball laufen kann und im Passspiel halbwegs einen Rhythmus findet, ist das noch immer ein sehr gefährliches Team. Das könnte dann offensiv nämlich genug sein, um einzelne Spiele mit der Defense zu gewinnen. Auch wenn es zweifellos ein wackliges Konstrukt bleibt, spätestens wenn man mit den Offenses der Chiefs oder Ravens mithalten muss.

Ravens sichern sich den AFC-Top-Seed

Mit dem Sieg über Cleveland haben die Ravens den Nummer-1-Seed sicher; in Woche 17 gegen Pittsburgh werden wir vermutlich einige Backups sehen. Das sollte ganz konkret mit Lamar Jackson beginnen, auch wenn das Spiel anderswo Playoff-Implikationen mitbringt: Schlagen die Steelers ein mutmaßliches B-Team aus Baltimore, und verlieren die Titans gegen Houston - das seinerseits einige Spieler schonen könnte -, würde sich Pittsburgh den finalen Wildcard-Platz sichern.

Sollte es von den Ravens die Backups geben, bin ich vor allem gespannt darauf, Robert Griffin III. mal über ein gesamtes Spiel in der Offense zu sehen. Natürlich wären in dem Szenario auch die Umstände schlechter - ich vermute, dass dann etwa auch Ronnie Stanley, Marshal Yanda oder Mark Andrews aussitzen.

Vor allem würde mich aber interessieren: Wie gut greifen die Designs, wenn man keinen Lamar Jackson hat? Wie gut ist diese Offense strukturell, wenn das Talent-Level sinkt?

Warum? Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Teams, die ohnehin vor einem größeren Umbruch stehen, diese Ravens-Offense sehen und hier eine neue Nische erkennen, in die man stoßen kann, ohne dass man einen Elite-Pocket-Passer benötigt. Vielleicht ja sogar mit Ravens-OC Greg Roman, der nicht erst jetzt in Baltimore, sondern auch davor in Buffalo und San Francisco mit vergleichbaren Offenses große Erfolge im Run Game hatte.

Pittsburgh tauscht erneut den Quarterback aus

Dass Devlin Hodges nach seinem Auftritt gegen die Bills nur noch eine sehr kurze Leine haben würde, das war kein Geheimnis - sein Start in die Partie war dann schlecht genug, dass ein Wechsel gerechtfertigt war. Also zurück zu Mason Rudolph, der bis zu seiner Herausnahme vor einigen Wochen selbst nicht gerade eine Inspiration war.

Das setzte sich dann auch fort. Rudolph war zwar effizienter und in diesem Duell mit den Jets fraglos besser als Hodges, doch auch er konnte die Offense nur vereinzelt bewegen und am Ende stand eine Niederlage gegen die Jets. Die Playoffs sind für Pittsburgh noch immer möglich; ein eigener Sieg mit einer Titans-Pleite würde die Steelers in die Postseason befördern.

Der Punkt mit den Steelers ist natürlich einerseits, dass dieses Team nur so weit kommt, wie die Defense es trägt. Das ist kein Geheimnis und war in fast jedem einzelnen Spiel zu beobachten. Doch andererseits sei noch ein anderer Aspekt erwähnt: Pittsburgh muss - ob Hodges oder Rudolph - seinem Quarterback noch mehr helfen.

Mehr Early-Down-Passing, mehr Play-Action, effizientere Screens. Man versteckt seinen Quarterback nicht, indem man konstant bei Early Down läuft; vielmehr setzt man ihn so unnötig häufig langen Second und Third Downs und damit viel anspruchsvolleren Passing-Situationen aus.

Die Bengals sichern sich den Nummer-1-Pick

Joe Burrow. Book it.

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