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Third and Long: So zerlegten die 49ers die Saints-Defense - was ist los mit Green Bay?

SPOX-Redakteur Adrian Franke blickt zurück auf Woche 14 in der NFL!
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Packers, Cam Newton, Tannehill, Patriots-Defense - eure Fragen

Kevin Penning: Kyle Allen ist in meinen Augen nicht der Franchise-Quarterback, den Carolina sucht. Glaubst du immer noch, dass Cam getradet wird?

Das hängt extrem vom neuen Head Coach ab, und es wird spannend sein zu sehen, in welche Richtung vom generellen Ansatz her Carolina hier geht. Grundsätzlich würde ich mit Newton - sofern er körperlich bei 100 Prozent ist - nochmal in die kommende Saison gehen; mit einem Cap Hit von 21,1 Millionen Dollar wäre er im Positionsvergleich fast ein Schnäppchen.

Aber natürlich bringt auch das Schnäppchen nichts, wenn der neue Coach einen klassischen Dropback-Passer für seine Offense haben will. Umso mehr ist hier aber Geduld gefragt, und in dem Fall glaube ich den Aussagen von Teambesitzer David Tepper, der erklärte, dass eine Entscheidung erst getroffen wird wenn Newton wieder fit ist; diese Woche wird der 30-Jährige am Fuß operiert. Aus Panthers-Sicht macht es in beide Richtungen keinen Sinn, hier eine vorschnelle Entscheidung zu treffen.

Gleichzeitig wäre die spannende Anschlussfrage: Welchen Trade-Wert hätte Cam Newton? Denn wenn die Panthers ihn ohnehin maximal als Übergangslösung für ein Jahr sehen und einen großen Umbruch planen, wäre es vermutlich sinnvoller, bei einem potenziell lukrativen Trade-Angebot zuzuschlagen. So oder so glaube ich den Berichten, dass es eine Entlassung nicht geben wird. Das macht angesichts der Umstände in Carolina keinen Sinn und Ian Rapoport unterstrich das am Sonntag auch mit einem Bericht.

Mit dieser Ausgangslage können wir ein Team wie Tampa Bay quasi ausschließen - die Panthers werden Newton nicht innerhalb der eigenen Division traden. So wie Ryan Tannehill spielt, sehe ich auch die Titans nicht mehr als ernsthaften Kandidaten. Bei Denver, den Giants und Washington gehe ich davon aus, dass man den jungen Quarterbacks jetzt erstmal etwas Zeit gibt.

  • Chicago Bears: Überzeugen sich die Bears nach den zuletzt besseren Spielen nochmal von Trubisky? Oder holt man einen Quarterback, der mutmaßlich ein deutliches Upgrade bedeuten würde? Problem für die Bears: Chicago hat ohnehin kaum Draft-Picks und würde vermutlich nicht das beste Angebot abgeben können. Newton soll aber von den Bears angetan sein. Wenn Trubisky die Saison so abschließt, wie er seit etwa drei, vier Wochen spielt, vermute ich aber, dass Chicago ihm noch ein Jahr gibt und das geringe Draft-Kapital nicht in einen neuen Quarterback investiert.
  • Los Angeles Chargers: Sollte es das letzte Jahr für Philip Rivers sein, könnten die Chargers - vorausgesetzt Anthony Lynn bleibt der Head Coach - in eine andere Richtung gehen. Vielleicht gibt es eine Offense, die mehr um einen mobilen Quarterback aufgebaut ist; und ein Cam Newton als Zugpferd für den Umzug in das neue, große Stadion der Rams wäre auch aus der Sicht nicht die blödeste Idee.
  • Oakland Raiders: Eine Wildcard auf der Quarterback-Position. Nach der ersten Saisonhälfte von Derek Carr dachte ich schon, dass er sich noch ein Jahr Zeit erspielt hat; seitdem ist er aber einfach deutlich in alte Muster zurückgefallen. Die Raiders ziehen nach Las Vegas um, will Gruden das vielleicht mit einem Knall machen? Oder bleibt Carr doch noch ein Jahr, während man einen jungen Quarterback dahinter ranführt? Die Raiders, mit zwei Erst- und drei Drittrunden-Picks, hätten in jedem Fall die Munition.

JanH: Was stimmt in Green Bays Passing-Offense nicht?

Definitiv mehrere Faktoren, die hier zusammenspielen. Wenn man es einigermaßen auf den Punkt bringt:

  1. Aaron Rodgers: Auch wenn es über einige Spiele früh in der Saison so aussah, als könnte Rodgers unter Matt LaFleur nochmal die Uhr etwas zurückdrehen, so muss man inzwischen festhalten: Die alten Probleme bleiben ein Thema. Rodgers' Accuracy ist wackliger geworden, er ignoriert - ja, teilweise bedingt durch Play-Designs, die seine Tendenzen unterstreichen, doch längst nicht nur - zu häufig die Mitte des Feldes und geht so auch zu wenige Risiken ein. Er zögert, er kassiert Sacks oder wirft den Ball weg statt enge Fenster zu attackieren. Das führt zu wenigen Turnovern, er lässt aber dadurch auch zu viele Möglichkeiten ungenutzt. Und in Kombination mit der Tatsache, dass er häufiger als früher offene Receiver oder kurze Pässe verfehlt, führt das zu einem Passspiel, bei dem man häufig den Eindruck hat, dass Sand im Getriebe ist.
  2. Die Waffen: Konkret gemeint ist Wide Receiver. Hier müssen die Packers dringend nachrüsten; wenn es nicht einzelne Ausreißer-Spiele wie das von Allen Lazard gegen die Giants in der Vorwoche gibt, gibt es zu häufig zu wenig außerhalb von Davante Adams. Adams ist eine sehr gute Nummer-1-Option, doch natürlich fokussieren sich Defenses dementsprechend auch auf ihn. Und trotz erhöhter Aufmerksamkeit haben wir es jetzt auch mehrfach gesehen, dass Rodgers sich im Laufe eines Spiels auf Adams etwas einschießen kann und dann gelegentlich den Ball auch in seine Richtung erzwingen will.
  3. Das Scheme: Der Part knüpft nochmals an den Rodgers-Part an. Die Offense von Matt LaFleur arbeitet sehr intensiv mit kurzen Routes der Tight Ends und Running Backs im Passspiel - daran ist per se nichts falsch, im Gegenteil, so kann man eine vielleicht unspektakuläre, aber beständige Offense produzieren. Dieser Ansatz verlangt allerdings eine konstant hohe Präzision vom Quarterback - welche Green Bay derzeit eben nicht hat. Der Spielraum für Fehler ist minimiert. Dazu kommen andere Details, wie etwa die Tatsache, dass die Packers für meinen Geschmack gerade auch im Kontext dieser Offense deutlich zu wenig mit Play Action arbeiten und das Play-Calling sowie die In-Game-Entscheidungen häufig doch sehr konservativ sind.

Die Packers haben offensiv eigentlich genügend Bausteine, dass die Offense besser aussehen sollte als es aktuell der Fall ist. Das lässt einerseits darauf schließen, dass die Bausteine womöglich nicht richtig eingesetzt werden, andererseits aber auch darauf, dass die abgerufene Leistung nicht mit dem Potenzial übereinstimmt.

Letztes ist für mich definitiv der Fall. Rodgers hat in zu vielen Spielen dieses Jahr nicht gut gespielt, und spezifisch die Schwachstellen, die Rodgers an den Tag legt, setzen zusätzlich direkt an den ohnehin vorhandenen Problemzonen weiter an und maximieren diese zusätzlich.

Die Summe der negativen Einzelteile wird somit gewissermaßen größer als die einzelnen Problemzonen, würde man sie im Vakuum addieren.

GermanDraftNerd93 und Leif: Kann man die Texans als Contender überhaupt ernst nehmen? Wenn man an O'Brien in den Playoffs und solche Auftritte denkt? Was war los bei den Texans gegen Denver?

Auch wenn der Auftritt gegen ein bestenfalls durchschnittliches Broncos-Team zunächst einmal indiskutabel schlecht war: Ich würde es nicht überbewerten, genauso wie man den eindrucksvollen Sieg gegen die Patriots in der Woche davor nicht überbewerten sollte. Abgesehen von den Ravens, die für mich derzeit das klar beste Team der Liga sind, hatte jedes Team über die letzten fünf, sechs Wochen schlechte Spiele, knappe Siege oder Niederlagen und durchwachsene Auftritte.

Zugegeben, die mutmaßlichen Playoff-Schwergewichte hatten keines vom Ausmaß der ersten Hälfte der Texans gegen Denver. Aber ich sehe Houston trotzdem noch als Top-4-Team in der AFC und traue Stand heute den Texans definitiv einen Sieg über die Patriots - das hatten wir ja gerade - oder auch die Chiefs, die selbst offensiv alles andere als gefestigt wirken, zu.

Insofern: Ja, Houston ist weiterhin ein AFC-Titelanwärter. Auch wenn ich Baltimore in der Conference klar vor dem Rest sehe. Unbestreitbar ist aber auch, dass die Texans weniger Spielraum für Fehler haben; dafür ist die Pass-Defense weiterhin zu wacklig und die Offense zu sehr davon abhängig, dass die Line standhält, dass Watson den Ball einigermaßen zügig loswird und dass ein Spieler wie Will Fuller, mit dem es schlicht eine andere Offense ist, auch wirklich fit ist - was einfach zu selten der Fall ist. Auch gegen Denver bemerkte man Fullers Abwesenheit deutlich.

Johnny F.: Was haben sie in Tennessee mit Tannehill gemacht? Er sieht aus wie ein Franchise-Quarterback, sollten sie ihn resignen?

Was Tannehill aktuell spielt ist ohne Frage beeindruckend. Und trotzdem bin ich kein Fan davon, dass die Titans jetzt Berichten zufolge an einem Vertrag über mehrere Jahre mit Tannehill arbeiten. Warum? Ich glaube nicht, dass wir gerade einen "neuen Ryan Tannehill" sehen, dessen aktuelle Leistungen sich über ein, zwei Jahre konservieren lassen.

Vielmehr sind es einige Extreme, die gerade gut funktionieren. Tannehill trifft viele enge Fenster, er ist unheimlich gefährlich gegen den Blitz, er ist gut in der Red Zone und er liefert konstant jede Woche Big Plays, auch weil er viel mit hoher Target-Tiefe in enge Fenster trifft. Bei vielen dieser Aspekte ist es schwierig, sie konstant auf diesem hohen Level abzurufen - und wir haben bei Tannehill einfach sehr viel NFL-Tape und wir haben ihn lange genug in der NFL gesehen, um zu dem Schluss zu kommen, dass er dieses Level nicht über einen längeren Zeitraum halten wird.

Das bedeutet nicht, dass er plötzlich von einem auf den anderen Tag schlecht sein wird und ja, einige der Dolphins-Teams für die er gespielt hat waren offensiv nicht gerade furchteinflößend. Gleichzeitig ist es allerdings auch nicht so, dass er in Tennessee in die Quarterback-freundlichste Offense mit einer Top-5-O-Line und den gefährlichsten Receivern der Liga rein gerutscht ist.

Diese Tatsache macht seine Leistungen einerseits umso bemerkenswerter, andererseits ist es kein Fall eines Spielers, der einfach unter deutlich besseren Umständen aufblüht und jetzt die nächsten Jahre so weiterspielen wird. Tannehill ist eine sehr gute Übergangslösung und aktuell spielt er wie ein Top-10-Quarterback, der er aber nicht über einen Sommer geworden ist. Das ist jedenfalls meine Meinung.

Der Rückschritt wird also unweigerlich folgen. Ich habe absolut kein Problem damit, wenn die Titans 2020 mit Tannehill als Starter in die Saison gehen. Ich würde das allerdings über den Franchise Tag machen, und dahinter eine langfristige Lösung aufbauen. Ich sehe Tannehill nicht als Starter über mehrere Jahre.

ollinho09: War die Patriots-Defense zu Beginn nur auf Grund des Schedules so dominant, oder würden sie "entschlüsselt"?

Der ausgesprochen einfache Schedule zu Saisonbeginn half natürlich, trotzdem erklärt das alleine nicht die Tatsache, dass New Englands Defense auf historischem Kurs war. Es bringt allerdings sehr gut auf den Punkt, wie wir Defenses in der heutigen NFL bewerten und gewichten sollten, wenn wir von der Gesamtstärke eines Teams sprechen und auch wenn es um Roster-Building geht.

1. Punkt: Eine dominante Defense kann ein Team zu Siegen tragen - solange es gegen schwächere Offense geht. Das klingt erst einmal selbsterklärend, ist aber keineswegs vorauszusetzen. New Englands Defense über die ersten Wochen der Saison war absolut dominant und war der maßgebliche Faktor für mehrere Patriots-Siege; auch gegen schlechte Gegner schaffen das längst nicht alle vermeintlich guten Defenses.

2. Punkt: Direkt anknüpfend daran muss man festhalten, dass eine Defense eben auch von der Qualität der gegnerischen Offense abhängig ist. Eine sehr gute Defense wird eine sehr gute Offense nicht ausschalten. Sie wird ihr das Leben schwer machen, aber defensive Dominanz von Woche zu Woche ist unheimlich schwierig aufrecht zu erhalten und stark von der Qualität der gegnerischen Offense abhängig. Die Spiele gegen Houston und Baltimore haben das aus Patriots-Sicht unterstrichen.

3. Punkt: Trotzdem ist New Englands Defense weiterhin sehr, sehr gut und wenn ich mir eine Pass-Defense in der NFL aktuell aussuchen dürfte, würde ich die der Pats oder der Ravens nehmen. Keine andere. Auch das Spiel gegen die Chiefs war in der Summe stark: Mahomes hatte den langen Touchdown-Pass auf Mecole Hardman, ansonsten aber hatte auch die Chiefs-Offense über weite Strecken große Probleme und konnte in der zweiten Hälfte nach dem Field-Goal-Drive zu Beginn bei vier Anläufen (3&Out mit geblocktem Punt; Fumble; 3&Out; 3&Out) nicht nur keinen Deckel auf diese Partie machen, sondern nicht einmal ernsthaft Zeit von der Uhr nehmen.

Die Patriots-Defense hielt New England auch in dieser Partie im Spiel, das ist der eine Takeaway. Der andere Takeaway ist, dass selbst die beste Pass-Defense in der NFL gegen eine starke Offense ein paar kritische Plays zulassen wird.

Deshalb würde ich in aller Regel, wenn eine Elite-Offense auf eine Elite-Defense trifft, unter dem Strich den Vorteil bei der Offense sehen, und auch im Vakuum meinen Kader mit dem entsprechenden Fokus auf die Offense aufbauen. Deshalb glaube ich auch, dass die Patriots dieses Jahr auch in den Playoffs ein maximal unangenehmer Gegner sind, ohne signifikante Steigerung der Offense aber letztlich keine Rolle Richtung Super Bowl spielen werden.

Lukas: Wie stehst du zu einer eventuellen Änderung des Playoff-Systems?

Wahrscheinlich konservativer als die meisten der Änderungsvorschläge, die ich über die vergangenen Tage so gesehen habe. Ich würde das Playoff-Feld nicht erweitern, sechs Teams pro Conference finde ich genau richtig. Genug Teams, um mehrere kompetitive und packende Playoff-Spiele zu ermöglichen und gerade so nicht zu viele Teams.

Ich würde auch weiterhin Division-Siegern einen Playoff-Platz garantieren. Die besondere Stellung der Division sollte definitiv beibehalten werden, ein Division-Titel sollte für eine Playoff-Teilnahme qualifizieren. Dafür bin ich auch gewillt, immer wieder mal einen schlechten Division-Sieger in der Postseason zu akzeptieren.

Was ich allerdings ändern würde ist das Heimrecht für Division-Sieger. Hier würde ich in der Wildcard-Runde was das Heimrecht angeht nach der Bilanz gehen. Das konkrete Beispiel dieses Jahr - dass die Cowboys ein Heimspiel gegen Seattle oder San Francisco haben könnten - ist absurd und gibt dem Division-Titel wiederum zu viel Gewicht. Kurz gesagt, gewinnt Dallas die Division, ist ein Playoff-Spiel in Ordnung. Aber Dallas - genauso wenig wie Philly - hat sich ein Playoff-Heimspiel dieses Jahr nicht verdient.

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