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NFL Preview - Seattle Seahawks vs. Los Angeles Rams: Eine gänzlich neue Herausforderung für Sean McVay

Von Jan Dafeld
Sean McVay und die Los Angeles Rams treffen auf die Seattle Seahawks.

Zum ersten Mal in seiner Karriere steht Sean McVay mit den Los Angeles Rams nicht auf Platz eins der NFC West. Mit einem Sieg gegen die Seattle Seahawks soll trotz einiger Schwachstellen im Team wieder der Sprung an die Divisions-Spitze gelingen. Seattle profitiert bislang von einem herausragenden Russell Wilson, noch weiß man aber auch in Seattle nicht, wo genau das Team wirklich steht. Das Spiel seht Ihr in der Nacht zum Freitag ab 2.20 Uhr live auf DAZN.

Beim Blick auf die Tabelle der NFC West dürfte Sean McVay diese Tage etwas Ungewohntes ins Auge springen: Eine zwei vor dem Namen seines Teams. Zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt als Head Coach der Los Angeles Rams steht das Team nicht auf dem ersten Platz der Division. 35 Spiele lang hielt McVays Serie, ehe sie bei der 40:55-Niederlage der Rams gegen die Buccaneers in der Vorwoche endete.

"Das war eine Anomalie. So werden wir in diesem Jahr nicht noch einmal spielen, deshalb mache ich mir deswegen gar keine Sorgen", zeigte sich Safety Eric Weddle anschließend noch entspannt. "Verbrennt das Tape. Ehrlich, verbrennt es und blickt nach vorne."

"Manchmal ist es ganz gut, zu merken wo du stehst", erklärte auch Cornerback Nickell Robey-Coleman. "Wenn man so stark startet wie wir in der letzten Saison, scheinen kleine Fehler nicht so wichtig zu sein, weil man ja immer noch gewinnt. Dieses Jahr haben wir unseren Denkzettel früher bekommen."

Noch haben die Rams vor dem Spiel gegen die Seahawks keinen Grund, um in Panik zu verfallen. Die Dominanz der vergangenen Jahre spricht für sich. Im letzten Jahr gewann Los Angeles die NFC West, ohne ein einziges Spiel innerhalb der Division zu verlieren. McVay hat zehn der elf Spiele gegen Seattle, San Francisco und Arizona gewonnen, in denen er seine Starter nicht schonte.

Und dennoch: Auf dem Niveau der vergangenen zwei Jahre scheinen die Rams, vor allem offensiv, noch nicht zu sein. Einige Probleme wurden innerhalb der ersten vier Saisonspiele offensichtlich. Und auch hier könnte man sagen: Es ist eine neue Herausforderung für McVay in L.A.

Los Angeles Rams: Offensive Line die schlechteste der NFL?

Denn insbesondere die Offensive Line muss McVay und seinem Trainerstab große Sorgen bereiten. Nach den Abgängen von Center John Sullivan und Guard Rodger Saffold brachen die Leistungen der Unit, die in den vergangenen Jahren zu den besten der ganzen NFL zählte, brutal ein.

Center Brian Allen und Left Guard Joseph Noteboom sind bislang klare Schwachstellen, sowohl im Pass- als auch im Run-Blocking und auch Right Guard Austin Blythe und Right Tackle Rob Havenstein kommen noch nicht annähernd an ihr Niveau der Vorsaison heran. Nach einem Viertel der Saison belegt die O-Line der Rams laut PFF ligaweit den letzten Platz.

Die Folgen sind offensichtlich: Los Angeles verzeichnet gegenüber der Vorsaison 0,8 Yards pro Run weniger, zudem steht Quarterback Jared Goff zu häufig und zu schnell unter Druck. Der 24-Jährige bekommt den Ball zwar schnell aus den Händen und leistet bislang gute Arbeit darin, Sacks zu verhindern; doch Goff agiert auch ungenau und leistet sich zu viele Fehler. Nach nur vier Spielen hat er bereits sechs Interceptions auf dem Konto, 2018 waren es in der gesamten Saison zwölf, 2017 sogar nur sieben.

Gegen Tampa Bay warf Goff zwei frühe Interceptions, nach knapp 20 Minuten lagen die Gastgeber bereits mit 0:21 zurück. Am Ende des Spiels hatte der junge Quarterback in der Folge 68 Pässe geworfen, Running Back Todd Gurley kam auf nur fünf Carries. "So hat man keinen Erfolg. Leider lagen wir früh zurück und mussten daher diesen Game Plan nutzen, aber ich glaube nicht, dass wir das beibehalten wollen", erklärte Goff anschließend.

Seattle Seahawks: Russell Wilson in bestechender Form

Die Vorzeichen, ihre eigene Negativserie von drei Niederlagen in Serie gegen die Rams zu beenden, könnten für die Seahawks somit definitiv schlechter sein. Seattle selbst hat 13 seiner letzten 18 Regular-Season-Spiele gewinnen können - nur wenige Teams waren über diesen Zeitraum besser.

Der Hauptgrund für den erfolgreichen Start in die laufende Saison ist schnell gefunden: Russell Wilson führt die Liga in Completion Percentage mit 72,9 Prozent an und hat noch keine Interception geworfen. Für Head Coach Pete Carroll spielt sein Schützling sogar besser als je zuvor: "Ich denke, er war noch nie so genau wie bisher, er ist konstanter und hat alles besser unter Kontrolle."

Das spiegelt sich auch im Play-Calling der Seahawks wieder, die in dieser Saison insgesamt betrachtet wieder vermehrt auf den Pass setzen. 2019 setzt Offensive Coordinator Brian Schottenheimer bei rund 57 Prozent der Plays auf den Pass (Platz 24 in der Liga), im vergangenen Jahr waren es noch weniger als 48 Prozent - der mit Abstand niedrigste Wert der NFL.

Seattle Seahawks: Pass-Rush überzeugt noch nicht

Trotz des ohne Frage erfolgreichen Saisonstarts gibt man sich an der Westküste noch zurückhaltend. Als "solide" bezeichnete Carroll die ersten vier Spiele seines Teams. Nicht mehr. Nicht weniger.

Noch weiß man in Seattle nicht genau, wo man steht. Das Programm zum Saisonauftakt war angenehm, ihre Siege fuhren die Seahawks gegen drei Teams ein, die gemeinsam nur eins ihrer ersten zwölf Spiele gewinnen konnten. Das Duell mit den Rams eignet sich somit auch als eine Art Standortbestimmung.

Denn noch weisen auch die Seahawks eindeutige Schwachstellen auf. Die vielleicht größte: Der Pass-Rush. Nach vier Spielen hat Seattle gerade mal 14 Quarterback Hits verzeichnen können, nur Washington und Miami haben noch weniger.

Gegen die anfällige O-Line der Rams könnten die Gastgeber somit noch mehr auf den Blitz setzen. Gegen die Cardinals verzeichnete Linebacker Mychal Kendricks so bereits zwei Sacks, zudem führte ein Blitz von Linebacker K.J. Wright zum Pick Six von Jadeveon Clowney durch einen überhasteten Screen-Pass von Kyler Murray.

Thursday Night Game: "Die dümmste Idee aller Zeiten"

Gute Nachrichten gibt es derweil von der medizinischen Abteilung: Running Back Rashaad Penny, der zuletzt zwei Spiele wegen einer Oberschenkelverletzung verpasste, soll gegen die Rams sein Comeback feiern. Mit Guard Ethan Pocic dürfte nur ein Spieler das Divison-Spiel verpassen.

Gute Voraussetzungen für die Seahawks, die unter Carroll acht ihrer neun Auftritte im Thursday Night Game gewinnen konnten.

"Wir haben definitiv einen bestimmten Ablauf für diese Spiele, um den Spielern zu helfen, sich schnell zu erholen und bereit zu sein, Football zu spielen", so der Coach.

Carroll hat somit allen Grund, um positiv gestimmt in die Nacht auf Freitag zu gehen. Für alle Beteiligten gilt das allerdings nicht. Angesprochen auf seine Meinung zum Thursday Night Game, erklärte Gurley mit Blick auf die kurze Woche und die geringe Regenerationszeit zwischen Sonntag und Donnerstag: "Für mich ist das die dümmste Idee aller Zeiten."

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