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NFL Third and Long Week 3 Recap: Daniel Jones - und die Chiefs-Offense gegen Baltimore

Die Chiefs gewannen das Duell gegen Lamar Jackson und die Ravens.

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Oldschool ist für Verlierer

Nach drei Spielen kann man von ersten Trends sprechen. Die Chiefs-Offense ist nach wie vor exzellent, die Patriots könnten die beste Defense der Liga haben, die Browns-Offense hat mehr als nur ein paar kleine Probleme - und nach wie vor herrscht in der NFL eine offensive Ineffizienz, die aus falschen Ideen davon resultiert, wie Football im Jahr 2019 in der NFL gespielt werden sollte. Kurzum: Wie sie einfach nicht mehr existieren dürften.

So etwas wie "den Run etablieren" gibt es nicht - die Idee, dass man früh im Spiel intensiv auf den Run setzt und sich das später im Spiel auszahlt, ist nachweislich falsch. Genau wie die Theorie, dass man ein gutes, funktionierendes oder auch häufig genutztes Run Game benötigt, um die Tür für das Play Action Passspiel zu öffnen.

Es scheint auf den ersten Blick ein logischer Gedanke zu sein: Die Defense muss den Run respektieren, um auf Play Action hereinzufallen, und Runs früh im Spiel funktionieren wie Körpertreffer gegen die Defense, die den Effekt davon im vierten Viertel besonders spürt.

Genau wie die Theorie, dass man mit Runs bei Early Downs mehr positive Plays und kurze Third Downs kreiert als durch die Luft. Aber wir wissen es inzwischen schlicht besser. Diese Ideen von Football sind komplett überholt.

Und dennoch sehen wir schlechtes Play-Calling, schlechte In-Game-Decisions und insbesondere offensiv Woche für Woche Coordinators, die in ihren Game Plans mehr auf ihre persönliche Sturheit und bisweilen ein scheinbar sentimentales Gefühl gegenüber dem Run Game setzen, als dass sie wirklich versuchen würden, ihrem Team offensiv eine echte Chance zu geben. Das hat längst frustrierende Züge angenommen.

Tennessee und die aussichtslosen Runs

Die Titans bereits am Donnerstagabend waren ein glänzendes Beispiel dafür. Trotz des Rückstands und obwohl Jacksonville die Line of Scrimmage kontrollierte, ließ Tennessee Derrick Henry wieder und wieder und wieder bei First Down in die Line of Scrimmage walzen.

Elf Mal lief Henry bei First Down gegen die Jags, für durchschnittlich 2,3 Yards pro Run. Neun dieser Runs waren kürzer als fünf Yards. Es ist kein Zufall, dass Henry fast 30 Prozent seiner Runs gegen acht oder mehr Verteidiger in der Box bestreiten muss.

Und die Folge daraus ist nicht nur ein ineffizientes Run Game, es sind auch die langen Second und Third Downs, die daraus folgen. Das setzt den Quarterback immens unter Druck, das macht es der Defense viel einfacher.

Und das führt uns zu den Buccaneers am Sonntag gegen die Giants.

Tampa Bay und eine Muster-Vorstellung für Play-Call-Desaster

Die Bucs hatten bei First Down einen EPA-Wert von -0,04 bei First- und Second-Down-Runs sowie 0,59 bei First- und Second-Down-Pässen (eine genaue Erklärung zu "Expected Points Added" gibt es hier). Ein gigantischer Unterschied.

Tampa hatte 13 First-Down-Passing-Plays, davon erzielten fünf Plays 15 Yards oder mehr (15, 20 TD, 30, 44, 55). 19 Mal liefen die Bucs bei First Down, nur zwei dieser Plays erzielten mehr als zehn Yards (13, 25). Elf dieser Runs brachten nicht mehr als fünf Yards ein. Und dennoch, obwohl die Giants-Secondary keine Antworten auf Mike Evans hatte, hielt man daran fest.

Das passt auch zu dem, was man von den Bucs dieses Jahr generell sieht. Runs in zugestellte Boxes, Runs bei Early Downs und in der Folge vorhersehbare Passing-Plays bei Third Down sowie eine generelle Ineffizienz einer Offense, die eigentlich zu den explosivsten Offenses der Liga gehören sollte. Beide Buccaneers-Backs laufen über 20 Prozent ihrer Runs gegen acht oder mehr Verteidiger in der Box. Gut wären Werte unter zehn Prozent.

Der traurige Höhepunkt: Nach Winstons Interception liefen die Bucs über zwei Drives verteilt neun Mal in Folge - das Resultat: ein Field Goal sowie ein Three-and-Out. Nach dem Three-and-Out machten sich die Giants zu ihrem Game-Winning-Drive auf.

Schlimmer noch: Das Field Goal brachte Tampa Bay sechs Minuten vor dem Ende mit sechs statt drei Punkten in Führung. Es war ein 4th&2 an der 5-Yard-Line der Giants. Eine klassische Down&Distance-Situation, die man dringend ausspielen sollte - umso mehr in diesem Szenario, in dem das Field Goal nur verhindert, dass die Giants per Field Goal ausgleichen könnten, mit einem Touchdown aber nach wie vor gewinnen. Das ist Coachen, um nicht zu verlieren und nicht Coachen, um zu gewinnen.

Und das sehen wir in der NFL noch immer mit einer erschreckenden Omnipräsenz. Brian Schottenheimer etwa war nach kurzem positiven Intermezzo in der Vorwoche hier vor allem bei langen Second Downs wieder zurück in alten Fahrwassern. Viele Teams müssten viel schlauer agieren, und wie Tampa Bay das Spiel gegen die Giants weggeworfen hat, ist nur die jüngste Erinnerung daran.

Wie es besser geht, haben übrigens die Ravens gezeigt. Auswärts in Kansas City, als Underdog gegen die beste Passing-Offense der Liga, wussten sie, dass sie viele Punkte brauchen werden. John Harbaugh war von Anfang an aggressiv bei Fourth Down und spielte Situationen aus, zu denen die Analytics-Zahlen genau das raten.

Nach dem Touchdown von Mark Ingram spät im vierten Viertel ging Harbaugh auf die 2-Point-Conversion und versuchte so, auf 9 Punkte zu verkürzen. Es ist die richtige Entscheidung: Gelingt es, müssen die Ravens anschließend "nur" einen Touchdown und ein Field Goal erzielen, um zu gewinnen.

Gelingt es nicht, brauchen sie einen Touchdown mit 2-Point-Conversion und ein Field Goal für den theoretischen Ausgleich - aber sie wissen dann genau, was sie brauchen und können dementsprechend das weitere Spiel angehen. Mit einem normalen Extra-Punkt hätte Baltimore nur eine Sache erreicht: Man hätte auf Overtime, statt auf Sieg gespielt.

Es lohnt sich, Harbaughs Erklärungen zu den Entscheidungen anschließend anzuhören.

Die Lücke zwischen den Teams, die vermeintlich "sicher", tatsächlich aber schlicht nicht mehr zeitgemäß coachen, und den Teams, die es verstehen, derartige Defizite auszunutzen, wird immer größer werden. Die ersten drei Wochen zeigen deutlich auf, wie groß diese Defizite bei zahlreichen Coaches noch sind.

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