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Legendenstory: Vince Lombardi - Retter der Packers und Rächer der NFL

Vince Lombardi ist der legendäre Coach der Green Bay Packers aus den 60er Jahren.

Zum Start der NFL-100-Coverage auf SPOX blicken wir auf Vince Lombardi, der für den Football lebte und diesem alles unterordnete. Seine Ankunft in Green Bay rettete die Packers vor der Auflösung und die NFL vor einer peinlichen Blamage. Lombardi transzendierte den Sport und setzte auch in der Gesellschaft Maßstäbe.

"Perfektion ist nicht erreichbar, aber wenn wir nach Perfektion streben, können wir Spitzenleistungen erzielen." (Vince Lombardi)

Um die Größe von Vince Lombardi zu beschreiben, braucht es mehr als nur ein Zitat, auch wenn dieses, wie viele andere von ihm auch, ein gewisses Gewicht hat, nachhaltig ist und auch heute noch zutreffen mag. Es reicht auch nicht, zu erwähnen, dass der Pokal, den der Super-Bowl-Champion bekommt, nach ihm benannt ist. Lombardi war mehr. Lombardi war ein Football-Coach, der den Sport für immer veränderte und dessen Bedeutung nicht nur für die NFL herausragend war und ist.

Vince, der Sohn von italienischen Immigranten in zweiter Generation, wuchs mit vier Geschwistern in Brooklyn auf und begann nach der achten Klasse eine Ausbildung, die ihn letztlich zum katholischen Priester gemacht hätte. Nach Jahr vier der Ausbildung, zwei Jahre hätte er noch vor sich gehabt, stieg er jedoch aus, weil ihm, wie überliefert ist, Mädchen doch wichtiger waren als die Kirche ...

Trotz mangelnder Athletik und einer Sehschwäche spielte er auf der High School sowohl Basketball als auch Football und erhielt sogar ein Stipendium an der Fordham University in der Bronx/New York. Trotz seiner vorherigen Position als Fullback wurde er von Coach Jim Crowley in seinem Senior-Jahr 1936 als Right Guard aufgeboten und ging als einer der "Seven Blocks of Granite" in die Geschichte des Programms ein. Gemeint war die Offensive Line der Fordham Rams plus die zwei Tight Ends.

Vince Lombardi und die "Seven Blocks of Granite"

Bedeutender war jedoch Lombardis Auftritt ganz am Ende eines Spiels gegen den großen Rivalen aus Pittsburgh - die Pitt Panthers. Trotz einer Gesichtsverletzung, durch die Lombardi mehrere Zähne verlor, wurde er für das letzte Play als Defensive Tackle eingewechselt und half mit, per Goal Line Stand ein damals sensationelles 0:0 zu halten. Eine Woche später verloren die Rams allerdings dennoch gegen Underdog NYU und vergaben damit die Chance auf eine ungeschlagene Saison - und verpassten somit den Rose Bowl.

"Winning is not a sometime thing; it's an all the time thing."

Der unbedingte Siegeswille war es, der Lombardi schon zu aktiven Zeiten antrieb, er wurde aber noch größer auf der Trainerbank. Schon zu Beginn seiner Zeit bei den Green Bay Packers machte er bei jeder Gelegenheit deutlich, was die Marschroute sein würde. Es ging um das unbändige Streben nach Perfektion.

Lombardi fand in Green Bay ein zwar hochtalentiertes Team mit zahlreichen späteren Hall-of-Famern und All-Pros vor - dieses Team war jedoch vom Weg abgekommen. Lombardi übernahm ein Team, das 1958 eine 1-10-1-Saison abgeliefert hatte. Mit extremem Training, das bei einigen Spielern zu Übelkeit und Bewusstlosigkeit führte, machte er die Spieler fit. Und innerhalb von nur drei Jahren machte er aus einer Randnotiz den NFL-Champion.

Nachdem er zunächst den Machtkampf mit der damaligen Teamführung für sich entschieden hatte, etablierte er die "Lombardi Time". Alles lief auf Lombardi Time, was bedeutete, dass jeder für jegliche Termine mindestens 15 Minuten zu früh erscheinen musste - oder ganz einfach zu spät war.

Lombardi: "Der größte Verrückte von allen"

Wie intensiv sich Lombardi mit Football befasste, unterstreicht dieser Satz: Football sei ein "Spiel für Verrückte. Und ich bin der größte Verrückte von allen". Das ging so weit, dass er stets einen Wettbewerbsvorteil suchte. Aufgrund der extremen Kälte in Green Bay, der "Frozen Tundra", dachte er sich eine beheizte Plane aus, um das Spielfeld in gutem Zustand zu halten. Er führte sogar Besucher ins Innere des Lambeau Fields, um die Erfindung stolz zu präsentieren.

"Winners never quit and quitters never win."

Bevor Lombardi jedoch zum größten Verrückten von allen wurde, musste er zunächst mal seinen eigenen Weg finden. Nach dem Studium fiel es Lombardi eben dies eine Zeit lang schwer. Seine schulischen Leistungen waren nicht sonderlich gut, zudem herrschte die Wirtschaftskrise in den USA, was es schwierig machte, einen Job zu finden. Mit Hilfe seines Vaters Harry entschied sich Lombardi dann dazu, ein Jura-Studium zu beginnen, welches er aufgrund aus seiner Sicht schlechter Noten aber schon nach einem Semester wieder beendete.

Stattdessen rief ihn der Football und er begann als Assistenzcoach an der St. Cecilia High School, einer römisch-katholischen Schule in New Jersey. Es war in erster Linie ein Job, der ihm dazu diente, eine Familie mit seiner späteren Frau Marie zu gründen.

Lombardi begann als Assistent und lehrte zudem Latein, Chemie und Physik. 1942 wurde er schließlich zum Head Coach des Schulteams, das nur ein Jahr später als bestes im Land angesehen wurde. Besonders beeindruckend war dabei der Erfolg über Brooklyn Prep, das von einem gewissen Senior-Quarterback namens Joe Paterno angeführt wurde.

Vince Lombardi über die Army in die NFL

1947 folgte für Lombardi der natürliche nächste Schritt in den College-Sport. Es ging zurück nach Fordham, wo er im ersten Jahr die Freshman-Teams im Football und Basketball trainierte. Bemerkenswert: Er hatte keine Ahnung vom Basketball, ging jedoch kurzerhand in eine Bibliothek und holte sich ein fast 20 Jahre altes Buch eines SMU-Coaches, das letztlich sein Guide für Basketball wurde.

Ein Jahr später ging es dann zum Top-Football-Team von Fordham, wo er aber "nur" Assistenzcoach war. Er fungierte zwar gewissermaßen als Head Coach, der Titel blieb ihm aber verwehrt, weshalb er kurz darauf weiterzog.

Lombardi landete in West Point, wo er der O-Line Coach der Army unter dem legendären Head Coach Earl "Colonel Red" Blaik wurde. Dort lernte er mehr als je zuvor den Wert von Disziplin. Seine gute Arbeit dort wurde schließlich belohnt durch ein Angebot von Wellington Mara, dem Besitzer der New York Giants aus der NFL.

Er wurde der Offensive Coordinator unter dem neuen Head Coach Jim Lee Howell und half zusammen mit Defensive Coordinator Tom Landry, der Jahre später die Dallas Cowboys zu zwei Super-Bowl-Titeln führen sollte, die Giants zu altem Ruhm zurückzuführen. Der Höhepunkt: Die NFL Championship im Jahr 1956 durch einen deutlichen 47:7-Erfolg über die Chicago Bears.

Zum Head Coach aber reichte es auch in seiner Heimatstadt nicht. Stattdessen akzeptierte er letztlich ein Angebot einer einst glorreichen Franchise aus Wisconsin.

Wo liegt dieses Green Bay in Wisconsin?

Bevor Lombardi den Job als Head Coach und General Manager der Packers annahm, musste er jedoch erstmal seine Familie davon überzeugen. Seine damals elfjährige Tochter Susan hatte eine berechtigte Frage: "Wo liegt dieses Green Bay?" Ihr Vater verschwand in seinem Büro, holte eine Karte der Vereinigten Staaten hervor und lokalisierte den kleinen Ort in Wisconsin.

"Wenn ich fertig bin, wird man genau wissen, wo Green Bay auf der Karte ist", war schließlich Lombardis selbstbewusste Ansage.

13 Stars und fünf spätere Hall-of-Famer waren Teil der Packers, die Lombardi übernahm. Ein Team, das dennoch für große Frustration gesorgt hatte bei den Anhängern, die wie heute als Gemeinde die Eigentümer der Franchise sind. Es wurde sogar darüber nachgedacht, die Franchise komplett aufzugeben. Bis Lombardi übernahm und das Ruder an sich riss.

Schon in seiner ersten Saison sorgte Lombardi für Aufsehen und machte aus dem Loser-Team einen Gewinner samt 7-5-Bilanz. Gut genug, um Lombardi zum Coach of the Year 1959 zu wählen. Das führte zum großen Aufschwung in der Stadt - seit 1960 war jedes erdenkliche Heimspiel im Lambeau Field ausverkauft.

In der Saison standen die Packers erstmals seit Curly Lambeaus Zeiten wieder im NFL Championship Game, unterlagen jedoch den Philadelphia Eagles. Ein Jahr später folgte jedoch der Triumph: Die Packers schlugen die Giants mit 37:0, ein echtes Statement!

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