Suche...
NFL

Third and Long: Free Agency Gewinner und Verlierer, Top- und Flop-Deals

SPOX blickt auf die erste Welle der Free Agency, inklusive der Gewinner und Verlierer.

Ihr wollt Fragen an die SPOX-NFL-Kolumne stellen? Das geht direkt hier an den Autor!

Free Agency: Colts, Cowboys, Tannehill, Jets - eure Fragen

Sebastian, Jan Sczepanski: Als Außenstehender muss man sich doch echt fragen: Wie konnten die Colts die Free Agency so verschlafen?

Das liegt sicher im Blickwinkel des Betrachters. Haben die Colts die Free Agency verschlafen? Oder waren sie schlicht nicht bereit, mit ihrem reichlich vorhandenen Cap Space deutlich zu viel zu bezahlen? Es gab ja etwa Gerüchte, dass Indianapolis im Rennen um C.J. Mosley mit dabei war, ansonsten ist es weitestgehend ruhig.

In meinen Augen haben die Colts einen absolut sinnvollen Move getätigt, und das ist die Vertragsverlängerung von Cornerback Pierre Desir. Devin Funchess hätte ich keine zehn Millionen Dollar gegeben, aber das ist ein kalkuliertes Risiko angesichts des riesigen finanziellen Spielraums.

Ansonsten ist dieser Kader einfach unheimlich jung. In der Offensive Line sind drei Starter, die 2016 (Ryan Kelly) oder später (Quenton Nelson, Braden Smith, beide letztes Jahr) gedraftet wurden. Marlon Mack und Nyheim Hines gehen 2019 in ihre dritte beziehungsweise zweite Saison. In der Defensive Front sind Anthony Walker, Darius Leonard, Tyquan Lewis und Kemoko Turay 2017er oder 2018er Picks, dazu kommen die 2017er Picks Malik Hooker und Quincy Wilson.

Indianapolis hat ein extrem junges Team mit sehr hohem Potential, das einen klaren Plan und diesen in dieser ersten Free Agency Woche ganz bewusst beibehalten hat.

Tabbey: Was ist für dich mit den Teams, die nicht so aktiv waren in der Free Agency? Beispielsweise die Cowboys?

Bei den Cowboys ist es wichtig, die Gesamtstruktur des Kaders zu verstehen. Stand heute würden unter anderem Dak Prescott, Amari Cooper, DeMarcus Lawrence, La'el Collins, Byron Jones, Jeff Heath, Jaylon Smith und Sean Lee in ihr letztes Vertragsjahr gehen. Ein Jahr später folgen Ezekiel Elliott - vorausgesetzt er spielt 2020 unter seiner Fifth-Year-Option -, Chidobe Awuzie, Xavier Woods und Tyrone Crawford.

Zusammengefasst: Dallas hat über die letzten Jahre überdurchschnittlich gut gedraftet und so ein Team mit vielen guten, jungen Spielern zusammengestellt. Was wir in Dallas im Moment also sehen, ist das, was wir seit Jahren etwa von den Packers oder den Steelers gewohnt sind - ein Team, das seine eigenen Spieler hält und im Umkehrschluss aber in der Free Agency, vor allem in der ersten und teuren Welle der Free Agency, eher die Füße stillhält.

Das sollte Fans nicht beunruhigen, es sollte ihnen ein gutes Gefühl geben. Einen Kader so zusammenzustellen, wie es die Cowboys gerade machen - und gute Drafts sind dafür natürlich die Grundvoraussetzung - ist wesentlich erfolgsversprechender als in der Free Agency mit Geld um sich zu werfen.

Dennis Sk: Welche Division ist durch die Free Agency am nächsten aneinander gerückt?

Die AFC North wäre wahrscheinlich die offensichtlichste Antwort, weil Ravens und Steelers schlechter und die Browns signifikant besser geworden sind; wenn wir davon sprechen, wo der Division-Titel nach der Free Agency am offensten ist, wäre das wohl meine Antwort.

Allerdings sind im Norden die Bengals inzwischen auch komplett abgehängt, wenn wir auf die komplette Division schauen, würde ich die AFC South nennen. Während sich Houston in meinen Augen leicht verschlechtert hat und die Colts relativ unverändert daherkommen, haben sich die Jaguars durch das Quarterback-Upgrade und vor allem die Titans mit Humphries, Saffold und Wake merklich verbessert. Diese Division ist mit Blick auf alle vier Teams durch die Free Agency am nächsten beieinander.

Flok: Tannehill zu den Titans - was steckt dahinter und hilft es vielleicht Mariota dabei, endlich den nächsten Schritt zu gehen?

Zwei Gedanken dazu, warum die Titans Tannehill verpflichten:

  1. Mariota bleibt einfach nicht fit. Er hat bislang in keiner seiner vier NFL-Spielzeiten alle Spiele absolviert und ich glaube, in Tennessee verlieren sie langsam das Vertrauen in Mariotas Körper. Die Titans haben letztes Jahr die Playoffs haarscharf verpasst, und das obwohl Blaine Gabbert drei Mal starten musste. Tannehill ist auf einen Schlag der beste Backup der Liga für einen der verletzungsanfälligsten Starter der Liga. Das hat durchaus Wert.
  2. Mariota ist in einem Make-or-Break-Jahr. 2019 wird er unter der Fifth-Year-Option seines Rookie-Vertrags spielen und wenn die Titans im Laufe der kommenden Saison zu dem Schluss kommen, dass er nicht ihre langfristige Antwort ist, werden sie ihm keinen neuen Vertrag geben. Tannehill könnte in diesem Szenario automatisch die Übergangslösung für 2020 werden.

Matthias Krüger: Haben sich die Lions mit den neuen Deals sinnvoll verstärkt, oder war es zu teuer?

Sonderlich kreativ war es natürlich nicht, was die Lions gemacht haben, aber darum geht es ja auch nicht. Matt Patricia will die Unsicherheiten der Free Agency offensichtlich dadurch ausgleichen, dass er Spieler holt, mit denen er vertraut ist und die er im Idealfall selbst gecoacht hat.

Von den vier Top-Deals, die Detroit bislang in dieser Free Agency raus gegeben hat, haben mit Trey Flowers (2015 bis 2018), Justin Coleman (2015 und 2016) und Danny Amendola (2013 bis 2017) drei Spieler eine Patriots-Vergangenheit. Ex-Steelers-Tight-End Jesse James ist die Ausnahme in dem Quartett.

Flowers war der beste Defensive Lineman auf dem Markt und passt perfekt in das, was Patricia defensiv machen will: Ein flexibler End/Tackle-Hybrid, den Patricia an der Line of Scrimmage rum bewegen kann und der Patricias Front kennt. Coleman war zuletzt einer der ligaweit besseren Slot Cornerbacks, welche in der heutigen NFL de facto Starter sind. Beide machen die Defense um Welten besser.

Jesse James gefällt mir nicht, da der Markt viele Alternativen hergibt, die mutmaßlich günstiger gewesen wären, und der Draft auf der Position ebenfalls tief ist. Gleichzeitig adressiert es eine riesige Baustelle und gibt Detroit mit Blick auf den Draft etwas Flexibilität. In der Summe haben sie sich sinnvoll verstärkt, und blickt man auf die Verträge im Detail, war da für mich auch keiner signifikant zu teuer.

Der hackfleischhassende Zerhacker: Können die Jets den Patriots gefährlich werden, oder bleiben die Patriots das Team to beat?

Die Jets haben sehr viel Geld ausgegeben, aber wie viel besser sind sie über die vergangene Woche geworden? Mosley macht die Front stabiler, Le'Veon Bell gibt den Jets eine Waffe aus dem Backfield, wie sie Gang Green seit vielen Jahren nicht hatte, Osemele ist genau die Art Trade, die Teams durchführen sollten und Jamison Crowder sollte für Sam Darnold ein Slot-Receiver werden, wie ihn sich jeder Quarterback wünscht.

Allerdings haben die Jets auch mehrere Starter in der Offensive Line verloren und stehen ohne Center-Antwort da. Die Offensive Line insgesamt, genau wie die Outside Cornerbacks - hier wird Morris Claiborne fehlen - stellen für mich größere Fragezeichen dar. Das sind keine Bereiche, in denen man in der heutigen NFL Fragezeichen haben sollte.

Die Jets sind besser geworden, Stand heute würde ich aber noch auf die Euphoriebremse treten. Das Potential ist sichtbar, ich denke, New York braucht noch ein Jahr.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung