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NFL

Third and Long: Patriots-Dynasty, Overtime, Super-Bowl-Ausblick

Die New England Patriots stehen wieder im Super Bowl - gegen die Chiefs gelang ein Vintage-Patriots-Erfolg

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Overtime-Regel, Belichicks Matchup, Brady - eure Fragen

Der hackfleischhassende Zerhacker und Muep91: Wie siehst du die Overtime-Regeln in der NFL? Ich finde im Vergleich zur NFL haben sie es beim College Football besser gelöst. Wie könnte eine fairere Entscheidung deiner Meinung nach aussehen?

Was man den College-Regeln lassen muss: es ist unterhaltsamer, weil man garantiert beide Quarterbacks - und die sind nunmal die prägenden Figuren, in den Playoffs umso mehr - auch auf dem Feld sehen wird. Gleichzeitig schwingt im College das Pendel sehr stark in die andere Richtung: das Team, das den Ball als zweites erhält (das ist ja auch die bevorzugte Wahl wenn man im College den Overtime-Münzwurf gewinnt, im Gegensatz zur NFL), hat einen massiven Vorteil.

Je nachdem, was die erste Offense auf dem Feld gemacht hat, weiß Team B dann, was es selbst machen muss. Reicht also ein Field Goal, oder muss man auf den Touchdown gehen? Das macht taktisch enorm viel aus, umso mehr, da das Team, dessen Offense zuerst raus muss, viel aggressiver vorgehen muss.

Insofern wäre die Münzwurf-Problematik zwar etwas verlagert; das Problem, dass ein Münzwurf großen Einfluss auf die Strategie und potentiell den Ausgang der Overtime hat, wäre aber nach wie vor vorhanden. Man nimmt es nur anders wahr, weil beide Offenses eine Chance mit dem Ball in der Hand bekommen.

Und dann zur NFL-Overtime: natürlich hätte jeder, Patriots-Fans ausgenommen, Mahomes gerne noch mit dem Ball in der Hand gesehen. Aber wird nicht gleichzeitig permanent betont, dass Defense auch wichtig ist? Die Chiefs, das sollte man nicht vergessen, haben einen 13-Play-Drive über 75 Yards in der Overtime kassiert und dabei drei 3rd&10-Conversions zugelassen. Wenn du den Ball willst, dann muss deine Defense eben irgendwo einen Stop hinbekommen.

Ehrlicherweise finde ich das Modell mit diesem Gedanken im Hinterkopf nicht unfair. Spektakulärer und unterhaltsamer ist der Ansatz im College definitiv; aber man sollte die Chiefs-Niederlage nicht unter "unfaire Overtime" abhaken, wenn die Defense so einen Drive kassiert.

Was wäre ein fairerer Ansatz? Man könnte einfach ein verkürztes Viertel spielen (zehn Minuten etwa). Dabei ist die Chance aber unheimlich groß, dass wir viele sehr lange Spiele mit deutlich erhöhter Verletzungsgefahr bekommen.

Nein, mein Favorit wäre ein anderer, drastischer Wandel; ein wenig äquivalent zum Elfmeterschießen im Fußball: in der Regular Season wird die Overtime abgeschafft, in den Playoffs gibt es ein "Elfmeterschießen" bestehend aus 2-Point-Conversions. Jedes Team bekommt zwei 2-Point-Conversions, und wer danach führt, gewinnt. Steht es Unentschieden, geht es abwechselnd weiter, bis es einen Sieger gibt. Kicks sind dabei selbstredend verboten.

dakofla: Belichick ist dafür bekannt, vieles daran zu setzen, dem Gegner die größte Waffe zu nehmen. Welcher Spieler oder welcher Aspekt der Rams-Offense dürfte in zwei Wochen in den "Genuss" dieser besonderen Aufmerksamkeit kommen?

Die Offensive Line der Rams. Wie im zweiten Segment bereits beschrieben, bin ich gespannt, ob die Patriots die Receiver der Rams in Man Coverage ausschalten können - erstes Gefühl auf meiner Seite: New England sollte hier die Oberhand haben.

Für mich gibt es bei L.A., im Gegensatz etwa zu Michael Thomas bei den Saints oder Kelce/Hill (je nach Gegner) aber nicht den einen Spieler, der diese Offense definiert. Stattdessen ist ganz enorm auffällig, wie drastisch gute oder eben auch schlechte Leistungen der gesamten Offense mit der Offensive Line in Verbindung gebracht werden können.

Deshalb vermute ich, dass das Belichicks oberster Ansatz sein wird: Kann New England mit seinen diversen Pressure-Paketen Goff verwirren und ihn mit dem 4-Men-Rush unter Druck setzen? Kann das Blitzing Goffs Rhythmus stören und das Run Game stoppen? Wenn die Patriots an der Line of Scrimmage gewinnen - und das muss schematisch erfolgen, denn mit einem einfachen 4-Men-Rush sollte New England gegen die Rams-Line wenig Land sehen -, dann wird es für L.A. extrem schwer.

Mr_Eagle: Wie kam es dazu, dass die eigentlich starke Saints-O-Line von der Defense der Rams derart zerlegt wurde?

"Zerlegt" ist mir zu stark - zumindest im Passing Game war das nicht der Fall. Brees stand bei zehn von 42 Dropbacks unter Druck, das ist eine sehr gute Quote. Gegen den Blitz brachte er jedes Mal den Ball weg, abgesehen von einer Phase im Spiel, als die Rams vor allem den angeschlagenen Andrus Peat in der Interior Line besser attackieren konnten, würde ich da von einem relativ ausgeglichenen Duell sprechen.

Ganz anders sah es natürlich in der Run-Defense aus. Da waren die Linebacker Cory Littleton und Mark Barron extrem aktiv, die Rams spielten es hier teilweise wie gegen Dallas; indem sie die Box aggressiv bespielten, um so einmal das schnelle Underneath Passing Game besser verteidigen zu können und außerdem eben auch im Run Game schneller zur Stelle zu sein.

Die gute Nachricht für L.A. mit Blick auf den Super Bowl: einige dieser Konzepte werden sie auch gegen die Patriots anbringen können. Spannend wird die Frage sein, ob die Rams es sich angesichts der Geschwindigkeit, die sie auf dem Linebacker-Level haben, leisten können, gegen die Pats primär aus Zone Coverage heraus zu agieren. Nicht viele Teams hatten so in den letzten Jahren letztlich Erfolg gegen Brady.

Chris Hook und Jan P. Schwarzkopf: Wie lange siehst du die Kombination Belichick/Brady noch funktionieren, wer geht zuerst und können die Pats danach weiter so dominant bleiben?

Ich erwarte, dass beide mindestens noch ein Jahr weitermachen, mit der Tendenz eher Richtung mindestens zwei Jahre. Und warum auch nicht? Belichick ist für mich immer noch der beste Head Coach in der NFL, und Brady ist mindestens ein Top-10-Quarterback - auch dieses Jahr. Er ist fraglos nicht mehr auf dem Ausnahme-Level, das er die letzten Jahre hatte, aber die Playoffs sind wieder ein guter Realitätscheck für diejenigen, die ihn in der Regular Season ins Karriereende analysieren wollten.

Die spannende Frage lautet natürlich: sehen wir irgendwann den drastischen Einbruch, wie ihn schon so viele Quarterbacks plötzlich erlebt haben? Brady bewegt sich schon jetzt mit diesem konstanten Niveau in diesem Alter im NFL-Neuland, alle Ideen, wann dieser Punkt bei Brady kommt, wären nichts anderes als Spekulation.

Aber selbst Brady wird in absehbarer Zeit nachlassen und dann irgendwann auch sportlich eben nicht mehr das Niveau haben. Darauf bin ich sehr gespannt: erkennt dieser ultra-kompetitive Quarterback, der seinen Sport so lange dominiert hat, das und tritt dann ab? Oder gibt es hier Drama mit einem Ende im Streit, und vielleicht noch einer Saison irgendwo anders?

Ich traue es Belichick ohne Frage zu, dass er noch ein, zwei Jahre ohne Brady weitermacht. Wenn ich heute raten müsste, würde ich dem Duo gemeinsam noch zwei Jahre geben.

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