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NFL Third and Long Week 14: Goff-Problem, Ravens und Kaepernick

Jared Goff und die Rams hatten in Chicago enorme Probleme.
© getty

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Patriots, Giants, Darnold, Browns - eure Fragen

Steffen und Patrick: Die Patriots spielen gegen die "großen" Kaliber sehr souverän und erfolgreich, haben gute Ansätze in der Defense. Gegen die (klaren) Außenseiter gibt's jetzt aber zum vierten Mal eine Niederlage, mit teils katastrophaler Defense. Wie ist das aus deiner Sicht zu erklären?

Gegen Miami war ich wirklich überrascht vor allem davon, dass die Patriots die Line of Scrimmage nicht besser kontrollieren konnten. Früher im Spiel gelang das phasenweise noch besser, aber ich hätte niemals gedacht, dass Miami offensiv wie defensiv in dieser Partie mit dem Run Game dominieren kann.

Da die Pats über weite Strecken dieser Saison gerade in der Run-Defense deutlich besser waren, könnte man das als Ausrutscher verbuchen; in Miami hat New England nun ja schon seit Jahren Probleme. Was die anderen Spiele angeht, rate ich immer dazu, Spiele auch individuell zu betrachten.

Was da vor allem auffällt: Zwei der schlechtesten Spiele dieser Saison kamen gegen Coaches, die die Patriots schematisch und individuell bestens kennen; Mike Vrabel in Tennessee und Matt Patricia in Detroit. Diese Coaches wissen genau, was die Pats-Defense eben nicht sehen will: Man Coverage, freie Underneath-Verteidiger, vielseitige Pressure-Pakete vor allem über die Mitte, um einige oberflächliche Aspekte zu nennen.

New England spielt seine Defense nach wie vor anders als die meisten Playoff-Kandidaten, ich bin aber immer noch der Meinung, dass die Patriots mit ihrer Defense Offenses Probleme bereiten und die notwendigen Stops produzieren können. Aber klar ist: Sie brauchen mehr Konstanz von ihrer Defense insgesamt, weil sie gerade in der Front nicht die individuellen Stars wie Mack, Donald, Watt oder auch Bosa haben, die ein Spiel mal auf den Kopf stellen können, in dem sonst nicht viel funktioniert.

LeoK: Welche Offense und welche Defense hat für dich die beste beziehungsweise schlechteste Entwicklung im Laufe dieser Saison (also nicht im Vergleich zu letzter Saison) hingelegt und in welchem Rahmen ist es überhaupt möglich, innerhalb einer Saison noch schematisch entscheidende Änderungen vorzunehmen?

Grundlegende schematische Veränderungen sind schwierig, aber neue Plays einbauen und an einigen Schrauben drehen - das gibt es jedes Jahr, auch dieses Jahr. Arizona - so schlecht die Cardinals auch sind - hat offensiv nach dem Coordinator-Tausch sichtbar Dinge umgestellt, auch bei den Browns kann man das überdeutlich feststellen.

Das können Kleinigkeiten wie mehr Play Action und Run Pass Option sein, es kann auch einfach eine bessere Play-Auswahl sein, so dass das Run Game und das Passing Game besser miteinander verflochten werden. Die Browns etwa haben das schrittweise angepasst: die Mitte des Feldes besser genutzt, Routes besser aufeinander abgestimmt, was zu deutlich höherer Effizienz im Passing Game führte. Und nach und nach sieht man auch, wie neue, kreative Plays eingebaut werden.

Die Browns sind dementsprechend für mich auch ein Team, das in puncto offensive Fortschritte ganz vorne mit dabei ist. Andere Kandidaten? Die Seahawks, weil sie ein bisschen zu ihrem Glück (=vertikales Passing Game) gezwungen wurden. Buffalos Offense wurde auch deutlich besser, seitdem Josh Allen als Runner die zentrale Rolle eingenommen hat.

Defensiv sind die Cowboys und die Chiefs ganz vorne mit dabei - zwei Teams, die im Pass-Rush dominanter geworden sind. Das ist auch ein gutes Thema für Offenses, die im Laufe der Saison abgebaut haben. Minnesota, Atlanta, Carolina; jedes Team hat seine eigenen Baustellen, doch schlechte Offensive Lines sind ein übergreifendes Thema, das Offenses häufig verbindet, wenn sie im Laufe einer Saison abbauen. Eine schlechte Offensive Line kann man in einzelnen Spielen relativieren. Auf eine gesamte Saison betrachtet ist das unheimlich schwer und verlangt sehr viel vom Quarterback und dem Play-Calling.

MicheGee: Wer ist dein persönlicher Comeback Player of the Year?

Ernsthaft in Erwägung ziehen würde ich hier nur Andrew Luck und J.J. Watt; und wie schon vor Saisonstart bleibe ich auch jetzt bei Luck. Ein Quarterback, der 2017 keinen Pass geworfen hat, um dessen Gesundheit es so viele Fragezeichen gab und der aber immer noch eine zentrale Figur für eine ganze Franchise sein soll - und dann so zurückkommt? Das ist für mich der Comeback-Player des Jahres.

Umso mehr, da wir ja dabei zuschauen konnten, wie Luck langsam zurück fand. Über die ersten Wochen der Saison war die Colts-Offense noch extrem auf das Kurzpassspiel bedacht, Luck hatte mehrfach mit die wenigsten durchschnittlichen Air Yards und wirkte gehemmt sowie limitiert.

Doch das änderte sich dann relativ schnell; und nicht nur weil er zwischenzeitlich acht Spiele in Serie jeweils mindestens drei Touchdown-Pässe pro Spiel hatte, sondern weil wir auch einen effizienteren, gefährlicheren Andrew Luck sehen. Luck hat die Turnover runter geschraubt, ohne aber die explosiven Plays zu verlieren.

In der neuen Colts-Offense mit mehr Tempo und mehr kreativen Play-Design aus Multiple-Tight-End-Sets wird der 29-Jährige den Ball schneller los und steckt so auch weniger Hits ein. All diese Dinge helfen ihm, aber wenn man sich die Colts anschaut, dann sieht man, dass Luck nicht nur zurück ist - in manchen Aspekten ist er besser, als er vor seiner Verletzung war.

Green18: Meinst du, dass die Giants jetzt vielleicht doch noch mit Manning eine Saison weitermachen?

Das Szenario ist durchaus realistisch, wenn man sich die Quarterback-Alternativen anschaut. Sollten sich die Giants entschließen - und die Möglichkeit haben - im Draft ihren erhofften Quarterback der Zukunft auszuwählen, dann gehe ich inzwischen schon fast sicher davon aus, dass man an Manning für noch ein Jahr (oder zumindest für den Start des Jahres) festhält.

Sollte man sich entscheiden, Manning nach der Saison zu entlassen, wäre das finanziell mit einem Cap Hit von sechs Millionen Dollar komplett vertretbar. Aber würde man eine langfristige Lösung auf dem Free Agency Markt finden? Bridgewater wäre eine logische Antwort, doch bekommt man den? Ansonsten wären die allermeisten Kandidaten sehr große Wildcards und man könnte sehr gut argumentieren, dass Nick Foles und Co. die G-Men auch nicht bedeutend weiter bringen und der Neustart auf der Position mit einem jungen Quarterback beginnen sollte.

Spinnt man den Gedanken weiter, dann kann man argumentieren, dass man in die nächste Saison genauso gut mit Manning und dem potentiellen Rookie gehen kann, als zusätzliches Geld für eine Übergangslösung zu verschwenden. Jedes Manning-Szenario muss für mich aber mit besagtem Rookie kombiniert werden, andernfalls sprechen wir von nichts anderem als einem weiteren verlorenen Jahr in New York.

Knickstime: War das das beste Sam-Darnold-Spiel dieser Saison?

Zusammen mit dem Colts-Spiel würde ich da mitgehen! Sehr ermutigender Auftritt von Darnold, der vor allem auch gezeigt hat, wozu er unter besseren Umständen in der Lage ist; sprich: aus einer sauberen Pocket. Wenn Buffalo ihn nicht unter Druck setzen konnte, hatte Darnold einige wirklich sehenswerte Pässe vor allem zu Anderson mit dabei, und die Bills dürfen sich in der Nachbetrachtung dieses Spiels schon fragen, ob man nicht doch mehr als fünf Blitze hätte callen sollen.

Was mir bei Darnold - bei Allen übrigens genauso, wenn wir auf dieses Spiel schauen - nach wie vor jede Woche auffällt, sind die Turnover und die vielen "Beinahe-"Turnover. Darnold hätte in diesem Spiel mindestens eine weitere Interception haben müssen und der Pick, den er geworfen hat, war einer der hässlicheren dieses Spieltags; ein Wurf glasklar in Coverage.

Aber man hat in diesem Spiel auch klar die Unterschiede zwischen beiden Quarterbacks gesehen. Während Allen als Runner ein zentraler Punkt in der Bills-Offense ist, als Passer aber über weite Strecken einmal mehr sehr inkonstant unterwegs war - eine wirklich schlechte Offensive Line half ihm gegen die Jets wenig -, versuchte Darnold, das Spiel aus der Pocket zu machen und durch seine Reads zu gehen.

Aus Analysten-Sicht will ich von meinem Rookie-Quarterback lieber Letzteres sehen.

Kai Lepper: Sind die Browns mit dieser Leistung nächstes Jahr ein Playoff-Kandidat?

Die Browns haben eine tolle Ausgangslage, und das ganz zentral aufgrund einer Personalie: wo Sam Darnold und Josh Rosen aufgrund äußerer Umstände (Coaching, Scheme, Line-Play, Waffen) nur sehr schwer zu bewerten sind, und Lamar Jackson sowie Josh Allen als Runner zwar glänzen, als Passer aber noch wild inkonstant sind, bin ich mir bei den Browns so sicher, wie man sich gegen Ende der Rookie-Saison sein kann: Cleveland hat in Baker Mayfield seinen Quarterback gefunden.

Wenn man dann noch sieht, was Freddie Kitchens mit dieser Offense macht, welche Waffen Cleveland in David Njoku und Duke Johnson bereits hat, und wie vielseitig diese Offense mit noch mehr Wide-Receiver-Hilfe sein kann - und welches individuelle Talent gerade in der Pass-Defense vorhanden ist, dann ist Cleveland mit Sicherheit eines der vielversprechendsten Teams, was die langfristige Zukunft angeht.

Oliver Friedl: Glaubst du, dass Joe Flacco noch einen Trade-Wert für die Ravens hat? Oder hältst du einen Cut für wahrscheinlicher?

Flaccos Vertrag zumindest ist für einen Trade interessanter als für einen Cut. Entlassen die Ravens Flacco nach der Saison, würden sie zwar insgesamt zehn Millionen Dollar sparen (Cap Hit: 26,5 Mio.), müssten aber auch einen Dead-Cap-Hit über 16 Millionen Dollar schlucken.

Umgekehrt: Wenn ein Team für Flacco tradet, könnte es das zunächst als Versuch über ein Jahr verbuchen. Flaccos Basis-Gehalt für 2019 beträgt 18,5 Millionen Dollar, womit er ein sehr preiswerter Starting-Quarterback wäre. Zu Beginn der Saison hatte er einige gute Spiele, insgesamt war er deutlich besser als letztes Jahr. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ein Team ihn zumindest als Übergangslösung sieht.

Wenn ich raten müsste, würde ich auf einen Trade nach der Saison tippen. Denn Baltimores Offense gehört jetzt Lamar Jackson.

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