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NFL

NFL Third and Long Week 14: Goff-Problem, Ravens und Kaepernick

Jared Goff und die Rams hatten in Chicago enorme Probleme.
© getty

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Washington Redskins: Natürlich wäre Kaepernick besser

Washington hatte dieses Jahr alle Möglichkeiten, die Division zu gewinnen - und selbst nach den Verletzungen von Alex Smith und Colt McCoy waren die Playoffs noch in Reichweite. Doch entschied man sich für Mark Sanchez als Notfall-Verpflichtung, gefolgt von Josh Johnson; ein Quarterback, der einst Colin Kaepernicks Backup war und Erfahrung in Jim Harbaughs Offense mitbringt.

Johnson, der beim Debakel gegen die Giants beim Stand von 0:40 für Sanchez übernahm, hatte fast auf den Tag sieben Jahre lang keinen NFL-Pass geworfen, der längste Zeitraum zwischen zwei NFL-Pässen seit Doug Flutie (Dezember 1989 bis September 1998). Das Argument, dass Kaepernick - der 2016 noch 331 Pässe geworfen hat - zu lange nicht gespielt hat, zieht also genauso wenig, wie der von Coach Jay Gruden, als er auf Kaepernick angesprochen wurde, angebrachte Punkt, dass man eine ganz neue Offense installieren müsse.

Washington stand schon mit Alex Smith in der Top-10 was QB-Option-Plays angeht, eine Qualität, die Gruden in der Offseason ausdrücklich gelobt hatte. Smith ist in dieser Saison trotz inzwischen mehrerer verpasster Spiele nach wie vor in der Top-15 was QB-Rushing-Yards über designte Runs (Scrambles also ausgeschlossen) angeht.

Kaepernick hat außerdem in vergangenen Jahren in Offenses mit West-Coast-Basis gespielt, was auch der Redskins-Offense zugrunde liegt. Teilweise kann man komplette Plays der Redskins-Offense 1:1 auf Kaepernick-Tapes wiederfinden. Und um die Ironie perfekt zu machen, war das erste Play mit Josh Johnson am Sonntag ein Zone-Read-Spielzug.

Hier werden von Gruden leere Argumente angebracht, während jeder weiß: Washington will sich die Debatten und die Kritik aus einigen Ecken des Fan-Lagers nicht zumuten. Das bedeutet in Washingtons Fall aber gleichzeitig, dass man sich selbst nicht die beste Chance auf Siege gibt; denn diese Chance wäre mit Kaepernick ohne jede Frage höher als mit Sanchez und Johnson. Man könnte sein Run Game ausbauen, man könnte Defenses andere Aufgaben geben und man müsste sich dafür keineswegs um 180 Grad drehen.

Somit hätte man wenigstens einen Ansatz, statt wie sich jetzt offensiv im identitätslosen Nichts zu bewegen. Und natürlich sendet man damit auch ein Signal vor allem an die Leader und Routiniers im eigenen Team. Denn jedem Spieler ist klar, dass man eine größere Chance auf Siege haben könnte.

Und jedem ist auch klar, dass andere Gründe hinter diesen Entscheidungen stehen, denn sportlich ist das nicht zu rechtfertigen. Und dafür soll man auf dem Feld dann jede Woche 100 Prozent geben und seinen Körper aufs Spiel setzen?

Miamis explosive Plays: warum sind die Dolphins so gefährlich?

Natürlich wird das Ende dieses Spiels vor allem in Erinnerung bleiben. Aber man würde den Dolphins damit nicht gerecht werden. Denn einerseits überraschte Miami, indem die Dolphins offensiv wie defensiv das Run Game bestimmten - etwas, das im Vorfeld genau andersherum zu vermuten stand.

Vor allem aber sind die Dolphins dieses Jahr immer wieder in der Lage, Big Plays zu kreieren, und das ist ein Thema, das diese Saison in Miami prägt und auch faszinierend macht; weil es eben kein Einzelfall ist. In mehreren Spielen dieses Jahr schien Miamis Offense nichts reißen zu können - und dann gewann Miami doch durch mehrere Big Plays. Tennessee zum Auftakt ging in die Richtung, am eklatantesten war hier wohl das Raiders-Spiel.

Und gegen die Patriots gab es sie wieder. Tannehill war bei Pässen über mindestens 20 Yards 2/2 für 66 Yards und einen Touchdown, in der Mid-Range (10+ Yards) beendete er die Partie 5/7 für 130 Yards und einen Touchdown. Ebenso das Run Game: Ein 54 Yarder durch Bolden, ein 36 Yarder durch Gore, Tannehill selbst hatte einen 13-Yard-Run.

Die Dolphins sind primär ein 11-Personnel-Team (ein Running Back, ein Tight End, drei Wide Receiver), in den Spieltag ging Miami mit einer 11-Personnel-Quote von 79 Prozent - lediglich die Rams, die mit 95 Prozent hier alles in den Schatten stellen und Geschichte schreiben, lagen vor den Dolphins.

Dabei gehört Miami zu den Run-lastigsten Teams aus 11-Personnel, in 39 Prozent der Fälle laufen die Dolphins hier. Und genau das passierte auch bei Gores langem Run Mitte des ersten Viertels. Die Dolphins kommen in einem 3-Receiver-Set mit allen drei Receivern in einer Bunch-Aufstellung auf der rechten Seite der Formation raus. Hier täuscht Miami nach dem Snap einen Screen an.

Der Tight End ist auf der linken Seite hilft der Offensive Line, die Defensive Front nach innen zu blocken, so dass die komplette rechte Seite der Line als Pull-Blocker arbeitet - inklusive dem Right Tackle als Lead Blocker, dem Gore durch die Lücke folgen kann. Das Resultat ist ein offener, einfacher Big-Play-Run.

Und mit ähnlichen Blocking-Ansätzen arbeiteten die Dolphins gegen New England mehrfach erfolgreich. Power-Blocking-Konzepte mit Pull- und Trap-Blockern. Ein anderes sehr gutes Beispiel hierfür war der lange Touchdown-Run von Ex-Patriot Branden Bolden.

Die Dolphins haben dabei erneut zwei Pull-Blocker, dieses Mal sind es beide Guards. Der im Backfield postierte Rookie-Tight-End Durham Smythe tauscht mit dem Right Tackle nach dem Snap die Blocking-Position, während sich der Center und der Left Tackle schnell auf das Linebacker-Level bewegen.

Sehr viele sich bewegende Teile, aber wenn alle Blocks klappen, dann entsteht eine riesige Run-Gap.

Miami war außerdem mehrfach in der Lage, New England im Passspiel vertikal zu attackieren - wie etwa beim Touchdown-Pass zu Butler.

Der Fokus liegt dabei auf dem Scissor-Konzept der beiden vertikalen Routes auf der linken Seite der Formation. Die Patriots spielen viel Man Coverage, so auch hier auf dieser Seite der Formation.

Gilmore, der Outside-Cornerback, muss also mit nach innen navigieren, um den innen postierten Cornerback und den Slot-Receiver der Pats, dessen Route Richtung Seitenlinie wegzieht, herum. Gilmore spielt vor dem Snap eher ein Outside-Route, und so ist es - ohne tiefen Safety in der Mitte des Feldes - ein einfacher Read für Tannehill.

Miamis Offense ist noch immer nicht ganz einfach zu greifen, weil im Gegensatz zu den meisten Teams eine klar erkennbare Identität häufig fehlt. Doch die explosiven Plays im Run und im Passing Game sind ein Thema, das sich zumindest durch die Spiele mit Tannehill wie ein roter Faden zieht.

Tannehill wirft 13,7 Prozent seiner Pässe mindestens 20 Yards weit, von allen Quarterbacks mit mindestens 200 Dropbacks ist das der siebthöchste Wert und hat dabei bereits sechs Touchdown-Pässe geworfen; zum Vergleich: Baker Mayfield hat eine noch höhere Deep-Pass-Quote (14,9 Prozent) und insgesamt fast 200 Dropbacks mehr (414) als Tannehill (221) - bei Pässen über mindestens 20 Yards hat er aber lediglich zwei Touchdowns mehr auf dem Konto.

Die Dolphins sind noch immer ein Team, das überraschen kann. Die explosiven Offense-Plays sind auf dieser Seite des Balls der zentrale Grund dafür.

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