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NFL

Third and Long: Patriots-Defense - und wer kommt in die Playoffs?

Die New England Patriots haben defensiv über die letzten Wochen ihre Playoff-Form gefunden.
© getty

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Cowboys und Texans Contender, Offenses der Zukunft, Rodgers - eure Fragen

Max Vatter: Entwickeln sich die Cowboys gerade zu einem ernsthaften Super Bowl Contender?

So weit würde ich nicht gehen, nein. Haben die Cowboys gerade eine der drei, vier besten Defenses? Keine Frage, und ich bin sehr gespannt, wie weit ein Team damit in der NFL 2018 kommen kann. Meine Vermutung ist und bleibt, dass Dallas' Offense im Endeffekt nicht gut genug ist, um dieses Jahr ganz oben mitzuspielen; und gemeint ist natürlich das Passing Game.

Dak Prescott hat von der Verpflichtung von Amari Cooper enorm profitiert, ich hatte letzte Woche ja bereits aufgeführt, dass Dallas inzwischen deutlich mehr 11-Personnel und Spread-Formations spielt, woraus Prescott sich als Ballverteiler am wohlsten fühlt.

Dennoch haben die Cowboys noch immer klare Limitierungen im Passing Game, schematisch auf der einen, aber auch insbesondere im vertikalen Passspiel auf der anderen Seite. Hier wiegen dann auch Prescotts Probleme mit Pressure besonders schwer. Dallas wird mit Blick auf die Playoffs ein Team sein, das unangenehm zu spielen, gleichzeitig aber auch deutlich weniger gefährlich ist, als die NFC-Playoff-Konkurrenz.

Taufeger und pedda: Kaum jemand spricht über die Texans. 9 Siege in Folge sind schon eine Nummer. Verhältnismäßig leichter Rest-Schedule. Aber bisher kaum Super-Bowl-Contender. Was ist den Texans in den Playoffs zuzutrauen? Conference Finale? Super Bowl?

Ich ertappe mich selbst regelmäßig dabei, dass ich Houston als gefährliches Playoff-Team nicht auf dem Zettel habe. Die Ursache dafür ist in der Offense zu finden: Ja, Watson und Hopkins können an einem guten Tag jede Defense vor riesige Probleme stellen. Einer meiner zentralen Takeaways bei den Texans bleibt allerdings auch, dass Houston stark auf deren individuelle Fähigkeiten angewiesen ist, weil das Scheme durch die schlechte Offensive Line Limitierungen hat.

Nach wie vor steht kein Quarterback prozentual so viel unter Druck wie Watson, der gegen Pressure noch immer beachtliche Spiele abgeliefert hat, gleichzeitig hier allerdings auch seine Turnover-Problematik am deutlichsten wird. Houston ist ein Team, das in der Postseason ein Spiel gewinnen kann, womöglich auch zwei. Damit dieses Jahr der ganz große Wurf drin ist, muss in den Playoff-Spielen gerade offensiv aber schon alles perfekt passen.

Die Texans haben zwar eine sehr, sehr gute Defense, die wirklichen Top-Gegner waren während der Siegesserie allerdings auch nicht dabei - und kommen bis Ende der Regular Season auch nicht. Dann aber warten Teams wie die Steelers oder die Chargers, die gegen dieses Texans-Team die Line of Scrimmage komplett kontrollieren können. Und dann wird es schwer für Houston.

Sebastian: Wir sehen dieses Jahr viele interessante Ansätze in der Offense. Seahawks mit viel Rushing, Ravens mit Jackson und die Colts mit den Tight Ends. Worin siehst du die Stärken einer sehr guten NFL-Offense in der Zukunft?

Diese Frage könnte problemlos eine eigene Kolumne und mehr füllen, und in der Offseason wird sie das vermutlich früher oder später auch. Aber ein paar Gedanken dazu:

Einmal natürlich besteht die Stärke einer Offense darin, eine Offense gemäß der Stärken und Schwächen der eigenen Spieler aufbauen zu können; das war schon immer eine zentrale Qualität für einen Offensive Coordinator und daran wird sich auch nichts ändern. Wenn man mehr auf das Gesamtbild schaut, würde ich eine ganz simple Aussage als übergeordnete Überschrift wählen:

Was sind die effizientesten Wege, eine Defense vor Probleme zu stellen, ohne den Quarterback in die Rechnung mit einzubeziehen? Und gleichzeitig die entgegengesetzte Frage: welche Offense passt am besten zum Quarterback?

Ich habe versucht, das in einige zentrale Aspekte zu sortieren, und kam am Ende dazu:

  • Gezielte Mismatches kreieren
  • Weniger statische Offenses, Plays noch besser miteinander verknüpfen
  • Reads Pre- und Post-Snap klar definieren und erleichtern
  • Konkrete Coverage-Beater für Zone und Man Coverage einbauen

Der Weg dahin kann durchaus unterschiedlich sein. Eine Offense wie die der Colts wird durch die vielen 2- und 3-TE-Sets viele Base-Defenses sehen, was die Defensive schon von vorneherein etwas limitiert und die Reads vereinfacht. Kansas City legt sich Defenses mit seiner irren Anzahl an Pre-Snap-Motions vor dem Snap schon zurecht, forciert so gewisse Matchups und kann gleichzeitig darauf diverse Plays aufbauen.

Und das führt zu einem anderen größeren Punkt. Jeder, der diese Kolumne regelmäßig liest, hat inzwischen mitbekommen, dass die Rams-Offense nahezu ausschließlich aus 11-Personnel funktioniert und ihre große Stärke darin hat, dass Run- und Pass-Plays Pre-Snap und sogar Post-Snap unheimlich ähnlich aussehen. Das erschwert der Defense die Arbeit extrem und deshalb ist das Play-Action-Passspiel der Rams auch so gefährlich.

Das ist ein Weg, um seine Offense effizienter zu machen, genau wie die exzessiven Motion-Pakete der Chiefs. Allerdings ist das zentrale Thema hierbei für mich: wie kann man Plays noch besser aufeinander aufbauen? Etwa indem man, ganz simpel gesagt, aus identischen Motion-Paketen mal den Ball an den Motion-Spieler übergibt, mal den Pass wirft, mal einen Run in die andere Richtung laufen lässt.

Die guten Offenses sind unter anderem darin bereits viel, viel weiter als die schlechten Offenses. Ein offensives Scheme darf nicht einfach eine Aneinanderreihung verschiedener einzelner Plays sein, wie es übrigens in Green Bay jetzt schon seit einer Weile der Fall war. Es muss in sich harmonisch und stimmig sein, Plays und Formationen müssen aufeinander aufbauen können dann noch mit Dingen wie Misdirection und Option Plays zusätzlich schwer lesbar gemacht werden.

Sebastian von Horn: Geht's mit Aaron Rodgers grundsätzlich eher bergab, oder denkst du, er könnte mit neuem Scheme und Head Coach wieder eine ganze Saison lang konstant auf MVP-Level kommen?

Das ist die große Frage in Green Bay, auf die es im Endeffekt heute keine klare Antwort gibt. So viel kann man aber sagen: Rodgers ist physisch noch immer einer der zwei, drei talentiertesten Quarterbacks der Liga und hat einen Top-3-Arm; das sieht man auch dieses Jahr. Und natürlich haben wir alle die Fehlwürfe und vor allem die eklatanten Accuracy-Probleme gesehen, und davon kann und sollte man Rodgers auch nicht einfach freisprechen. Wie viel davon ist mentaler Natur?

Aber der Knackpunkt ist ein anderer: gelingt es dem neuen Coach, dass Rodgers dem Scheme vertraut und mehr innerhalb der Struktur dieses Schemes spielt? Dafür muss die neue Offense Rodgers' Stärken noch besser in diese Struktur einbauen, doch die Realität ist ja auch: Rodgers hat über die vergangenen Jahre in vielen Spielen auch deshalb so viel improvisiert, weil er offensichtlich dem Scheme nicht mehr vertraute. Das war mehr als offensichtlich.

Gleichzeitig gehört diese Facette auch untrennbar zu Rodgers' Spiel dazu, und dementsprechend wird es eine Gratwanderung für den neuen Coach. Rodgers braucht jemanden, der ein Elite-Play-Action-Game entwirft, der Präzision und Rhythmus in das Passspiel bringt und der Rodgers' Arbeit mit mehr Motion, mit mehr Matchup-Spielern und auch mit simplen Dingen wie besseren Screen-Designs und Run Pass Options erleichtert.

Um die Frage ein wenig zu beantworten: selbst wenn Rodgers sein MVP-Level nicht mehr erreicht, muss es dennoch nicht konstant bergab gehen. Ich glaube sehr wohl, dass Rodgers nächstes Jahr noch ein Top-5-Quarterback sein kann, auch auf die ganze Saison gesehen. Er braucht inzwischen nur mehr Hilfe dabei.

dakofla und Herr Bert: Vor der Saison war das große Thema, dass die NFC deutlich breiter in der Spitze ist als die AFC. Wenn ich es jetzt betrachte, sehe ich Rams und Saints vs. Chiefs, Chargers, Patriots und Steelers - ist es Zeit die Aussagen von vor der Saison zu revidieren?

Würde ich mitgehen. In der NFC sind einige der größeren Contender-Enttäuschungen dieses Jahr - Green Bay, Atlanta und Philadelphia vorneweg -, genau wie als Top-Teams gehandelte Kandidaten, die zumindest bislang nicht auf das ganz hohe Level gekommen sind. Minnesota ist das Paradebeispiel dafür. Viele hatten die 49ers auch als Playoff-Kandidaten auf der Liste, deren Saison durch die Verletzungen ein Muster ohne Wert wurde.

Insofern würde ich bei den Teams zustimmen. Ich habe in der obersten Contender-Spitze die Rams und Saints aus der NFC und die Chiefs, Patriots, Chargers und Steelers aus der AFC auf dem Zettel.

Marvin: Robert Griffin III. sah in seinem Drive heute sehr selbstbewusst und solide aus. Glaubst du, er könnte nächstes Jahr Backup oder Starting-Quarterback werden, und wer sollte Interesse haben?

RG3 hatte ja auch in der Preseason schon einige gute Auftritte, es ist kein Zufall, dass die Ravens letztlich drei Quarterbacks mit in die Saison genommen haben. Griffin soll sich, was man so aus Baltimore hört, auch als Person merklich weiterentwickelt haben. Weg von dem Social-Media-, Marken- und Image-Getue, hin zu mehr Fokussierung auf den Sport.

Rein sportlich weiß ich nicht, ob allzu viele Teams ihm einen Startplatz noch zutrauen - oder ob die Skepsis angesichts seiner Verletzungsprobleme und den Fragen danach, ob er als Dropback-Passer Erfolg haben kann, nicht überwiegen.

Das ist für mich das wahrscheinlichste Szenario: als Unrestricted Free Agent wird Griffin im Frühjahr den Markt testen, und einen ähnlichen Deal wie Teddy Bridgewater letztes Jahr bekommen. Stark auf Boni-Zahlungen aufgebaut und sportlich eine theoretische Chance, aber keinerlei Garantien darauf, dass er starten kann. Vielleicht bei einem Team wie den Giants, bevor die wissen, welchen Quarterback sie im Draft bekommen.

Wird daraus nichts, könnte er immer noch ein Top-Backup etwa in Dallas, Seattle, Tennessee oder auch Baltimore selbst sein.

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