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Die NFL vor großen Quarterback-Wechseln

Der NFL könnte 2018 ein historisch guter Quarterback-Markt bevorstehen

New England Patriots: Garoppolo UND Brady?

Die absolute Luxus-Situation, die allerdings auch eine interessante Dynamik entwickeln könnte. Brady ist 40 Jahre alt, bislang zeigt er noch keine Anzeichen von körperlichem Abbau. Im Gegenteil: Über die letzten Jahre hat er etwa seine Bewegungen in der Pocket deutlich verbessert und auch bei der Auftakt-Pleite gegen die Chiefs zeigte er einige makellose lange Pässe.

Doch dahinter scharrt Jimmy Garoppolo mit den Hufen. Nachdem New England über den Sommer mutmaßlich mehrere Trade-Offerten für Garoppolo ablehnte, geht der jetzt in sein letztes Vertragsjahr in Foxborough. Ja, die Patriots könnten ihn mit dem Franchise Tag noch ein Jahr halten. In Kombination mit den 15 Millionen Dollar, mit denen Brady den Salary Cap 2018 belastet, würde New England dann aber für ein Jahr etwa 37 Millionen Dollar für die Quarterbacks ausgeben.

Mehr noch: Falls Brady tatsächlich abbaut - wann zieht man die Reißleine beim größten Spieler der Franchise-Geschichte? Eine Entlassung Bradys macht aus Cap-Sicht erst nach der 2018er Saison Sinn, wie lange hält Garoppolo dahinter noch die Füße still? Einigen sich die Patriots mit ihm auf einen langfristigen Vertrag? Oder kommt es zum undenkbaren Brady-Trade?

Bill Belichick ist bekannt dafür, dass er auch bei verdienten Spielern letztlich relativ emotionslos handelt. Brady aber ist in jederlei Hinsicht ein anderer Fall. Selbst für Belichick.

Washington Redskins: Was wird aus Cousins?

Die Situation in Washington sollte inzwischen jeder kennen. Die Kurzversion: Die Redskins gaben Kirk Cousins im zweiten Jahr in Folge den Franchise Tag, nachdem in einer turbulenten Offseason unter anderem der Offensive Coordinator und die beiden besten Wide Receiver die Hauptstadt verlassen hatten. Vor allem rund um die Free Agency ging es in Washington hoch her, immer wieder wurde über einen Trade des Quarterbacks spekuliert.

Stattdessen wird er sich in einer neuen Offense mit neuen Receivern und einem einmal mehr angeschlagenen Jordan Reed abermals beweisen müssen - ehe er dann auf dem freien Markt wohl seine Entscheidung treffen darf. Washington könnte Cousins auch mit dem Franchise Tag ein drittes Mal binden, müsste dann dafür aber 34 Millionen Dollar auf den Tisch legen (28 Millionen für den Transition Tag).

Die Gerüchteküche brodelt längst, viele Teams sehen Cousins als neuen Quarterback der San Francisco 49ers. Dort ist seit diesem Jahr Kyle Shanahan am Steuer, der Cousins bereits 2012 und 2013 in Washington trainiert hat.

Cousins kennt Shanahans Offense zumindest in den Grundzügen also bereits, und auch wenn ihn viele nach wie vor kritisch sehen: Cousins hat in den vergangenen Jahren unter Sean McVay gezeigt, dass er eine vom Scheme her starke Offense mit der nötigen Unterstützung seiner Mitspieler auf das Feld übertragen kann. Cousins ist nicht der Quarterback, der eine Offense im Alleingang trägt - doch braucht Shanahan das auch gar nicht.

Jaguars und Jets: Die großen Unbekannten

Beide Teams sind ganz heiße Kandidaten auf einen Quarterback im kommenden Draft. Insbesondere die Jaguars allerdings, die in vielen Teilen ihres Kaders mutmaßlich um die Playoffs mitspielen könnten, dürften aber auch den Free-Agency-Markt im Blick haben: Ein erfahrener Quarterback könnte mit diesem Team schnell Erfolge haben. Bei den Jets dagegen spricht die Marschroute der gesamten Offense Bände: Der komplette Umbruch, idealerweise garniert mit dem Nummer-1-Pick soll her.

Ein weiteres Team, das man hier auf dem Radar haben sollte, sind die Arizona Cardinals. Aus dem ersten Saisonspiel sollte man keine vorschnellen Schlüsse ziehen, Palmers Arm allerdings sah besorgniserregend aus. Ungenauigkeiten, schlechtes Timing, kein Touch - die Maßnahmen in der Offseason (Palmer hatte deutlich weniger geworfen, um den Arm nicht wie im Vorjahr zu überanstrengen) müssen ihre Wirkung jedenfalls erst noch zeigen.

Sollte im Laufe der Saison klar werden, dass Palmers Zeit in der NFL abläuft, dann wäre Arizona ein ganz konkreter Quarterback-Anwärter. Sowohl für den Draft, als auch für die Free Agency - der gegenüber Coach Bruce Arians gerade für Quarterbacks alles andere als abgeneigt ist. Arizona hat Palmers Nachfolge bislang nahezu komplett ignoriert, Arians macht keinen Hehl daraus, dass er die meisten College-Quarterbacks als langfristige Projekte ansieht. Ist Palmer aber plötzlich fertig, werden die Cards mindestens eine Übergangslösung brauchen.

Und auch die Buffalo Bills sind nach wie vor ein Kandidat für den Quarterback-Markt. Die Bills bauten ihre Offense über die vergangenen Wochen und Monate sichtbar um, vom Abgang der gefährlichsten Deep-Threats (Watkins, Goodwin) über die Verpflichtung von Slot-Waffen und Optionen für ein Kurzpassspiel (Matthews sowie der inzwischen zurückgetretene Boldin) bis hin zu einer scheinbar stärkeren Fokussierung auf Tyrod Taylor in der Pocket.

All das legt den Schluss nahe, dass Buffalo zumindest nicht abgeneigt wäre, sich auf der Quarterback-Position zu verändern - auch wenn das angesichts von Taylors Qualitäten zunächst eine eher fragwürdige Entscheidung wäre. Ein Spieler wie Bridgewater etwa könnte in dieser Offense Sinn machen. Sollte es dazu kommen, wäre mit Taylor ein weiterer hochinteressanter Quarterback auf dem Markt.

Cutler? Tannehill? Was passiert in Miami?

Auch die Miami Dolphins könnten nach der Saison möglicherweise vor eine Wahl stehen - dann nämlich, wenn Jay Cutler in South Beach unter Adam Gase tatsächlich seinen zweiten Frühling erlebt. Für Ryan Tannehill ist es eine bittere Saison: Der 29-Jährige hat in der vergangenen Saison deutliche Schritte nach vorne gemacht, verpasst allerdings die komplette Spielzeit mit einem Kreuzbandriss - und Miami könnte sich bei einem Dead Cap über 4,6 Millionen Dollar 2018 von ihm trennen.

Noch lukrativer: Die Dolphins könnten Tannehill via Trade abgeben. Von allen hier aufgelisteten Quarterback-Szenarien ist das das unwahrscheinlichste. Gleichzeitig aber ist auch klar: In der NFL kann sich das Blatt auch für einen QB schnell einmal wenden und falls Cutler tatsächlich eine gute Saison spielt (und den Rücktritt abermals aufschiebt) wäre zumindest ein interessanter Quarterback in Miami verfügbar.

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