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"Mit meinen Quellen ist es wie beim Dating"

Hunderte Anrufe, tausende Nachrichten pro Woche: NFL-Reporter Ian Rapoport

SPOX: Hat es denn denn Vorteile für mich als Spieler, Ihnen etwas zu erzählen? Es ist ja in dem Sinne kein Geben und Nehmen, dass Sie später etwas für mich tun können.

Rapoport: Nun, nehmen wir den Fall, dass ein Spieler verletzt ist. Er spielt schlecht, hat aber eine Kniezerrung von der niemand etwas weiß. Wenn das öffentlich gemacht wird, denken die Leute nicht mehr: "Mann, der Typ ist schlecht" sondern "Der ist hart im Nehmen". Das wäre nur ein Beispiel. Es ist so: Wenn mir jemand etwas erzählt, dann gibt es immer einen Grund dafür. An mir liegt es, das Warum herauszufinden. Was hat diese Person davon? Verändert der Blickwinkel dieser Person die eigentliche Nachricht?

SPOX: Gibt es Unterschiede zwischen jungen Spielern und alten Hasen im Locker Room?

Rapoport: Manchmal kommt es vor, dass ältere Spieler nach ihrer Karriere zum Fernsehen wollen. Deshalb stecken sie dir etwas und hoffen darauf, dass sie später so einen Stein im Brett haben.

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SPOX: Durch Ihre Arbeit haben Sie sich natürlich auch einen Ruf aufgebaut. Passiert es denn, dass sich Leute bei Ihnen melden und Ihnen etwas verraten, die Sie persönlich gar nicht kennen?

Rapoport: (überlegt) Ja, ich würde sagen, dass das auch hin und wieder passiert: Leute kennen dich aus den sozialen Medien oder aus dem Fernsehen und nehmen dann Kontakt auf: Hey, ich hab da was für dich. Das Problem ist: Ich kenne sie dann natürlich auch nicht. Und dann muss ich sicherstellen, dass das, was mir da erzählt wurde, so auch richtig ist.

SPOX: Und wie macht man das? Braucht man die Info ganz klassisch aus mindestens einer oder zwei anderen Quellen?

Rapoport: Oft ist dabei die entscheidende Frage, woher die betreffende Person es überhaupt weiß. Wenn es um Vertragsverhandlungen geht und ich mit dem Berater spreche, dann ist klar: Er weiß Bescheid und ist eine gute Quelle. Aber vielleicht will diese Person auch einfach nur, dass gewisse Zahlen an die Öffentlichkeit kommen, die sie gut dastehen lässt. Also überprüft man das mit jemandem von der anderen Seite. Oder man hat einen Spieler, der sagt: ich gehe auf die Injured-Reserve-Liste - dann ist das eine ziemlich gute Quelle. Und dann fragt man auf der anderen Seite, wer ihn im Kader ersetzt. Es gibt also viele Faktoren, die eine Rolle spielen.

SPOX: Wie Sie gesagt haben: Es wird auch Spieler, Berater oder Team-Offizielle geben, die Sie ausnutzen wollen. Ist es schon einmal passiert, dass Sie jemand reingelegt hat und so an einen besseren Vertrag gekommen ist?

Rapoport: Von "reingelegt" würde ich nicht sprechen. Aber natürlich kommt es vor, dass dir jemand Vertragszahlen gibt und sagt: Das ist der Deal. Und nachdem man darüber berichtet hat, kommt heraus: Das ist eigentlich nur der maximale und nicht der eigentliche Betrag. Aber je länger man dabei ist und die Zahlen bewerten kann, desto besser blickt man durch. Wenn es also um einen Running Back geht und mir jemand sagt: "Er bekommt 14 Millionen Dollar pro Jahr", dann weiß ich: Okay, ganz ruhig. Wie groß ist der Deal wirklich? Es kann schon passieren, dass ich die mir genannten Zahlen dann nicht melde, sondern auf die eigentlichen Zahlen warte.

SPOX: Es muss doch auch mal vorkommen, dass Sie zum Beispiel über eine Verletzung berichten und der betreffende Spieler - oder auch das Team - ganz schön wütend auf Sie ist.

Rapoport: Das passiert andauernd, jede Woche eigentlich. Das stört mich aber nicht, so lange meine Informationen korrekt sind. Wie heißt es: Die Wahrheit wird dich frei machen.

SPOX: Und dann klingelt das Telefon und es gibt Ärger?

Rapoport: Auch wenn ich etwas herausfinde, das die Betreffenden ärgert, sind sie ja nicht wütend auf mich persönlich. Es ärgert sie nur, dass ich es herausgefunden habe. Es gibt auch solche, die es persönlich nehmen. Aber wenn sie dich anrufen, dann hörst du ihnen eben zu. Es ist schon passiert, dass ich etwas am Sonntag berichtet habe und am Abend nach dem Spiel noch eine Stunde bis Mitternacht mit dem Coach telefoniert habe. Er sagt mir dann, warum er sich gewünscht hätte, ich hätte das nicht gemeldet. Aber das ist okay. Ich melde das, was ich weiß. Und sie reagieren darauf wie sie es für richtig halten. Das gehört dazu.

SPOX: Sagen wir, ich bin ein Spieler und Sie haben etwas über mich gemeldet. Jetzt rufe ich Sie an: Wer auch immer das gesagt hat, lügt. Irgendjemand verbreitet Lügen über mich - Sie müssen mir sagen, wer das ist! Würden Sie das tun?

Rapoport: Nein. Ich würde so viele Infos weitergeben, wie ich kann. Aber ich würde nie meine Quellen preisgeben.

SPOX: Hätten Sie dann nicht irgendwo ein schlechtes Gewissen? Immerhin verbreitet jemand Lügen über mich.

Rapoport: Wenn es eine Lüge ist, dann ist es meine Schuld, dass ich sie übernommen habe. Wenn es die Wahrheit ist, dann könnte man sich dafür entschuldigen, dass man es berichtet hat. Aber jeder kennt den Job. Und der Job ist es, Neuigkeiten zu melden. Und diese Neuigkeiten sind weder positiv noch negativ. Es sind einfach nur News.

SPOX: Ich muss Sie auf jeden Fall noch nach ihrem größten "Rivalen" fragen, wenn man so will: Adam Schefter von ESPN. Wobei: Betrachten Sie es persönlich eigentlich als Rivalität?

Rapoport: Er ist gut. Ich habe großen Respekt vor ihm, genauso wie vor allen meinen Konkurrenten. Das Wichtigste für uns beide - und er würde sicherlich das Gleiche sagen - ist: Wir stehen im Wettbewerb mit allen anderen. Es gibt Reporter, es gibt Lokalreporter, nationale Radiosender und das Fernsehen. Dazu die Fans, und auch die Spieler selbst. Heutzutage kann jeder News vermelden. Wir stehen also im Wettbewerb mit allen, die man sich überhaupt nur vorstellen kann.

SPOX: Mit Adam Schefter arbeiten Sie natürlich nicht zusammen, aber wie sieht es mit anderen Reportern vom NFL Network aus? Spricht man sich da auch mal ab?

Rapoport: Ja, das machen wir: "Hey, ich bekomme diese Meldung nicht bestätigt, aber du hast doch ein gutes Verhältnis mit XY. Kannst du das mal überprüfen?" Manchmal vermelden wir auch zusammen etwas. Ich habe wirklich großartige Kollegen beim NFL Network. Wir arbeiten seht gut zusammen und helfen uns auch gegenseitig.

SPOX: Schefter hat kürzlich einen neuen Vertrag bei ESPN unterschrieben und wird unter anderem einen Podcast bekommen und auch bei NBA-Spielen eingesetzt. Wie sieht es mit Ihren Zukunftsplänen aus?

Rapoport: (überlegt) Ja, ich würde schon gerne einen Podcast haben, darüber gab es schon Gespräche. Ansonsten: Ich weiß es wirklich nicht. Ich mag meinen Job sehr gern und habe derzeit auch gar nicht die Zeit für andere Projekte. Irgendwann werde ich sicher auch mal andere Dinge machen wollen, und hoffentlich bin ich dann in der Position, sie auch umsetzen zu können. Ich würde für die Zukunft nichts ausschließen, aber wie schon gesagt: Ich mag meinen Job wirklich sehr.

SPOX: Lässt dieser Job denn noch Zeit für Hobbies oder dergleichen?

Rapoport: (lacht) Ich spiele Golf, wenn es die Zeit erlaubt, und bin großer Fan der New York Mets. Ich habe zwei verrückte Söhne im Alter von dreieinhalb und fast zwei Jahren, da ist immer etwas los. Golf, meine Frau und meine Jungs, mehr Zeit bleibt nicht. Aber damit bin ich voll zufrieden.

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