NFL

Forrest Gump, Gisele und Colonel Coughlin

Von Bastian Strobl / Florian Bogner
Bei solchen Aussichten kann der Super Bowl eigentlich nur himmlisch werden
© Getty
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N wie Nordpol: Der kälteste Super Bowl aller Zeiten fand am 16. Januar 1972 statt. Tatort: Tulane Stadium in New Orleans, mit schnuckeligen 3,9 Grad Celsius Außentemperatur. Dallas, angeführt von Quarterback-Legende Roger Staubach, nahm die Dolphins mit 24:3 regelrecht auseinander. Aber bei allem Respekt: Miamis Spieler waren einer solchen Eiszeit wie im Big Easy einfach nicht gewachsen. Übrigens sollen auch in Indianapolis zum Kickoff nur zwei bis vier Grad herrschen. Aber Glück für alle Warmduscher: Das Lucas Oil Stadium hat ein Dach.

O wie Ochocinco: Der Wide Receiver der Pats hat immerhin sieben Saisons mit über 1000 Receiving Yards auf dem Buckel, kam aber seit seinem Wechsel von Cincinnati noch überhaupt nicht mit der New-England-Offense zu Recht. Nicht mal ein Catch pro Spiel sind unfassbar erbärmlich angesichts der Passing-Maschine Tom Brady. In Sachen Pressearbeit macht ihm trotzdem keiner was vor. Obwohl er beim Media Day nicht mal einen Platz auf dem Podium bekam, wurde er von Journalisten umringt. Und zur Not hat er ja noch sein Ochocinco News Network (OCNN) sowie seine drei Millionen "twitter"-Follower.

P wie Peyton Manning: Super-Bowl-Woche, und trotzdem wird im Raum Indianapolis fast nur über Manning gesprochen. Und zwar über den, der nicht gespielt. Selten wurde ein Super Bowl so in den Hintergrund gerückt wie in diesem Jahr. Die große Frage lautet nicht, wer Champion oder MVP wird, sondern ob Peyton bei den Colts bleibt oder Andrew Luck das Ruder übernimmt. Die Saga geht noch mindestens bis Anfang März weiter. Erst dann muss sich Indy entscheiden.

Q wie Quarterback: Die wichtigste Position im Football. Und die mit dem größten Druck. Gewinnt ein Team, ist es meistens wegen eines starken Spielmachers. Verliert ein Team, ist es wegen eines schwachen Spielmachers. Auch in Sachen Super-Bowl-MVP-Wahl hatten die Quarterbacks in der Vergangenheit klar die Nase vorne. Allein 24 Mal erhielten die Montanas, Elways und Rodgers dieser Welt die begeherte Trophäe. Trotzdem betonte Eli Manning zu Beginn dieser Woche: "Sobald du Fehler machst und nicht mal etwas als Quarterback dafür kannst, stehst du in der Kritik. Ich habe immer gesagt, dass der Quarterback und Head Coach zu viel Kritik einstecken müssen, wenn es schlecht läuft, und zu sehr gefeiert werden, wenn es gut läuft."

R wie Rache: Ein Gericht, das am besten kalt serviert wird. Das Duell zwischen den Patriots und Giants schreit förmlich nach einer Revanche. Denn 2008 schnappten die G-Men New England nicht nur den Super-Bowl-Sieg weg, sondern zerstörten auch den Traum von der Perfect Season. Mit den Miami Dolphins aus dem Jahr 1972 gelang es nur einem einzigen Klub, eine Saison ohne Niederlage abzuschließen.

S wie Singen: Neben der Half-Time-Show vielleicht die größte Frage, die bereits vor dem Kickoff geklärt wurde. In diesem Jahr darf sich Kelly Clarkson, die allererste American-Idol-Gewinnerin am "Star-Spangled Banner" versuchen. Und wie bei Madonna gilt: Es kann eigentlich nur besser werden, nachdem sich Christina Aguilera 2011 nicht ganz textsicher zeigte. Aber wir haben ja da auch so unsere Erfahrungen gemacht. In diesem Sinne: "Brüh im Lichte..."

T wie Tisch: Die Familie des 62-Jährigen Steve Tisch ist Miteigentümer der New York Giants. Es ist also nicht überraschend, dass sich Tisch ins gemachte Nest setzte und derzeit Vorstandsvorsitzender im Big Apple ist. Doch es gibt etwas, dass Tisch besonders macht: Er ist der einzige Mensch, der jemals sowohl einen Super-Bowl-Ring als auch einen Oscar gewonnen hat. Die begehrte Goldstatue aus Hollywood bekam er als Produzent des Film-Klassikers "Forrest Gump".

U wie Underdog: Wichtig für alle Gambler: Die Giants sind laut den Wettbüros der Underdog. Für einen Sieg der Patriots gilt derzeit die Quote von 1,70, ein Erfolg New Yorks liegt bei 2,20. SPOX-Redakteur Florian Regelmann und "ESPN"-Experte Damien Woody tippen allerdings beide auf einen Triumph der Giants. Only time will tell...

V wie Vince Lombardi: Mr. Super Bowl. Wenn die Finaltrophäe der beliebtesten Sportart eines Landes nach dir benannt wird, musst du Großes geleistet haben. In den 60er Jahren holte Lombardi mit den Packers fünf Championships in sieben Jahren. Sollten die Patriots übrigens am Sonntag die Oberhand behalten, würde Bill Belichick seinen vierten Ring als Head Coach einheimsen. Geht's also bald um die Belichick-Trophy?

W wie Wetten, verrückte: Haare verwetten ist ja fast schon normal. Seinen Nachnamen aufs Spiel zu setzen, ist dagegen mal was Neues. So geschehen vor dem letzten Super Bowl zwischen Patriots und Giants 2008. Damals wettete ein Patriots-Fan aus Kalifornien mit seiner Verlobten, dass New England locker gewinnt. Sie, Giants-Fan, hielt dagegen. Einsatz: Wenn er verliert, muss er bei der Hochzeit ihren Nachnamen annehmen. Ob er's gemacht hat oder nicht, ist nicht überliefert, genauso wenig die Antwort auf die Frage, ob jemand schon mal seinen Arsch verwettet hat.

X wie X-Factor: Die Gretchenfrage: Was kann beim diesjährigen Super Bowl den Unterschied machen? Nicht wenige sagen: Fünf bestimmte Personen. Ihre Namen: Matt Light. Logan Mankins. Dan Connolly. Brian Waters. Nate Solder. Oder anders gesagt: Die schweren Jungs in der O-Line der New England Patriots, die verhindern müssen, dass Tom Brady Gras frisst.

Y wie Yards: Zehn Yards muss das angreifende Team innerhalb von vier Versuchen überwinden, um in Ballbesitz zu bleiben, 914,4 Zentimeter also. Übrigens: Im Super Bowl des Jahres 2000 fehlte den Tennessee Titans gegen die St. Louis Rams genau ein Yard, also 91,44 Zentimeter zu einem Touchdown, der die Verlängerung bedeutet hätte.

Z wie Zzzzz: Seid Ihr nun auch schon so aufgeregt, dass Ihr nicht mehr schlafen könnt? So ging es zumindest den Patriots, wie sie - Web 2.0 sei Dank - sofort der ganzen Welt mitteilten. Ein paar Stunden zum Abschalten sollten sich beide Teams trotzdem gönnen. Träumen sollte schließlich erlaubt sein. Sogar vom Super Bowl.

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