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NBA

NBA-Kolumne Above the Break: Kryptonit für Small-Ball? Warum Deandre Ayton gegen die Mavs bisher enttäuscht

Hatte Doncic am Perimeter das Ayton-Matchup, fehlte Phoenix der Ringbeschützer. Zumal Dallas dann auch noch insbesondere durch Kleber dafür sorgte, dass niemand sonst so richtig gegen den Drive aushelfen konnte. Dieser Cut hätte weiland Marcin Gortat stolz gemacht! Und man sah ihn während der Partie wieder und wieder.

Die Mavs schafften es wieder und wieder sehr gut, die Zuteilungen der Suns durcheinanderzubringen, und Doncic löste diese Situationen. Speziell Ayton war, wenn er nicht das Doncic-Matchup hatte, immer wieder in der Zwickmühle gefangen, dass er entweder draußen aushelfen oder eben doch in Korbnähe ein Hindernis darstellen wollte.

Szenen wie diese zeigen recht gut, warum Dallas allein 16 Eckendreier in dieser Partie nehmen konnte. Jae Crowder müsste aushelfen, aber Klebers Cut verlangsamt das Closeout genug für den offenen Wurf.

Drives wie diese wiederum sah man von den Mavs auch gegen die Jazz ständig.

Phoenix vs. Dallas: Im Schlamm

Generell war Doncic öfter als in Phoenix in der Lage, Kontakt zur gegnerischen Zone aufzunehmen und dort entweder selbst zu scoren oder den Pass zu finden. Die Suns halfen mehr aus als in den ersten Spielen, vielleicht zu viel - Dallas ist harmloser, wenn der Slowene der einzige echte Scorer ist. Vielleicht sieht Doncic ab Spiel 5 wieder mehr Single Coverage, vielleicht muss die Umstellung aber auch eher anderswo erfolgen.

Das weitaus größere Problem der Suns in den Spielen 3 und 4 war nämlich die eigene Offensive. 129 und 142 (!) Punkte pro 100 Ballbesitze erzielte Phoenix in den ersten beiden Spielen der Serie, in Dallas waren es nun 107 respektive 106 - schaurige Werte für ein Team mit einem so breiten Arsenal und so vielen Antworten auf nahezu jede Frage.

Ayton stand sinnbildlich für die Möglichkeiten, die Phoenix liegen ließ. Individuell waren die Leistungen von CP3 sicherlich problematischer, aber Ayton ist derjenige, der vermeintlich immer ein Mismatch haben sollte, der physisch dominieren kann, wenn Dallas klein spielt. Das schienen aber weder die Suns noch Ayton selbst so wirklich auf dem Schirm zu haben.

Deandre Ayton ist zu passiv

Einerseits ist da das Thema der eigenen Passivität. Ayton sieht zwar aus wie einer der körperlich imposantesten Spieler der Liga, er ist jedoch mitnichten eine Dampframme, eher ein Finesse-Spieler. Deswegen geht er quasi nie an die Freiwurflinie (2,4 pro Spiel), deswegen hat er regelmäßig Abschlüsse, bei denen man ihn schütteln und fragen will, warum er den Ball nicht einfach dunkt.

Es wirkt immer mal wieder, als würde er selbst vergessen, wie viel größer und kräftiger er im Vergleich zu den meisten NBA-Spielern ist.

Es ist andererseits aber auch eine Frage der generellen Ausrichtung der Suns. Ayton nahm in den vergangenen beiden Spielen jeweils zwölf Würfe, also genau sein Saisonschnitt. Gerade gegen die kleinen Mavs-Lineups sollten es eigentlich mehr sein. Aber die Suns liefen bisweilen erstaunlich wenige Pick'n'Rolls, obwohl Dallas auf genau diese Aktionen eigentlich keine gute Antwort hat.

Die Suns suchten Ayton jedoch wenig, auch nicht nach dem Switch. Hier beispielsweise könnte der Pass auf Ayton gegen den kleineren Finney-Smith gehen, stattdessen versucht sich Devin Booker in einer Isolation gegen Kleber. Natürlich kann Book diese Würfe treffen und tat das auch teilweise, aber Ayton hätte theoretisch eben das Mismatch. Auch Phoenix ist besser, wenn die Punkte nicht nur per Iso-Plays seiner Stars kreiert werden.

Warum werden die Mavericks nicht bestraft?

Dallas hat sich defensiv dazu verschrieben, oft zwei Verteidiger auf Phoenix' Perimeter-Stars zu schicken und es tunlichst zu vermeiden, dass Doncic alleine gegen Paul oder Booker ran muss wie in Spiel 2. Das bedeutet automatisch Freiräume für Spieler wie Bridges oder Ayton, aber der Ball muss sie auch finden - und sie müssen ihre Vorteile konsequent nutzen.

Tun sie das nicht, tut vor allem Ayton das nicht, dann spielt das den Mavs in die Karten. Deren beste Option ist eben Small-Ball, gerne auch über 40 Minuten. Mit ein paar Offensiv-Rebounds von Ayton können sie durchaus leben, wenn er sie ansonsten nicht für ihre Switches und die riesige Aufmerksamkeit speziell für Booker bestraft.

Eigentlich sollte er das können. Ayton ist tatsächlich kein Gobert. Nur: Was genau ist er? Sein Skillset geht über das eines Rollenspielers hinaus. Wie ein Star tritt er jedoch auch nicht auf, beziehungsweise er wird nicht so eingesetzt. Das "in den Dienst der Mannschaft stellen" ist eigentlich eine tolle Qualität und elementar für den Erfolg der Suns der vergangenen zwei Jahre, aber es bleibt so auch ein Stück weit ein Rätsel, wie gut er wirklich ist.

Deandre Ayton: Bezahlt wird er so oder so, oder?

Um noch einmal auf das Thema Vertrag zurückzukommen. Die verbleibenden Spiele dieser Serie oder dieser Postseason sind vermutlich kein Referendum - Ayton wird bezahlt werden. Es bleibt dabei, dass das, was er kann, unglaublich wertvoll in der modernen NBA ist. Es gibt nur wenige Bigs, die die Fähigkeiten besitzen, um im modernen Playoff-Basketball gegen alle möglichen verschiedenen Systeme auf dem Court stehen zu können.

Man muss diese Fähigkeiten nur eben auch nutzen. Und eigentlich sollte dies nicht nur davon abhängig sein, dass ihn Paul oder sonstjemand füttert, auch wenn das selbstverständlich ein wichtiger Teil der Gleichung ist. Der Coaching Staff, Phoenix' Stars und nicht zuletzt Ayton selbst sind gefragt.

Diese Serie ist nach vier Spielen offener, als sie sein sollte. Phoenix hat mehr Waffen, mehr Lösungen, mehr Systemflexibilität. Aber Dallas hat den besten Spieler und ein für den Moment funktionierendes Konzept. Man darf gespannt sein, wie der Konter von Monty Williams ausfällt - und eigentlich muss der Big Man dabei eine Schlüsselrolle spielen.

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