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NBA

NBA-Kolumne Above the Break: Wie die Warriors ihre Magie wiedergefunden haben

Im System Stephen Curry funktionieren Dinge, die anderswo nicht möglich erscheinen.

Wie Gary Payton II zum kleinsten Center der Liga wurde

Payton ist neuerdings gewissermaßen der kleinste Center der Liga. 23 Prozent seiner Field Goals in dieser Spielzeit sind Dunks, in dieser Liste stehen laut basketball-reference.com ausschließlich Big Men vor dem 1,91-m-Mann. Seinen Abschlüssen geht zu fast 90 Prozent ein Assist voraus, auch das spricht mitnichten für einen konventionellen Guard.

Payton ist etwas anderes - ein Play-Finisher. Er hat gelernt, sich im System der Warriors zu bewegen, Lücken zu finden und dann seine Athletik einzusetzen. Bei 52 seiner 56 Abschlüsse in dieser Saison gab es vorher maximal 1 Dribbling. Immer wieder erkennt er es, wenn sein Verteidiger eine Millisekunde zu sehr auf Curry fixiert ist, und lässt es im Anschluss krachen.

Die Warriors generieren 1,67 Punkte aus Plays mit einem Payton-Cut, wenn dieser entweder selbst abschließt oder, seltener, ein Teamkollege nach Pass von ihm abschließt. Das ist quasi zu gut, um wahr zu sein (97. Perzentil). Es gibt nicht viele Plays dieser Art (1,3 pro Spiel), aber sie verdeutlichen gut, wie ein limitierter Offensivspieler im richtigen System zur Waffe werden kann. Payton trifft den Dreier bei sehr geringem Volumen momentan auch gut, wird dabei allerdings auch selten bis nie verteidigt.

Bruce Brown bei den Nets ist dafür ein anderes Beispiel, ähnlich wie Brown kann Payton sich vor allem aufgrund der Brillanz neben ihm so entfalten. Bei den meisten Teams wäre das in dieser Art nicht möglich, aber im Warriors-Ökosystem klappt es - und Payton kann sich mehr Zeit denn je verdienen, um sein bestes Asset, die Defense, mit einzubringen.

Warriors: Die Defense ist wieder elitär

Überhaupt, die Defense: Mehr noch als in der Offensive haben die Warriors hier ihre alte Dominanz zurück. Es zeichnete sich schon in der Vorsaison ab, in der Green sich zurück in die DPOY-Konversation spielte, in der laufenden Spielzeit sieht das Ganze (und Draymond) sogar noch besser aus.

Auch hier kann eine Vielzahl von Spielern genannt werden, die ihren Beitrag leisten, neben der institutionellen Genialität von Green und Iguodala sticht etwa auch Rookie Jonathan Kuminga mit seinem Potenzial in dieser Disziplin heraus. Und Payton eben auch: Der Fäustling ist ein ständiger Terror für gegnerische Ballhandler, pro 100 Ballbesitzen sammelt er 4,7 Steals ein - das ist mit Abstand Platz 1 ligaweit (Platz 2: Alex Caruso mit 3,7). Etliche der zahlreichen Transition-Angriffe der Warriors starten mit einem Ballgewinn durch ihn.

Payton bricht sogar mit einer alten Tradition. Seit 2014 ist es eigentlich Gesetz, dass Curry und/oder Green das Team bei der On/Off-Differenz anführen. Momentan ist Payton der König: CTG zufolge sind die Warriors in seinen Minuten um satte 26,8 Punkte besser als ohne ihn. Nicht schlecht für einen Spieler, der noch vor der Saison von den Warriors entlassen und wenige Tage später wieder unter Vertrag genommen wurde.

Warriors: Was bedeutet der Saisonstart?

Nun fragt sich, wie aussagekräftig dieser Start von Payton, vor allem aber von den Warriors als Team wirklich ist. Im Prinzip könnte es nicht besser laufen, zumal Verstärkung unterwegs ist: Klay Thompson könnte in der Woche vor Weihnachten zurückkehren, auch bei James Wiseman gibt es langsam Fortschritte.

Niemand weiß, wie Thompson nach zwei vollen Jahren Verletzungspause aussehen wird, die größeren Fragezeichen stehen eigentlich trotzdem hinter Wiseman. Es ist kein Zufall, dass die Warriors vergangene Saison erst so richtig explodierten, als der Rookie sich verletzte - was nicht zuletzt mit dem oben beschriebenen System Curry zu tun hat.

Wiseman ist als junger Big mit kaum Spielpraxis eben kein Bjelica oder gar Draymond; seine explosive Athletik schreit eigentlich nach genau der konventionellen Pick'n'Roll-Offense, die Golden State oft verschmäht. Es ist (zu) viel von ihm verlangt, dass er nach einer drei Spiele andauernden College-Karriere in die NBA kommt und sich intuitiv in der ungewöhnlichsten Offense der Liga zurechtfindet.

James Wiseman ist das große Fragezeichen der Warriors

Ist Wiseman mental nun einen Schritt weiter, nachdem er so lange pausieren musste und sich das Spiel in Ruhe ansehen konnte? Wie sieht seine Rolle überhaupt aus? Starten wird er kaum, Payton und Bjelica haben bisher so gut gespielt, dass man sie kaum aus der Rotation streichen wollen wird. Es wird ein Balance-Akt werden, Wiseman die Spielzeit zu geben, die er dringend benötigt, und gleichzeitig nichts vom Rhythmus einzubüßen.

Vieles würde in der aktuellen Situation eigentlich dafür sprechen, dieses Asset in einen gestandenen Big oder einen weiteren Wing zu investieren, der kurzfristig dabei hilft, die vierte Meisterschaft der Ära Curry zu gewinnen. Bei allem Potenzial wird Wiseman dies vermutlich nicht tun, selbst wenn er sich steigert.

Die Warriors waren bisher das beste Team der Liga, ein Banner für den besten Saisonstart seit 2016 wird man im Chase Center aber nicht aufhängen. Eine unfehlbare Maschine a la 2017 gibt es aktuell nicht in der NBA, bei einem sehr guten Team würde konventionelles NBA-Wissen also dafür sprechen, alles daran zu setzen, dieses Vakuum zu füllen.

Nur: Wenn die Warriors eines bewiesen haben, dann ist es das - sie denken nicht unbedingt konventionell. Und das müssen sie auch nicht; ihre Geduld ist einer der Gründe, warum sie aktuell wieder dort stehen, wo ihr Besitzer Joe Lacob ("Light years ahead") sie ohnehin immer sieht. Neben dem Typen mit der Nummer 30 natürlich.

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