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NBA

NBA - Das Melo-Drama: Wie Carmelo Anthony einen Trade von den Nuggets zu den New York Knicks erzwang

Carmelo Anthony erzwang in der Saison 2010/11 einen Trade nach New York - doch die Knicks zahlten einen hohen Preis.

Melo-Trade-Gerüchte und eine legendäre Pressekonferenz

Die Nuggets treiben den Preis immer weiter in die Höhe, die Angebote der Knicks können mit den Forderungen aus Colorado nicht mithalten. Aus New Jersey wollen die Nuggets Brook Lopez anstatt Favors loseisen. Ein ABC-Reporter aus Denver will Mitte Dezember von einem fixen Deal zwischen den Nuggets und Nets erfahren haben, es stellt sich als Ente heraus.

Ein Problem bei all den Gerüchten um die Nets: Anthony, in Brooklyn geboren, präferiert eigentlich die Knicks, das ist ein offenes Geheimnis. Immer wieder torpediert er Annäherungsversuche der Franchise von der anderen Seite des Hudson Rivers, auch wenn sich der damalige GM Billy King sicher ist, ihn mit dem anstehenden Umzug nach Brooklyn locken zu können.

Doch Melo weigert sich angeblich, eine Verlängerung bei den Nets zu garantieren, sollte das Team für ihn traden. Das macht einen Deal enorm riskant, im Januar schiebt Teambesitzer Mikhail Prokhorov in einer denkwürdigen Pressekonferenz öffentlich allen Melo-Gerüchten einen Riegel vor.

Kontakt mit Anthony habe es nicht gegeben, widerspricht Prokhorov den Medien ("Vielleicht hat er eine Mail geschickt, aber ich nutze keinen Computer. Oder vielleicht ging eine Brieftaube verloren."). Und der Preis sei mittlerweile ohnehin zu hoch: "Das Ganze zieht sich schon zu lange. Es wurde in der Öffentlichkeit breitgetreten und ich glaube, es hat unsere Spieler belastet. Ich habe das Team angewiesen, die Gespräche zu beenden."

Der Höhepunkt und das Ende des Melo-Dramas

Es ist der vorläufige Höhepunkt des monatelangen Melo-Dramas, aber noch lange nicht das Ende. Noch nicht einmal für die Nets. Vor dem All-Star Game 2011 kommt es zu einem Treffen zwischen Prokhorov, Anteilseigner Jaz-Z, GM King und Anthony. Doch auch Knicks-Besitzer James Dolan setzt sich mit dem Hauptpreis der nahenden Trade Deadline und Nuggets-GM Ujiri noch einmal zusammen.

"Wir hatten das Meeting um 3 Uhr morgens, wir mussten eine Entscheidung treffen", erinnert sich Anthony an das Treffen mit den Knicks-Verantwortlichen. "Wenn es New York sein soll, dann müssen wir uns zusammensetzen, eine Lösung finden und das Ganze verwirklichen."

Die Hauptfigur der Verhandlungen sitzt mit am Tisch, als Dolan und Ujiri die Details besprechen. "Ich höre, was Denver will, und was New York nicht abgeben will. Ich denke mir nur: 'Werdet ihr wirklich diesen Deal über den Haufen werfen wegen diesem Spieler? Bin ich euch das nicht wert?'"

Letztlich willigen die Knicks ein, ein Trade-Monster mit 13 Spielern und drei Teams steht. Anthony packt gemeinsam mit Billups und drei weiteren Nuggets-Kollegen die Koffer Richtung Big Apple, Denver bekommt unter anderem Danilo Gallinari, Wilson Chandler, Timofey Mozgov sowie mehrere Erstrundenpicks zurück. Am 22. Februar 2011 darf die Associated Press endlich titeln: "Das Ende des Melo-Dramas". Die Nets orientieren sich derweil in Richtung Deron Williams um.

NBA: Der komplette Melo-Trade im Überblick

Knicks erhaltenNuggets erhaltenTimberwolves erhalten
Carmelo Anthony (DEN)Danilo Gallinari (NYK)Eddy Curry (NYK)
Chauncey Billups (DEN)Wilson Chandler (NYK)Anthony Randolph (NYK)
Anthony Carter (DEN)Raymond Felton (NYK)2015er Zweitrundenpick
Shelden Williams (DEN)Timofey Mozgov (NYK)Cash
Renaldo Balkman (DEN)Kosta Koufos (MIN)
Corey Brewer (MIN)zwei Erstrundenpicks
2016er Erstrundenpick (später nach TOR getradet)zwei Zweitrundenpicks
Cash

Melo-Trade: "Der beste Deal der Geschichte - für die Nuggets"

Doch einher mit der News des fixen Trades geht eine gewisse Skepsis. Schließlich hätte New York auch einfach bis zum Sommer warten und dann Free Agent Anthony an Land ziehen können - ohne drei Fünftel der Starting Five per Trade abzugeben.

Dolans Ungeduld, die drohende Konkurrenz in Form der Nets und nicht zuletzt der Druck von Melo, der aufgrund des sich anbahnenden Lockouts nicht bis zum Sommer mit seinem neuen Vertrag warten will, stellt sich als lukrative Mischung für die Nuggets heraus. Ujiri spielt seine Karten rückblickend betrachtet nahezu perfekt.

"Das war einer der besten Trades der NBA-Geschichte - für die Nuggets!", bilanziert Coach Karl Jahre später. Meistens endet das abgebende Team in einem Superstar-Trade als Verlierer des Deals, doch die Nuggets stellen womöglich eine seltene Ausnahme dar. Denver bekommt drei der vier Knicks-Topscorer der Saison 2010/11, hält den eigenen Playoff-Streak noch drei weitere Jahre am Leben und schnappt sich mit den Knicks-Picks schließlich unter anderem Jamal Murray.

Und die Knicks? Die bekommen einen Top-10-Spieler in der Blüte seines Schaffens, einen sicheren zukünftigen Hall of Famer, der eine Menge Begeisterung im Basketball-Mekka auslöst. Nicht verwunderlich, dass Dolan bei dieser Perspektive schwach wird. Doch für viel mehr als Begeisterung reicht es nicht.

New York Knicks: Keine Big Three mit Melo

Die Knicks erreichen dreimal in Folge die Playoffs, zweimal ist in der ersten Runde Schluss. 2013 reicht es immerhin für ein 4-2 gegen die Celtics zum Postseason-Auftakt, bevor in den Conference Semifinals die Pacers zu stark sind (2-4). Bis 2021 soll dies der letzte Playoff-Auftritt der Knickerbockers bleiben.

Nach dem Nuggets-Deal fehlen New York einerseits die eigenen Rollenspieler sowie Assets, um das Team weiter zu verstärken. Andererseits machen schlechte Entscheidungen des Front Office (hust, Andrea Bargnani) alle Hoffnungen auf Erfolg zunichte.

Die Knicks schaffen es nicht, um Melo einen ernstzunehmenden Contender aufzubauen. Anthony, von Hauptberuf Scorer, schafft es nicht, seine Teamkollegen auf ein neues Level zu hieven. Letztlich muss New York in einen Rebuild, mit Melo holt die Traditionsfranchise in sechseinhalb Jahren nur 196 Siege bei 216 Niederlagen.

Noch nicht einmal die Träume einer Big Three verwirklichen sich. Paul fordert 2011 zwar selbst einen Trade von den Hornets, landet aber bei den L.A. Clippers. An der Ostküste verhindern Stoudemires Knie derweil, dass er mit Melo ein brandgefährliches Duo bilden könnte. Nach gut sieben Monaten Melo-Drama hatten sich alle Beteiligten das ganz sicher anders vorgestellt.

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