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NBA

NBA - Der tragische Absturz von "Baby Shaq" Eddy Curry: Donuts, Leid und Millionenschulden

Von Philipp Jakob
Eddy Curry (r.) legte in seiner besten Saison für die Knicks im Schnitt 19,5 Punkte und 7 Rebounds auf.

Eddy Curry und die Liebe zu Donuts

Curry ist während seiner aktiven Laufbahn ein starker Scorer, als 2,13-Meter- und 130-Kilo-Hüne eine echte Wucht in der Zone. Zur absoluten Dominanz fehlt es aber in Sachen Rebounding und Defense. Und Disziplin. Im Anschluss an die beste Saison seiner Karriere startet er mit Übergewicht ins Training Camp, seine Einsatzzeiten gehen genau wie seine Ausbeute zurück.

Besserung beim Fitness-Level tritt allerdings auch im folgenden Sommer nicht ein, im Gegenteil. Der neue Knicks-Coach Mike D'Antoni findet in seinem schnellen Offensiv-System keinen Platz für einen korpulenten Center, Curry fällt 2008/09 komplett aus der Rotation.

Im Internet verbreiten sich Gerüchte um Currys Liebe zu Donuts, angeblich soll er sogar auf einem stationären Fahrrad mit seinem Lieblingsgebäck gesichtet worden sein. Ein anderes Mal explodiert ein Gymnastikball unter dem Gewicht des Knicks-Centers. Dessen Replik auf seine Probleme: "Ich bin da ein bisschen wie eine Frau, ich rede nicht gerne über mein Gewicht."

Die Internet-Gemeinde macht dies dafür umso lieber, Curry wird zur Lachnummer. Vorbei die Zeiten, in denen er sein Team als Franchise-Center zu Erfolgen führen soll. Stattdessen bezahlen die Knicks 08/09 und 09/10 jeweils knapp 10 Millionen Dollar für drei beziehungsweise sieben Auftritte Currys. Die Draft-Picks, die Thomas in dem Bulls-Deal abgab, werden derweil zu LaMarcus Aldridge (2. Pick 2006) und Joakim Noah (9. Pick 2007). Manche Knicks-Fans verfolgt dieser Trade bis heute.

Eddy Curry: "Mein ganzes Leben ist zusammengebrochen"

Neben der sportlichen Talfahrt ist 2009 auch das Jahr, in dem Currys komplettes Leben aus den Fugen gerät. Im Januar werden seine Ex-Freundin und zehn Monate alte Tochter von ihrem neuen Lebenspartner ermordet. Curry hat die Affäre vor seiner Ehefrau geheim gehalten, in Anbetracht dieser Tragödie fällt das komplette Kartenhaus in sich zusammen.

Fast zeitgleich wirft ihm sein ehemaliger Chauffeur sexuelle Belästigung vor, laut Curry nur, um ihn zu erpressen. Sein eigener Berater klaut ihm mehrere Millionen Dollar, indem er Kaufverträge für alle möglichen Luxuswaren oder Kredite mit einem Stempel mit Currys Unterschrift abschließt.

Falsche Freunde erschleichen sich Geld vom naiven Big Man, der auch noch selbst schlecht mit seinem Gehalt haushaltet (1.000 Dollar pro Monat für die Kabel- und Satellit-Rechnung, um nur ein Beispiel zu nennen) und auf einmal trotz eines 60-Millionen-Dollar-Vertrags mit immensen Schulden dasteht.

"Ich saß am Ende der Bank in New York, mein Konto schrumpfte dahin, mein Zuhause in Chicago sollte zwangsversteigert werden, meine ältesten Freunden logen mich an und stahlen mein Geld", blickt Curry zurück. "Als ich meine Tochter beerdigen musste, ist mein ganzes Leben um mich herum zusammengebrochen."

NBA: Die Karrierestatistiken von Eddy Curry

SaisonTeamG / MINPunkteReboundsFG%
2001/02Bulls72 / 16,06,73,850,1
2002/03Bulls81 / 19,410,54,458,5
2003/04Bulls73 / 29,514,76,249,6
2004/05Bulls63 / 28,716,15,453,8
2005/06Knicks72 / 35,213,66,056,3
2006/07Knicks81 / 35,219,57,057,6
2007/08Knicks59 / 25,913,24,754,6
2008/09Knicks3 / 4,01,71,3100
2009/10Knicks7 / 8,93,71,938,1
2010/11Knicks/TimberwolvesKein Spiel absolviert---
2011/12Heat14 / 5,92,10,946,2
2012/13Mavs2 / 12,54,52,050,0
KarriereBulls/Knicks/Heat/Mavs527 / 24,912,95,254,5

Eddy Curry: Champion und später Frieden

Was bleibt, ist immerhin das Gehalt von den Knicks. Zur Saison 2010/11 zieht er wenig überraschend seine Spieleroption in Höhe von 11,3 Mio. Dollar, wenige Monate später erscheint er mit knapp 150 Kilo Kampfgewicht im Training Camp. Auflaufen darf er im Madison Square Garden nicht mehr, im Februar 2011 wird er im Rahmen des Carmelo-Anthony-Trades zu den Timberwolves geschickt und entlassen.

Seine Geschichte als Basketballer nimmt allerdings nochmal eine Wendung. Von zwischenzeitlich angeblichen 180 Kilo bringt sich der 28-Jährige mit Hilfe des legendären Individualtrainers Tim Grover mehr oder weniger in Form. Das Abspeckprogramm bringt ihm einen Platz bei den Miami Heat ein, mit denen er 2012 die Championship holt, auch wenn er in der kompletten Saison nur 83 Minuten auf dem Court steht und in den Playoffs gar nicht ran darf.

Ein zwei Spiele dauerndes Intermezzo bei den Dallas Mavericks und mehrere Trips nach China sowie ein Comeback in der BIG3 später schließt Curry endgültig mit der aktiven Laufbahn ab. Auch mit der Unterstützung seiner Frau Patrice, die ihm die Affäre verziehen und seither den Rücken gestärkt hat, bekommt er sein Leben in den Griff. Mit mittlerweile 38 Jahren und sieben Kindern hat Eddy Curry endlich seinen Frieden gefunden, als Familienvater weit weg vom NBA-Zirkus.

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