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NBA Playoffs - Trae Young auf den Spuren von LeBron James: So demütigte der Hawks-Star die Bucks

Nach oben soll es gehen: Trae Young lieferte in Spiel 1 der Ost-Finals gegen die Bucks eine überragende Partie ab.

Die nächste Überraschung in diesem schier unglaublichen Playoff-Run der Atlanta Hawks ist perfekt. In Spiel 1 der Ost-Finals seziert Trae Young die Defense der Bucks ohne Gnade und wandelt dabei sogar auf den Spuren des Kings.

Selbst LeBron James konnte es kaum fassen, was er da sah. "Chill' verdammt nochmal", schrieb der King gegen Ende des dritten Viertels auf Twitter, garniert mit vor Lachen heulenden Emojis. Vielleicht kam schon zu diesem Zeitpunkt bei ihm die Befürchtung auf, dass einer seiner zahlreichen Rekorde purzeln könnte. Vielleicht hatte er auch einfach nur Mitleid mit den Milwaukee Bucks.

Trae Young demütigte den haushohen Favoriten der Ost-Finals in dieser Szene nach allen Regeln der Kunst. Zunächst ließ er Jrue Holiday, seines Zeichens All-Defense First Teamer, per Crossover stehen, Bobby Portis war in der Drop Coverage der Bucks bereits in die Zone abgesunken. Da stand Young nun also, mutterseelenallein an der Dreierlinie. Er fixierte ein paar Sekunden lang den Korb, packte den Shimmy Shake aus und versenkte einen eiskalten Dreier. Natürlich nothing but net.

Nachdem er die Knicks-Fans in Runde eins zum Schweigen gebracht hat, seine Vorstellung im Madison Square Garden nach dem 4-1 gegen die Knicks mit einer Verbeugung beendete und anschließend in Spiel 7 die Sixers mit einem Winken verabschiedete, strickte Young auch zum Auftakt der Ost-Finals weiter an seiner Rolle als Bösewicht. Ein Bösewicht, der dank überragender Auftritte von allen gefeiert wird, von der Fanbase des jeweiligen Gegners vielleicht abgesehen.

"Ich hatte eine Menge Zeit und ich war müde. Also habe ich die Chance genutzt, kurz durchzuatmen", kommentierte Young die Szene mit einem verschmitzten Lächeln. Teamkollege Kevin Huerter ging es dagegen wie den meisten Beobachtern: "Ich habe mir nur gedacht: 'Hat er das jetzt wirklich getan?'" Das hatte er. Und er unterstrich die Geste mit einer historischen individuellen Performance, an deren Ende 48 Punkte, 11 Assists, 7 Rebounds und ein 116:113-Sieg der Atlanta Hawks stand.

Bucks vs. Hawks, Spiel 1: Hier gibt es die Highlights der Partie.

Trae Young: Historische Leistung gegen die Bucks

Mit dieser Statline avancierte Young zum zweitjüngsten Spieler der NBA-Historie, der ein 45/10-Spiel in den Playoffs auflegte. Der andere ist ausgerechnet Luka Doncic, für den Young am Draft-Abend 2018 getradet wurde. Mit seinen 48 Zählern stellte er auch noch den Rekord von LeBron ein mit den meisten Punkten im Alter von 22 Jahren oder jünger in einem Conference-Finals-Spiel. Sein persönlicher Playoff-Karrierebestwert reichte zudem für den Rekord in einem Conference-Finals-Debüt.

Nebenbei führte er sein Team zum ersten Sieg in den Conference Finals seit dem Umzug der Franchise nach Atlanta 1968. Ohnehin standen die Hawks seither nur einmal in den Ost-Finals, 2015 setzte es allerdings einen Sweep von LeBron und den Cavaliers. Doch während der King die Playoffs vom heimischen Sofa aus verfolgen muss, ist es eine neue Generation um ebenjenen Young, die auf der größten Bühne für Furore sorgt.

"Er hat die gleichen Fähigkeiten, die die anderen Top-Spieler in dieser Liga haben", schwärmte Hawks-Coach Nate McMillan. "Man muss ihn in diese Gruppe der Besten der Liga packen." Weder für McMillan noch für Teamkollegen wie John Collins kommen solche Auftritte des Youngstars mittlerweile noch überraschend, wie der Big Man betonte.

"Ich habe das Gefühl, dass die Leute uns bis jetzt gar nicht richtig wahrgenommen haben", sagte Collins. Das habe sich geändert, nachdem Atlanta nun als erst viertes Team dreimal in Folge Spiel 1 einer Playoff-Serie in fremder Halle gewonnen hat. "Das bringt uns definitiv Respekt ein." Vor allem, wenn Young solch ein Feuerwerk zündet.

So nimmt Trae Young die Defense der Bucks auseinander

Über drei Viertel quälte "Ice Trae" die Bucks-Defense mit seinem Scoring, insbesondere mit seinen Floatern. Milwaukee rückte lange Zeit nicht von der Drop Defense ab, die Bigs wie Brook Lopez oder Portis sanken im Pick'n'Roll der Hawks also tief in die Zone ab, um Abschlüsse am Ring zu verhindern. Dummerweise haben sie dabei offenbar nicht bedacht, dass Young laut Synergy Sports in der regulären Saison mehr Floater versenkt hat als 19 komplette NBA-Teams.

Young nahm die Bucks-Defense mit diesen Abschlüssen auseinander, nachdem sein direkter Gegenspieler am Screen hängen geblieben war (oft nutzte Atlanta auch Double Screens) und sich der Big in die Restricted Area zurückgezogen hatte. So viel Platz darf man Young eigentlich nicht schenken. Wenn Milwaukee unter den Screens hindurchging, um ihm den Weg abzuschneiden, hämmerte der Hawks-Star eben Dreier durch die Reuse.

Gerade Jeff Teague hatte dem absolut nichts entgegenzusetzen und wurde im zweiten Viertel teilweise vorgeführt. In der zweiten Halbzeit kam er gar nicht mehr zum Einsatz. Eine echte Anpassung an der Defense gab es allerdings erst im Schlussabschnitt, als Coach Mike Budenholzer mit einem kleineren Lineup vermehrt auf Switches setzte, die Young schon eher vor Probleme stellten. Der Weg zum Korb war nun dicht, stattdessen nahm er teils tiefe Dreier, die in dieser Phase aber nicht fallen wollten (0/4 im vierten Viertel, 4/13 insgesamt).

Laut Second Spectrum generierten die Hawks 1,07 Punkte pro Ballbesitz, wenn die Bucks nicht switchten. Bei einem Switch waren es nur noch 0,64 Punkte pro Possession. Dafür wurde Milwaukee allerdings anfälliger für Offensiv-Rebounds, in den letzten drei Minuten der Partie schnappten sich die Gäste 4 Offensiv-Rebounds, die sie in 7 Zähler ummünzten. Ein Putback von Clint Capela brachte Atlanta gut 30 Sekunden vor dem Ende in Front.

Trae Young und die Hawks haben Blut geleckt

Wer sich in der Analyse auf Youngs Scoring beschränkt, der wird dessen Arbeit in Spiel 1 zudem nicht gerecht. Vereinzelt bestrafte er die Switches mit hervorragenden Pässen auf die Teamkollegen oder er bediente Collins oder Capela per Alley-Oop, wenn die Bucks doch mal die Zone frei ließen. So war es am Ende eine schwierige Entscheidung, ob Youngs Shimmy Shake oder nicht doch der Alley-Oop übers Backboard auf Collins das Highlight der Partie war.

"Er ist ein großartiger Spieler", musste letztlich auch Giannis Antetokounmpo zugeben. "Er wird eine Menge punkten. Wir müssen es ihm aber so schwierig wie möglich machen, ihn physisch verteidigen. Wir wollen ihn aber auch nicht an die Freiwurflinie schicken."

In Spiel 1 klappte das nicht. Auch als der Wurf nicht fiel, erarbeitete er sich Trips an die Freiwurflinie (9/10 FT im vierten Viertel). "Ich habe schon jede Defense gesehen, ich bin von nichts wirklich überrascht", zeigte sich Young unbeeindruckt. Auch von Nickligkeiten von Lopez ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen und spielte seinen Stiefel gnadenlos herunter - als hätte er nie etwas anderes getan.

"Ich liebe die großen Momente", erklärte Young. "Ich wollte dieses Jahr in die Playoffs kommen, dass wir es in den vergangenen beiden Jahren nicht geschafft haben, war hart. Als wir es dann hierher geschafft haben, war das genügend Motivation, um für den Moment bereit zu sein. Wir sind zu weit gekommen, um jetzt aufzuhören, an uns zu glauben." Trae Young und die Hawks haben gerade erst Blut geleckt.

Bucks vs. Hawks: Die Serie im Überblick - Stand: 0-1

SpielDatumUhrzeitHeimAuswärtsErgebnis
124. Juni2.30 UhrBucksHawks113:116
226. Juni2.30 UhrBucksHawks
328. Juni2.30 UhrHawksBucks
430. Juni2.30 UhrHawksBucks
5*2. Juli2.30 UhrBucksHawks
6*4. Juli2.30 UhrHawksBucks
7*6. Juli2.30 UhrBucksHawks
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