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NBA Playoffs - "Das war's für mich": Wie Cameron Payne vom China-Legionär zum Playoff-Helden wurde

Cameron Payne hat seine Karriere bei den Phoenix Suns wiederbelebt.

Cameron Payne hat sich bei den Phoenix Suns zum Leistungsträger gemausert und beim Sieg über die L.A. Clippers in Spiel 2 das beste Spiel seiner Karriere gezeigt. Dabei steckte diese vor nicht allzu langer Zeit noch so tief im Sumpf, dass es ein Wunder brauchte, um den ehemaligen Lottery-Pick wieder herauszuholen.

Die Clippers haben in diesen Playoffs schon einige Male innerhalb von Serien die richtigen Adjustierungen gefunden. Nachdem Devin Booker sie in Spiel 1 der Western Conference Finals filetiert hatte, war es also kein Wunder, dass Spiel 2 mit einer anderen Devise startete: Der Superstar sollte physisch angegangen werden, am besten gar nicht an den Ball kommen.

Die anderen Suns sollten zum Handeln gezwungen werden. Normalerweise nimmt Phoenix das gerne an, schließlich hat man in Chris Paul einen zwar nicht so explosiven Scorer, aber noch besseren Entscheidungsfinder im Team. Dieser wurde in den Spielen 1 und 2 jedoch vertreten, von jemandem, der zwar seine Initialen mit dem Point God teilt, sonst aber nicht ansatzweise dessen Status genießt.

Sei's drum: Cameron Payne lieferte in Spiel 2 seine beste CP-Performance, überragte mit 29 Punkten, 9 Assists und (Point God-Alert!) ohne Ballverlust. "Wenn Teams so eine Junk-Defense spielen und mich abmelden wollen? Cam Payne - er wird dich killen. Er attackiert. Er hat keine Angst vor dem Moment", schwärmte Booker, dem das physische Spiel an der blutigen Nase anzusehen war, von seinem Teamkollegen.

Tatsächlich war der 26-Jährige gemeinsam mit Deandre Ayton Phoenix' Matchwinner und ist so einer der Hauptgründe dafür, dass die Suns trotz des Paul-Ausfalls (er kehrt in Spiel 3 wohl zurück) nur noch zwei Siege von den Finals entfernt sind. Das ist eigentlich unvorstellbar. Selbst in einer Postseason voller kurioser Geschichten steht seine noch ab wie ein verstauchter Daumen.

Cameron Payne: Der Tanzpartner von Russell Westbrook und ein Bust

Es ist noch nicht lange her, da hätte wohl kein Buchmacher der Welt eine Wette darauf angenommen, dass Payne in einem Spiel der Conference Finals mitmachen geschweige denn starten oder sogar dominieren würde. Bis vor ziemlich genau einem Jahr war er kein NBA-Spieler, kämpfte händeringend um eine Chance, die sich scheinbar schon in Luft aufgelöst hatte.

Payne kam 2015 als Nr.14-Pick in die Liga und fiel bei den OKC Thunder über anderthalb Saisons in erster Linie als Pregame-Tanzpartner von Superstar Russell Westbrook auf. Als Spieler tat er dies nicht, schon bald wurde er an Chicago weitergegeben, wo er sich allerdings auch nicht durchsetzen konnte.

Payne ist für einen NBA-Spieler klein (1,85 m) und gehörte zunächst zu den ineffizientesten Scorern der Liga - auch aufgrund seines unkonventionellen Wurfs, bei dem er scheinbar den kompletten Körper unter die Wurfhand zwängt. Alles in allem lieferte er kein Paket, das seine ersten Stationen nachhaltig überzeugte.

"Wir wussten beim zweiten Training, dass er nicht auf einem NBA-Level spielen konnte", war das vernichtende Urteil eines anonymen Bulls-Mitarbeiters im Jahr 2017, das vor wenigen Tagen wieder die Runde machte. Im Januar 2019 wurde Payne entlassen, auch mehrere Abstecher in die G-League hatten ihn nicht weitergebracht.

Cameron Payne hielt es nicht lange in China aus

In der Folge begann eine kleine Odyssee. Payne unterschrieb mehrere 10-Tages-Verträge bei den Cavs, die ihn aber nicht behielten. Er versuchte sich zum dritten Mal in der Summer League, eigentlich unerhört für einen früheren Lottery-Pick. Vor der 19/20er Saison wurde er von den Raptors verpflichtet, aber vor Saisonstart entlassen.

Payne war gerade 25 Jahre alt und raus aus der NBA. Ein Angebot aus China flatterte rein, tatsächlich hielt er es bei den Shanxi Loongs aber nur für zwei Spiele aus. Schon der Start verlief nicht nach seinem Geschmack, als er feststellte, dass niemand vom Team seine Freundin und ihn nach dem langen Flug in Empfang nahm - und dass sein Hotelzimmer zu klein für sein Gepäck war.

"Da habe ich festgestellt: 'Das ist nicht die NBA'", sagte Payne später zu AZ Central. Er beendete das Abenteuer, informierte seinen Agenten, dass er lieber in der G-League für weniger Geld um seine Chance kämpfen wollte. Im Januar 2020 unterschrieb er bei den Texas Legends und war wild entschlossen, seine Karriere wiederzubeleben.

"Er war von Anfang an voll dabei, hat sich selbst bei den simpelsten Drills komplett reingehängt", blickte Legends-Coach George Galanopoulos zurück.

Cameron Payne: Dallas wollte ihn nicht

Payne spielte in Texas eine starke Saison, kam auf 23,3 Punkte und 7,8 Assists im Schnitt und spielte sich wieder ins Blickfeld der NBA-Teams. Die Dallas Mavericks hatten als Besitzer der Legends ein "Anrecht" auf ihn, entschieden sich jedoch kurz vor der Corona-Unterbrechung gegen ihn und für Trey Burke. "Das war's für mich", sagte Payne damals zu sich selbst, wie er später ESPN erzählte.

Doch das war es nicht. Payne hatte das Glück, dass Suns-Coach Monty Williams ihn noch aus gemeinsamen Zeiten in Oklahoma City auf dem Schirm hatte. Williams hielt den Point Guard damals nicht für untalentiert, eher für unreif. Jahre später ließ er über Paynes Agenten anfragen, ob dieser sich nicht vorstellen könne, für Phoenix zu spielen - und dieser ergriff seine Chance.

Payne war bei jedem Spiel des magischen 8-0-Runs in der Bubble dabei und traf alberne 51,7 Prozent seiner Dreier. In der laufenden Saison etablierte er sich als Backup hinter Paul und beseitigte nach und nach alle Zweifel, die ihn zuvor stets begleitet hatten. Er ist ruhiger und effizienter geworden, läuft ein sauberes Pick'n'Roll und nimmt in den Playoffs 37 Prozent seiner Abschlüsse am Ring - womit er unter allen Guards im 86. Perzentil liegt.

Monty Williams ist von Paynes Entwicklung nicht überrascht

Sein Speed gepaart mit einem nun regelmäßig fallenden Wurf macht ihn schwer zu verteidigen. Die Frage ist mittlerweile nicht mehr, ob er sich in der NBA halten wird, sondern ob Phoenix ihn nach dieser Spielzeit halten kann. Dass er kommende Saison mehr verdient als das Veteranenminimum wie jetzt, ist bereits sicher.

"Er war immer ein guter Junge, aber er hat mit der Zeit gelernt, wie man arbeitet", sagte Williams während der Saison. "Ich bin nicht so überrascht wie alle anderen, weil ich ihn damals hatte. Ich glaube, er ist mit der Zeit einfach seriöser geworden. Er hat schon immer gearbeitet, aber er ist konstanter damit geworden."

Noch in OKC prallte Williams mit dem Vorschlag bei Payne ab, nicht nur mit Westbrook zu tanzen, sondern morgens vor dem Superstar in der Halle zu sein und an seinem Spiel zu arbeiten. "Ich habe zugehört, aber ich war jung", sagte Payne zu ESPN. "Ich war nicht in der Lage, das alles in Perspektive zu bringen."

Cameron Payne: "Wache nicht auf, träume weiter"

Auch Payne wird nicht müde zu betonen, dass vor allem der mentale Wandel dafür gesorgt hat, dass er heute ein kompetenter NBA-Guard ist und sich nicht mehr fehl am Platze fühlt. Sein Wurf ist immer noch komisch, er ist noch immer klein, und trotzdem war er über die ganze Spielzeit ein essenzieller Bestandteil eines Teams, das nun tatsächlich Meister werden könnte.

Mit Pauls Rückkehr rückt er wieder ins zweite Glied, doch Spiel 2 hat nun gezeigt, dass es nicht immer dabei bleiben muss. So wie Paynes Geschichte generell zeigt, dass eine Karriere in der NBA nicht immer linear oder gar logisch ablaufen muss. Er hat es geschafft, sich mit dem Rücken zur Wand nahezu komplett neu zu erfinden.

"Man darf nie damit aufhören, es zu versuchen", sagt Payne. "Wenn man etwas glaubt, dann muss man darum kämpfen. Mein Slogan ist: 'Wache nicht auf, träume weiter.' Danach lebe ich. Denn alles ist möglich." Das klingt zwar etwas kitschig - aber wer soll ihm das übel nehmen?

Die NBA-Stationen von Cameron Payne

TeamVonBisSpielePunkteFG%3FG%Assists
ThunderJuni 2015Februar 2017775,138,531,91,9
BullsFebruar 2017Januar 2019676,739,733,73,1
CavaliersJanuar 2019Januar 201998,249,1362,6
RaptorsJuli 2019Oktober 20190
SunsJuni 2020aktuell688,748,445,13,5
Playoffs aktuell1211,84435,43,9
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