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NBA - Michael Porter Jr. bei den Denver Nuggets: Gefangen zwischen Gegenwart und Zukunft

Nuggets-Rookie Michael Porter Jr. war eine der positiven Überraschungen der Playoffs.

Michael Porter Jr. war für die Denver Nuggets eine positive Überraschung in den Playoffs. Der Rookie half mit, dass Denver in die Conference Finals einzog. Sein Spiel trieft vor Potenzial, doch ist er der Spieler, den Denver für die Zukunft benötigt? Die Nuggets wollen den Youngster wohl nicht traden, doch ist das die richtige Entscheidung?

"Ich glaube, dass wir mehr Spieler einbeziehen sollten. Wir müssen den Ball mehr bewegen und dürfen gegen solch ein Team nicht so ausrechenbar sein." Das waren die Worte von Michael Porter Jr. nach der 85:96-Niederlage in Spiel 4 gegen die L.A Clippers. Die Denver Nuggets standen zu diesem Zeitpunkt vor dem Playoff-Aus, nur wenige trauten Denver in den Conference Semifinals noch ein Comeback zu.

Auch der Umstand, dass ein Rookie so deutlich die Spielidee von Coach Michael Malone kritisierte, schien kein gutes Zeichen. "Wenn ich eine Rolle auf dem Feld spiele und viele Minuten sehe, dann glaube ich, dass ich das ansprechen sollte. Ich werde ihnen sagen, was ich auf dem Feld sehe. (...)", setzte Porter Jr. seine Kritik fort, für die er innerhalb der Liga jede Menge Gegenwind bekam.

Womöglich hatte Porter im Kern Recht, sein Weg dies zu adressieren, war jedoch der Falsche. Aber Porter war eben auch kein gewöhnlicher Rookie und gab in Spiel 5 die passende Antwort, als er in der Schlussphase einige wichtige Würfe traf und mithalf, dass die Nuggets in den Playoffs zum zweiten Mal einen 1-3-Serienrückstand noch umbogen.

Michael Porter Jr.: Der dritte Star der Denver Nuggets?

Sein Talent ist unbestritten, gleiches gilt aber auch für seine Krankenakte sowie seine noch fehlende Reife, gesehen bei besagter PK oder seinem Instagram-Video, als er die Existenz des Coronavirus infrage stellte (im August!). MPJ ist gewissermaßen ein Mann der Extreme, eine polarisierende Figur.

Das gilt auch für seine Zukunft bei den Nuggets. Berichten zufolge ist der 22-Jährige unantastbar und ist als dritter Star neben den beiden Superstars Nikola Jokic und Jamal Murray fest eingeplant. Die Idee dahinter ist nachvollziehbar. Porter ist ein exzellenter Schütze, der gleichzeitig auch mit Ablaufen der Wurfuhr für sich einen guten Wurf kreieren kann. Das entlastet die beiden Stars und macht das Team noch unberechenbarer.

Das Talent hatte Porter schon immer. Der Forward galt auf der High School als bester Youngster der kompletten USA, selten sah man einen so langen Spieler wie Porter, der auf so viele unterschiedliche Arten und Weisen scoren konnte. Es hatte schon immer etwas von Kevin Durant, wie leicht es Porter aussehen ließ, wenn er mit einem butterweichen Sprungwurf den Spalding im Korb versenkte.

Michael Porter Jr.: Wenig Chancen, aber effizient

Eine schwere Verletzung nach wenigen College-Spielen ließ Porter im Draft 2018 fallen, erst die Nuggets trauten sich an Position 14 an den vormals als Top-Pick gehandelten Forward heran. Denver hatte da schon seinen Kern und Porter war mehr oder weniger eine Wildcard. Wegen einer Rücken-OP verpasste Porter in der Folge sein komplettes erstes Jahr, auch ohne ihn erreichten die Nuggets erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit die Conference Semifinals.

Die abgelaufene Spielzeit wurde zu einem Spagat für Coach Malone. Einerseits hatte Denver Championship-Ambitionen, auf der anderen Seite scharte ein hochveranlagter Youngster mit den Hufen, den die Fans unbedingt sehen wollten.

Über die reguläre Saison bekam MPJ durchschnittlich nur 16,4 Minuten, in denen er aber knapp 10 Punkte erzielte. Es zeigte sich schnell, dass Porter auch in der NBA jederzeit seinen Wurf loswerden kann, einen solchen Instinkt besitzen nicht viele. Über die Saison versenkte Porter knapp 51 Prozent aus dem Feld und traf 42 Prozent seiner Dreier - und das alles enorm vielseitig.

Michael Porter Jr.: Geboren, um zu scoren

Trotz einer Körpergröße von 2,08 Metern ist MPJ willig, den Ball auf den Boden zu setzen und ist im Eins-gegen-Eins brandgefährlich. Über die Saison isolierte Porter zwar nur rund 40-mal (Regular Season + Playoffs), verbuchte dabei aber bärenstarke 1,14 Punkte pro Play. Zum Vergleich: Das ist besser als James Harden (1,13).

Porter besitzt teilweise Elemente des Bärtigen in seinem Spiel. Solche Stepbacks wie diesen könnte dagegen nicht einmal der MVP der Houston Rockets versuchen.

Auf der anderen Seite hat Porter wie Harden Schwächen in der Verteidigung. Aktuell gibt es kaum schwächere Verteidiger als Porter auf seiner Position, der sich aber immerhin im Laufe der Playoffs steigerte, nachdem die Utah Jazz den Rookie in der ersten Runde ohne Gnade Play für Play involviert und attackiert hatten.

Michael Porter Jr.: Passt er zu Jokic und Murray?

Das spielt durchaus eine Rolle für die Nuggets, schließlich sind auch Jokic und Murray alles andere als Edel-Verteidiger. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass erfolgreiche Playoff-Teams einen oder maximal zwei unterdurchschnittliche Verteidiger verstecken können, bei drei dürfte es fast unmöglich werden.

Porter ist natürlich noch jung, die wenigsten Rookies nehmen am hinteren Ende des Feldes Einfluss auf das Geschehen, doch Porter zeigte mit Ausnahme seiner guten Arbeit am defensiven Brett sehr wenig, was Hoffnung machen würde.

Und dann bleiben da auch noch die Fragezeichen hinter seiner Einstellung. Porter war vor seiner NBA-Karriere immer die erste Option, der Mann mit dem ultimativen grünen Licht. Wird er sich unterordnen können oder könnte es mittelfristig Probleme mit dem Emporkömmling geben?

Die Nuggets scheinen dieses Risiko in Kauf nehmen zu wollen, zu groß könnte der Ertrag sein, wenn Porter fit bleibt und sich entsprechend entwickelt.

Michael Porter Jr.: Der letzte Trade-Chip der Nuggets?

Andererseits könnte diese Offseason auch genau der richtige Zeitpunkt sein, um das wertvollste Asset der Franchise in einen womöglich besser passenden Spieler (z.B. Jrue Holiday oder Bradley Beal, um nur mal ein paar Namen zu nennen) einzutauschen. Porter braucht vermutlich noch ein paar Jahre, um sein komplettes Potenzial (All-Star) abzurufen, vielleicht wird er es aber auch nie erreichen.

Hat Denver diese Zeit? Ein Porter-Trade für einen Star wäre der ultimative Win-Now-Move, um in der kommenden Saison erneut Jagd auf die beiden L.A.-Teams zu machen. Das dürfte das Ziel für 2020/21 sein - mit oder ohne MPJ.

Wenn man den Medien in und um die Mile High City Glauben schenken mag, dann sind die Nuggets gewillt, das Experiment mit Porter zu wagen. Das ist riskant und mutig, könnte aber früher oder später belohnt werden.

NBA - Michael Porter Jr.: Die Statistiken in seiner Rookie-Saison

Saison 2020/21Spiele / MinutenPunkteReboundsAssistsFG%3FG%
Reguläre Saison55 / 16,49,34,70,850,942,2
Playoffs19 / 23,711,46,70,847,638,2
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