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NBA - Die Golden State Warriors in der Offseason: Ein Jahr Sabbat reicht

Die Golden State Warriors werden in ihrem Minicamp ohne Stephen Curry und Draymond Green auskommen müssen. Klay Thompson wird nach langer Verletzungspause dagegen zurückerwartet.

Die Golden State Warriors wollen nach einem Jahr voller Verletzungen in der kommenden Saison wieder voll angreifen. General Manager Bob Meyers hat dafür unter anderem den Nr.2-Pick zur Verfügung - und eine lange Liste von Baustellen.

Wer erst im Lauf des letzten Jahrzehnts zum NBA-Fan wurde, dem bot sich in den Playoffs und insbesondere in den Finals ein ungewohntes Bild. LeBron James war da, natürlich, dieser Ausrutscher aus dem Vorjahr wurde korrigiert. Aber auf der Gegenseite? Da standen die Heat, nicht etwa das dominante Team der letzten Jahre. Dieses hatte nicht einmal die Playoffs erreicht.

Nach fünf Finals-Teilnahmen (drei Siege) in Folge "erreichten" die Warriors in dieser Saison stattdessen die schlechteste Bilanz aller Teams, ihre drei Stars hatten sich während des Restarts längst andere Beschäftigungen gesucht.

Draymond Green war während der Postseason als Experte bei "Inside the NBA" tätig, Stephen Curry moderierte Talks mit US-Chef-Immunologe Anthony Fauci, und Klay Thompson - nun, Thompson blieb Thompson. Als einziger der drei Stars war er beim Warriors-Minicamp dabei, vor wenigen Tagen grüßte er dann via Instagram von seinem Boot aus, beim Heilbutt-Angeln.

Golden State Warriors: Das Trio ist noch da

Alle drei wussten also etwas mit sich anzufangen, für alle drei soll das jedoch auch nichts anderes als ein Ausrutscher gewesen sein. Das Sabbat-Jahr haben die Warriors hinter sich gebracht, nächstes Jahr wollen sie zurück ins Getümmel. Und das ist durchaus möglich.

Golden State geht als eins der spannendsten Teams in die kommenden Wochen der Offseason, auch aufgrund seiner Flexibilität. Auf der einen Seite verfügen die Dubs mit Steve Kerr und den drei angesprochenen Stars über eine nahezu institutionelle Kontinuität, Automatismen, "Championship Pedigree", wie die Amerikaner es nennen. Auf der anderen Seite ist vieles um sie herum völlig offen.

Vom letzten Finals-Kader sind abgesehen vom Trio nur noch Kevon Looney und Damion Lee übrig geblieben, der Vertrag von letzterem ist nicht garantiert. Diesen Status teilt er mit gleich vier potenziellen Rotationsspielern der kommenden Saison, von denen die meisten noch nie mit Thompson und höchstens fünfmal mit Curry zusammengespielt haben.

Warriors: Länge und Athletik fehlen

Es finden sich etliche Baustellen im Kader, was die Dubs auch unumwunden zugeben: "Wir sind aktuell nicht groß und nicht athletisch genug, um dahinzukommen, wo wir hinwollen", sagte Kerr neulich bei der TK Show. "Ich denke, Bob (Myers, General Manager, Anm. d. Red.) wäre der erste, der sagt, dass dieser Kader noch lange nicht fertig ist."

Das schöne für Myers ist, dass er - anders als sonst in den letzten Jahren - jede Menge Zeit hatte, um sich auf die Offseason vorzubereiten. Und dass er Tools hat; darunter den Nr.2-Pick im kommenden Draft, den ein Team mit einer solchen Klasse sonst nahezu nie zur Verfügung hat. Was nicht bedeutet, dass die Marschroute deswegen völlig klar wäre.

Was machen die Warriors mit dem Nr.2-Pick?

In der Vergangenheit konnte ein so hoher Pick einem alternden Contender schon öfter Leben einhauchen oder direkt die nächste Ära begründen. Tim Duncan und James Worthy wären dafür Beispiele, Len Bias hätte für die Celtics der 80er ebenfalls eins sein sollen. Diese Beispiele dienen den Warriors von heute allerdings nur bedingt, auch wenn es immer günstig sein kann, sich zu verjüngen.

Denn: Der 2020er Draft hat dem Vernehmen nach nicht unbedingt die Art von "sure things", die als weit entwickelte Spieler in die Liga kommen, sich sofort zurechtfinden und dann auch noch perfekt zu Golden State passen. An der Spitze finden sich vor allem Guards, davon haben die Dubs eigentlich aber genug - sie benötigen eher Länge auf dem Flügel oder Bigs.

Der einzige große Spieler wiederum, der als ziemlich sicherer Top-5-Pick gehandelt wird, ist James Wiseman; ein 19-jähriger Center, der lediglich drei College-Spiel absolvierte. Vertrauen die Dubs darauf, dass so jemand sich in einem Jahr in Playoff-Schlachten zurechtfindet? Oder probieren sie etwas anderes, traden etwa in der Lottery weiter nach unten - oder ganz raus aus dem Draft?

Andrew Wiggins als Fragezeichen

Ein weiteres Fragezeichen haben die Warriors bereits im Kader. Neben den drei Stars gibt es in Andrew Wiggins schließlich noch einen Großverdiener, der während der Saison aus Minnesota kam und dessen hohes Gehalt von 29,5 Mio. Dollar in Kombination mit dem Nr.2-Pick in der Theorie wunderbar als Trade-Paket abgegeben werden könnte.

In der Praxis ist das aber nicht so wahrscheinlich - zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Wiggins hat in Golden State zwar ordentliche Ansätze gezeigt, sein Vertrag gilt aber immer noch als Albatross, den ein gegnerisches Team nicht ohne "Sweetener" aufnehmen würde. Will heißen: Die Warriors müssten bei einem Trade draufzahlen.

Sie sind daher wohl besser damit beraten, ihn neben den drei Stars auszuprobieren; in dem Kontext könnte sein Wert steigen, womöglich passt er ja sogar so gut, dass Golden State ihn gerne weiter behält. Wiggins hat ein an sich durchaus passendes Skillpaket; wenn er irgendwo zu einem konstanten Plus-Spieler reifen kann, dann vermutlich in einem Umfeld wie diesem.

Wie viel finanziellen Spielraum hat Golden State?

Meyers hat zudem auch noch eine Trade Exception aus dem Andre Iguodala-Deal zur Verfügung. Diese erlaubt es dem aufnehmenden Team, in einem Trade mehr Gehälter aufzunehmen, als abgegeben werden; in diesem Fall sind das stolze 17,2 Millionen, also durchaus ein Betrag, der einen oder sogar mehrere Impact-Spieler zurückbringen könnte.

Hinzu kommt die Taxpayer Midlevel Exception in Höhe von (vermutlich) ungefähr 6 Millionen Dollar; Meyers hat also viel Spielraum, zumindest dann, wenn die Warriors-Besitzer trotz der veränderten finanziellen Situation weiterhin bereit sind, alle verfügbaren Ressourcen in das Team zu stecken. Das wäre nötig, denn schon die Gehälter der vier Großverdiener reichen für den Luxussteuer-Status.

Von 2016 bis 2019 zahlten die Dubs in drei von vier Jahren Luxussteuer und da das Team weiter im "Win-Now-Modus" steckt, wird sich an dieser Bereitschaft vermutlich nicht viel ändern. Zwar werden auch die Warriors immer mal mit der Free Agency 2021 und Giannis Antetokounmpo in Verbindung gebracht, ein realistisches Szenario ist das allerdings schon aus finanzieller Sicht nie gewesen.

Die Topverdiener der Warriors und ihre Verträge

Gehalt 20/21 in Mio. Dollar21/2222/2323/24
Stephen Curry4345,8
Klay Thompson35,43840,143,2
Andrew Wiggins29,531,633,6
Draymond Green22,22425,827,6 (Spieler-Option)

Stephen Curry will zurück in die Verlosung

Und: Curry (32), Green und Thompson (beide 30) stehen allesamt nicht mehr am Anfang, sondern nach fünf extrem strapaziösen und langen Jahren eher im Herbst ihrer besten Jahre. Ihre Zeit muss nicht vorbei sein, das Sabbat-Jahr kann ihnen durchaus geholfen haben, ihren kollektiven Akku wieder aufzuladen.

Trotzdem: Sie haben nicht mehr ewig, Meyers muss also versuchen, das Maximum aus den kommenden Jahren herauszuholen. Die Warriors sind nicht mehr "Lichtjahre voraus", sondern gehören nun zu den Teams, die sich (zumindest in der Peripherie) neu aufstellen müssen und Jagd auf die Lakers machen.

"Man sieht sich den Westen an und wie gut die Teams in der Bubble an, und dann packt man uns zurück in die Verlosung. Das wird richtig wild", sagte Curry kürzlich zum Bleacher Report. "Ich freue mich darauf."

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