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NBA

NBA Finals, Lakers: Danny Green sucht weiter seinen Wurf: Einen Sündenbock brauchts immer

Von Ruben Martin
Danny Green hat seit der Serie gegen die Denver Nuggets große Probleme mit seinem Distanzwurf.

Danny Green stand frei an der Dreierlinie, ein Treffer hätte den Los Angeles Lakers die Führung in den Schlusssekunden von Spiel 5 der NBA Finals gegeben. Sein Wurf fiel jedoch deutlich zu kurz und so muss LA mindestens ein weiteres Spiel gegen die kämpferischen Heat bestreiten - in dem Green aufgrund seines anhaltenden Formtiefs vielleicht mehr als gewohnt zuschauen werden muss. Spiel 6 der Finals gibt es heute Nacht auf DAZN.

"Ich habe ihm vertraut. Wir haben ihm vertraut. Und der Wurf ist einfach nicht reingegangen. Sowas passiert", nahm LeBron James seinen Teamkollegen Green in Schutz, nachdem dieser mit knapp sieben Sekunden zu spielen, einen weit offenen Dreier beim Stand von 108:109 aus Sicht der Lakers nicht versenkte.

Etwas ratlos wirkte der King schon, dass seine 40 Punkte bei überragenden Wurfquoten (15/21 FG, 6/9 3P), 13 Rebounds und 7 Assists nicht zum Sieg der Lakers in Spiel 5 gereicht haben. Das lag zum einen daran, dass Jimmy Butler (35 Punkte, 12 Rebounds, 11 Assists) eine ähnlich dominante Leistung wie er auflegte, zum anderen, dass keiner der Lakers neben James und Anthony Davis einen besonders guten Abend hatten.

Unter den Rollenspielern der Lakers ist ein konstanter Wechsel zwischen einem guten Spiel und einem darauffolgenden schlechteren Spiel keineswegs ungewöhnlich, selbst Kentavious Caldwell-Pope, der konstanteste Laker hinter dem Superstar-Duo in LA, hatte beispielsweise nur fünf Punkte in Spiel 3 aufgelegt. Problematisch für die Mannschaft von Head Coach Frank Vogel wird es erst, wenn alle Lakers außer James und Davis ihre schlechten Spiele auf den gleichen Abend legen, wie in der Nacht von Freitag auf Samstag.

So haben Rajon Rondos 16 Punkte und 10 Assists maßgeblich zum Lakers-Triumph in Spiel 2 beigetragen, Markieff Morris' 19 Punkte in Spiel 3 wären vermutlich selbst für Miami mit Butler in absoluter Höchstform zu viel gewesen, hätte Davis keine Foulprobleme gehabt.

Ein Blick auf Danny Greens Spiele in den letzten beiden Playoff-Serien verraten, dass der zweifache NBA-Champion schon lange an der Reihe ist, zumindest für ein Spiel der drittbeste Laker zu sein. Oder zumindest einen wichtigen Wurf spät im Spiel zu treffen. Die Lakers können momentan weder das eine noch das andere von Green erwarten.

Danny Green: Vom streaky Shooter zum schlechten Shooter?

Der ehemalige Tar Heel war schon immer ein streaky Shooter, unter anderem haben schon die Spurs (2014) und Raptors (2019) seine schlechten Phasen von der Dreierlinie in Kauf genommen, als sie ihn zum Teil ihrer Championship-Teams machten. Spiele mit Quoten wie eins von sieben und zwei von acht waren verkraftbar, da Green jeder Zeit explodieren konnte, wie mit sechs von zehn Treffern von der Dreierlinie in Spiel 3 der 2019 Finals.

Aktuell scheint Green jedoch weit entfernt von solch einem Spiel. Seit den Western Conference Finals hat Green nur 16 seiner 56 Würfe (28,5 Prozent) von Downtown getroffen, seine zwei Treffer bei fünf Versuchen in Spiel 5 der Finals stellen seine zweitbeste Partie von der Dreierlinie in diesem Zeitraum dar.

Dabei sind die Würfe, die Green nimmt, von Serie zu Serie nicht signifikant schwieriger geworden. Die Zonenverteidigung der Heat nimmt freie Dreier sogar ein Stück weit in Kauf, um die Verteidigung in Ringnähe aufzuwerten. In Mannverteidigung ist Miami phasenweise stark fokussiert auf das Doppeln von LeBron oder Davis, so dass auch dort gelegentlich recht freie Würfe für Green entstehen. Sie fallen nur nicht.

Laut nba.stats.com waren von 31 Versuchen 25 'open' oder gar 'wide open', versenken konnte Green gerade einmal 6 davon, was einen noch magerere Quote von 24 Prozent nach sich zieht. Zum Vergleich: Russell Westbrook, den die Lakers in der Serie mit den Rockets anbettelten, dass er doch werfen würde, traf immerhin 31,8 Prozent seiner komplett offenen Dreier.

Greens Berechtigung, bei einem Titelkandidaten wie L.A. zu spielen, steht dennoch außer Frage: Jeder Superstar will erfahrene Three-and-D-Spieler in seinem Team haben. Doch wenn der Dreier nicht fällt und die Erfahrung bisher nicht für die wichtigen Plays zum richtigen Zeitpunkt sorgt, was ist dann Greens Wert für die Lakers?

Danny Green: Vergangene 10 Spiele

SerieSpielMINFGM3PMREBASTSTLTOPTS
Finals523:463/82/511018
Finals420:504/82/6112110
Finals316:400/60/431032
Finals222:071/81/812213
Finals129:324/93/8412111
WCF528:063/72/4020111
WCF421:141/61/430033
WCF320:091/41/341044
WCF228:174/143/10513111
WCF123:263/101/451238

Danny Green: Auch defensiv nicht mehr elitär

Zum ersten Mal in dieser Serie ist der sonst disziplinierte, intelligenter und motivierter Verteidiger Green in Spiel 5 auch mehrfach negativ in der Defense aufgefallen, vor allem gegen Duncan Robinson. Der Scharfschütze verwandelte 7 von 13 Dreiern auf dem Weg zu 26 Punkten und dem besten Playoff-Spiel seiner jungen Karriere. Robinsons erste beiden Distanzwürfe waren komplett frei, vorher hatte er in der gesamten Serie nur vier freie Dreier geworfen.

Beide Male war Green für Robinson zuständig und es war deutlich sichtlich, dass der 33-Jährige inzwischen zu hüftsteif ist, um den Edelschützen der Heat über das Feld zu jagen. Den Versuch, Green über längere Phasen als direkten Verteidiger von Butler aufzustellen, hatten die Lakers längst aufgegeben. Das spricht jedoch mehr für Butlers individuelle Klasse, der in Spiel 5 vermehrt von Davis verteidigt wurde, als gegen Green.

Dennoch hatte Green (+12) das beste Plus/Minus-Rating der Lakers in Spiel 5 vor Davis und LeBron (jeweils +7) und deutlich besser als die beiden Guards von der Bank, Rondo (-13) und Caruso (-6). Das Rating kann gerade in einem einzelnen Spiel zu großen Teilen ein Zufallsprodukt sein, weist jedoch auch darauf hin, dass Green noch einige Dinge auf dem Feld macht, die im ersten Moment nicht auffallen.

Dazu zählt in erster Linie Greens Einfluss auf das Spacing der Lakers. Wer in seiner Karriere so viele Würfe getroffen hat wie Green, verliert seinen Ruf als Shooter nicht im Lauf von zehn Spielen. Green wird also weiterhin enger verteidigt als Rondo oder Caruso, auch wenn Caruso den Dreier in den Finals bisher besser trifft, jedoch auch bei deutlich weniger Versuchen. Deswegen wird Green seinen Starterposten voraussichtlich nicht mehr verlieren in diesen Finals, was aktuell mehr an den fehlenden Alternativen für Greens Rolle als Three-and-D-Spieler liegt, als an dem Vertrauen seiner Mannschaftskollegen in ihn.

Los Angeles Lakers: Weiter Vertrauen in Danny Green

"Danny ist einer unserer besten Schützen. Er hatte einen guten Wurf und wir müssen mit dem Resultat leben", sagte deswegen auch Lakers-Coach Frank Vogel, der wohl auch in Spiel 6 am 33-Jährigen festhalten wird.

"Sie sind Veteranen, ich glaube man muss ihnen viel sagen", betonte auch James, als er auf Morris und Green angesprochen wurde. "Sie werden sich besser präsentieren und damit sage ich nicht, dass sie in Spiel 5 schlecht agiert haben. Jeder in unserem Team hat alles gegeben."

Green wird in Spiel 6 eine weitere Chance und die Minuten bekommen, um den Unterschied machen zu können. Vielleicht wird es schon reichen, einen wichtigen Wurf in der Crunchtime zu treffen. Denn LeBrons Karrierewerk verrät, dass er einen freien Dreier von einem Spieler wie Green über einen Wurf gegen drei Leute von ihm selbst bevorzugt, auch nach der vergebenen Chance durch Green am Freitagabend.

Lakers vs. Heat: Die Finals im Überblick

SpielDatumUhrzeitTeam 1Team 2Ergebnis/Übertragung
11. Oktober3 UhrLos Angeles LakersMiami Heat116:98
23. Oktober3 UhrLos Angeles LakersMiami Heat124:114
35. Oktober1.30 UhrMiami HeatLos Angeles Lakers115:104
47. Oktober3 UhrMiami HeatLos Angeles Lakers96:102
510. Oktober3 UhrLos Angeles LakersMiami Heat108:111
612. Oktober1.30 UhrMiami HeatLos Angeles LakersDAZN
7*14. Oktober3 UhrLos Angeles LakersMiami HeatDAZN

*falls notwendig

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