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NBA - Einst gefeierter Franchise-Star, dann Lachnummer: Wie Andrew Bynum beim Bowling seine Karriere zerstörte

Andrew Bynum wurde in seiner Karriere zweimal Champion mit den Los Angeles Lakers.

Andrew Bynum: Die Knie, immer wieder die Knie

In seiner letzten Saison im Lakers-Trikot legt Bynum Karrierebestwerte bei den Punkten (18,7) und Rebounds (11,8) auf, er sammelt die zweitmeisten Defensiv-Rebounds in der Liga, die viertmeisten Rebounds und die sechstmeisten Blocks. Gerade seine Defense und sein Rebounding sind seine großen Stärken, offensiv strahlt er zudem als Post-Spieler Gefahr aus.

Der 2,13-Meter-Hüne aus Plainsboro, New Jersey, überspringt 2005 als einer der letzten High Schooler das College und wagt den sofortigen Sprung in die NBA. Im Draft 2005, der vorerst letzte, in dem High Schooler zugelassen sind, schlagen die Los Angeles Lakers an zehnter Position zu. In L.A. avanciert Bynum zum jüngsten NBA-Spieler aller Zeiten (Debüt im Alter von 18 Jahren und 6 Tagen), zum Starter auf der Fünf, zum zweimaligen NBA-Champion und 2011/12 schließlich zum All-Star.

Doch schon damals machen ihm immer wieder Knieprobleme zu schaffen. Bereits im Alter von zwölf Jahren soll er seine erste Knie-OP gehabt haben, in seinen sieben Jahren mit den Lakers absolviert er nur in einer Saison alle 82 Spiele. Insgesamt verpasst er in dieser Zeitspanne 166 Partien.

Nach seinem Trade zu den Sixers folgt das nächste Kapitel in seiner schier unglaublichen Verletzungshistorie. Im September 2012 reist Bynum nach Deutschland, um sich einer sogenannte Orthokin-Therapie zu unterziehen, ähnlich wie es auch Kobe Bryant vor ihm tat. Dabei wird aus dem Blut des Patienten ein entzündungshemmendes Protein gewonnen und ins Knie gespritzt, was gegen die fortgeschrittene Arthritis Bynums helfen soll. Der Center lässt den Eingriff in beiden Knien vornehmen.

Im Oktober vermelden die Sixers jedoch eine Prellung im rechten Knie, Bynum verpasst den Saisonstart, als mögliches Datum für ein Comeback wird Ende Dezember oder Anfang Januar genannt. Daran hält das Team auch nach Bynums Bowling-Ausflug und den neuerlichen Schmerzen im anderen Knie fest.

Doch das geplante Comeback wird immer weiter nach hinten verschoben, bevor im März 2013 die Hiobsbotschaft folgt: Bynum wird sich in beiden Knien einer Arthroskopie unterziehen lassen müssen. Die Nachricht ist gleichbedeutend mit dem Saisonaus. Der gefeierte Heilsbringer läuft kein einziges Mal im Trikot der Sixers auf.

Die Karrierestatistiken von Andrew Bynum

TeamSaisonsG / MINPunkteReboundsAssistsBlocksFG%
Lakers2005 - 2012392 / 26,011,77,81,21,656,6
Sixers2012/13------
Cavaliers2013/1424 / 20,08,45,31,11,241,9
Pacers2013/142 / 18,011,59,51,00,540,9
Karriere8 Spielzeiten418 / 25,611,57,71,21,655,6

Philadelphia 76ers: Das Bynum-Aus führt zum "Process"

Letztlich endet die Sixers-Karriere des Centers nach nur einem Jahr. Der auslaufende Vertrag des Big Man wird nicht verlängert, zu groß sind die Sorgen, ob die Knie den Anforderungen einer NBA-Saison standhalten können. So sind vier Assets aus dem Howard-Bynum-Trade sowie der erhoffte Hauptpreis dahin, genau wie die Jobs von General Manager Tony DiLeo und Head Coach Doug Collins.

Mit der Berufung von Sam Hinkie als neuen starken Mann läutet Philly die "Process"-Ära ein, die ihnen immerhin Ben Simmons, Joel Embiid und kurzzeitig Markelle Fultz (und dessen Krankenakte) einbringt. Auf Playoff-Erfolge wartet man aber weiterhin vergebens.

Von Bynum bleibt in Philadelphia in erster Linie eine Menge Enttäuschung zurück, dazu die Erinnerung an dessen Bowling-Ausflug und gleich mehrere - nun ja - bemerkenswerte Frisuren für das Fotoalbum. Der Big Man kann im Anschluss seine Karriere nicht mehr umbiegen, nach kurzen Stationen bei den Cavaliers und Pacers ist das NBA-Kapitel für den heute 33-Jährigen beendet.

Andrew Bynum: Kein Bock auf Basketball?

Es sind allerdings nicht nur die vielen Verletzungen, die zum frühen Karrierende beisteuern. Schon seit frühen Lakers-Tagen an sorgt Bynum immer wieder für Negativ-Schlagzeilen, die ihn über die Jahre zu einer Lachnummer werden lassen. So wollte Kobe seinen Center angeblich mehrfach getradet sehen, von Lakers-Coach Mike Brown wird er einmal auf die Bank geschickt, weil er anfängt, Dreier zu werfen (insgesamt 1/9 in seiner Karriere). Im Sommer 2010 verschiebt er eine Knie-OP zugunsten eines Europa-Urlaubs, dadurch verpasst er den Saisonstart.

In den Playoffs 2011 fliegt Bynum dann in Spiel 4 gegen die Dallas Mavericks, in dem die Lakers vorgeführt und schließlich gesweept werden, mit einem Flagrant II vom Parkett, nachdem er J.J. Barea übel aus dem Weg checkt. Zudem soll er einmal mit seinem BMW nicht nur einen, sondern gleich zwei Behindertenparkplätze auf einmal vor einem Supermarkt belegt haben.

In Cleveland, wo er nach dem Sixers-Debakel einen ungarantierten Vertrag unterschreibt, soll er einem Bericht von Adrian Wojnarowski (ESPN) zufolge in einer Trainingseinheit jedes Mal abgedrückt haben, wenn er den Ball in die Finger bekam. Egal, wo er gerade auf dem Feld stand. Kurz darauf wird er aus dem Training geschmissen und nach nur 24 Einsätzen suspendiert.

Über all dem schweben zudem Spekulationen, dass sich Bynums Begeisterung für den Sport mit dem orangefarbenen Leder ohnehin in Grenzen hält. Nach dessen Aus in Cleveland berichtet eine anonyme Quelle gegenüber Woj: "Er will nicht mehr Basketball spielen. Er hat es eigentlich nie so richtig gemocht." Und Tzvi Twersky vom SLAM Magazine erfährt von einem ehemaligen Mitspieler Bynums, er habe noch nie einen NBA-Spieler getroffen, der Basketball weniger mochte.

Andrew Bynum: Was wäre, wenn ...?

Gegen diese Annahme spricht, dass sich Bynum 2018 noch einmal an einem Comeback in der NBA versucht, das Interesse der 30 Teams hält sich jedoch in Grenzen. Allerdings wäre es nur allzu verständlich, wenn der Big Man keinen Spaß am Basketball gehabt hätte, blickt man auf dessen vielen Verletzungen, die Schmerzen und die Monate der Reha zurück.

Schon im Sommer 2013 nach seinem Abschied aus Philadelphia habe er über ein Karriereende nachgedacht, so Bynum gegenüber ESPN: "Es ist schwierig, dieses Spiel zu genießen, so körperlich limitiert wie ich bin. Ich bin nur noch ein Schatten meiner selbst auf dem Court."

Die Frage nach dem "Was wäre, wenn ...?" liegt auch über Bynums viel zu kurzer Karriere. Hätte er die Liga ohne seine Knieprobleme womöglich auf Jahre hinaus dominieren können? Hätten die Sixers vielleicht niemals oder erst deutlich später den "Process" eingeleitet? Oder hätten Bynums Knie so oder so eher früher als später nachgegeben?

Diese Fragen werden für immer offenbleiben. Vielleicht auch deshalb, weil Andrew Bynum eben viel lieber Bowling spielte als Basketball.

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