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NBA

NBA: Wie sich Ray Allen und George Karl verkrachten - und die Bucks einen der schlechtesten Trades aller Zeiten einfädelten

Ray Allen scheiterte mit den Milwaukee Bucks 2001 erst in Spiel 7 der Ost-Finals an den Sixers.

Ray Allen: Schädlicher Perfektionismus

"Das lustige daran ist, ich hatte nie eine Konfrontation mit George", erinnerte sich Allen später. "Wir hatten nie Streit. Es hieß immer nur: 'George mag dich nicht'. Ich habe es immer von anderen Leuten gehört." Oder aber in der Presse gelesen, wo Coach Karl seine persönlichen Probleme mit dem Guard nicht verheimlichte.

"Ich nenne ihn Barbie-Puppe, denn er will immer nur hübsch sein", lautete zum Beispiel Ende 2000 ein Zitat von Karl in der Sports Illustrated. "Er ist ein großartiger Spieler, aber er kümmert sich zu viel um seinen Style, darum, Highlight-Plays zu machen und cool zu sein. Beim Basketball geht es aber nicht darum, cool zu sein. Es ist ein hartes, schwieriges Spiel und um zu gewinnen, musst du gemein sein, ein Assassine. Und das ist Ray nicht."

Ein einfacher Charakter ist Allen sicherlich ebenfalls nicht. Sein Erfolg rührt auch von seinem fast schon krankhaften Perfektionismus her. Seine immergleichen Routinen werden getrieben von einer Zwangsstörung.

"Ray ist ein Perfektionist und außerdem eine sehr selbstbewusste Person. Und das kann in gewisser Weise schädlich sein, wenn er versucht, sich in ein Team einzufügen", sagte Karl 2011 gegenüber Jackie MacMullan von ESPN. "Seine Detailversessenheit war gelegentlich unvereinbar mit seinen Teamkollegen."

Die Karrierestatistiken von Ray Allen

TeamSaisonsG / MINPunkteReboundsAssistsFG%3FG%
Bucks7490 / 36,319,64,63,845,040,6
Sonics5296 / 39,424,64,64,244,038,6
Celtics5358 / 35,716,73,42,747,240,9
Heat2152 / 26,110,32,81,844,639,8
Gesamt181300 / 35,618,94,13,445,240,0

Ray Allen über Coach George Karl: "Unsinniges Zeug"

Allen wiederum meinte, Karl habe ihn einfach nicht gemocht. "Es schien immer eine gewisse Angst zwischen George und mir zu geben", sagte der spätere Hall of Famer ebenfalls bei ESPN. "Keine Feindseligkeiten, sondern Angst. Es war fast so, als wäre ich der eine Typ, der ihm im Weg steht."

"Jedes Mal, wenn ihn jemand etwas über mich gefragt hat, kamen Misstöne dabei heraus. So wie 'Barbie und Ken', weil ich Anzüge zu den Spielen trug", erinnerte sich Allen. "Das war wirklich unsinniges Zeug."

Später, kurz nach dem Trade, legte der heute 69-jährige Karl - ein Coach der alten Schule, der auch bei anderen Stationen in seiner Karriere gerne mal mit Spielern aneinander geriet - ein weiteres Mal nach. Mit Allen habe es immer nur "Schwierigkeiten" gegeben, "wir hatten keine andere Wahl, als ihn loszuwerden."

Letzteres sahen zahlreiche Fans damals ganz anders. Doch das Management entschied sich für den Coach, der das Team mit seinem Offensiv-System zum Erfolg geführt hatte, und gegen den Spieler, der dieses System nahezu perfekt auf dem Court umgesetzt hatte.

Ray Allen feiert Championships, Bucks-Coach Karl muss gehen

Die Bestrafung folgte schon wenige Monate später. Während Allen in Seattle weitere individuelle Erfolge feierte, später in Boston und Miami zwei Championships in seiner Vita notierte und sich zum besten Dreierschützen der Geschichte aufschwang, ging es für die Bucks, Karl und GM Grunfeld, der sich später auch in Washington nicht nur mit Ruhm bekleckerte, bergab.

Die Bucks lotsten im Trade-Paket für Allen Payton nach Milwaukee, den Karl bereits in Seattle gecoacht hatte, 1996 scheiterten sie erst in den Finals an Michael Jordan und den Chicago Bulls. Karl wollte Payton unbedingt, doch die Begeisterung von The Glove für die Stadt Milwaukee hielt sich in Grenzen.

Ganze 28 Partien absolvierte der Defensiv-Spezialist, bevor er im Sommer 2003 das Weite suchte und als Free Agent bei den Los Angeles Lakers unterschrieb. Mason, ein vielversprechender, athletischer Flügel konnte die in ihn gesetzten Hoffnungen in Milwaukee nie erfüllen. Nach zweieinhalb Jahren gaben die Bucks ihn wieder ab.

Und Karl? Der musste bereits nach dem enttäuschenden Ende der Saison 2002/03, also wenige Monate nach dem Allen-Trade, seinen Hut nehmen, genau wie GM Grunfeld. Anschließend starteten die Bucks einen Neuaufbau, bis 2019 gewann Milwaukee keine Playoff-Serie mehr, siebenmal war bereits in Runde eins Schluss. Das änderte sich erst mit Giannis Antetokounmpo.

Ehemaliger Bucks-Besitzer bedauert Trade von Ray Allen

Entsprechend steht für viele Bucks-Fans der Allen-Trade zu den Sonics auf einer Stufe mit dem Kareem-Trade, bei dem die Franchise ein ähnlich unbeeindruckendes Paket als Gegenwert erhielt. Der feine Unterschied: Die Center-Legende wollte weg, Allen wäre gerne noch weitere Jahre geblieben.

"Er und George Karl haben sich in die Haare gekriegt und es hat einfach nicht geklappt, deshalb haben wir ihn getradet", erinnerte sich der ehemalige Bucks-Eigentümer Herb Kohl im Milwaukee Journal Sentinel 2016 mit Bedauern. "Ich habe den Trade nicht gemacht, aber ich habe es geschehen lassen. Ray Allen ziehen zu lassen, war unser unglücklichster Moment."

Allen selbst ist sich rückblickend sicher, dass die Bucks die Chance auf eine Championship gehabt hätten, wäre das Team intakt geblieben. "Ja, stattdessen wurden wird aufgrund von Georges und meiner Beziehung auseinander gerissen", sagte der Guard. "Das ist einfach unglücklich. Ich hatte das Gefühl, dass ich von ihm immer einen mitbekommen habe. Es gab immer etwas, was er nicht an mir gemocht hat. Ich konnte für diesen Typen nichts richtig machen."

Kein Wunder, dass die beiden seit 17 Jahren nicht mehr miteinander sprechen.

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