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NBA

NBA - Daniel Theis im Interview: "Für mich sind wir das beste Team im Osten"

Daniel Theis will mit den Boston Celtics einen Titel holen.

Kommen wir zum Sportlichen. Zunächst: Wie stellen Sie sich das Spiel ohne Zuschauer vor? Wie groß ist der Unterschied dadurch wirklich?

Theis: Für mich persönlich ist das schon ein großer Faktor. Wer schonmal bei einem wichtigen Spiel bei uns im TD Garden war, weiß, was dort für eine Stimmung herrscht und wie sie Spieler auch pushen kann. Jetzt wird es vermutlich eher wie ein Trainingsspiel anmuten - deswegen ist es gut, dass wir uns in drei Trainingsspielen erstmal daran gewöhnen können. Ich weiß nicht, ob die NBA jetzt mit Soundeffekten arbeitet, einige Fans sollen wohl via Zoom auf Bildschirmen in der Halle sein. Das ist aber nicht das Gleiche. Die Fans und die Atmosphäre werden auf jeden Fall fehlen, gerade bei Big Plays in engen Spielen. Aber es wird auch interessant zu sehen sein, wie die jeweiligen Teams darauf reagieren. Den Heimvorteil hat jetzt eben keiner. Dieser Faktor fällt raus, es geht dadurch sogar noch mehr darum, wer es mehr will und wer besser ist.

Es wird üblicherweise über die beiden L.A.-Teams und Milwaukee als Favoriten gesprochen. Alle drei wurden von Ihrem Team besiegt im Lauf der Saison. Werden die Celtics vergessen als Contender?

Theis: Vergessen würde ich nicht sagen. Aber uns stört das ohnehin nicht, wir können uns auf uns selbst konzentrieren. Wir haben ja auch schon das Gegenteil erlebt, als wir vor der vergangenen Saison überall als Favoriten galten - das ist uns nicht so gut bekommen. Wir haben nichts dagegen, wenn nur über Milwaukee gesprochen wird. Miami oder Toronto sind auch starke Teams. Trotzdem: Für mich sind wir das beste Team im Osten. Wenn alle fit sind, bin ich davon überzeugt. Stand jetzt sieht es so aus, dass wir in den Conference Finals auf Milwaukee treffen würden, auch diese Serie könnten wir definitiv gewinnen. Vielleicht kommt es uns entgegen, dass Milwaukee oder Toronto trotz der Bilanz keinen Heimvorteil haben wird. Das sind ja genau wie wir Teams, deren Hallen eigentlich Festungen sind. Und ich persönlich glaube, dass wir, bei gleichen Bedingungen für alle, das beste Team im Osten haben. Wir können in die Finals kommen. Und nur darum geht es hier. Keiner von uns kommt nach Disney World und sagt: "Mal gucken, was möglich ist." Wir haben klare Ziele. Wir haben große Teile des Teams schon länger zusammen, waren 2018 in den Conference Finals, wurden 2019 aus den Playoffs rausgeprügelt. Diese Erfahrungen können wir jetzt kombinieren, mental sind wir ideal vorbereitet.

Vor der Unterbrechung spielte Jayson Tatum auf überragendem Niveau und traf vor allem aus dem Pullup unheimlich sicher schwierige Würfe. Kann er das halten, und wohin geht die Reise für ihn?

Theis: Ja. Ich bin davon absolut überzeugt, gerade nach den Eindrücken aus den vergangenen Tagen hier. Er kam in die Halle und konnte nicht danebenwerfen. Jayson ist einfach unglaublich talentiert. Sein Pullup-Game vom Perimeter, mit dem Schritt zur Seite, ist unheimlich schwierig zu verteidigen. Ihm ist es sowieso egal, ob jemand den Wurf contested, weil er den Wurf trotzdem nehmen kann. Ich bin mir sicher, dass er sofort wieder an sein Niveau von vor der Unterbrechung anknüpfen kann. Und darüber hinaus? Es gibt kein Limit für ihn. Er ist seit drei Jahren in der Liga, vor seinem ersten Spiel hieß es, seine große Schwäche wäre der Dreier. Jetzt sehen wir, was er für Würfe nimmt. Er war schon All-Star, führt das Team mit seinen 22 Jahren schon in jeder Hinsicht. Er spricht viel und ist in seine Rolle hineingewachsen. Er wird die nächsten Jahre definitiv oft in der MVP-Konversation sein.

Was sich durch die gesamte Saison zog und eigentlich sogar schon vorher anfing, war die Frage, ob die Celtics groß genug sind, was ja vor allem Sie als Center betrifft. Stehen Sie beim Restart besonders im Fokus?

Theis: Ja, das fing direkt am ersten Tag an und hat auch nicht mehr aufgehört. Ich habe das als Motivation betrachtet. Gerade bei mir hieß es, dass ich keine großen Post-Spieler verteidigen kann. Ich habe es als Ansporn gesehen, eben genau das regelmäßig zu tun. Meiner Meinung nach ist mir das über die Saison auch gut gelungen, genau das will ich jetzt auch in den Playoffs wieder beweisen. Wenn es gegen Joel Embiid oder Domantas Sabonis geht, will ich zeigen, dass ich dagegenhalten kann. Dann wird früher oder später auch von außen realisiert, dass diese Einschätzung falsch war. Ich spiele aber vor allem für mich selbst und will es auch mir beweisen, dass das in den Playoffs funktioniert. Gleichzeitig gibt es ohnehin nicht viele Spieler, die Embiid 40 Minuten lang Eins-gegen-Eins verteidigen können. Das ist Teamarbeit und dafür ist unser System auch ausgelegt, mit zumeist vier oder fünf Spielern, die in etwa gleich groß sind und alles switchen können. Aber ich fühle mich körperlich extrem gut und freue mich auf die Herausforderung.

Die NBA-Statistiken von Daniel Theis

SaisonSpielePunkteFG%ReboundsBlocks
17/18635,354,14,30,8
18/19665,754,93,40,6
19/20589,356,56,61,3
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