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NBA - Daniel Theis im Interview: "Für mich sind wir das beste Team im Osten"

Daniel Theis will mit den Boston Celtics einen Titel holen.

Sie sind ein Familienmensch mit zwei jungen Kindern zuhause, jetzt verbringen Sie erstmal mindestens anderthalb Monate ohne sie in Disney World. Wie ist das für Sie?

Theis: Extrem schwierig. Zumal ich in meiner gesamten Karriere noch nie so lange am Stück zuhause war wie in den vergangenen drei Monaten der Quarantäne. Dadurch habe ich nochmal eine ganz andere Verbindung vor allem zu meiner vierjährigen Tochter aufgebaut und es war dann nicht leicht, sie darauf vorzubereiten, dass ich jetzt so lange weg sein werde. Sie hat es zwar vergangenes Jahr mit der Weltmeisterschaft schon mitbekommen, ihr jetzt aber zu sagen, dass es noch länger ist, tat weh. Gleichzeitig freut sie sich auch, wenn Papas Team wieder spielt und sie zusehen kann. Sie fiebert richtig mit, meine ganze Familie steht da komplett hinter mir. Und ich hoffe, dass ich am Ende sogar bis Mitte Oktober hier bin. Das sind zwar dann über drei Monate, aber vielleicht könnte ich dann als NBA-Champion 2020 nach Hause fahren. Das würde zeigen, dass sich das alles gelohnt hat.

Nach der ersten Playoff-Runde werden Familienmitglieder in Disney World zugelassen. Das ist für Sie keine Option?

Theis: Ich habe es mir überlegt, mich aber dagegen entschieden. Familienmitglieder, die hierherkommen, müssen erstmal vier Tage ins Zimmer für Quarantäne. Das ist für niemanden leicht, aber es ist noch schwieriger, einem Kleinkind zu erklären, dass es jetzt erstmal nirgendwo hingehen darf. Ich glaube, das ist zu schwer, das macht dich auch verrückt. Daher dachten wir, es ist einfacher, wenn sie einfach zu Hause bleiben, wo sie Platz haben und ihren normalen Alltag leben können.

Dennis Schröder hat angekündigt, dass er die Bubble für die Geburt seines zweiten Kindes verlässt. Hätten Sie das auch so gemacht?

Theis: Ich habe in dieser Saison ja schon die Geburt meines Sohnes verpasst. Wir waren auf einem 12-Tages-Trip und in der letzten Nacht, bevor ich nach Hause fahren konnte, wurde Leo geboren. In der jetzigen Situation würde ich aber schon gehen, wenn der Tag genau absehbar wäre. Die NBA hat das Protokoll dahingehend schon ein wenig angepasst, damit Spieler nach einer Geburt nur zwei oder drei Tage in Quarantäne müssen. Ich kann Dennis auf jeden Fall verstehen. Jeder, der ihn kennt, weiß, dass ihm Basketball unheimlich wichtig ist, aber dass die Familie immer an erster Stelle kommt. Das wird auch in seinem Team jeder verstehen. In Boston sind wir übrigens auch in dieser Situation. Gordon Hayward erwartet Mitte September Baby Nummer vier, und das könnte sich sogar mit den Eastern Conference Finals überschneiden. Trotzdem würde jeder respektieren, dass er bei der Geburt dabei sein will.

Wie schafft man es, mental in so einer Situation locker zu bleiben? Ist das vielleicht sogar die größte Herausforderung in der Bubble?

Theis: Ja und nein. Wir haben hier die Möglichkeit, uns zu 100 Prozent auf Basketball zu konzentrieren. Natürlich nutzt man Möglichkeiten wie FaceTime, aber man kann sonst sehr viel ausblenden. Die Trainingsmöglichkeiten sind exzellent. Was mir auch gefällt: Jedes Team hat die gleichen Voraussetzungen. Jeder trainiert in den gleichen Hallen, da kann sich niemand beschweren, die Krafträume sind alle gleich. Die Voraussetzungen bei den Spielen sind für alle gleich. Deswegen gibt es keine Ausreden. Es gibt auch keinen Heimvorteil mehr. Es geht also wirklich nur darum, wer sich hier am besten fokussieren kann. Deswegen freue ich mich extrem auf die Spiele. Die ersten drei Wochen hier waren schon etwas anstrengend, aber jetzt ist das zum Glück ja auch fast überstanden.

Ist es für Sie überraschend, dass überhaupt eine Lösung gefunden wurde, wie der Restart ablaufen kann? Die Situation in den USA ist bekanntlich sehr kompliziert, gerade auch in Florida.

Theis: Gehofft habe ich es. Aber es kam so viel zusammen - die Ausbreitung des Coronavirus, auf die viel zu spät reagiert wurde. Der Tod von George Floyd und die Bewegung, die danach entstanden ist. Die großen Demonstrationen haben nicht dabei geholfen, die Verbreitung des Virus einzuschränken, trotzdem mussten sie stattfinden, um klare Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Florida wiederum war zu Beginn eigentlich einer der besten Staaten, aber über die letzten Wochen wurde wohl zu schnell viel erlaubt und jetzt gab es tagelang immer wieder Rekordzahlen für Neu-Infektionen. Am Tag, bevor wir angereist sind, gab es über 20.000 neue Fälle. Da macht man sich natürlich seine Gedanken. Letztendlich ist das Vertrauen in die NBA aber groß. Es gab viele Telefonate, bei denen alles ins Rollen gekommen ist, bei uns ist mit Jaylen Brown auch ein Vizepräsident der Spielerunion im Team, der uns informiert hat. Jetzt, wo wir hier sind, bin ich dennoch positiv überrascht. Es ist alles sehr gut organisiert, sodass man sich hier doch sehr sicher fühlt. Wie die NBA so schön sagt: Das ist aktuell vermutlich der sicherste Ort, an dem wir sein könnten, auch wenn Fehler nicht zu 100 Prozent auszuschließen sind.

Bei den Celtics haben sich einige Spieler stark bei den BLM-Protesten eingebracht, allen voran Brown. Wie sah der Diskurs Im Team dazu aus?

Theis: Wir standen im Lauf der Quarantäne ohnehin immer im Kontakt, wöchentlich gab es mindestens eine Konferenz mit dem ganzen Team. Als George Floyd starb, wurde das ein immer größeres Thema. Unsere Besitzer waren auch in den Calls. Jaylen ist stets vorne dabei gewesen. Er ist ein besonderer Mensch, sehr intelligent, weiß, wie man sich ausdrückt und denkt konstruktiv. Ich glaube, dass seine Karriere nach dem Basketball noch größer werden kann, als sie es jetzt schon ist. Er hat bei den Calls viel fürs Team gesprochen und auch die Besitzer um konstruktive Maßnahmen gebeten. Es ging darum, dass die ganze Organisation sich klar hinter Black Lives Matter stellen sollte. Die Besitzer haben das auch sofort angenommen und gefragt, wie sie helfen können. Noch immer gibt es wöchentliche Calls, in denen daran getüftelt wird, wie die Celtics lokal in Massachusetts und in der Nation etwas gegen Rassismus und Polizeigewalt tun können. Das bezieht sich natürlich nicht nur auf uns, die gesamte NBA und Athleten auf der ganzen Welt versuchen, sich zu engagieren. Die Botschaften, die wir hier auf den Trikots haben dürfen, sollen das ja auch demonstrieren.

Wissen Sie schon, welche Botschaften Sie tragen werden?

Theis: Wir haben zwei Versionen zur Auswahl. Bei mir ist es einmal "Black Lives Matter" und einmal "Equality". Jeder Mensch sollte im Leben die gleichen Chancen bekommen, völlig egal, wo man geboren ist. Es sollte keine Unterschiede geben, jeder hat die gleiche Chance verdient.

Gab es bei Ihnen im Team Spieler, die überlegt hatten, auf den Restart zu verzichten?

Theis: Jayson hatte aufgrund der Verletzungsgefahr gewisse Bedenken, bei ihm steht in der Offseason ja die vorzeitige Vertragsverlängerung im Raum. Eigentlich wollte er aber immer spielen. Auch Jaylen war zu Beginn unsicher, was an familiären Gründen lag. Sein Großvater bekam vor vier Wochen die Diagnose Krebs. Danach hat Jaylen ihn zu sich nach Boston geholt, wo auch sein Bruder und seine Mutter leben, und ein bisschen auf ihn aufgepasst. Sein Großvater hatte allerdings gesagt, dass er nicht kämpfen will, sondern sich mit seiner Diagnose abfindet. Er wollte gleichzeitig, dass Jaylen hierherkommt, und dann haben die beiden einen Deal gemacht. Jaylen sagte: Ich kämpfe hier um die Meisterschaft, wenn Du gegen Deinen Krebs kämpfst. Das hat sein Opa akzeptiert, und deswegen konnte Jaylen dann mit einem etwas freieren Kopf herkommen. Ansonsten hat sich das gesamte Team von Anfang an ziemlich darüber gefreut, dass es wieder losgeht.

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