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NBA - Dirk Nowitzkis ehemaliger Trainer und Lehrer Klaus Perneker im Interview: "Im ersten Halbjahr hatte Dirk fünf Fünfer"

Dirk Nowitzki absolvierte während des NBA-Lockouts für Würzburg noch 16 Spiele in der Bundesliga.

Mitspieler, Nachhilfelehrer, Head Coach: Klaus Perneker hat die Entwicklung des jungen Dirk Nowitzki in den 1990er-Jahren hautnah miterlebt - und das sowohl auf dem Parkett als auch auf der Schulbank. Im Interview mit SPOX spricht der heutige Studiendirektor eines Würzburger Gymnasiums über Chemie-Nachhilfe mit Dirk, die schrägen Trainingsmethoden von Holger Geschwindner und den Titelgewinn der Dallas Mavericks 2011.

Außerdem erzählt der 53-jährige Lehrer für Chemie, Biologie und Geographie, wie Nowitzki fast zum Ruder-Olympiasieger wurde, was die Mavs bei einem Geheimtraining mit dem großen Blonden erlebten und warum ihn die Fitness von Maxi Kleber so entsetzte.

Herr Perneker, wo waren Sie am 12. Juni 2011?

Perneker: Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Ich habe ein Public Viewing organisiert am Röntgen-Gymnasium, meiner ehemaligen Schule. Bereits in den Wochen zuvor habe ich mit meinen Schülerinnen und Schülern ab der zehnten Klasse die Spiele der Mavericks im Computerraum live geschaut, danach gab es Frühstück in der Schule und dann fand ganz normal der Unterricht statt. Wenn Dallas gewonnen hatte, haben wir weiße Hemden getragen, wenn sie verloren hatten, schwarze.

An jenem 12. Juni war Spiel 6 der NBA Finals, als die Dallas Mavericks mit Dirk Nowitzki die Championship gewannen.

Perneker: Vor Spiel 6 haben wir überlegt, ob wir das Public Viewing in die Schulmensa verlegen. Ich habe mich erst gefragt, ob wir für die 80 Menschen fassende Mensa überhaupt genug Leute zusammenkriegen. Einer der Schüler hat die Veranstaltung aber bei Facebook geteilt, wir hatten auf einmal das Problem, dass Hunderte vor dem Eingang standen. Wir mussten die Leute wieder wegschicken. Als die Mavs gewonnen haben, haben wir ordentlich gefeiert. Das war ein fantastischer Moment.

Ist Ihnen ein Stein vom Herzen gefallen, dass es für Nowitzki nach der enttäuschenden Finals-Pleite 2006 nun endlich mit dem Titel geklappt hat?

Perneker: Jeder hat sich das für ihn gewünscht, das hat man in Würzburg gespürt. Er ist unser Dirk, er ist ja quasi nie weg gewesen. Er war in der spielfreien Zeit oft Zuhause bei seinen Eltern. Klar gab es einen Hype um seine Person, aber er hat sich nicht anders verhalten als vorher. Und selbst nach 2006 habe ich zu keinem Zeitpunkt gedacht, dass er aufhören könnte oder nicht nochmal angreift. 2011 hat dann einfach alles gepasst.

Waren Sie dabei, als Nowitzki nach dem Titelgewinn in Würzburg empfangen und von tausenden Fans auf dem Residenzplatz gefeiert wurde?

Perneker: Natürlich! Das war echtes Gänsehautfeeling. Zunächst wurde er in der s.Oliver Arena geehrt und anschließend auf dem Residenzplatz gefeiert - das war einfach toll.

Klaus Perneker: "Dirk hat die Trikots mitgenommen, seine Mutter hat gewaschen"

Lassen Sie uns ein par Jahrzehnte in die Vergangenheit blicken. Können Sie sich noch an Ihre erste Begegnung mit Nowitzki erinnern?

Perneker: Ich habe 1992 als Referendar in Würzburg am Röntgen-Gymnasium hospitiert, ich habe also in verschiedenen Klassen den Unterricht besucht. Damals kannte ich Dirk noch nicht persönlich. Er wurde in Biologie, zehnte Klasse, abgefragt, der Lehrer war aber ungefähr 30 oder 40 Zentimeter kleiner. Dirk war nicht gut vorbereitet und es sah wahnsinnig lustig aus, wie sich der Lehrer über Dirk echauffiert hat, weil er nicht gelernt hatte. Er war zwei Köpfe kleiner, hat aber den Finger gehoben und geschimpft. Dirk hat das ziemlich locker genommen. Anschließend habe ich ihn natürlich sofort gefragt, ob er Basketball spielt.

Bei der DJK Würzburg haben Sie ihn zunächst drei Jahre lang als Mitspieler erlebt. War damals schon sein Potenzial zu erkennen?

Perneker: Absolut. Er hat Aktionen gemacht, die für uns nicht vorstellbar waren. In seinem ersten Jahr hatte er das Problem, dass die Referees nicht pfeifen konnten, was er gemacht hat. Er hat Würfe auf einer Höhe geblockt, auf der sie sonst nur Goaltending vermutet hätten. Wir als Mitspieler waren natürlich froh, dass er bei uns war und dass wir das miterleben durften.

Nowitzkis Arbeitseifer: "Ich musste ihn nach Hause schicken"

Nach drei Jahren als Mitspieler von Nowitzki sind Sie an die Seitenlinie gewechselt, zunächst als Assistant Coach von Holger Geschwindner und später als Chefcoach der DJK Würzburg. War Nowitzki leicht zu coachen?

Perneker: Er hat alle Anweisungen befolgt, hat nicht diskutiert. Ich konnte mich immer auf ihn verlassen. Dirk war schon mit 18 Jahren ein Leader, wie ihn sich ein Trainer wünscht. Er hatte aber auch seine eigene Meinung. Die engste Beziehung zu ihm hatte aber natürlich Holger Geschwindner.

Nachdem Sie 1997 seinen Posten als Head Coach übernommen hatten, konzentrierte sich Geschwindner als Individualcoach auf Nowitzki. Er hatte also den größten Einfluss auf dessen Entwicklung?

Perneker: Bei uns war klar, dass ich für das Team, für die Mannschaftstaktik, die Wechsel und so weiter verantwortlich bin und Holger für die individuelle Ausbildung - aber nicht nur von Dirk. Er hat auch Burkhard Steinbach zum Beispiel auf ein ganz anderes Niveau gebracht, Demond Greene und Robert Garrett sind ebenfalls unter Holger Nationalspieler geworden.

Nowitzki war aber der mit Abstand talentierteste Spieler des Teams. Was hat ihn sonst noch ausgezeichnet?

Perneker: Was Dirk an Sonderschichten abgeliefert hat, war unglaublich. Wir haben zwei Stunden trainiert und dann hat er selbst nochmal ein bisschen draufgepackt. Natürlich war das Talent da, auch aus dem Elternhaus - seine Mutter war Basketballnationalspielerin, sein Vater war Auswahlspieler im Handball. Aber er hat zusätzlich so viel investiert. Ich habe ihn drei Jahre lang betreut, er hat kein einziges Mal gefehlt. Einmal musste ich ihn sogar nach Hause schicken, weil er krank war.

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