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NBA - Der "Kiss of Death": Als ein Rollenspieler sich bei den Houston Rockets unsterblich machte

Mario Elie versenkt in Spiel 7 den "Kiss of Death".

Am heutigen 20. Mai jährt sich einer der legendärsten NBA-Würfe überhaupt zum 25. Mal. SPOX blickt zurück auf den "Kiss of Death" - als ein Rollenspieler in Diensten der Houston Rockets eins der größten Comebacks der Geschichte perfekt machte.

Manchmal definiert ein einziger Wurf eine gesamte Karriere. Es ist zumeist den Superstars vorbehalten, mehrere ikonische Momente anzuhäufen; Rollenspieler, die nicht zufällig Robert Horry heißen, müssen sich meist mit einem zufrieden geben. Mario Elie kann ein Lied davon singen.

"Die Leute erinnern sich daran und sagen mir ständig, wo sie waren, als es passierte. Sie nennen mich auch nicht Mario. Sie sagen: 'Hey, Kiss of Death!' Das ist mein neuer Name", sagte der heute 56-Jährige unlängst dem Houston Chronicle. "Das ist schon cool, dass ich jetzt in meinen 50ern bin und die Leute trotzdem noch alle wissen, was damals passierte."

Man muss dazu sagen: Es war eben auch ein Moment, den man nicht so leicht vergisst. Stattdessen schien die Situation, die man für immer mit dem dreimaligen Champion in Verbindung bringen wird, einem nicht allzu originellen Drehbuch zu entspringen.

Die Houston Rockets standen mit dem Rücken zur Wand

20. Mai 1995. Der amtierende Champion aus Houston steht mit dem Rücken zur Wand, schon wieder. Das Team um die künftigen Hall-of-Famer Hakeem Olajuwon und Clyde Drexler misst sich in den Conference Semifinals mit den Phoenix Suns um Charles Barkley, nach einem 1-3-Rückstand wurde bereits in zwei Spielen das Ausscheiden verhindert.

Game 7 steigt jedoch in Phoenix; Houston hat keine starke Regular Season hinter sich, holt mit nur 47 Siegen den 6-Seed und musste schon in der ersten Runde ein 60-Siege-Team aus Utah aus dem Weg räumen. Nun wollen die Suns sich nicht endgültig die Butter vom Brot nehmen lassen. "Keine Chance, dass wir drei Spiele in Folge verlieren", tönt Forward A.C. Green vor dem Spiel.

Die Rockets sehen das in Person von Kenny Smith anders. "Green ist ein religiöser Mann, aber er ist kein Prophet", kontert der heutige "Inside the NBA"-Experte. Wochen vor Rudy Tomjanovichs legendärem "Unterschätzt niemals das Herz eines Champions!" drückt auch diese Aussage das Selbstvertrauen des erfahrenen "Clutch City"-Teams aus, das schon im Vorjahr die Suns nach einem 0-2-Rückstand in sieben Spielen aus den Playoffs geworfen hatte.

Houston hat jede Menge Probleme

Diesmal müssen die Rockets jedoch in fremder Halle bestehen. Und es wird ein Krimi. Barkley ist zwar limitiert und erzielt nur 18 Punkte (holt aber auch 23 Rebounds und 5 Assists), dafür bekommt Houston Kevin Johnson nicht in den Griff. 46 Punkte und 10 Assists verzeichnet der Point Guard, ist nicht zu bremsen, weder von Smith noch von Backup Sam Cassell.

Auf der Gegenseite liefern Olajuwon und Drexler mit jeweils 29 Punkten ab, beide stecken allerdings - wie fast das gesamte Team - am Ende in Foul-Trouble, nachdem im Lauf des Spiels schon ein 10-Punkte-Rückstand wettgemacht werden musste. Vier von fünf Startern stehen am Ende bei 5 Fouls, Cassell foult aus und auch Elie selbst hat fünfmal die Hände dazwischen.

Da Houston bloß mit einer 8er-Rotation spielt, ist eine Verlängerung eine entsprechend verheerende Aussicht. Doch es soll nicht dazu kommen.

Mario Elie wurde von den Suns ignoriert

21,6 Sekunden vor Schluss steht der alles überragende Johnson an der Linie, für seine Freebies 21 und 22. Der erste sitzt, natürlich tut er das: KJ steht zu diesem Zeitpunkt bei 100 Prozent von der Linie. Der zweite fällt jedoch auf den Ring und landet in den Händen von Olajuwon. 110:110. Nun schlägt die Stunde von Elie.

Smith wird nach dem Einwurf in der eigenen Hälfte gedoppelt, die Suns wollen einen Ballverlust erzwingen. Er findet jedoch Horry auf der rechten Seite, einige Meter hinter der Dreierlinie. Statt selbst abzudrücken, spielt der spätere "Big Shot Bob" den Ball also weiter. Über das halbe Feld lässt er den Ball mit beidhändigem Pass in die linke Ecke zu Elie segeln.

Elie hat an der Dreierlinie genug Platz und Zeit für eine halbe Yoga-Routine. Danny Schayes ist als einziger Suns-Spieler in der Nähe, muss sich aber um Olajuwon unterm Korb kümmern. "Ich wusste natürlich, dass er Dream da nicht alleine stehen lassen wird", erklärte Elie später. "Als ich angesetzt habe, dachte er: 'Wow, der Typ wirft wirklich.'" Zu diesem Zeitpunkt war es längst zu spät.

Elies Wurf ist gut, und auch wenn Drexler danach noch zwei Clutch-Freiwürfe für den Sieg treffen muss, ist es dieser Moment, der überdauert. Nicht zuletzt dank seiner folgenden Geste: Elie führt drei Finger zum Mund und sendet einen Handkuss in Richtung der Suns-Bank, insbesondere Center Joe Kleine. Der "Kiss of Death" ist geboren.

"Ich habe ihm gesagt, dass er ein böser Typ ist"

"Es fing mit mir und Joe Kleine in Game 6 an", erklärte Elie später. "Ich habe ihm nach jedem unserer Dreier diese Küsse mit drei Fingern zugeworfen. Ihm gefiel das nicht. Als sie dann im siebten Spiel mit 10 Punkten im dritten Viertel vorn lagen, hat er das nachgeäfft, und das gefiel mir nicht. Also habe ich es ihm direkt nach dem Dreier zurückgegeben und er landete auf seinem Hintern."

Für Elie ist der Dreier lediglich das zweite Field Goal in diesem Spiel, 8 Punkte verzeichnet er insgesamt - aber 3 davon sind die vielleicht größten in Houstons Franchise-Historie. Danny Ainge verfehlt für Phoenix den letzten Verzweiflungswurf mit der Sirene, wenig später fahren die Rockets den zweiten und bisher letzten ihrer Titel ein.

"Ich habe ihm gesagt, dass er ein böser Typ ist", sagt Olajuwon nach dem Spiel über Elie. "Er gab sich nicht 2 Punkten zufrieden. Er wollte den Dreier." "Ich habe schon meine ganze Karriere über davon geträumt, mal so einen Wurf zu treffen", sagt der Angesprochene selbst. "Spieler wie ich kriegen normalerweise nicht diese Aufmerksamkeit oder auch nur die Chance, solche Würfe zu nehmen."

Mario Elie: Über etliche Umwege in die NBA

Blickt man auf Elies Weg bis zu genau diesem Punkt, ist es sogar noch ein Stück unwahrscheinlicher, dass ausgerechnet er die Suns eliminieren durfte. "Über Umwege" wäre zu vorsichtig formuliert: Elie hatte sich mehrfach verlaufen. 1985 draftete Milwaukee ihn in der siebten Runde mit dem 160. (von 162) Picks, entließ ihn jedoch noch im Training Camp.

Danach begann eine Odyssee. Elie spielte als Profi zunächst in Irland, landete dann in der USBL in Miami, spielte in Argentinien, Portugal und in der CBA für die Albany Patroons, unter Anleitung vom späteren NBA-Erfolgscoach George Karl. Erst im Dezember 1990 erhielt er via 10-Day Contract bei den 76ers eine weitere NBA-Chance. Auf Stints bei den Warriors und Trail Blazers folgte dann seine beste Zeit bei den Rockets.

Paradoxerweise blieb der "Kiss of Death" auf ewig seine Calling Card, obwohl er noch viele weitere Clutch-Momente fabrizierte. In den Finals 1995 etwa beorderte ihn Tomjanovich in die Starting Five und wurde mit 16,3 Punkten bei 65 Prozent aus dem Feld für diese Entscheidung belohnt. 1999 gewann er mit den Spurs seinen dritten (und deren ersten) NBA-Titel, bevor er 2001 aufhörte.

Der "Kiss of Death" überdauert

Elie war Zeit seiner Karriere eigentlich einer dieser Typen, die im Rückblick leicht untergehen, ohne die man aber keinen Titel gewinnt, keine fünf Elimination Games in Folge übersteht wie die Rockets in diesem Frühsommer. Der "Kiss of Death" jedoch hat ihn unsterblich gemacht. Daher ist es für ihn auch erträglich, dass dieser eine Moment alles andere übertrumpft.

"Es ist auf YouTube zu sehen, und sie zeigen es jedes Jahr in den Playoffs, und das ist doch cool", sagte Elie dem Chronicle. "Ich habe Drillinge und meine Kids denken, ihr alter Herr konnte nicht spielen. Dieses Video immerhin zeigt, dass ich meine Momente hatte."

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