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NBA

NBA Legenden-Serie - Phil Jackson: Der Birkenstock-Philosoph

Michael Jordan (l.) und Phil Jackson gewannen bei den Chicago Bulls gemeinsam sechs Meisterschaften.

Phil Jackson und die Triangle Offense

Mindestens ebenso wichtig wie seine revolutionären Ansätze der Team-Dynamik war das System, das unter Jackson in Chicago und L.A. gespielt wurde: die Triangle Offense. Die Idee kam aber ursprünglich gar nicht vom Zen Master.

Bulls-Assistant Tex Winter hatte das in den 1930er Jahren von College-Coach Sam Barry erdachte System weiterentwickelt und schon Jacksons Vorgängern in der Windy City vorgeschlagen. Keiner wollte es ausprobieren, Jackson schon. Er sah in dem Konzept die basketballerische Inkarnation seiner philosophischen Grundsätze: Kameradschaft, Teamwork und Geschlossenheit. Ihm gefiel die strukturelle Improvisation des Systems, da sie die Entscheidungsfreiheit der Spieler förderte.

Die Triangle, von Jackson einmal als "Tai Chi für fünf Personen" bezeichnet, wurde in den folgenden Jahren zum dominanten Angriffssystem. Chicagos einzigartiger Teamspirit, der beste Spieler aller Zeiten auf dem Feld und der beste Coach aller Zeiten an der Seitenlinie - die sechs Meisterschaften der Bulls waren eine Konsequenz aus genau diesem besonderen Paket.

Dass Jackson nur in der 72-Siege-Saison 1996 zum Coach of the Year gewählt wurde, ist einer der größten Skandale der Ligahistorie. Nach dem durch Krause verursachten Bruch zwischen Jackson und den Bulls kündigte er nach dem sechsten Ring an, nie mehr coachen zu wollen. Doch das Spiel ließ ihn nicht los und bereits ein Jahr später stand er in seinen Birkenstock-Sandalen, gestützt auf einen hölzernen Stab, im Staples Center und korrigierte Kobe Bryant und Shaquille O'Neal beim Training.

Los Angeles Lakers: Challenge accepted

Jackson hatte als Coach nichts mehr zu beweisen, aber die Herausforderung, ohne Jordan einen Titel zu gewinnen, reizte ihn. Die Lakers brauchten jemanden, der den Ruf ihrer Franchise wiederherstellen konnte. Der Glanz der Showtime-Ära war verflogen und weder Coach Magic Johnson noch Kurt Rambis oder Del Harris waren in der Lage, mit den schwierigen Charakteren umzugehen.

Sie wussten, warum sie Jackson das Dreifache eines jeden anderen Coaches der Liga bezahlten. Er brachte nicht nur seine Methoden, sondern auch Tex Winter und die Triangle Offense mit und führte die Lakers gleich im ersten Jahr zurück an die Spitze. Und im zweiten. Und im dritten.

"Manche Menschen werden seine Methoden nicht verstehen", so Bryant: "Aber wenn du für ihn spielst, dann begreifst du es vollkommen. Er ist einfach brillant darin, eine Gruppe zusammenzubringen und mit ihr ein gemeinsames Ziel zu erreichen."

Das verflixte vierte Jahr

Nachdem die Lakers mit Gary Payton und Karl Malone zwei weitere All-Stars nach Kalifornien geholt hatten, erlebte die NBA 2004 den vielleicht größten Finals-Upset ihrer Geschichte. Die Detroit Pistons schickten das Star-Ensemble von der Westküste mit 4-1 nach Hause und gleichzeitig an den Rand des Abgrunds.

Seit langem hatte Jackson Zwist mit Bryant, dem die Triangle trotz seines gesteigerten Scorings zu langweilig war und der das System immer öfter missachtete, um auf dem Court sein eigenes Ding durchzuziehen. Jackson forderte Kobes Trade, die Mamba einen Coaching-Wechsel. Die Streitigkeiten zwischen O'Neal und Kobe begleiteten das Team bereits seit Beginn des Training Camps. Wenn Kobe in der kommende Saison noch Teil der Lakers sei, werde er gehen, gab Jackson während des All-Star-Breaks bekannt.

Und Jackson ging - weil das Management es so wollte. Eigentümer Jerry Buss stand auf Kobes Seite, also wurde Shaq nach Miami getradet und auch Phil musste seinen Stock nehmen. Ein Fehler, wie selbst Bryant zugeben musste. Eine bereits im April beendete Saison später brachte L.A. den Zen Master zurück, obwohl dieser in seinem Buch "The Last Season" kein gutes Haar an Bryant gelassen hatte. Und abermals kam mit Jackson der Erfolg.

2009 und 2010 holte er mit Kobe und Pau Gasol seine Ringe zehn und elf und wurde damit zum erfolgreichsten Coach aller vier großen US-Sportarten. Als er 2011 nach dem überraschenden Postseason-Sweep durch die Dallas Mavericks zurücktrat, war er bereits länger an Prostata-Krebs erkrankt, verschob die Therapie aber bis nach Saisonende.

Eine funktionale Ehe

"Wenn ich gehe, denke ich nicht, dass mich das Lakers-Management noch einmal anrufen und um Rat fragen wird." Diese Worte spiegeln die Beziehung zwischen Jackson und der Franchise treffend wider: Es war eine funktionale Ehe.

Auf der einen Seite Jackson, getragen von Birkenstock und seinem spirituellen Teamgedanken. Auf der anderen Seite die von Selbstdarstellern geprägte Glamour-Franchise aus Hollywood. Eine seltsame, aber erfolgreiche Symbiose zweier Welten.

In einer Zeit, in der Spieler ihre Coaches immer mehr in den Schatten stellten - sowohl bezüglich ihres Einflusses als auch ihres Gehalts - hat Jackson bewiesen, dass ein guter Mann an der Seitenlinie immer noch unverzichtbar ist, um langfristig erfolgreich zu sein.

20 Jahre arbeitete Jackson als Coach, 20 Mal erreichte er die Playoffs. Seine elf NBA-Championships sind ebenso unübertroffen wie die phänomenale Siegquote von 70,4 Prozent. Er verhalf mit MJ, Kobe und Shaq drei außergewöhnlichen Spielern zu ihren Erfolgen, indem er sie pushte und gleichzeitig in ein funktionierendes Mannschaftsgefüge einwebte.

Phil Jackson: Kein Erfolg als Executive

Einzig seine letzte Station in der NBA war nicht mehr von Erfolg gekrönt - allerdings war Jackson hier auch kein Coach mehr. Nach einigen Jahren des Kochens, der Gartenarbeit und des Schreibens verschlug es ihn im März 2014 noch einmal dorthin, wo in der NBA alles für ihn begonnen hatte: zu den Knicks. Hier sollte er als President of Basketball Operations das Ruder bei der auf Umwege geratenen Franchise herumreißen.

Diese undankbare Herausforderung stellte sich jedoch auch für Jackson als zu groß heraus, der seine Ideen als Executive nicht so vermitteln konnte wie zuvor als Coach, und der bei den Knicks auch keine Spieler vom Schlage eines MJ oder Kobe mehr vorfand. Das Intermezzo, das 2017 endete, bestätigte letztendlich das, was Jackson ohnehin immer gewusst und gepredigt hatte.

Eine einzige Person kann nicht für den Erfolg einer Organisation verantwortlich sein. Es braucht ein Team.

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