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NBA: Lonzo Ball bei den New Orleans Pelicans - Die Wahrheit steckt in den Details

Lonzo Ball spielt seit dieser Saison für die New Orleans Pelicans.

Lonzo Ball wollte nach seinem Trade von den Los Angeles Lakers bei den New Orleans Pelicans einen Neuanfang starten. Der Beginn war steinig, zwischenzeitlich wurde der Spielmacher sogar auf die Bank verbannt. Im Moment zeigt die Formkurve aber steil nach oben.

Es ist keine drei Jahre her, da galt Lonzo Ball als der neue Heilsbringer der Los Angeles Lakers. Mit dem zweiten Pick im Draft 2017 wählte die Glamour-Franchise den Point Guard aus der eigenen Region. Ball wuchs eine halbe Stunde Autofahrt vom Staples Center in Chino Hills auf, besuchte UCLA und war in der Metropolregion Los Angeles schon ein Star, bevor er überhaupt ein Spiel in der NBA gemacht hatte, nicht zuletzt dank der "Promotion" seines Vaters LaVar Ball, der den Filius schon im Kindergarten für besser hielt als LeBron James.

Der Stoff für einen Hollywood-Streifen war gegeben, die darbende Franchise suchte einen Nachfolger für Kobe Bryant und Ball, dessen elektrisierender Spielstil am College Erinnerungen an die Showtime-Lakers um Magic Johnson geweckt hatte, schien dazu bestimmt, den schlafenden Riesen wachzuküssen.

Es kam anders, Ball konnte in seinen zwei Jahren in L.A., teils wegen Verletzungen, nie die Erwartungen erfüllen, auch wenn er ungewollt dazu beitrug, dass die Lakers nun, nach fast zehn Jahren, wieder ein Titel-Kandidat sind. Zusammen mit Brandon Ingram und Josh Hart wurde der Guard nach New Orleans verschifft, im Gegenzug erhielten die Lakers mit Anthony Davis den erhofften zweiten Star neben LeBron.

Lonzo Ball: Neuanfang in New Orleans

Für Ball hieß dies, dass er erstmals seine Heimat verlassen musste, gleichzeitig aber auch die Chance auf einen Neuanfang bekam. In New Orleans, wo Football mit den NFL-Saints und dem amtierenden College-Champion LSU König bleibt, fristet der Basketball eher ein Schattendasein, selbst die Ankunft von Rookie-Sensation Zion Williamson wird daran wenig ändern.

Eigentlich eine gute Situation für Ball, der wegen seines (komischen) Wurfes und den zahlreichen Fehltritten seines Vaters ungewollt in die Schlagzeilen geriet. Und tatsächlich: Es ist vergleichsweise ruhig um Ball geworden. Es geht nicht mehr um die Dinge im Umfeld von Ball, sondern mehr um die Leistungen auf dem Court - welche zu Beginn der Spielzeit nur wenig hergaben.

In einem runderneuerten Pelicans-Team suchte Ball seine Rolle und auch Coach Alvin Gentry rätselte, wie dieser Spielmacher in das System passen könnte. Ball bleibt ein Point Guard der alten Schule, fast schon ein Relikt alter Zeiten. Der 22-Jährige versteht das Spiel wie nur wenige andere, kann seine Mitspieler hervorragend einsetzen und doch ist es oft nicht leicht, diese Qualitäten umzusetzen.

Pelicans-Coach Gentry setzt Ball auf die Bank

Da ist der wacklige Wurf, da ist ein unterdurchschnittliches Ballhandling, da ist die fehlende Explosivität, die es ihm erschwert, ein erfolgreiches Pick'n'Roll zu laufen. Erschwerend waren auch die Leistungen in den ersten Wochen nicht gut, nach der 46-Punkte-Blamage bei den Dallas Mavericks hatte Gentry genug gesehen und setzte seinen Spielmacher auf die Bank.

"Es ist eine schwierige Situation, aber wir versuchen, ihm Mut zuzusprechen", entschuldigte sich Gentry damals fast schon für seine Maßnahme. Besserung trat für die Pels aber nicht ein, die Niederlagenserie ging erst nach 13 Spielen zu Ende. Es war der Höhepunkte der NOLA-Krise, bei der sich die Verletzten fast täglich im Reha-Zentrum die Klinke gaben.

Erst im vergangenen Monat stabilisierte sich das Team, mit neun Siegen aus den vergangenen 14 Spielen ist selbst der letzte Playoff-Platz der Western Conference noch nicht außer Reichweite (derzeit 3,5 Spiele Rückstand). Mit einem Sieg gegen die brandheißen Jazz, bei dem Ball 13 Assists verzeichnete, hat sich New Orleans endgültig zurückgemeldet.

Wurfdoktor der Pelicans hilft Ball

Auch Balls neues Selbstvertrauen und die Rückkehr in die Starting Five trugen dazu bei. In besagtem Zeitraum legt der Guard 14,8 Punkte, 6,9 Rebounds sowie 7,1 Assists auf, ins Auge stechen aber vor allem die 37,4 Prozent aus der Distanz. Zufall ist es wohl nicht, schließlich arbeiten die Pelicans seit Beginn der Saison mit Ball daran, die Mechanik in dessen Wurf zu optimieren.

"Mein Sprungwurf wäre nicht da, wo er im Moment ist, wenn er nicht wäre", schwärmte Ball von Assistant Coach Fred Vinson, der in der Liga einen hervorragenden Ruf als Shot Doctor besitzt und auch bei Brandon Ingram für erhebliche Verbesserungen sorgte.

Dass der Wurf eine echte Waffe wird, bedarf aber weiter einiges an Arbeit. Der Release-Punkt bleibt recht niedrig, weswegen Ball viel Platz benötigt, um den Spalding loszuwerden. Das ist vor allem dann wichtig, wenn er seinen Wurf aus dem Dribbling (wie hier) loswerden möchte. Nur ein Viertel seiner Dreier sind selbstkreiert. Nur um dafür mal ein Gefühl zu bekommen: Kemba Walker von den Boston Celtics kreiert die Hälfte seiner Distanzwürfe selbst.

Lonzo Ball: Seine Statistiken in der NBA

SaisonTeamSpieleMinutenPunkteFG%3P%FT%Assists
17/18Lakers5234,210,236,030,545,17,2
18/19Lakers4730,39,940,632,941,75,4
19/20Pelicans3430,512,039,235,251,26,1

Lonzo Ball: Kein Scorer, aber trotzdem wichtig

Trotz allem ist es ein Schritt in die richtige Richtung für Ball, der natürlich mehr als nur ein Spot-Up-Schütze ist. Ball wirkt engagierter in der Verteidigung, lauert in den Passwegen (3,0 Deflections pro Spiel seit seiner Rückkehr in die Starting Five) und spielt seine Stärken als Taktgeber im Fastbreak aus.

"Er hat hart an sich gearbeitet, aber er hat noch seinen Platz auf dem Feld gesucht und wie er dem Team helfen kann", erklärte Kollege Ingram. "Es ist wichtig, dass er weiter seine Würfe nimmt, alle involviert und er einfach er selbst ist."

'Er selbst sein' ist ein gutes Stichwort. Ein weiterer Kritikpunkt an Ball war und ist seine fehlende Konstanz. Wirkt Ball voll konzentriert, kann es eine Augenweide sein, ihn spielen zu sehen, an anderen Abenden nimmt man kaum Notiz davon, dass er auf dem Feld steht. Mit Jrue Holiday, J.J. Redick, Ingram oder bald Zion muss Ball nicht der große Scorer, sehr wohl aber ein Dirigent sein, der das gewollt schnelle Spiel von Gentry umsetzen kann und soll.

Lonzo Ball: Mehr als nur reine Zahlen

Das heißt auch, dass Ball kein Spieler ist, dessen Boxscore einen förmlich anschreien muss, stattdessen sind es die berühmten kleinen Dinge. NBA-Scouts verliebten sich nicht wegen Triple-Doubles oder anderer attraktiver Zahlen in Ball, sondern in die Fähigkeit, seine Mitspieler in Szene zu setzen, selbstlos zu sein.

Im kreativen und auch freien System von Gentry sollte dies eigentlich zum Tragen kommen, die vergangenen Wochen machen in dieser Hinsicht Mut. Auch Williamson könnte Ball helfen, die Chemie mit den beiden sah in der Preseason sehr gut aus - und wenn einer mobile Big Man in Szene setzen kann, dann ist das mit Sicherheit Lonzo Ball.

Vielleicht ist das auch irgendwann das höchstmögliche Level für Ball. Natürlich bleibt noch viel Luft nach oben, aber gewisse Limitationen (Antritt, Schnelligkeit) werden bleiben. Dennoch kann Ball Teams dabei helfen, Basketballspiele zu gewinnen, wenn auch nicht als Heilsbringer oder anders gesagt - als Franchise-Player.

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