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NBA: Pascal Siakam von den Toronto Raptors: Der meistverbesserte Most Improved Player

Pascal Siakam ist der amtierende MIP.

Pascal Siakam von den Toronto Raptors ist der amtierende Most Improved Player. In dieser Saison hat der Kameruner aber noch einmal einen großen Schritt nach vorne gemacht und hat darum einen großen Anteil daran, dass die Raptors auch ohne Kawhi Leonard und Danny Green wieder in der Spitzengruppe des Ostens zu finden sind. Besonders erstaunlich: Siakams Spiel hat sich komplett verändert.

Heute Nacht empfangen die Raptors die Houston Rockets um James Harden. Die Partie wird ab 1.30 Uhr live auf DAZN übertragen.

Eigentlich hatten die Toronto Raptors im Sommer 2019 keine andere Wahl. Mit Kawhi Leonard brach der Finals-MVP nach nur einem Jahr wieder seine Zelte ab, zwischendurch bescherte die Klaue den Raptors den ersten Titel in der bisher recht bescheidenen Historie Torontos.

Natürlich blieben in Kyle Lowry oder Marc Gasol einige wichtige Eckpfeiler, sie galten aber schnell als Trade-Kandidaten, da nicht wenige davon ausgingen, dass die Raptors einen Neuaufbau einleiten würden. Als Gesicht dieses Rebuilds wurde Pascal Siakam ausgemacht, seines Zeichens frisch gebackener Most Improved Player (MIP). Die vorzeitige Vertragsverlängerung im Sommer um vier Jahre und 130 Millionen Dollar war teuer, aber auch alternativlos, da im kommenden Sommer mit Ausnahme von Anthony Davis kein großer Name auf dem Free-Agent-Markt zu haben sein wird.

Nur wenige Monate später kann konstatiert werden, dass dieses Geld bestens investiert ist. Siakam knüpft nicht nur nahtlos an seine Vorsaison an, nein, er übertrumpft diese sogar mit Bravour. Dass er dazu in der Lage ist, hatte Siakam auch im Vorjahr schon angedeutet, man denke nur an Spiel 1 in den Finals (32 Punkte) und seine 44 Punkte in der Regular Season gegen die Washington Wizards. Trotz alledem war der Kameruner eher die dritte Option, der elitäre Rollenspieler, der im Schatten der Stars sich austoben durfte.

Siakam: Vom G-League-Champ zum Star in zwei Jahren

Nun ist die nächste Stufe in der Entwicklung von Siakam gezündet worden. In seiner Rookie-Saison pendelte der Kameruner noch zwischen NBA und D-League, wo er mit den Raptors 905 den Titel und den Finals-MVP-Award einheimste. In Jahr zwei führte er Torontos furiose Bank an, im Jahr drauf wurde er Vollzeitstarter und wichtiger Bestandteil der Championship-Mannschaft. Nun, in Jahr vier, ist endgültig seine Zeit gekommen, Siakam ist ein sicherer All-Star und vielleicht erneut der MIP.

Es wäre ein Novum in der Geschichte, noch nie konnte ein Spieler diese Trophäe verteidigen. Im Gegenteil, nicht selten erfolgte eine gewisse Regression in den Leistungen, schließlich nahmen besagte Spieler plötzlich einen größeren Teil der Scouting-Reports der Teams ein. Nicht so bei Siakam. Schon die reinen Zahlen gegenüber der Vorsaison schreien bei Siakam nach Verbesserung, über zwei Jahre gesehen sind die Unterschiede noch viel markanter.

Pascal Siakam: Seine Verbesserung über die vergangenen zwei Jahre

18/1919/20Zahlen pro Spiel
Punkte pro Spiel+9,6+8,225,1
Assists pro Spiel+1,1+0,83,9
Rebounds pro Spiel+2,4+1,78,6
Dreier pro Spiel+0,6+1,42,4
Assist-Percentage pro Spiel+1,1+3,413,4
Usage pro Spiel+5,1+8,529,0
PER+4,2+1,019,9

Pascal Siakam: Nicht mehr nur der schönste Spin-Move der NBA

Einerseits war dies die Hoffnung der Raptors, andererseits war dies auch notwendig, nachdem Lowry und Serge Ibaka sich im gleichen Spiel verletzten. Im eben jener Partie in New Orleans stellte Siakam auch seinen Karrierebestwert von 44 Punkten ein. Auch zuvor war Siakam bereits die dominante Figur in Torontos Offense, die folgenden Spiele unterstrichen aber noch einmal, dass dies nicht nur eine heiße Phase war.

Siakam hat sich im Sommer in allen Facetten seines Spiels verbessert und es auch umgestellt. In der vergangenen Saison kreierte der Kameruner noch den Löwenanteil seiner Wurfversuche aus dem Post, als er immer wieder seine Gegner mit dem schönsten Spin-Move der NBA düpierte. Diesen Spielzug gibt es natürlich weiterhin zu sehen, aber Siakam tritt nun auch mehr als Ballhandler in Erscheinung.

Nur drei Spieler isolieren in dieser Saison häufiger als Siakam (James Harden, Russell Westbrook, LeBron James). Seine 0,9 Punkte pro Play sind dabei nicht herausragend, aber dennoch im oberen Mittelfeld einzuordnen. Ähnliches lässt sich auch als Ballhandler im Pick'n'Roll behaupten. Das ist erstaunlich, da der Forward vor dem Draft 2016 maximal als Defensiv-Spezialist (Draft-Vergleich: Luc Mbah a Moute!) angesehen wurde, der aber offensiv unglaublich roh daher kam.

Siakam: Neuer Wurf eröffnet neue Möglichkeiten

Die Tür öffnete sich Siakam in den vergangenen Jahren durch seinen verbesserten Wurf. Noch vor zwei Jahren traf der inzwischen 25-Jährige nur 22 Prozent bei 1,6 Versuchen pro Spiel, nun sind es 38,4 Prozent bei über 6 Dreiern pro Partie. Es ist das Ergebnis harter Arbeit. Im Sommer 2018 entschieden die Raptors und Siakam, dass dieser seinen Wurf von Grund auf neu modellieren solle und dank Siakams Arbeitseifer wirft es spätestens jetzt ungeahnte Dividende ab.

"Er hat einfach hart daran gearbeitet", erklärte Raptors-Coach Nick Nurse. "Seine Mechanik sieht nun richtig gut aus, auch wenn sie noch immer nicht ganz sauber ist. Da ist noch Luft nach oben und bald wird er ein richtig, richtig guter Schütze sein, einfach weil die Mechanik stimmt."

Der Wurf ist zu einer Waffe geworden und genau das erlaubt es Siakam auch, effizient das Pick'n'Roll zu laufen. Die Gegenspieler können nicht mehr bedenkenlos unter dem Block gehen, ansonsten kann der Raptors-Star dies bestrafen. 2018/19 traf Siakam nur einen seiner gerade einmal acht Dreier aus dem Dribbling, in dieser Saison waren es bereits 44 Versuche, die er mit einer ordentlichen Quote von 36,4 Prozent versenkte.

Siakam: Serie gegen die Sixers eine Lehre

Dabei werden die Versuche immer schwieriger. Zuvor war Siakams gute Quote von draußen vor allem damit zu begründen, dass er meist nur die kürzeren Dreier aus der Ecke nahm, inzwischen hat er aber schon jetzt mehr Dreier von der Birne, also die längsten Dreier, genommen als in der kompletten Vorsaison (91 zu 63), sehr anschaulich hier mit diesem Vergleich der Shotcharts zu sehen.

Die Folge ist, dass Siakam beim Zug zum Korb nicht mehr in eine Wand läuft und ausreichend Platz für seine langen raumgreifenden Schritte hat. In den Conference Semifinals setzten die Philadelphia 76ers noch Embiid auf Siakam an, einfach weil sie den Wurf des Raptors-Forwards nicht respektierten und Embiid als eine Art Libero agieren konnte. Es war offensichtlich, dass Siakam noch nicht das Vertrauen in seine Fähigkeiten hatte.

"Ich muss den Ball werfen können", merkte Siakam damals nach der Serie auch selbstkritisch an. "Ich kann nicht nur Gefahr ausstrahlen, wenn ich zum Korb ziehe, sondern auch, wenn ich am Perimeter stehe. Das ist etwas, woran ich jeden Tag arbeite."

Pascal Siakam: Schon wieder MIP?

Er hat seinen Worten Taten folgen lassen. Siakam ist kompletter denn je und hat sogar weiterhin noch Luft nach oben. Davon sind zumindest die Raptors fest überzeugt. Doch auch die aktuelle Version von Siakam ist schon sehr stark, auch dank ihm (und den Steigerungen von anderern Spielern wie Fred VanVleet oder O.G. Anunoby) hat es sich Toronto mit einer Bilanz von 15-5 wieder in der Spitzengruppe der Eastern Conference gemütlich gemacht. Siakam ist nicht mehr der reine Defensiv-Spezialist, auch wenn er in dieser Disziplin weiterhin zu den Besten der Liga gehört.

Nein, Siakam ist inzwischen als Two-Way-Spieler anzusehen, der für die Raptors vor allem offensiv wertvoll geworden ist. Steht Siakam auf dem Feld, scoren die Raptors 113,6 Punkte in 100 Ballbesitzen, ohne ihn sind es 16 weniger. Zur Einordnung: Das sind 5 Punkte weniger als der Wert der New York Knicks, welche im Moment Platz 30 im Offensiv-Rating belegen.

Der Priester-Sohn und 27. Pick hat sich unersetzlich gemacht, nicht zuletzt durch seine bisherige Saison. Es ist eine Sache, den Sprung zu einem Borderline-All-Star zu machen. Eine andere Sache ist es, sich noch einmal zu verbessern, den Sprung in die Top 20 zu schaffen und ein Kandidat für ein All-NBA-Team zu sein. Warum also nicht? Warum sollte Siakam nicht noch einmal die Trophäe des meistverbesserten Spieler einheimsen?

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