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NBA: Joel Embiid bei den Philadelphia 76ers - Noch lange nicht Shaq

Joel Embiid sucht noch seine Form aus dem Vorjahr.

Trotz einer Bilanz von 14-6 läuft vieles noch nicht rund für die Philadelphia 76ers, da macht auch Star-Center Joel Embiid keine Ausnahme. Der Kameruner wirkt noch nicht fit, zeigte zuletzt aber nach einer peinlichen Vorstellung bei den Toronto Raptors wieder ansteigende Form.

0/11 aus dem Feld, 0 Punkte in knapp 32 Minuten. Joel Embiid erlebte am vergangenen Montag eine weitere Nacht zum Vergessen in Toronto. Nur vier andere Spieler warfen in der Vergangenheit so oft auf den Korb und erzielten keinen einzelnen Punkt in eben mindestens 32 Minuten - J.R. Smith, Aaron Gordon, Tom Gugliotta und Devean George.

Star-Status hat und hatte keiner von ihnen, Embiid hingegen schon. Für den Kameruner war es der Tiefpunkt einer bislang holprigen Saison, in der der Center seinem Team noch nicht den Stempel aufdrücken und an seine starke Vorsaison anknüpfen konnte. Und dann war da natürlich auch noch der Umstand, dass Embiid ausgerechnet nicht gegen die Raptors liefern konnte. Nur 17,6 Punkte sowie 8,7 Rebounds bei 37 Prozent aus dem Feld legte Embiid in den Conference Semifinals 2019 gegen Toronto auf, Marc Gasol wurde so zum Embiid-Stopper.

Unvergessen bleiben die Bilder des gezeichneten Embiids nach der Serie - aufgelöst in Tränen. Was auf der Strecke blieb: Embiid war trotz seiner offensiven Probleme der beste Spieler für Philly in dieser Serie. Mit dem Center erzielten die Sixers auf 100 Ballbesitze hochgerechnet 18,6 Punkte mehr als Toronto, ohne Embiid kassierten sie unfassbare 52,5 Zähler mehr.

Joel Embiid ist nicht in der besten körperlichen Verfassung

Trotzdem: Embiid sieht sich selbst als einen der dominantesten Spieler seiner Zeit, an beiden Enden des Feldes, demzufolge muss der Franchise-Star sich auch daran messen lassen. Entsprechend kleinlaut gab sich Embiid auch nach seiner 0-Punkte-Performance gegen Nemesis Gasol und die Raptors. "Ich hätte nie gedacht, dass ich mal über ein NBA-Spiel mit 0 Punkten sprechen muss", sagte der Center nach dem Spiel.

Er musste aber und all die Kritiker hatten wieder Futter bekommen. Teilweise nicht zu Unrecht. Embiid wirkt mal wieder nicht fit und schleppt einige Kilos zu viel über das Feld, was sogar Coach Brett Brown nach der Niederlage bei den Denver Nuggets vor einigen Wochen adressierte.

Historisch gesehen ist Embiid da nicht der erste Fall. Ein Shaquille O'Neal spielte sich zu Lakers-Zeiten auch während der Regular Season erst anständig in Form, um für die Playoffs fit zu sein, Embiid ist von diesem Status aber noch meilenweit entfernt und kann sich dies eigentlich nicht erlauben.

Die Analytics lieben Embiid zwar noch immer (dazu später mehr), seine allgemeine Produktion ist jedoch zurückgegangen, auch wenn der Center nach dem Raptors-Debakel drei starke Vorstellungen gegen die Kings, Knicks und Pacers folgen ließ. Embiid nimmt weniger Würfe und trifft weniger Würfe als in jeder seiner ersten drei Spielzeiten, er schließt seltener am Ring ab und erspielt sich auch weniger Freiwürfe.

Joel Embiid: Seine Statistiken in der NBA

SaisonSpieleMinutenPunkteFG%3P%ReboundsAssistsBlocks
16/173125,420,246,636,77,82,12,5
17/186330,422,948,330,811,03,21,8
18/196433,727,548,430,013,63,71,9
19/201630,122,845,730,612,32,81,4

Embiid: Sixers sind nicht das ideale Team

Eine Rolle spielt hier auch das veränderte Team der Sixers, welches weiterhin alles andere als ideal für Embiid zusammengestellt ist. In einer perfekten Welt würde Embiid in einem Team spielen, welches um ihn herum vier Schützen positioniert wie es die Houston Rockets in den 90ern mit Hakeem Olajuwon oder die Orlando Magic mit Dwight Howard machten, um Embiids Stärken zu maximieren. Das bleibt in Philly aber unmöglich, nicht zuletzt durch die Rookie Extension für Wurf-Allergiker Ben Simmons.

Im Post ist der Kameruner trotzdem eine Macht (wenn es nicht gerade gegen Gasol geht) und hat dort bisher so viele Punkte wie kein anderer Spieler gesammelt. 1,08 Points per Play sind dabei der beste Wert eines Bigs mit mindestens 40 Postups.

Embiid: Zu oft mit der Brechstange

Das Problem dabei: Durch die fehlenden Schützen bei den Sixers wird Embiid beständig gedoppelt, wodurch dieser, häufiger als ihm lieb ist, wieder den Ball abgeben muss. Es gibt aber auch genug Beispiele dafür, dass Embiid ungeduldig wird, es mit der Brechstange erzwingen will.

Auch hier ist das Raptors-Spiel ein gutes Beispiel. Trotz jener schwachen Vorstellung wurde Embiid in der Schlussphase immer wieder gesucht. Mit 96:91 führten die Gäste beim Champion, bevor die Brown-Truppe mit den letzten acht Ballbesitzen keinen einzigen Punkt mehr erzielte.

Die Hälfte dieser Possessions ging auf das Konto von Embiid, der einen Dreier daneben setzte, zweimal den Ball verlor (ein Charge, ein Ballverlust beim Drive) und einmal von Gasol geblockt wurde, nachdem Embiid bei seinem Wurfversuch völlig die Kontrolle verloren hatte.

Embiid bleibt defensiv elitär

Es war ein Rückfall in alte Muster für Embiid, der immer wieder solche Phasen hat, in denen er zu viel will, zu viel versucht und somit seinem Team im Angriff mehr schadet als hilft. Die Crux bleibt aber, dass Embiid trotz allem Phillys bester Spieler ist, so auch in dieser Saison - trotz der körperlichen Defizite.

Gerade in der Defense bleiben die Sixers vom Big Man abhängig, daran hat auch die Verpflichtung von Al Horford nichts verändert. Steht Embiid auf dem Feld, kassieren die Sixers gerade einmal 93,9 Punkte auf 100 Ballbesitze hochgerechnet, in der ganzen NBA haben nur Sterling Brown (91,9) und Donte DiVincenzo (92,8) von den Milwaukee Bucks bessere Werte.

Alleine dass die beiden Bucks-Rollenspieler vor Embiid stehen, zeigt, dass dies keine perfekte Metrik ist. Viele Dinge spielen eine Rolle, vor allem wer mit wem auf dem Feld steht. Trotzdem lassen sich daraus Dinge ableiten, vor allem wenn die Sixers ein Defensiv-Rating von 108,0 vorweisen, wenn der Franchise-Center auf die Bank geht.

Sixers brauchen aggressiven Embiid

Beim Net-Rating (+11,7) ist Embiid so auch mit Abstand der beste Sixers-Spieler und steht in der Liga unter den ersten 15, zuletzt legte er auch offensiv wieder eine Schippe drauf. In den drei Spielen nach der Raptors-Pleite verbuchte Embiid im Schnitt 30,7 Punkte, 14,7 Rebounds und rund 47 Prozent aus dem Feld. "Nach dem Spiel gegen Toronto habe ich meine Denkweise verändert", erklärte Embiid seine Leistungssteigerung. "Ich war zuvor nicht so aggressiv wie noch im Vorjahr."

Fast 15 Freiwürfe erspielte sich Embiid in diesen drei Spielen, dominierte die Zone, suchte den Kontakt, ging dahin, wo es weh tut, brachte die gegnerischen Bigs in Foulprobleme. "Das ist für mich ein Zeichen von Moral, es ist mehr als eine Statistik", freute sich auch Brown. "Niemand sollte unterschätzen, wie sehr ihm dieses Spiel in Toronto weh getan hat. Er nahm die Niederlage auf seine Kappe und jetzt haben wir seine Antwort gesehen."

Genau diesen Embiid braucht es für Philadelphia, wenn die Sixers tatsächlich ein Contender sein wollen, wie auch Tobias Harris weiß: "Wir sind am Besten, wenn Joel aggressiv ist. Er ist ein Beast und in der Zone nicht zu verteidigen. Entweder du foulst ihn oder du hoffst einfach, dass er nicht trifft."

Ganz so einfach ist es dann oft doch nicht. Gegen Myles Turner und Domantas Sabonis von den Pacers dominierte Embiid, doch gegen elitäre Post-Verteidiger tut sich der 25-Jährige weiterhin schwer. In der kommenden Nacht wartet für diese These dann bereits der nächste Prüfstein, wenn die Utah Jazz um Verteidiger des Jahres Rudy Gobert zu Gast sind (ab 1 Uhr live auf DAZN).

Die Jazz blamierten sich in der vergangenen Nacht mit einer historisch schlechten ersten Halbzeit in Toronto, doch bleiben eines der besten Defensivteams der Liga. Für Philly ist es der Auftakt in einen harten Dezember, bei dem kein anderes Ost-Team einen schwereren Spielplan als die Sixers hat. Die Wochen der Wahrheit beginnen für Philadelphia und Embiid jetzt!

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