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NBA

Dirk Nowitzki im Interview: "Als Influencer sehe ich mich nicht"

Von Alex Schlüter
Dirk Nowitzki hängt nach dem Spiel gegen Phoenix in der Kabine rum.

Zum ersten Mal seit über 20 Jahren musste sich Dirk Nowitzki in diesem Sommer nicht auf eine weitere NBA-Saison vorbereiten. SPOX und DAZN sprachen mit dem 41-Jährigen beim "Nike Basketball Festival" in Berlin über sein neues Leben.

Außerdem blickte Nowitzki zurück auf seine Abschiedstournee in der vergangenen Saison und auf seine Anfänge als Schüler in Würzburg. Das gesamte Feature "Inspiring Generations" ist ab jetzt auf DAZN zu sehen.

Herr Nowitzki, nach allem, was man zuletzt so lesen musste, bin ich ja verwundert, dass Sie hier nicht kugelrund auftreten.

Dirk Nowitzki: Ja, bei 2,13 m lässt sich das alles ganz gut verstecken. Aber das Gewicht ging schon relativ schnell nach oben. Ich habe jetzt gut drei Monate nichts gemacht und nicht so diszipliniert gelebt, das macht ja auch Spaß, nicht über Workouts oder Basketball nachzudenken und einfach ein bisschen lockerzulassen. Es war dadurch ein schöner Sommer mit der Familie und bisher gab es jetzt noch nicht so viele Punkte, an denen ich Basketball vermisst hätte. Das kommt aber sicher auch noch.

Die Training Camps haben wieder begonnen. Sie sind nach 21 Jahren diesmal nicht dabei. Wundert sich da der Körper, dass es nicht wieder losgeht?

Nowitzki: Ich könnte da nicht mehr mithalten. Wenn du über 30 bist, musst du über den Sommer ein gewisses Level an Fitness halten, sonst ist der Rückstand einfach zu groß und dauert zu lange. Deswegen habe ich früher auch im Urlaub mein Programm abgespult. Dazu ging es im Sommer meinem Fuß auch nicht gut. Es musste einfach aufhören, ich habe immer wieder mit Schmerzen gespielt, wurde fitgespritzt, musste Pillen nehmen. Das hat nicht mehr so viel Spaß wie noch früher gemacht.

Wir alle haben Ihren Rücktritt, Ihre Emotionen verfolgt. Wie ging es für Sie in den Wochen danach weiter?

Nowitzki: Es gab noch ein paar Feiern, es gab noch tolle Reden von alten Freunden und Familie, aber als dann alle weg waren, wurde es ein wenig ruhiger. Ich habe dennoch versucht, aktiv zu bleiben. Ich habe die Kids zur Schule gefahren, war auf Events, habe Sachen für die Stiftung gemacht. Dann haben wir alle zwei Wochen Strandurlaub gemacht. Es war also nie so, dass ich eine Woche im Bett rumlag und Netflix geschaut habe. Ich wollte aktiv bleiben und nicht zu viel nachdenken.

Die letzten Wochen, eigentlich sogar Monate, waren extrem, man hatte bei Ihnen eigentlich nie den Eindruck, dass Sie so etwas wie eine Abschiedstournee gerne haben würden. Sie haben trotzdem eine bekommen. War Ihnen das unangenehm?

Nowitzki: Nein. Diese Abschiedstournee war der Hammer, obwohl ich das nicht angekündigt hatte. Ich habe es genossen, Standing Ovations in fremden Hallen zu bekommen, das war schon unglaublich. New York, Boston oder das All-Star Game in Charlotte, das sind Dinge, die ich nie vergessen werde. Es hat sich ja auch irgendwie natürlich ergeben. Was die Mavs dann am Ende mit meinen fünf Idolen in der Halle veranstaltet haben, war ebenfalls der Wahnsinn.

Sie wussten es aber schon sehr viel früher, dass es Ihr letztes Jahr werden würde?

Nowitzki: Klar, ich hatte mich nach der Saison 2017/18 noch einmal am Fuß operieren lassen - in der Hoffnung, dass es wieder besser wird. Ich wollte mich dadurch wieder besser bewegen können, wieder mehr Spaß haben, aber der Schuss ging völlig nach hinten los. Da war gleich zu Beginn die Entzündung der Sehne am Fuß und das hat mich enorm zurückgeworfen. Mit dem Rückstand war es schwer, noch einmal auf dem höchsten Niveau zu spielen. Dann hat immer wieder auch der Fuß gezwickt und in meinem Kopf hatte ich deshalb schnell den Gedanken, dass es das gewesen ist. Eigentlich wollte ich aber erst weit nach der Saison eine Entscheidung treffen, ob ich noch ein Jahr spiele. Dass die Verkündung dann vor dem letzten Heimspiel kam, habe ich erst zwei Tage vorher beschlossen. Da hatte ich das mit der Familie entschieden und ich glaube, so ist das für mich optimal gelaufen. Es hätte in der letzten Woche nicht besser laufen können.

Sie haben schon Ihre Idole angesprochen, die in Dallas dabei waren: Charles Barkley, Detlef Schrempf, Scottie Pippen, Shawn Kemp und Larry Bird. Seit vielen Jahren sind Sie selbst ein Vorbild für etliche Kinder. Wie nehmen Sie diese Vorbildrolle selbst wahr?

Nowitzki: Das ist natürlich schon eine Ehre, wenn man merkt, dass es respektiert und geachtet wird, was man geleistet hat. Es ist sowieso immer ein tolles Gefühl, wenn Kids sich freuen, dich zu sehen. Natürlich hoffe ich auch, dass es sie vielleicht inspirieren kann. Als ich früher bei Nationalmannschafts-Camps war und es kamen Henning Harnisch oder Christian Welp rein, da waren wir natürlich auch hin und weg und haben uns riesig gefreut. 20 Jahre später stehe ich in diesen Schuhen. Das ist schön und ich hoffe, dass ich so etwas weitergeben kann.

Neuerdings nennt man so etwas oft Influencer. Können Sie mit dem Begriff etwas anfangen?

Nowitzki: Als Influencer sehe ich mich nicht. Ich bin zwar mit den sozialen Medien besser geworden, aber ich bin keiner, der Tag und Nacht in diesen Netzwerken hängt. Natürlich werde ich auch da als eine Art Vorbild gesehen und damit kommt auch eine gewisse Verantwortung. Ich muss mich da schon anständig verhalten und die Leute so behandeln, wie ich selbst auch behandelt werden möchte. Ich wollte das aber immer mit Spaß angehen und damit bin ich auch immer gut gefahren. Das sollte man alles nicht zu ernst nehmen.

Sie haben sich selbst eigentlich immer eher als Zweifler bezeichnet, trotzdem haben Sie ja schon früh wirklich alles dafür investiert, um Ihren Traum zu realisieren. Wann wurde dieser denn greifbar für Sie?

Nowitzki: Ich habe natürlich schon die Hoffnung gehabt, als ich damals mit 14, 15 Jahren angefangen habe. Damals ging es auch los, dass ich mir nachts alles angesehen habe, was irgendwie übertragen wurde. Ich war so ein großer NBA-Fan, dass ich eine Zeit lang wirklich jeden Spieler von jeder Mannschaft kannte. Aber ich hatte keine Ahnung, wo der Weg hinführt. Die Trainer der Bayern-Auswahl meinten da, dass aus mir mal ein guter Bundesliga-Spieler werden kann, vielleicht sogar EuroLeague. Aber keiner wusste, wohin der Weg geht, dass ich einmal 21 Jahre in der NBA spielen würde. Es gab auch schwere Phasen, die ich wegstecken musste. Einen gewissen Glauben an sich selbst braucht man aber, ganz klar.

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