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NBA - Die Toronto Raptors vor Spiel 4 gegen die Philadelphia 76ers: Von neuen und alten Dämonen

Selbst Kawhi Leonard kann die Philadelphia 76ers nicht im Alleingang besiegen.

Das verhält sich vor allem bei den beiden anderen (Ex-)All-Stars in Torontos Kader anders. Mehr als die Hälfte von Leonards Pässen gehen entweder an Kyle Lowry oder Marc Gasol, und ihrer Reputation zufolge müsste danach eigentlich etwas Gutes passieren. Lowry und Gasol können beide passen und werfen und gelten als spielintelligent. Und doch schaden sie der Offense derzeit eher.

Lowry ist dabei natürlich der Posterboy für die Raptors-Misere, weil man ihn seit Jahren damit verbindet. 12 Punkte, 36 Prozent aus dem Feld und 14,3 Prozent von der Dreierlinie zeichnen tatsächlich ein ziemlich verheerendes Bild und Lowry selbst merkte nach Spiel 3 an, dass er Leonard mehr helfen müsse. Gasol wirkt bei genauem Hinschauen allerdings wie das größere Problem.

Genau wie Lowry ist Gasol jemand, der lieber abspielt als wirft. Beide werden dadurch einerseits zu angenehmen Mitspielern, gerade Gasol wandelte aber schon in Memphis immer wieder an der Grenze zur Wurfverweigerung. In diesen Playoffs hat der Spanier noch in keinem einzigen Spiel mehr als neun Würfe genommen, gegen die Sixers erzielt er bisher 6,7 Punkte bei 30 Prozent aus dem Feld.

Schlimmer als diese Zahlen ist aber die Zögerlichkeit. Philly kann gegen Leonard aushelfen, weil Gasol selbst offenste Würfe nur widerwillig nimmt, bei Lowry ist es ähnlich. Während sie nach dem nächsten Pass suchen, statt konsequent zum Wurf hochzusteigen oder zu penetrieren, kann sich die Sixers-Defense wieder sortieren. Es gibt kaum Fluss in der Raptors-Offense, und genau das spielt den Sixers in die Karten.

Toronto Raptors: Noch immer nicht eingespielt?

Womöglich profitieren die Sixers hier auch davon, dass Leonard, Lowry und Gasol in der Regular Season nicht oft zusammen auf dem Court standen (Shoutout an Load Management) und keine großartige Chemie etablieren konnten. Während Leonard neben Kevin Durant bisher der beste Playoff-Spieler ist, wirkt er dabei nicht immer wie ein Teil des Teams, sondern bisweilen wie eine losgelöste, isolierte Entität.

Wie dem auch sei: Toronto kann diese Serie nicht gewinnen, wenn zwei der vier besten Spieler keine Gefahr ausstrahlen. Niemand verlangt von Gasol oder Lowry, dass sie 25 Würfe pro Spiel nehmen, aber sie müssen zumindest dafür sorgen, dass die Sixers sie als Scorer respektieren. Sonst können diese sogar noch mehr Druck auf Leonard ausüben.

Als Variante dürfte Gasol auch gelegentlich in den Post gehen, gerade in den Minuten, die Kawhi auf der Bank verbringt. Ohne Leonard geht bisher nämlich überhaupt nichts: Die Raptors hatten in seinen 27 Bank-Minuten ein Net-Rating von -53, was so fürchterlich ist, dass man nur Ron Burgundy zitieren kann: "Ich bin gar nicht wütend, das ist unglaublich."

So spielen die Raptors mit und ohne Kawhi Leonard

MinutenOffensiv-RatingDefensiv-RatingNet-Rating
Leonard ON Court117110,7103,4+7,2
Leonard OFF Court2754,1106,6-52,5

Insbesondere die Offense ist ohne Leonard katastrophal. Die Raptors haben mit dem Gasol-Trade und der Verletzung von O.G. Anunoby an Tiefe verloren, dazu spielen Serge Ibaka, Fred VanVleet und Norman Powell zur absoluten Unzeit alle katastrophal. Dass eine ausgedünnte Bank wie die der Sixers in diesem Fall richtiggehend dominiert, darf nicht passieren. Die Tiefe galt mal als absolute Waffe der Raptors.

Auch hier ist vor allem Lowry gefragt, der in der Regular Season in den Minuten ohne Kawhi auf dem Court ein Net-Rating von +13,1 aufwies. Vielleicht muss Head Coach Nick Nurse hier auch sein Staggering überdenken: In den Playoffs stand Lowry bisher 31,3 Minuten mit Leonard auf dem Court und nur 5,5 Minuten ohne ihn. Einer von beiden sollte aber wohl immer auf dem Court stehen, andere primäre Ballhandler hat Toronto eigentlich nämlich nicht (Jeremy Lin vielleicht?!).

Welchen Konter hat Nick Nurse parat?

Nurse hat bisher generell noch nicht viel Flexibilität bewiesen. Seine Starting Five bleibt zu Beginn des Spiels länger drauf als die der Sixers und es gibt weniger Staggering, noch immer gibt es in jedem Spiel Minuten, in denen Embiid auf dem Court steht und Gasol draußen sitzt. Der Spanier hat zwar Probleme gegen das Pick'n'Roll, im direkten Duell trifft Phillys bester Spieler gegen ihn trotzdem nur 33 Prozent aus dem Feld. Genau für dieses Matchup hat Toronto für Gasol getradet - warum spiegelt man also nicht einfach seine Minuten mit denen von Embiid?

Nach der Serie gegen Boston stand Brown letztes Jahr selbst viel in der Kritik, aktuell ist er aber der kreativere, weil auch mutigere Coach im Vergleich mit Nurse. Die Sixers erwecken den Anschein, dass sie genau zum richtigen Zeitpunkt ihre Identität und ihre Rollen finden. Die Raptors wirken mit Ausnahme Leonards verunsichert und müssen nun Lösungen finden.

Sie sind nicht das gleiche Team wie früher, wurden in den Spielen 2 und 3 aber von alten Problemen eingeholt. Und diesmal kommt noch das Problem hinzu, dass die Free Agency und damit der Abgang des besten Spielers bei einem erneuten Scheitern droht. In Spiel 4 steht nicht nur (wahrscheinlich) die Serie, sondern auch die Zukunft des Teams auf dem Spiel.

Wir alle erinnern uns noch, wie die Raptors in den letzten Jahren in solchen Situationen reagiert haben - sie sind in sich zusammengefallen. Und dieses Mal?

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