-->
Cookie-Einstellungen
Suche...
NBA

NBA Legenden-Serie: Bill Walton - Ein Leben voller Schmerzen

Bill Walton war der vielleicht beste Spieler der Portland Trail Blazers aller Zeiten.
© getty

Walton: Zwischen Himmel und Hölle

Die Blazers waren fortan Volkshelden, vergessen war die Zeit, als Walton nur in zivil an der Seitenlinie saß. Und es ging auch so weiter: Von den nächsten 60 Spielen gewannen die Blazers 50, doch dann fiel das Kartenhaus ineinander zusammen. Waltons Fuß meldete sich wieder und der später gekürte MVP musste den Rest der Saison erneut zuschauen. Portland erholte sich davon nicht und beendete die Regular Season mit 8-22, was aber dennoch zur besten Bilanz im Westen reichte.

Es wartete der Rivale aus Seattle, die Sonics hatten sich in der Runde zuvor gegen die Lakers durchgesetzt und ganz Portland hoffte auf eine Rückkehr des Franchisespielers. Die Blazers hatten Walton immer nur als Day-to-Day gelistet und heizten damit die Spekulationen an, dass dieser zurückkehren würde, obwohl er weiterhin große Schmerzen hatte.

In Spiel 1 der Serie fehlte der Center noch, doch für die zweite Partie ließ sich Walton gegen seine Grundsätze fit spritzen. Er hielt 15 Minuten durch, dann landete Walton nach einem Rebound auf seinem lädierten Fuß und der Knochen brach auseinander - wie auch alle Träume im malerischen Oregon.

Rechtsstreit beendet das Kapitel Portland Trail Blazers

Es war die letzte Partie, die Walton für Portland bestreiten sollte. Nun erkannte auch die medizinische Abteilung das Ausmaß der Verletzung. "Seine Füße waren nicht normal", erinnerte sich später Teamarzt Dr. Robert Cook, der eigentlich gut mit Walton befreundet war. "Es sah immer aus, als ob er High Heels tragen würde, weil seine Sohle nicht gerade war. Sein Knöchel war zudem mit dem Fuß eng verbunden, was ihn sehr anfällig machte. Als wäre das nicht genug, hatte er außerdem riesige Zehen. Es ist ein schlechter Witz, denn ansonsten war sein Körper makellos."

Die Freundschaft der beiden zerbrach. Walton machte die medizinische Abteilung der Blazers für seine Verletzungen verantwortlich, die seiner Meinung nach über Jahre die Probleme ignorierten, den Center zum Spielen zwangen und darüber hinaus nicht angemessen behandelten.

Die Situation eskalierte: Walton verlangte einen Trade, dem Portland aber nicht zustimmen wollte. "Es fehlte an Respekt, an Vertrauen. Ich konnte unter diesen Bedingungen nicht mehr mit diesen Leute arbeiten", erklärte Walton sein Verhalten. Aus Protest setzte er die komplette Saison 1978/79 aus und verklagte gar die Blazers und deren Ärzte.

Walton: Verlorene Jahre bei den Clippers

Für Walton war es indes keine leichte Entscheidung. Wie er immer wieder betonte, liebte er seine Mitspieler, die Fans und das Gefühl, als Blazer auf dem Feld zu stehen. Es blieb jedoch nichts davon übrig. Stattdessen unterschrieb Walton bei den San Diego Clippers in seiner Heimat und hoffte auf die Wende. Sie kam jedoch nicht.

Zwar war die Euphorie rund um die Franchise riesig, als der verlorene Sohn heimkehrte, doch Walton musste sich weiterhin zahlreichen Operationen unterziehen und absolvierte für die Clippers in fünf Jahren gerade einmal 167 Spiele. "Ich war bei gefühlt jedem Arzt, habe mich unzähligen Behandlungen unterzogen, aber nichts schlug an." Noch schwerer traf Walton jedoch, dass das Team 1981 an einen gewissen Donald Sterling für 12,5 Millionen Dollar verkauft wurde, der das Team drei Jahre später nach L.A. verfrachtete.

"Wenn man in seiner Heimatstadt versagt, ist es das Schlimmste, was passieren kann", so Walton. "Ich wünschte, dass es hier noch NBA-Basketball geben würde, aber das ist nicht der Fall und ich bin daran schuld. Es ist die größte Enttäuschung in meinem gesamten Leben."

Walton machte den Umzug dennoch mit und es trat tatsächlich Besserung ein, weil nach weiteren Operationen der Fuß wieder halbwegs hergestellt war. 67 Spiele konnte der Center 1984/85 absolvieren, so viele wie nie zuvor, auch wenn er bei weitem nicht mehr die Dominanz vergangener Tage ausstrahlte und nur 10,1 Punkte und 9 Rebounds pro Partie auflegte.

Walton: Ein letztes Hurra mit den Boston Celtics

Nach der Saison klingelte Walton dann bei Red Auerbach und den Boston Celtics durch, um als Bankspieler noch einmal die Chance zu bekommen, um einen Titel mitzuspielen - es wurde ein riesiger Erfolg. Ohne großen Druck blühte der Rotschopf als Sixth Man hinter Robert Parish und Kevin McHale auf, mit Larry Bird verstand er sich auf dem Feld aufgrund des enormen Spielverständnisses beider Spieler blind. Der sonst so distanzierte Bird bezeichnete Walton gar als den besten Passgeber, den er je gesehen habe.

Walton wurde in der magischen Celtics-Saison zum Maskottchen der Celtics und gewann nebenbei auch noch den Titel des besten Bankspielers. Nicht wenige sehen die 86er Celtics, welche in den Finals die Houston Rockets mit 4-2 schlugen, noch heute als das beste Basketball-Team aller Zeiten an. Walton hatte mit inzwischen 33 Jahren einen großen Anteil daran, da er ein ohnehin schon großartiges Team noch auf ein neues Level heben konnte.

"Nach all den Jahren, die ich wegen Verletzungen verloren hatte, fühlte ich mich in diesem Jahr wie neu geboren. Das machte es zu einem so besonderen Jahr." Es sollte gleichzeitig das letzte Hurra gewesen sein. Ein Jahr später streikte erneut der Fuß und in den Playoffs war der Center keine Hilfe mehr, als Boston in den Finals gegen die verhassten Lakers verlor. Noch zwei weitere Spielzeiten versuchte Walton ein Comeback, machte áber nach den Playoffs 1987 kein Spiel mehr. Im Februar 1990 beendete er endgültig seine Karriere.

Die Statistiken von Bill Walton in der NBA

SaisonTeamSpieleMinutenPunkteReboundsAssistsBlocks
1974/75Blazers3532,912,812,64,82,7
1975/76Blazers5133,116,113,44,31,6
1976/77Blazers6534,818,614,43,83,2
1977/78Blazers5833,318,913,25,02,5
1979/80Clippers1424,113,99,02,42,7
1982/83Clippers3333,314,19,83,63,6
1983/84Clippers5526,812,18,73,31,6
1984/85L.A. Clippers6724,610,19,02,32,1
1985/86Celtics8019,37,66,82,11,3
1986/87Celtics1011,22,83,10,91,0

Walton: Nach Schmerzen folgt das Happy End

Doch auch nach seinem Retirement ließen die Schmerzen nicht nach, Walton reihte Operation an Operation. Einmal traf er Abdul-Jabbar auf einer Party und fragte diesen, die wie vielte OP er gerade hinter sich hatte. Kareem sagte, es wäre seine erste gewesen, Walton hatte zu diesem Zeitpunkt schon 37 hinter sich. Walton suchte Ablenkung, er wechselte ins TV-Business und arbeitete an seinem Stottern, welches inzwischen nicht mehr existent ist. Doch auf Höhen folgten stets Tiefen. Die Schmerzen kehrten zurück und führten zu den besagten Selbstmord-Gedanken.

"Ich war in meinem Fitness-Raum in meinem Haus und hatte gerade trainiert", erinnerte sich Walton. "Ich wollte in die Küche gehen, konnte aber keinen einzigen Schritt mehr machen und kroch deswegen zurück ins Haus. Ich konnte nicht mehr ohne Krücken laufen."

Es ist die tragische Geschichte eines Mannes, der seinen Füßen zum Opfer fiel. Am Ende seiner NBA-Karriere stehen zwei Titel, ein Finals- und ein normaler MVP-Titel sowie die Auszeichnung zum Sixth Man of the Year. Über 13 Jahre spielte Walton gerade einmal 460 Partien und setzte somit mehr aus, als dass er auf dem Feld stand. In seiner Prime war der Kalifornier auf einer Höhe mit Kareem, wenn nicht gar darüber.

Kaum ein Center war so variabel, konnte so viele verschiedene Dinge auf dem Court. Elitär in der Verteidigung, ein vielseitiger Scorer, wenn er gefragt war, sowie mit einer Übersicht gesegnet, wie sie nur wenige Bigs hatten. Wäre Walton fit geblieben, würde sein Name stets mit den Granden wie Russell, Chamberlain, Kareem oder Shaq genannt werden. Stattdessen wird Walton in der Diskussion um die besten Center aller Zeiten meist außer Acht gelassen.

Der späte Frieden auf dem Fahrrad

Das nagte an dem Mann, der das Spiel wie kaum ein anderer liebte und beherrscht. Als Bill Simmons den Mountain Man im Jahr 2008 für sein Book of Basketball traf, war Walton ein gebrochener Mann, der das preisgekrönte Buch The Breaks of the Game von David Halberstam über die Blazers der 70er einfach nicht lesen konnte. Er wüsste, wie es endet, so die Erklärung von Walton.

Zehn Jahre später scheint Walton seinen Frieden gefunden zu haben. Er arbeitet wieder als TV-Experte, sitzt bei zahlreichen Benefiz-Radrennen selbst auf dem Drahtesel und genießt die Sonne Kaliforniens. Die Schmerzen im Fuß sind aufgrund alternativer Behandlungen besser geworden, zudem hat er, wie er in seinem treffend betitelten Buch Back from the Dead beschrieben hat, gelernt, damit umzugehen.

Nach etlichen dunklen Jahren hat der Mensch Bill Walton wieder einen Sinn in seinem Leben gefunden, den er lange verloren hatte. Angesichts seiner langen Leidenszeit ist das vermutlich noch viel höher einzuschätzen als alles, was er auf dem Feld erreicht hat.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung