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NBA Legenden-Serie: Willis Reed - Oh Captain, My Captain!

Willis Reed war einer der besten Rebounder der NBA-Geschichte
© getty

Dank Bellamy auf der falschen Position

Reed war aber weit mehr als ein Enforcer - und das zeigte sich mit der Zeit immer mehr. In seiner ersten Postseason 1967 etwa steigerte Reed seinen Punkteschnitt von 20,9 auf 27,5 Punkte und deutete an, dass die große Bühne ihm durchaus lag. Und das, obwohl er damals noch auf der falschen Position Power Forward spielen musste, da die Knicks an Walt Bellamy auf Center festhalten wollten.

Ab 1967 wendete sich das Blatt jedoch. Während der Saison übernahm der spätere Meistercoach Red Holzman das Team von Dick McGuire und führte das Team zur ersten positiven Bilanz in Reeds Karriere. Nicht ganz unbeteiligt daran waren auch die Rookies Frazier und Bradley - und auch ein gewisser Hustle-Player namens Phil Jackson debütierte in dieser Saison. Auch wenn dieser heutzutage nicht mehr "ganz" so beliebt in New York ist wie seine damaligen Mitspieler.

Im Dezember 1968 erfolgte dann der letzte und vielleicht wichtigste Move auf dem Weg zum Topteam. Bellamy wurde für DeBusschere getradet, was für Reed in zweierlei Hinsicht perfekt war. Einerseits war der Power Forward ein Vorzeige-Hustler und nahm ihm beim Rebounding und defensiv einige Last von den Schultern - andererseits war er ein Power Forward.

"Seit dem Trade fühle ich mich wie ein ganz neuer Mensch", sagte Reed damals. "Center ist meine Position." Und er sollte sie von nun an auch nicht mehr abgeben. Dieser Trade war der Grundstein für die beste Zeit von Reeds Karriere - und die beste Zeit der Knicks-Franchise.

Zweiter Titel, dann Karriereende

1969 war in den Playoffs gegen die Celtics noch Endstation, im folgenden Jahr passte dann alles - die Knicks holten nicht nur die beste Bilanz der Liga, sie holten sich auch den Titel. 1972 erreichten sie ein weiteres Mal die Finals, verloren ohne Reed, der in der gesamten Saison nur elf Spiele absolvierte, aber gegen die Lakers - 1973 revanchierten sie sich prompt und Reed schnappte sich seinen zweiten Finals-MVP-Award.

Über andere Center dieser Zeit ist mehr geschrieben und gesprochen worden, was angesichts der kurzen Blütezeit Reeds auch verständlich ist. Beim zweiten Knicks-Titel war Reed schon kein All-Star mehr, während der Saison danach beendete er seine Karriere. Er konnte in seiner besten Zeit aber mehr als nur mithalten.

In den Playoffs 1969 und 1970 absolvierte Reed fünf Serien gegen Wes Unseld (zweimal), Russell, Chamberlain und Kareem Abdul-Jabbar und legte dabei 25 Punkte und 14 Rebounds im Schnitt auf - und sein Team gewann vier der Serien. Seine Größennachteile kaschierte er beeindruckend mit enormer Kraft und Einsatzwillen - und einem für die Zeit extrem guten Jumper.

Vorreiter moderner Big Men?

Gerade aufgrund letzterer Eigenschaft darf man davon ausgehen, dass Reed auch im heutigen Spiel recht gut klarkommen würde - die Knicks dieser Zeit gelten aufgrund ihrer selbstlosen Offense, ihrer vielen Cuts und der Blöcke abseits des Balles ohnehin ein wenig als Vorreiter des modernen Stils, auch wenn es zu Reeds Zeiten keine Dreierlinie gab. Seinen Hang zur Prügelei hätte er sich freilich abgewöhnen müssen.

Mit relativ großer Sicherheit aber hätte Reed von der heutigen Medizin profitiert. Mit gerade einmal 31 Jahren war sein Körper, gezeichnet von Verletzungen an Knie, Rücken und (wie erwähnt) Oberschenkel, nicht mehr bereit für NBA-Basketball.

Nach bloß zehn Jahren in der NBA hörte Reed auf, gezeichnet von einer Zeit, in der die Teams noch mit dem Bus quer durchs Land fuhren und die Sneaker eher an die Sandalen eines Römischen Soldaten erinnerten denn an einen Schuh von Air Jordan.

"Er macht einen auf Willis Reed"

Reeds "Erbe" ist - vor allem dank Game 7 - dennoch gesichert: "Ich erinnere mich an ein Playoff-Spiel der Celtics, das ich gesehen habe, in dem sich Paul Pierce verletzte, dann aber zurückkam", sagte Reed 2010 zu ESPN. "Die Kommentatoren sagten: 'Er macht einen auf Willis Reed.' Das ist irgendwie schön, als Synonym für so etwas zu gelten."

Bis heute spielt Reed seine Bedeutung in diesem Spiel allerdings herunter und verweist stattdessen auf die Rolle der Fans. "Ich habe eine Standing Ovation bekommen", erinnerte sich Reed an den Moment, in dem er die Halle betrat. "Und ich denke nur: Jetzt bist du hier und musst gegen den besten Big Man aller Zeiten spielen. Aber das war großartig. In so einer Situation sind die Fans sehr wichtig, um das Team zu motivieren."

Dass jeder andere Mensch - egal ob Mitspieler, Gegner oder Fan - darauf schwört, dass er dieses Spiel entschieden hat und niemand sonst, hat Reed noch nie interessiert. Kein Wunder, dass sie sich in New York nach einem Captain wie ihm sehnen.

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