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NBA-Legendenserie - David Thompson: Der Skywalker - Michael Jordans großes Vorbild

David Thompson

David Thompson: 73 Punkte reichen nicht zur Scoring-Krone

Doch es waren nicht nur seine körperlichen Voraussetzungen, die ihn einzigartig machten. Thompson besaß ebenso einen tödlichen Sprungwurf aus der Mitteldistanz, was ihn beispielsweise von Erving unterschied, der nie einen solchen Wurf entwickeln konnte. Es war ein Albtraum, den Skywalker zu verteidigen, vor allem wenn dieser auch noch seine Jumper mit traumwandlerischer Sicherheit traf. Über kleinere Verteidiger warf er mit Leichtigkeit drüber, größere Gegner bezwang er mit seiner Explosivität.

Kein Wunder also, dass Thompson auch nach dem Zusammenschluss von ABA und NBA im Jahr 1977 weiter dominierte. In seinen ersten fünf Jahren in Colorado legte der Guard 25,2 Punkte im Schnitt auf bei Quoten über 50 Prozent. 1977 und 1978 wurde er ins All-NBA First Team gewählt und kam obendrein zu All-Star-Ehren.

Den Höhepunkt markierte der letzte Spieltag der Regular Season im Jahr 1978. Thompson kämpfte mit Gervin von den San Antonio Spurs um die Scoring-Krone und der Spieler der Nuggets musste vorlegen. Und wie er das tat: Zur Pause standen 51 Punkte gegen die Detroit Pistons zu Buche.

Sein Trainer Larry Brown dazu: "Er hat es nicht erzwungen, sondern einfach nur seine Würfe getroffen. Er traf 20 von 23, wobei er die letzten beiden Würfe vor der Halbzeit daneben setzte. Es ging ihm nicht nur um den Titel. Er wollte das Spiel gewinnen." Am Ende standen 73 Punkte (28/38 FG) auf dem Statistikbogen. Nur Wilt Chamberlain erzielte bis dahin mehr Zähler in einem Spiel. Der Iceman machte aber auch 63 Zähler und sicherte sich so den Titel im knappsten Rennen um die Punktekrone aller Zeiten.

David Thompson: Mo Money, Mo Problems

Thompson war nun endgültig in aller Munde. Obwohl er in Denver für eine kleine Franchise spielte, war er im ganzen Land ein Star. Er sah gut aus, gab sich charismatisch und war in der Community in Colorado äußerst aktiv. Noch im Sommer unterschrieb der Shooting Guard den bestdotiertesten Vertrag der NBA-Geschichte. Vier Millionen Dollar für fünf Jahre waren im Jahr 1978 eine gigantische Summe.

Doch mit dem Geld stieg auch der Druck. Die Nuggets scheiterten zweimal früh in den Playoffs und auch 1979 war gegen die Lakers in der ersten Runde Schluss. In den kommenden beiden Jahren verpasste Denver gar die Postseason. Thompson wurde verletzungsanfälliger und fand in Kokain und anderen Drogen einen Ausgleich zu den immensen Erwartungen. Er war zu dieser Zeit kein Einzelfall: Die NBA kämpfte mit massiven Drogenproblemen, die erst 1984 mit der Inthronisierung von David Stern als Commissioner eingedämmt wurden.

Für Thompson kamen diese Maßnahmen jedoch zu spät. 1982 wurde der Skywalker zu den Seattle SuperSonics getradet. Dort erhielt der einstige Star zwar 1983 nach vier Jahren noch einmal eine Einladung für das All-Star Game, doch die Probleme mit Drogen und durchzechten Nächten blieben. Sein Spiel wurde lethargisch, er verlor an Gewicht. Nur noch wenig erinnerte an den so dominant auftretenden Spieler, der er noch vier, fünf Jahre zuvor war.

David Thompson: Verhängnisvolle Treppe

Mit Mitte/Ende 20 erreichen viele Spieler ihre Prime, bei Thompson regierte derweil der Zerfall einer Ausnahmeerscheinung. Seine Zahlen gingen in den Keller, in Seattle kam er gar nur noch von der Bank. In der Saison 1983/84 legte er nur noch 12 Punkte im Schnitt auf und spielte lediglich 19 Partien.

In einem Nachtclub in Manhattan, dem sagenumwobenen Studio 54, in dem sich zahlreiche Hollywood-Stars die Klinke gaben, endete die Karriere des Skywalkers auf tragische Art und Weise. Bei einer Auseinandersetzung wurde DT die Treppe herunter gestoßen. Er verletzte sich dabei so schwer am Knie, dass er nie wieder in der NBA auflaufen konnte: Karriere-Ende mit 29 Jahren. Ein Comeback-Versuch bei den Indiana Pacers scheiterte kläglich.

Auch nach seinem erzwungenen Rücktritt fand Thompson lange nicht zurück in die Spur. Alkohol und andere Drogen waren eine grausame Spirale für den einst fliegenden, und doch so tief gefallenen Superstar. Erst in den 90ern fand Thompson durch einen Pastor und den Glauben an Gott zurück ins Leben. Inzwischen setzt er sich wohltätig in North Carolina ein und hilft Kindern, indem er seine Lebenserfahrungen weitergibt.

David Thompson: Seine Statistiken in der NBA und ABA

SaisonTeamSpieleMinutenPunkteFG%ReboundsAssists
1975/76Nuggets (ABA)8337,426,051,56,33,7
1976/77Nuggets8236,625,950,74,14,1
1977/78Nuggets8037,827,252,14,94,5
1978/79Nuggets7635,124,051,23,63,0
1979/80Nuggets3931,821,546,84,53,2
1980/81Nuggets7734,025,550,63,73,0
1981/82Nuggets6134,014,948,62,41,9
1982/83SuperSonics7520,415,948,13,63,0
1983/84SuperSonics1928,712,653,92,30,7

David Thompson: "Habe es weggeschmissen"

"Ich hatte die Fähigkeiten, einer der größten Spieler der Geschichte zu werden, aber ich habe es weggeschmissen", sagte Thompson im Rückblick auf seine Karriere, wohlwissend, dass die NBA eines ihrer größten Talente ihrer Existenz an weißes Pulver, Pillen und Alkohol verloren hatte.

Dennoch geriet der Skywalker in der Familie der Association nie in Vergessenheit, auch wenn er nur neun Jahre durch die Hallen flog. Ex-Teamkollege Dan Issel ist sich sicher: "Wenn David so lange gespielt hätte, wie er konnte, würde man ihn heute im selben Atemzug mit Michael Jordan nennen."

Auch Jordan selbst sparte nie an Lob, wenn es um David Thompson ging: "Ich hatte vor ihm noch nie einen Spieler seiner Größe gesehen, der so springen konnte und so kreativ war wie er." Deswegen war es nur folgerichtig, dass der Skywalker die Laudatio auf His Airness und dessen Einführung in die Hall of Fame hielt Der einstige Nuggets-Coach Brown brachte es in der Doku Skywalker auf den Punkt: "David Thompson war Michael Jordan, bevor Michael Jordan da war."

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