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NBA

NBA-Legende Dennis Rodman: Putzmann, Bad Boy, des Diktators bester Freund

Dennis Rodman feierte im Trikot der Chicago Bulls drei Meisterschaften

Zirkusclown in Dallas

Rodman wollte nicht akzeptieren, dass sich seine Zeit in der NBA dem Ende näherte. In Dallas, seiner Heimat, wagte er mit 38 Jahren einen letzten Anlauf. Die Fans kamen in Scharen. Doch auch an der Seite von Dirk Nowitzki, Steve Nash und Michael Finley suchte er vergebens nach einem Gefüge, das ihn aufnahm und ihm half, aufzublühen wie einst in Detroit und Chicago.

Ganze zwölf Spiele dauerte seine Liaison mit den Mavericks, in denen er zweimal vom Feld flog und sich völlig danebenbenahm, bis ihn Dallas vor die Tür setzte. "Er wollte nie ein Maverick sein", sagte Nash später: "Daher war er auch nie wirklich motiviert."

Im Sog

Fortan versuchte Rodman, sich mit einem Leben ohne Basketball zu arrangieren. Doch inmitten einer weiteren komplizierten Ehe mit Michelle Moyer, mit der er zwei Kinder bekam, nahmen die Drogenexzesse und Sex-Partys nur noch zu. Rodman feierte tagaus tagein, umgeben von immer zwielichtigeren Gestalten, die seine Großzügigkeit ausnutzten.

Nach einer durchzechten Nacht in einem Stripclub von Vegas endete ein betrunkener Stunt-Versuch mit dem Motorrad an einem Betonpfeiler. Zum Glück kam Rodman mit ein paar Blessuren und Stichen davon, doch der Unfall war für viele in seinem Umfeld genug.

"Mehr konnten wir nicht aushalten"

"Ich habe gemerkt, dass ich ihn nicht ändern kann", so Moyer: "Und er konnte sich nicht für mich ändern. Also verließ ich ihn." Sein langjähriger Freund Thaer Mustafa berichtete: "Mehr konnten wir nicht aushalten, also setzten wir ihm ein Ultimatum. Entweder er hörte auf zu trinken oder wir waren fertig miteinander."

Rodman lenkte ein, machte einen Entzug, wurde nüchtern und clean. Michelle und er rauften sich zusammen und im Kreise seiner Familie legte Rodman Stück für Stück die Maske ab, die er so lange getragen hatte. Langsam, ganz langsam kam der Dennis von früher wieder durch. Zerbrechlich, emotional. Auch wenn sein Leben nicht ohne Rückschläge und Komplikationen blieb und er sich nur langsam daran wagte, seinen Kindern ein guter Vater zu sein. Der Vater, den er nie gehabt hatte.

Ende 2003 stand er auf der Suche nach einer Stütze wieder in der Halle. Er suchte bei dem Einzigen, das ihm in seinem Leben zeitweise Halt gegeben hatte: Basketball.

The Mentor

Rodman arbeitete verbissen für sein Comeback. In der im Jahr 2000 gegründeten ABA war Rodman nicht mehr Dennis "The Menace", er war Dennis "The Mentor" und führte seine Long Beach Jam teils auf dem Feld, teils an der Seitenlinie zur Meisterschaft.

"Viele Leute haben gedacht, dass ich so etwas nicht könnte. Aber ich wollte es ihnen zeigen", sagte Rodman später: "Ich wollte ihnen zeigen, dass ich rausgehen und ein Team coachen kann. Und die Jungs haben mir wirklich zugehört."

Nur: Kein NBA-Team wollte das Risiko mit ihm eingehen und einen 43-jährigen Bad Boy mit äußerst fragwürdigem Renommee zurückholen. Mit vereinzelten Partien in England und Finnland endete schließlich auch der Spätherbst von Rodmans Karriere.

Gefangen im eigenen Schatten

Rodmans Exzesse überschatten noch heute eine große, eine überragende Basketball-Laufbahn. Deshalb wurde seine Aufnahme in die Hall of Fame von vielen Spielern und Beobachtern so kritisch gesehen.

Dass sich Rodman bei Commissioner David Stern zu Beginn seiner Rede in Springfield dafür bedankte, dass er ihn für die Zeremonie überhaupt ins Gebäude gelassen hatte, war nur zur Hälfte ein Scherz. Doch von der schillernden Figur, die er einst verkörpert hatte, zeugte einzig sein extravagantes Outfit.

Dennis Rodman: Ehrliche Worte

Er nutzte die Bühne nicht, um die Werbetrommel für seine neuesten Projekte zu rühren, nicht um seine herausragenden Fähigkeiten zu loben. Er erzeugte keine Aufregung wie bei seinen umstrittenen Besuchen in Nordkorea, wo er Diktator Kim Jong-Un als "Freund fürs Leben" bezeichnet hatte. Stattdessen wollte er zwischen seinen zahlreichen Schluchzern nur über die Menschen sprechen, die er als Familie bezeichnete.

Über James Rich, der ihn als Jugendlicher aufgezogen hatte. Über seine Mutter, der er nie ein guter Sohn war. Über seine Frau, die seine Kinder fast allein großziehen musste. Und über Chuck Daly, Jerry Buss und Phil Jackson. Drei Menschen, die für ihn da waren, wie sonst niemand auf dieser Welt.

Rodman war fragiler, als es den Anschein hatte. Hinter der Fassade, hinter dem Freak, den er dargestellte, stand stets ein Junge, der eigentlich nur Anschluss und Bestätigung suchte - und der auf seine ganz eigene Weise damit umging.

Doch bei all seinen Ausschweifungen und Eskapaden darf nicht vergessen werden, was Rodman ausmachte: Er war stets ein Kämpfer mit Herz und Leidenschaft. Und einer der besten Rebounder und Verteidiger in der Geschichte der NBA.

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