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NBA

"Ich bin böse"

Von Interview: Jan-Hendrik Boehmer
Metta World Peace ist für sein emotionales und hartes Spiel bekannt
© getty

Metta World Peace ist nach einem Jahr Unterbrechung zurück in der NBA und soll die Los Angeles Lakers wieder auf Kurs bringen. Im Interview spricht der 36-Jährige über sein Ego, Kritik an Kobe Bryant - und Erziehungsmaßnahmen für Rookies.

SPOX: Metta, nach einem Jahr im Ausland sind Sie wieder zurück in der NBA - und das ausgerechnet bei den Lakers. Wie wichtig war es für Sie, dem Team, mit dem Sie 2010 Ihren einzigen Titel gewannen, jetzt beim Rebuild zu helfen?

Metta World Peace: Sehr. Ich habe den Lakers meine besten Jahre zu verdanken - jetzt kann ich etwas zurück geben. Wir haben die Chance, etwas Großes aufzubauen, das ist ein großartiges Gefühl und eine riesige Herausforderung. Wenn wir dann irgendwann den 17. Titel gewinnen, dann werden alle sagen: "Wow, was für ein Comeback!"

SPOX: Davon ist Ihr Team derzeit allerdings weit entfernt...

World Peace: Das stimmt. Und da gibt es auch nichts zu beschönigen. Wir werden von anderen Teams zu leicht geschlagen und stehen deshalb zu Recht so weit unten. Wir müssen besser werden - und das werden wir mit der Zeit auch.

SPOX: Was genau muss sich Ihrer Meinung nach ändern?

World Peace (lacht): Ich kann hier jetzt natürlich nicht unser Geheimrezept verraten, dann könnten sich unsere Gegner ja darauf einstellen. Nein, mal im Ernst. Wenn man so viele junge Spieler im Team hat, dann ist das Gesamtbild manchmal schwer zu erkennen. Die jungen Spieler übersehen leicht, wie gut wir als Team sein könnten, wenn wir alle zusammen arbeiten würden. Leider wird es noch eine ganze Weile dauern, bis sie das sehen. Deshalb ist es unsere Aufgabe als Routiniers, ihnen dabei zu helfen.

SPOX: Coach Byron Scott nannte es "mangelndes Vertrauen". Woran liegt das?

World Peace: Basketball ist vielerorts ein sehr individueller Sport geworden. In den High Schools, am College, in den Nachwuchs-Ligen - überall werden einzelne Spieler hervorgehoben und auf ein Podest gestellt. Jeder Spieler, der den Sprung in die NBA schafft, war vorher irgendwo der Beste, konnte im Alleingang alles gewinnen. Doch hier in der NBA stehen sie plötzlich den Golden State Warriors gegenüber - und ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass man da nicht im Alleingang gewinnen kann.

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SPOX: Was können Sie als Mitspieler gegen diese Ego-Einstellung tun?

World Peace: Noch mehr die Führung übernehmen. Die Routiniers müssen einen noch besseren Job machen und die jungen Spieler auf die Liga vorbereiten. Nimm' beispielsweise Steph Curry. Er ist einer der besten Spieler der Welt. Viele sagen, er kann Spiele im Alleingang entscheiden. Doch auch er weiß genau, dass er den Titel nicht selbst gewinnen kann. So gut ist er nicht, niemand ist das. Deshalb ist er ein Team-Player, deshalb passt er den Ball und setzt seine Teamkollegen ein. Das müssen wir den jungen Spielern vor Augen führen. Nur dann können wir uns verbessern.

SPOX: Diese Mentorenrolle nehmen Sie also gerne an...

World Peace: Definitiv. Am Ende habe ja auch ich davon einen Vorteil. Wenn wir es richtig angehen, lernen beide Seiten voneinander. Je mehr ich den jungen Spielern helfe, desto mehr lerne ich auch von ihnen. Sie müssen uns zuhören, und wir ihnen. Nur wenn wir das schaffen, werden wir zu einem guten Team zusammenwachsen.

SPOX: Hilft Ihnen die Rolle als Mentor auch darüber hinwegzusehen, dass sie zu Beginn der Saison nur relativ wenig Spielzeit bekommen haben?

World Peace: Ich habe ein großes Ego und daran wird sich nie etwas ändern. Ob ich spiele oder nicht, ändert nichts an meinem Selbstverständnis. Natürlich ziehe ich es vor zu spielen - und ich habe zuletzt ja auch mehr Minuten bekommen - aber das spielt für mich keine Rolle mehr. Für mich geht es darum, dem Team zu helfen. Man muss das nehmen, was man geboten bekommt, und damit erfolgreich sein. Es geht nicht darum, ob ich glücklich bin oder ärgerlich. Es geht darum, besser zu werden und zu gewinnen.

SPOX: Das klingt fast nach einem neuen Metta. Wo ist Ihr Alter Ego?

World Peace: Keine Angst, der ist noch da. Ich bin ein gemeiner Spieler und sage fiese Dinge. Deshalb wirst Du mich zum Beispiel nie etwas Nettes über einen Gegner sagen hören. Damit würde ich mein Image - und damit eine meiner besten Waffen - sabotieren. Abseits des Platzes ist das etwas anderes, aber wenn es ums Spiel geht, gilt ganz klar: Ich bin böse.

SPOX: Hat Ihre Zeit im Ausland nichts an Ihrer Einstellung geändert?

World Peace: Absolut nicht. Auch im Ausland war ich immer noch sehr arrogant. In China habe ich zum Beispiel weiterhin bei jeder Gelegenheit erzählt, dass ich der beste Spieler der Welt bin. Der einzige Unterschied war, dass es ohne amerikanische Medien im Raum kaum jemand im Rest der Welt mitbekommen hat. Im Grunde habe ich aber weiter mein Ego-Ding durchgezogen, habe auf mein Talent und meine Arbeitsweise vertraut. Jedenfalls abseits des Courts. Denn in den Spielen selbst kannst Du auch im Ausland nur dann bestehen, wenn du mit deinen Teamkollegen zusammen spielst.

SPOX: Wieder in der NBA zu sein, muss aber dennoch ein besonderes Gefühl sein...

World Peace: Besonders würde ich das nicht einmal nennen. Egal wo ich spiele, ich will immer gewinnen. Der Titel ist immer das Ziel. Die Liga spielt da keine Rolle.

SPOX: Es war aber mit Sicherheit eine Herausforderung, einen Platz in der NBA zu finden. Zum ersten Mal in Ihrer Karriere haben Sie zum Beispiel keinen garantierten Vertrag. Viele glaubten sogar, Sie würden es nicht in die Regular Season schaffen...

World Peace: Das war in der Tat eine interessante Erfahrung. Mit fast 36 Jahren nach einer Auszeit noch einmal an die Tür eines NBA-Teams zu klopfen und um einen Platz im Kader kämpfen zu müssen, war nicht einfach. Und man darf jetzt nicht glauben, dass mir der Platz bei den Lakers aus alter Verbundenheit irgendwie zugeschustert wurde oder ich irgendwie einfach nur Glück hatte. Ich habe hart dafür gearbeitet.

SPOX: Wie viel harte Arbeit können Sie Ihrem Körper denn noch zumuten?

World Peace (lacht): Bis er mir sagt: "Hey, jetzt kriegst Du wirklich nichts mehr auf die Reihe". Dann muss ich vermutlich aufhören. Aber das kann noch eine Weile dauern. Einige Leute denken vielleicht, ich wäre alt - aber ich habe es noch immer drauf. Und selbst wenn meine Statistiken ein bisschen nachlassen, auf der mentalen Seite des Spiels kann ich noch immer glänzen und dem Team weiterhelfen.

SPOX: Wie sehr motiviert es Sie dabei, noch einmal mit Kobe Bryant auf dem Court zu stehen?

World Peace: Das ist für mich in der Tat eine ganz große Sache. Es wird so viel Negatives über ihn geschrieben - da will ich ihm den Rücken stärken. Kobe und ich haben eine besondere Beziehung. Ohne ihn hätte ich nie einen Titel gewonnen, ich bin mit ihm durch dick und dünn gegangen. Jetzt bin ich hier, um ihn zu unterstützen. Ich hoffe, wir können die Saison zusammen noch irgendwie genießen.

Metta World Peace im Überblick

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