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NBA

NBA Legenden-Serie: Magic Johnson - Das unsterbliche Lächeln

Magic Johnson nimmt 1987 seinen vierten Meisterschaftsring von David Stern entgegen

Rettung durch Rivalität

Selbst kühnste Optimisten hätten den Einfluss von Bird und Magic auf die Liga nicht genau voraussagen können, das ist klar. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass sie allein in den Finals dreimal gegeneinander antraten und von 1980-1988 insgesamt 8 Meisterschaften gewinnen würden. Allerdings verband die beiden eine (teilweise konstruierte) Geschichte, die man sich auch in Hollywood nicht besser hätte ausdenken können.

Hier das schwarze, immer grinsende, extrovertierte Großstadt-Kind, dass für die schillerndste Franchise der Liga spielte, mit einem Spitznamen, der ihm an der Highschool verliehen wurde und seitdem zu einer Art Lebenseinstellung wurde. Auf der anderen Seite das weiße, introvertierte Landei, das sich nur für Basketball und Bier interessierte und bei der erfolgreichsten - und in gewisser Weise provinziellsten - Franchise überhaupt, den Boston Celtics, auflief.

Larry Bird: Ein Großmeister auf dem Court

Showtime gegen Celtic Pride, Zauber gegen harte Arbeit, Schwarz gegen Weiß, Magic gegen Bird. Die beiden selbst hat dies nie interessiert; erst verband sie nur Rivalität, dann Respekt, dann eine enge Freundschaft, die bis heute besteht. Mit ihrer Liebe für das Spiel, ihren (bis heute) einzigartigen Spielstilen und eben auch ihren Hautfarben wurden sie trotzdem schlagartig zu den Gesichtern einer ganzen Sportart.

Ein goldenes Zeitalter

Und das war eine gute Sache. Erstens, weil sich zwei der besten Spieler aller Zeiten immer wieder gegenseitig pushten, um ihr Maximum herauszukratzen - binnen einer Dekade wechselte die Überhand immer wieder hin und her. Bird wurmt es bis heute, dass Magic zwei Meisterschaften mehr als er gewonnen hat, wie er vor Jahren bei einem gemeinsamen Auftritt bei David Letterman knirschend zugab.

Zum anderen verhalf die Rivalität der beiden Ikonen auch der NBA zu einer neuen Popularität, sie leitete gewissermaßen sogar ein goldenes Zeitalter ein und bereitete den Weg für so vieles, was nach ihr kam. Für den kometenhaften Aufstieg von Michael Jordan und späterer Stars, für etliche Errungenschaften der Ära David Stern und sogar den kürzlich unterschriebenen neuen TV-Deal.

...und dann...

Vieles davon konnte man am 6. November 1991 noch nicht wissen. Alles davon spielte einen Tag später schlagartig keine Rolle mehr. Magic gab auf einer Pressekonferenz bekannt, dass er sich mit HIV infiziert hatte. Kurz zuvor hatte er es bei einer Routine-Untersuchung zufällig erfahren und seinen guten Freund Bird angerufen, nun wandte er sich an die Öffentlichkeit und gab seinen Rücktritt bekannt.

Eine Schocknachricht, die damals niemand wirklich verstand. Es war noch kaum etwas bekannt über die daraus resultierende Krankheit AIDS, vielmehr bestanden die "Informationen" aus Stereotypen: Gefährdet sind nur Homosexuelle und Junkies, HIV und AIDS sind exakt dasselbe und laufen über kurz oder lang auf ein Todesurteil hinaus.

Für Magic war der Schock freilich der größte: Schlagartig ging es nicht mehr um seinen Sport und darum, die neueren Rivalen Isiah Thomas oder MJ auszustechen. Es ging um Leben und Tod. "Ich werde mein Leben dem Kampf gegen diese tödliche Diagnose widmen", kündigte er noch auf derselben Pressekonferenz an.

Ein Mix aus Angst und Toleranz

Was darauf folgte, war in Basketball-Kreisen ein Mix aus Trauer, Angst, Toleranz und brüderlichen Gesten. Die Fans etwa wählten ihn 1992 ins All-Star-Game, obwohl er offiziell im Ruhestand war und einige Spieler, unter anderem Karl Malone, öffentlich Bedenken äußerten.

Magic nahm dennoch teil, legte 25 Punkte auf und wurde zum MVP gewählt - am Ende des Spiels traf er einen Dreier und wurde von Spielern beider Teams in die Arme geschlossen. Bis heute der wohl schönste Moment in der Geschichte des All-Star-Weekends. Auch beim legendären Dream Team im selben Jahr war er mit dabei und konnte als Co-Kapitän erstmals seit seiner Jugend mit Bird zusammenspielen - gefeiert wurde er in Barcelona mehr als jeder andere außer MJ.

Direkt danach wollte er eigentlich auch in die NBA zurückkehren, trat von diesem Plan allerdings kurzfristig zurück; viele Spieler in der Liga hatten abermals Bedenken geäußert. Was passiert, falls sich jemand durch eine offene Wunde Magics infiziert? Die Angst und Unwissenheit war in diesem Fall stärker als das Mitgefühl. Er wolle "dem Spiel nicht wehtun", erklärte Magic.

HIV-Infizierter im Spitzensport

Als die Aufklärung über HIV auch dank ihm größer wurde, startete Magic tatsächlich noch mehrere Comebacks, erst in der NBA und später auch in Übersee. Wenngleich diese rein sportlich eher als Fußnoten zu betiteln sind, war ihre Bedeutung doch weitaus größer. Hier war ein HIV-Infizierter, der nicht nur gesund war, sondern auch in der Lage, auf höchstem Niveau Spitzensport zu betreiben.

Bei allen sportlichen und späteren finanziellen Erfolgen Magics, der als Geschäftsmann die Lektionen seines alten Mentors Buss aufgesogen hatte und heute unter anderem die Los Angeles Dodgers aus der MLB besitzt, ist dieser Erfolg im Leben letztendlich sicherlich als größter zu werten.

Botschafter der Aufklärung

Magic ist zu einer Figur geworden, die weit über den Sport hinausgeht. Er wurde zum Gesicht einer Krankheit, inspirierte mit seiner Geschichte Abermillionen von kranken Menschen und sorgte mit Geld und Engagement für die bessere Erforschung und Behandlung. Er reiste um die Welt, klärte Menschen auf, motivierte und arbeitete als Sprecher der Vereinten Nationen.

Heute wird Magic Johnson 61 Jahre alt, fast 30 Jahre nach seinem vermeintlichen Todesurteil. Er ist noch immer gesund, führt ein mehr als ausgefülltes Leben und strahlt noch immer wie damals als kleines Kind in Lansing, Michigan.

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